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Marktentwicklung: Baumwollmischgewebe leicht (CN 5210) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 5210 erfasst Gewebe aus überwiegend, jedoch weniger als 85 Gewichtsprozent Baumwolle, die hauptsächlich oder ausschließlich mit Chemiefasern gemischt sind und ein Flächengewicht von höchstens 200 g/m² aufweisen. Dieses Segment umfasst eine breite Palette von Produkten — von rohen über gebleichte, gefärbte, buntgewebte bis hin zu bedruckten Geweben in verschiedenen Bindungsarten — und findet vor allem Anwendung in der Bekleidungs-, Heimtextil- und technischen Textilindustrie. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Veränderungen, Handelspartnerdynamiken sowie Marktkonzentrationsprozesse.

Weitere Informationen zum Produktumfang und den Untercodes finden sich im Überblick auf dem Trade Dashboard.


1. Strukturelle Schrumpfung bei Importen und Exporten — die EU als dauerhafter Nettoimporteur

1.1 Rückläufige Handelsvolumina in beide Richtungen

Sowohl die EU-Importe als auch die Exporte von CN-5210-Geweben haben im Beobachtungszeitraum spürbar nachgelassen. Die Einfuhren sanken im Wert von 126,7 Mio. EUR (2015) auf 114,2 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 9,9 % entspricht. Mengenmäßig (Nettomasse) verringerten sich die Importe von 19.169 t auf 17.322 t (−9,6 %). Die Ausfuhren verloren noch deutlicher: Der Wert fiel von 112,2 Mio. EUR auf 90,2 Mio. EUR (−19,6 %), die Menge von 6.327 t auf 5.179 t (−18,1 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert, Mio. EUR) 126,7 114,2 −9,9 %
Importe (Menge, t) 19.169 17.322 −9,6 %
Exporte (Wert, Mio. EUR) 112,2 90,2 −19,6 %
Exporte (Menge, t) 6.327 5.179 −18,1 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −14,5 −24,0 −65,1 %

1.2 Sich vertiefendes Handelsdefizit

Die EU weist im Segment 5210 durchgehend ein negatives Handelsbilanz auf, das sich im Zeitraum merklich ausgeweitet hat. Während das Defizit 2015 bei −14,5 Mio. EUR lag, vertiefte es sich bis 2025 auf −24,0 Mio. EUR — eine Verschlechterung um 65,1 %. Die Exporte sind also stärker gesunken als die Importe, was auf eine zunehmende Importabhängigkeit der EU bei leichtem Baumwollmischgewebe hindeutet.

1.3 Preisentwicklung: Leichtes Importdefizit im Preisniveau

Die durchschnittlichen Importpreise (pro Tonne) lagen mit 6.591 EUR/t (2025) deutlich unter den Exportpreisen von 17.411 EUR/t. Dieser erhebliche Preisunterschied reflektiert die unterschiedliche Wertschöpfungstiefe: Die EU importiert tendenziell günstigere, weniger veredelte Gewebe und exportiert hochwertigere Produkte. Bemerkenswert ist, dass die Exportpreise im Zeitraum leicht sanken (−1,8 %), während die Importpreise nahezu stabil blieben (−0,3 %).

Detaillierte Preis- und Mengenentwicklungen sind im allgemeinen Überblick einsehbar.


2. Verschiebung der Handelsströme: Marokko und Tunesien gewinnen, die Türkei verliert an Bedeutung

2.1 Pakistan festigt seine Position als wichtigster Importpartner

Bei den Importen hat sich die Rangfolge der Lieferantenländer zwischen 2015 und 2025 substanziell verschoben. Pakistan stieg zum wichtigsten Importpartner der EU auf und steigerte seine Lieferungen von 32,6 Mio. EUR auf 41,8 Mio. EUR (+28,4 %). China blieb mit rund 33,7 Mio. EUR nahezu stabil (+0,6 %). Die Türkei, 2015 noch drittgrößter Lieferant mit 31,6 Mio. EUR, verlor deutlich und sank auf 25,2 Mio. EUR (−20,1 %).

Besonders auffällig sind die Rückgänge bei Thailand (von 6,7 Mio. EUR auf 1,3 Mio. EUR, −80,6 %) und dem Vereinigten Königreich (von 2,9 Mio. EUR auf 0,6 Mio. EUR, −78,0 %). Letzterer ist sehr wahrscheinlich auf die Auswirkungen des Brexits und die Neuklassifikation des Handels mit dem Vereinigten Königreich als Drittlandhandel zurückzuführen.

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Pakistan 32,6 41,8 +28,4 %
China 33,5 33,7 +0,6 %
Türkei 31,6 25,2 −20,1 %
Thailand 6,7 1,3 −80,6 %
Indonesien 3,8 2,2 −43,1 %
Vereinigtes Königreich 2,9 0,6 −78,0 %

2.2 Marokko und Tunesien als neue Kernmärkte für EU-Exporte

Auf der Exportseite dominieren die nordafrikanischen Partner Marokko und Tunesien zunehmend. Marokko, wichtigster Exportmarkt der EU, steigerte seine Importe aus der EU von 21,1 Mio. EUR auf 24,3 Mio. EUR (+15,6 %). Tunesien verzeichnete mit einem Plus von 43,3 % (von 8,2 Mio. EUR auf 11,7 Mio. EUR) das stärkste Wachstum unter allen bedeutenden Partnern. Diese Entwicklung spiegelt die Bedeutung der Näherei- und Veredelungsindustrie in Nordafrika wider, die als komplementäres Glied in der europäischen Textilwertschöpfungskette fungiert.

Demgegenüber stehen erhebliche Rückgänge bei den Exporten in die Türkei (−53,7 %), Nordmazedonien (−60,5 %) und die Republik Moldau (−25,4 %). Diese Länder verlieren offenbar als Bestimmungsorte für EU-Gewebe an Bedeutung, was möglicherweise mit der Verlagerung von Produktionskapazitäten oder veränderten Wettbewerbsbedingungen zusammenhängt.

2.3 Italien als dominierendes EU-Mitglied auf beiden Seiten des Marktes

Innerhalb der EU ist Italien sowohl bei Importen als auch bei Exporten der wichtigste Mitgliedstaat. Bei den Importen stiegen Italiens Bezüge von 27,2 Mio. EUR auf 34,1 Mio. EUR (+25,7 %), bei den Exporten blieben sie mit rund 33–34 Mio. EUR nahezu konstant. Spanien ist der zweitwichtigste Akteur auf beiden Seiten. Deutschland zeigt hingegen bei den Importen einen deutlichen Rückgang (von 16,6 Mio. EUR auf 10,1 Mio. EUR, −39,0 %), was auf eine mögliche Verlagerung von Beschaffungsaktivitäten oder strukturelle Veränderungen in der deutschen Textilverarbeitung hindeuten könnte.

Detaillierte Informationen zu den EU-Mitgliedstaaten finden sich unter Top-Reporter nach Wert.


3. Wachsende Konzentration und Spezialisierung bei steigender Volatilität

3.1 Zunehmende Marktkonzentration bei Importen und Exporten

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt für beide Handelsrichtungen eine deutlich steigende Konzentration. Bei den Importen stieg der HHI (nach Wert) von 2.044 auf 2.717 (+33,0 %), bei den Exporten von 733 auf 1.071 (+46,0 %). Im Importbereich bedeutet dies, dass sich die EU zunehmend auf weniger Lieferantenländer verlässt — ein Trend, der potenzielle Lieferkettenrisiken birgt.

HHI-Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert) 2.044 2.717 +33,0 %
Exporte (Wert) 733 1.071 +46,0 %
Importe (Volumen) 2.684 3.803 +41,7 %
Exporte (Volumen) 691 1.315 +90,2 %

3.2 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Im Jahr 2025 zeigt sich ein deutliches Spezialisierungsgefälle innerhalb der EU. Kroatien (RSCA: 0,71), Spanien (0,59), Portugal (0,57) und Italien (0,50) weisen die höchsten Spezialisierungsindizes auf — sie sind also besonders komparativ vorteilhaft im Export von CN-5210-Geweben. Am anderen Ende des Spektrums stehen Schweden (RSCA: −0,99), Estland (−0,97) und Dänemark (−0,94), die in diesem Segment kaum eine Rolle spielen.

Details zur Spezialisierung.

3.3 Inlandsproduktion: Mengenwachstum bei starkem Wertverlust

Die EU-Produktion von CN-5210-Geweben stieg mengenmäßig (in Quadratmetern) von 392 Mio. m² auf 463 Mio. m² (+18,0 %). Der Produktionswert sank jedoch drastisch von 2,85 Mrd. EUR auf 1,56 Mrd. EUR (−45,2 %). Dieser Widerspruch zwischen Mengen- und Wertentwicklung deutet auf einen erheblichen Preisdruck hin, der möglicherweise durch verstärkten Wettbewerb aus Niedriglohnländern oder Verschiebungen in der Produktmischung bedingt ist.

Produktionsdaten sind unter Produktionsvolumina abrufbar.

3.4 Preisschocks im Jahr 2022 und erhöhte Volatilität bei Randpartnern

Im Jahr 2022 wurden mehrere signifikante Preisschocks bei EU-Exporten festgestellt. Besonders auffällig waren die USA (Anstieg der Exportpreise um 30,2 %, Abnormalitätsindex: 152,7), Tunesien (+29,9 %) und die Ukraine (+32,0 %). Diese Schocks fallen zeitlich mit den Energiepreisanstiegen und den Lieferkettenstörungen infolge des Krieges in der Ukraine zusammen.

Bei den Importpartnern zeigt sich eine heterogene Volatilität. Thailand (Variationskoeffizient: 0,57), Indonesien (0,38), Indien (0,38) und das Vereinigte Königreich (0,70) weisen eine relativ hohe Schwankungsbreite auf, was auf instabile Lieferbeziehungen oder Mengeneffekte zurückzuführen sein kann. Die drei Kernlieferanten Pakistan (0,16), China (0,21) und die Türkei (0,14) sind vergleichsweise stabil.

Importpartner Variationskoeffizient (Wert) Volatilitätsbewertung
Pakistan 0,16 Gering
China 0,21 Gering
Türkei 0,14 Gering
Thailand 0,57 Hoch
Vereinigtes Königreich 0,70 Hoch

Volatilitäts- und Schockdaten.

3.5 Segmentaufschlüsselung: Roh- und gebleichte Gewebe als dynamischste Unterkategorien

Bei den Importen zeigt sich innerhalb der CN-5210-Unterprodukte eine differenzierte Entwicklung. Das Segment 521011 (Leinwandbindung, roh) verlor mengenmäßig am stärksten: von 5.260 t auf 1.920 t (−63,5 %). Demgegenüber stieg 521021 (Leinwandbindung, gebleicht) von 2.688 t auf 2.897 t (+7,8 %) — die einzige der führenden Importunterkategorien mit Wachstum über den gesamten Zeitraum. 521019 (roh, ausgenommen Leinwandbindung) verzeichnete ein sprunghaftes Wachstum in einzelnen Jahren, insbesondere 2019 (3.551 t) und 2022 (3.558 t), blieb aber 2025 bei 2.289 t.

Im Export dominiert 521031 (Leinwandbindung, gefärbt) mit 1.339 t und 23,6 Mio. EUR (2025), gefolgt von 521039 (gefärbt, andere Bindungen) mit 631 t und 14,3 Mio. EUR. Auffällig ist, dass die Exportpreise bei 521039 (22.693 EUR/t) und 521049 (buntgewebt, 23.360 EUR/t) deutlich über denen der Importe liegen, was die höhere Wertschöpfungstiefe der EU-Ausfuhren unterstreicht.


Fazit

Der EU-Markt für leichtes Baumwollmischgewebe (CN 5210) hat sich im Zeitraum 2015–2025 in mehrfacher Hinsicht gewandelt. Die Handelsvolumina sind in beide Richtungen gesunken, wobei die Exporte stärker betroffen waren als die Importe — mit der Folge eines sich vertiefenden Handelsdefizits. Strukturell zeigt sich eine Verschiebung der Importquellen hin zu Pakistan und eine Konzentration der Exportziele auf Marokko und Tunesien, während traditionelle Partner wie die Türkei an Bedeutung verlieren. Die wachsende Konzentration (HHI) bei Importen birgt mittelfristig Lieferkettenrisiken. Gleichzeitig verzeichnet die EU-Inlandsproduktion zwar Mengenwachstum, aber einen drastischen Wertverlust, was auf anhaltenden Preisdruck hindeutet. Die Preisschocks von 2022 und die hohe Volatilität bei einzelnen Handelspartnern unterstreichen die Notwendigkeit einer diversifizierten Beschaffungsstrategie. Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass die EU bei diesem Produktsegment zunehmend auf importierte, günstigere Halbfabrikate angewiesen ist, während die inländische Produktion sich auf hochwertigere Nischen konzentriert.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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