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Marktentwicklung: Konfektionierte Spinnstoffwaren (CN 63) — 2015–2025

Einleitung

Der Warengruppe CN 63 „Andere konfektionierte Spinnstoffwaren; Warenzusammenstellungen; Altwaren und Lumpen" umfasst ein breites Produktspektrum — von Bettwäsche und Gardinen über Planen und Zelte bis hin zu gebrauchter Kleidung und Lumpen. Im Beobachtungszeitraum 2015 bis 2025 hat sich der EU-Außenhandel mit dieser Warengruppe erheblich verändert: Das Handelsvolumen wuchs sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite, doch die Dynamik war stark asymmetrisch. Insbesondere die COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 verursachte eine beispiellose Störung, die das Importbild zeitweise dominierte. Dieser Bericht analysiert die wesentlichen Handelstrends, identifiziert die treibenden Akteure und bewertet die sich verändernde Vulnerabilität der EU in diesem Marktsegment. Die Analyse basiert auf den verfügbaren Jahresdaten des EU Trade Dashboards.


1. Zunehmende Importabhängigkeit der EU

Das Handelsdefizit hat sich nahezu verdoppelt

Der EU-Außenhandel mit CN 63 war über den gesamten Zeitraum durch ein erhebliches Defizit gekennzeichnet, das sich jedoch massiv vertiefte. Die Einfuhren stiegen von 8,15 Mrd. EUR (2015) auf 12,16 Mrd. EUR (2025), was einem Zuwachs von 49,1 % entspricht. Demgegenüber wuchsen die Ausfuhren lediglich von 3,38 Mrd. EUR auf 3,77 Mrd. EUR (+11,6 %). Das Handelsdefizit verschärfte sich damit von −4,78 Mrd. EUR auf −8,39 Mrd. EUR, eine Verschlechterung um 75,6 % (Handelsübersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importe (Mrd. EUR) 8,15 12,16 +49,1 %
Exporte (Mrd. EUR) 3,38 3,77 +11,6 %
Handelsbilanz (Mrd. EUR) −4,78 −8,39 −75,6 %

Mengenwachstum bei stagnierenden Preisen

Bemerkenswert ist, dass die Importe sowohl im Wert als auch in der Menge in ähnlichem Maße stiegen: Die Einfuhrmenge erhöhte sich von 1,66 Mio. Tonnen auf 2,46 Mio. Tonnen (+47,8 %), während der durchschnittliche Einfuhrpreis mit rund 4.900 EUR/t nahezu unverändert blieb (+0,9 %). Dies deutet darauf hin, dass das Importwachstum mengengetrieben war und nicht auf Preissteigerungen zurückzuführen ist. Auf der Exportseite hingegen stiegen die Mengen mit +22,0 % deutlich stärker als der Wert (+11,6 %), was einen durchschnittlichen Preisrückgang von 8,5 % (von 2.524 EUR/t auf 2.310 EUR/t) reflektiert.

Nettoversorgungsabhängigkeit vervierfacht

Der Indikator der Nettoversorgungsabhängigkeit stieg von 7,7 % im Jahr 2015 auf 45,8 % im Jahr 2025 — eine Verfünffachung (+492,2 %). Ebenso erhöhte sich die Handelsintensität von 18,9 % auf 67,2 % (+256,6 %) und die Exportneigung von 6,7 % auf 29,8 % (+347,6 %). Die EU ist damit heute wesentlich stärker in globale Wertschöpfungsketten für diese Produkte eingebunden als noch zu Beginn des Beobachtungszeitraums.


2. COVID-19 als Präzedenzfall: Der Masken-Schock von 2020

Ein beispielloser Preisschock bei Einfuhren aus China

Das außergewöhnlichste Ereignis des gesamten Zeitraums war der massive Anstieg der Importe im Jahr 2020. Die Schockerkennung identifizierte einen extremen Preisschock bei den Einfuhren aus China: Der Preis stieg um 375 %, mit einer Abnormalität von 86,1 — der mit Abstand größte registrierte Schock im Datensatz. Der Anteil Chinas an den Gesamtimporten lag in diesem Jahr bei 59,4 %.

Die Unterposition 6307 als Hauptursache

Die Segmentaufschlüsselung zeigt, dass dieser Schock fast vollständig auf die Unterposition 6307 („Spinnstoffwaren, konfektioniert, a.n.g.") zurückzuführen ist. Die Einfuhren dieser Position explodierten 2020:

Jahr Menge 6307 (t) Wert 6307 (Mio. EUR) Preis 6307 (EUR/t)
2019 402.723 2.385 5.921
2020 661.438 22.962 34.715
2021 590.810 5.383 9.111
2022 543.701 4.125 7.586

Der durchschnittliche Preis vervielfachte sich von unter 6.000 EUR/t auf fast 35.000 EUR/t, was die massive Nachfrage nach Atemschutzmasken und Schutzkleidung zu Beginn der COVID-19-Pandemie widerspiegelt. Die CN-Position 6307 dient als Auffangposition für diverse konfektionierte Spinnstoffwaren und schließt — wie die Produktauflösung zeigt — auch PRODCOM-Codes für Schutzmasken (z. B. 32.99.11.70 und 32.99.11.79) mit ein.

Nachhaltige Normalisierung ab 2022

Nach dem pandemiebedingten Höchstwert von 29,58 Mrd. EUR im Jahr 2020 normalisierte sich der Importwert wieder und erreichte 2025 mit 12,16 Mrd. EUR ein Niveau, das zwar deutlich über dem Vor-Corona-Niveau liegt, aber weit unter dem Krisenjahr. Die Menge der 6307-Importe blieb mit rund 528.000 t (2025) jedoch über dem Vorkrisenniveau von 402.723 t (2019), was auf eine bleibend höhere Nachfrage nach Hygiene- und Schutztextilien hindeuten könnte.


3. Geographische Verschiebungen: Neue Partner, neue Abhängigkeiten

Pakistan und Vietnam als große Gewinner

Unter den wichtigsten Importpartnern verzeichneten Pakistan und Vietnam das stärkste Wachstum. Die Einfuhren aus Pakistan stiegen von 1,03 Mrd. EUR auf 2,23 Mrd. EUR (+117,9 %), was Pakistan zum drittgrößten Lieferanten der EU machte. Vietnam verdoppelte seine Lieferungen von 170 Mio. EUR auf 349 Mio. EUR (+105,0 %). Bangladesch wuchs ebenfalls kräftig von 266 Mio. EUR auf 384 Mio. EUR (+44,6 %). Diese Entwicklung spiegelt die fortgesetzte Verlagerung textiler Produktionskapazitäten in süd- und südostasiatische Niedriglohnländer wider (Partnerländer-Übersicht).

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 3.198 5.082 +58,9 %
Pakistan 1.025 2.235 +117,9 %
Indien 842 1.243 +47,5 %
Türkei 1.054 1.030 −2,3 %
Vereinigtes Königreich 385 295 −23,2 %
Bangladesch 266 384 +44,6 %
Vietnam 170 349 +105,0 %

Rückläufiger Handel mit dem Vereinigten Königreich

Sowohl die Importe aus dem Vereinigten Königreich (−23,2 %) als auch die Exporte dorthin (−17,4 %) sind im Zeitraum deutlich gesunken. Die EU-Exporte ins Vereinigte Königreich — mit 445 Mio. EUR (2025) immerhin das größte einzelne Exportziel — gingen von 539 Mio. EUR zurück. Hierbei dürfte der Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt (seit Februar 2020) und die damit verbundenen Handelsreibungen eine Rolle spielen. Ein Preisschock bei Exporten ins Vereinigte Königreich im Jahr 2021 (+20,1 % Preisverschiebung, Abnormalität 19,1) unterstreicht die Marktverwerfungen nach dem Brexit.

Wachsende Konzentration der Importquellen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.026 auf 2.329 (+15,0 %), was auf eine moderate Zunahme der Konzentration hindeutet. China blieb mit Abstand der wichtigste Lieferant, wenngleich sein Anteil — abgesehen vom pandemiebedingten Spitzenjahr — schwankte. Die Exportseite blieb mit einem HHI von 679 (2025) deutlich diversifizierter. Innerhalb der EU zeigt die Spezialisierungsanalyse Portugal (RSCA: 0,50), Rumänien (0,32) und Litauen (0,32) als die Mitgliedstaaten mit der stärksten komparativen Spezialisierung in dieser Warengruppe.

Altwaren und Lumpen dominieren den EU-Export

Die Segmentaufschlüsselung der Ausfuhren zeigt, dass die EU primär Altwaren (CN 6309) und Lumpen (CN 6310) exportiert. Die Position 6309 machte 2025 mit 1,28 Mio. Tonnen und 811 Mio. EUR das mit Abstand größte Exportsegment aus. Dies unterstreicht die Rolle der EU als Sammel- und Recyclingstandort für Textilien. Demgegenüber dominieren bei den Importen Bettwäsche und Haushaltswäsche (6302: 4.341 Mio. EUR), konfektionierte Waren (6307: 3.266 Mio. EUR) und Verpackungssäcke (6305: 1.184 Mio. EUR) — Produkte, die eine stärkere industrielle Fertigung in Drittländern widerspiegeln.


Fazit

Der EU-Markt für konfektionierte Spinnstoffwaren (CN 63) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens hat sich die Importabhängigkeit der EU massiv erhöht. Der Indikator der Nettoversorgungsabhängigkeit stieg auf fast 46 %, was die EU in diesem Segment anfällig für Lieferunterbrechungen macht.

Zweitens hat die COVID-19-Pandemie gezeigt, wie schnell Schocks auftreten können. Der Anstieg der chinesischen 6307-Importe von 2,4 Mrd. EUR auf 22,9 Mrd. EUR innerhalb eines Jahres ist ein Präzedenzfall für die Fragilität globaler Lieferketten in Krisenzeiten — und für die Fähigkeit des Marktes, sich danach wieder zu normalisieren.

Drittens verschiebt sich die geographische Struktur: Südasiatische Länder gewinnen an Bedeutung, während der Handel mit dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit schrumpft. Die EU ihrerseits exportiert primär gebrauchte Textilien und Lumpen — ein Muster, das die Asymmetrie zwischen importierter Neuware und exportierten Recyclingströmen verdeutlicht. Angesichts der wachsenden Konzentration der Importquellen und der zunehmenden Handelsintensität wird die Diversifizierung der Lieferketten zu einer zentralen strategischen Aufgabe für die kommenden Jahre.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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