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Marktentwicklung: Teppiche aus Spinnstoffen (CN 57) — 2015–2025

Einleitung

Die Produktgruppe CN 57 umfasst Teppiche und andere Fußbodenbeläge aus Spinnstoffen – von gewebten und getufteten Ware bis zu geknüpften Stücken. Der folgende Bericht analysiert die Außenhandelsdaten der Europäischen Union (EU) mit Drittstaaten im Zeitraum 2015 bis 2025. Die zentrale Entwicklung ist ein struktureller Wandel: Die EU, traditionell Nettoexporteur, wird zum Nettoimporteur. Gleichzeitig verschieben sich die Partnerländer, und der Produktmix polarisiert sich zwischen hochpreisigen Ausfuhren und preiswerten Einfuhren.

Vom Exportüberschuss zum Importdefizit – Die Handelsbilanz kippt

Die EU‑Gesamtausfuhren gingen im Zeitraum 2015‑2025 um 14 % zurück, während die Einfuhren um fast 47 % stiegen.

Die Entwicklung der Gesamtströme zeigt eine deutliche Umkehr.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte (Mio. EUR) 1 782 1 533 –14,0 %
Importe (Mio. EUR) 1 309 1 920 +46,7 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) +473,5 –387,1 –181,8 %
Nettoimportabhängigkeit (in % der Inlandsnachfrage) –18,5 (2015) +5,8 (2024) +131,4 %

(Quelle: Handelsdaten im Überblick, Nettoimportabhängigkeit)

2015 erzielte die EU noch einen Handelsbilanzüberschuss von 473,5 Mio. EUR. Bis 2025 drehte die Bilanz auf ein Defizit von 387,1 Mio. EUR. Die Nettoimportabhängigkeit kletterte von –18,5 % auf +5,8 % im Jahr 2024 (2025 noch nicht vollständig erfasst), was den Übergang vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur unterstreicht.

Die heimische Produktion brach volumenmäßig um fast zwei Drittel ein.

Die EU‑Produktion von Teppichen aus Spinnstoffen schrumpfte massiv:

Indikator 2009 (erstes verfügbares Jahr) 2024 Veränderung
Produktionsmenge (m²) 860 Mio. 313 Mio. –63,5 %
Produktionswert (EUR) 4 583 Mio. 2 900 Mio. –36,7 %

(Quelle: Produktionsmengen)

Der starke Rückgang der heimischen Fertigung verstärkte den Sog für Importe und trug wesentlich zur negativen Handelsbilanz bei.

Der Außenhandelsgrad der Branche erhöhte sich um über 40 Prozentpunkte.

Die Handelsintensität (Exporte plus Importe in Relation zur Inlandsproduktion) stieg von 46,6 % (2015) auf 66,3 % (2024). Die Exportquote (Exporte/Produktion) wuchs von 35,8 % auf 48,1 % im gleichen Zeitraum. (Quelle: Handelsintensität) Die Branche ist also deutlich stärker in den internationalen Handel eingebunden als noch vor zehn Jahren, bei gleichzeitig sinkender Eigenversorgung.

Asiatische Lieferanten und der Brexit – eine Neuordnung der Partner

China und Indien bauten ihre Stellung als Hauptlieferanten massiv aus, während das Vereinigte Königreich als wichtigster Exportkunde einbrach.

Die Rangliste der Handelspartner verschob sich grundlegend.

Top‑Importpartner der EU (Wert in Mio. EUR)

Partner 2015 2025 Veränderung
China 277 513 +85,3 %
Indien 279 399 +43,0 %
Türkei 306 384 +25,3 %
Vereinigtes Königreich 115 160 +38,5 %
Vietnam 0,18 105 +59 743 %

Top‑Exportpartner der EU (Wert in Mio. EUR)

Partner 2015 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 847 543 –35,9 %
USA 213 186 –12,7 %
Schweiz 117 154 +31,0 %
Norwegen 65 81 +23,4 %
Russische Föderation 62 27 –55,8 %

(Quelle: Top‑Handelspartner nach Wert)

Vietnam ist der extremste Fall: Aus nahezu null stiegen die Einfuhren auf 105 Mio. EUR. Der Brexit traf die EU‑Exporte hart – das Vereinigte Königreich als mit Abstand größter Kunde büßte über ein Drittel seines Wertes ein. Die Ausfuhren nach Russland halbierten sich im Zuge der Sanktionen nach 2022.

Die Konzentration der Exportmärkte nahm deutlich ab, während die Importseite stabil blieb.

Der Herfindahl‑Hirschman‑Index (HHI) für Exporte fiel von 2.531 (2015) auf 1.614 (2025), ein Minus von 36,2 %, was auf eine breitere Streuung der EU‑Ausfuhren hindeutet. Der Import‑HHI veränderte sich hingegen nur leicht von 1.612 auf 1.710 (+6,1 %). (Quelle: Konzentration (HHI))

Preisliche Schocks traten 2022 vor allem bei Lieferungen aus Indien und China auf.

Die Volatilitätsanalyse identifiziert für das Jahr 2022 signifikante Preissprünge bei Importen aus Indien (Preisanstieg +15,9 % gegenüber der Basislinie 2020‑2021) und China (+35,1 %). Beide Effekte waren vorübergehend und flauten 2023‑2024 wieder ab. (Quelle: Preis‑Schocks) Vietnam sticht zudem durch eine extrem hohe Volatilität der gelieferten Menge hervor (Variationskoeffizient 1,03), was die rasante, aber unstete Hochskalierung unterstreicht.

Qualitätspolarisierung – Hochpreisige EU‑Exporte treffen auf Billig‑Importe

Getuftete Nadelflorteppiche (CN 5703) dominieren beide Handelsrichtungen.

Die segmentierte Betrachtung der CN‑Untercodes zeigt die Führungsrolle der getufteten Ware.

Produktsegment (CN) Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR)
5703 – getuftet 1 065 908 415 682
5702 – gewebt 411 366 498 744
5705 – andere 78 76 153 295
5704 – Filz 129 120 59 59
5701 – geknüpft 46 63 176 107

(Quelle: Produktsegmente im Vergleich)

Bei den Einfuhren legten vor allem getuftete und sonstige Beläge stark zu; gewebte Ware stagnierte wertmäßig leicht, während geknüpfte Teppiche stark zurückgingen. Exportseitig büßte die getuftete Ware ein Viertel ihres Wertes ein.

Die Durchschnittspreise der Exporte stiegen um 28 %, während die Importpreise um knapp 12 % nachgaben.

Die impliziten Einheitswerte entwickelten sich auseinander:

Fluss Preis 2015 (EUR/kg) Preis 2025 (EUR/kg) Veränderung
Exporte 4,07 5,07 +28,0 %
Importe 4,09 3,59 –11,8 %

(Aus dem general overview trade price, abgeleitet; die Werte entsprechen den Daten zu price der Übersicht.)

Die Schere öffnete sich besonders in den Hauptsegmenten: Bei getufteten Exporten verteuerten sich die Einheitswerte von 3,55 EUR/kg auf 4,40 EUR/kg, während die Importpreise für dasselbe Segment von 3,72 auf 3,07 EUR/kg fielen. Hochwertige Gewebe (5702) erzielten im Export sogar 9,24 EUR/kg (2025) gegenüber 3,83 EUR/kg bei Importen. Die EU veredelt und exportiert zunehmend hochpreisige Nischenprodukte, während Massenware aus Asien den Markt bedient.

Vier Mitgliedstaaten dominieren die Exportspezialisierung, allen voran Belgien und die Niederlande.

Die Analyse der relativen Exportstärke (RCA) für 2025 ergibt ein klares Bild:

Land RCA‑Wert Anteil an EU‑Exporten (2025) Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Belgien 2,21 18,7 % 704 334 –52,6 %
Niederlande 1,73 25,1 % 439 443 +0,9 %
Dänemark 2,12 3,7 % 69 75 +7,9 %
Schweden 1,71 4,1 % 44 85 +95,6 %

(Quellen: Spezialisierung (RSCA), Top‑Berichtsländer)

Belgien, traditionell der größte Exporteur, verlor über die Hälfte seines Ausfuhrwertes und wird zunehmend von den Niederlanden als zentrale Drehscheibe abgelöst. Der starke Anstieg der schwedischen Exporte deutet auf eine dynamische Entwicklung in der skandinavischen Spezialfertigung hin.

Fazit

Die EU‑Teppichbranche hat innerhalb eines Jahrzehnts einen grundlegenden Strukturwandel vollzogen. Sinkende Eigenproduktion, kräftig steigende Einfuhren aus asiatischen Schwergewichten wie China, Indien und Vietnam sowie die Einbußen in traditionellen Exportmärkten (Vereinigtes Königreich, Russland) ließen die Handelsbilanz ins Minus kippen. Die Ausfuhren konzentrieren sich stärker auf hochwertige, gewebte und spezialisierte Produkte, was im steigenden Export‑Durchschnittspreis sichtbar wird, während Massenware preiswert importiert wird. Die gestiegene Handelsintensität und die Verschiebungen in den Logistik‑Drehkreuzen (Belgien rückläufig, Niederlande stabil) erfordern ein kontinuierliches Monitoring, um Abhängigkeiten und Chancen rechtzeitig zu erkennen.