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Marktentwicklung: Stein und Gipswaren (CN 68) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 68 umfasst Waren aus Steinen, Gips, Zement, Asbest, Glimmer oder ähnlichen mineralischen Stoffen — ein breites Produktsegment, das von Natursteinwerkstoffen über Dämmwolle bis hin zu Zement- und Betonprodukten reicht. Der EU-Handel mit Nicht-EU-Ländern in diesem Segment hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 erheblich verändert: Der Handelswert stieg deutlich an, doch dahinter verbirgt sich eine komplexere Dynamik aus fallenden Volumina, stark steigenden Preisen, geopolitischen Umbrüchen und sich verlagernden Handelsströmen. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Trends und ihre Ursachen.

Für den Gesamtüberblick siehe die Umfang & Definitionen und die allgemeine Handelsübersicht.


1. Wertsteigerung bei sinkenden Handelsmengen: Ein Markt im Preisgetriebe

1.1 Die EU bleibt Nettoexporteur, doch das Plus schrumpft in der Masse

Die EU exportiert in diesem Segment seit jeher deutlich mehr als sie importiert. Der Handelsüberschuss blieb über den gesamten Zeitraum positig und stieg von 3,11 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 3,33 Mrd. EUR im Jahr 2025 (+7,1 %). Die zugrundeliegenden Entwicklungen verliefen jedoch in entgegengesetzte Richtungen:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte — Wert 7,01 Mrd. EUR 8,49 Mrd. EUR +21,1 %
Exporte — Menge 7,92 Mio. t 6,57 Mio. t −17,0 %
Exporte — Einheitspreis 886 EUR/t 1.293 EUR/t +46,0 %
Importe — Wert 3,90 Mrd. EUR 5,16 Mrd. EUR +32,3 %
Importe — Menge 4,78 Mio. t 4,82 Mio. t +0,9 %
Importe — Einheitspreis 815 EUR/t 1.070 EUR/t +31,2 %

Quelle: Handelsübersicht

1.2 Die Exportpreise haben sich fast verdoppelt

Auffällig ist, dass die Exportpreise stärker gestiegen sind (+46 %) als die Importpreise (+31,2 %). Die EU hat also vor allem in der Exportpreisentwicklung zugelegt. Der Exportpreis erreichte 2023 mit 1.333 EUR/t seinen Höchststand. Die Preissteigerungen lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen: gestiegene Energie- und Rohstoffkosten (insbesondere nach 2021), Inflation, eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten sowie die allgemeine Verteuerung von Baustoffen.

1.3 Die Nettoimportabhängigkeit ist leicht gestiegen, bleibt aber stark negativ

Die Nettoimportquote lag im gesamten Zeitraum zwischen −3,2 % und −8,1 % (negativ = Nettoexport). Sie verschob sich von −4,4 % (2015) auf −5,8 % (2025), was darauf hindeutet, dass die EU ihre Stellung als Nettoexporteur leicht ausgebaut hat. Gleichzeitig stiegen die Handelsintensität (von 12,4 % auf 21,1 %) und die Exportneigung (von 8,6 % auf 14,2 %) — ein Zeichen dafür, dass der Handel mit Drittländern im Vergleich zur EU-Produktion an Bedeutung gewonnen hat.


2. Geopolitische Umbrüche verändern die Handelspartnerstruktur

2.1 Der Kollaps des Handels mit Russland und Belarus

Die markanteste Veränderung in der Handelspartnerstruktur betrifft Russland und Belarus. Die EU-Importe aus Russland sind von 77 Mio. EUR (2015) auf unter 1,5 Mio. EUR (2025) eingebrochen — ein Rückgang von 98,1 %. Die Importe aus Belarus sanken von 13 Mio. EUR auf unter 1 Mio. EUR (−92,5 %). Beide Entwicklungen sind klar auf die nach 2022 verhängten Sanktionen im Kontext des Ukraine-Konflikts zurückzuführen.

Daten zu den größten Importpartnern bestätigen dies eindrücklich:

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 1.062 1.385 +30,3 %
Vereinigtes Königreich 505 531 +5,2 %
Indien 277 365 +31,8 %
Türkei 152 468 +207,5 %
Norwegen 86 113 +31,2 %
Russland 77 1,5 −98,1 %
Belarus 13 1,0 −92,5 %

2.2 Die Türkei als dynamischer Aufsteiger

Die Importe aus der Türkei haben sich nahezu verdreifacht — von 152 Mio. EUR (2015) auf 468 Mio. EUR (2025), mit einem Spitzenwert von 502 Mio. EUR im Jahr 2024. Dieser Anstieg macht die Türkei zum zweitwichtigsten Importpartner nach China. Die Türkei profitiert dabei von ihrer geografischen Nähe, wettbewerbsfähigen Preisen und ihrer starken Naturstein- und Zementindustrie. Es ist plausibel, dass ein Teil dieses Anstiegs auch auf eine Umleitung von Handelsströmen zurückzuführen ist, die zuvor über Russland und Belarus liefen.

2.3 China bleibt dominierender Importpartner, verliert aber an Konzentration

China war durchgehend der mit Abstand wichtigste Importpartner. Die Importe stiegen von 1,06 Mrd. EUR auf 1,39 Mrd. EUR (+30,3 %), erreichten aber 2022 mit 1,63 Mrd. EUR einen vorläufigen Höchststand und sanken danach wieder. Die Importkonzentration (HHI) sank von 1.443 (2015) auf 1.302 (2025), was bedeutet, dass sich die Importe etwas stärker auf verschiedene Partnerländer verteilen als zuvor.

2.4 Die Exportseite ist stabiler und konzentrierter auf traditionelle Partner

Auf der Exportseite dominieren das Vereinigte Königreich, die Schweiz und die USA. Die Exporte in die USA wuchsen besonders stark (+37,6 % auf 1,81 Mrd. EUR). Auffällig ist der Aufstieg Serbiens als Exportziel (+150,9 %), was auf den EU-Beitrittsprozess und die wachsende Integration der westlichen Balkanstaaten in den EU-Binnenmarkt hindeutet.

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
USA 1.316 1.810 +37,6 %
Vereinigtes Königreich 1.130 1.432 +26,7 %
Schweiz 683 841 +23,1 %
Norwegen 299 304 +1,8 %
Saudi-Arabien 196 192 −2,2 %
Marokko 112 166 +47,3 %
Serbien 46 116 +150,9 %

3. Produktsegmente zeigen unterschiedliche Konjunkturverläufe

3.1 Zement und Beton: Boom und Erholung — das dynamischste Segment

Das Segment CN 6810 (Waren aus Zement, Beton oder Kunststein) zeigt die stärksten Schwankungen. Die Importmengen explodierten von 444.000 t (2015) auf fast 1,48 Mio. t im Jahr 2021 — ein Anstieg um über 230 % —, fielen danach aber wieder auf 944.000 t (2025). Dieser Boom spiegelt die massive Baukonjunktur der Jahre 2018–2021 wider, die durch niedrige Zinsen, Pandemie-Förderprogramme und Infrastrukturinvestitionen befeuert wurde. Die Importpreise für dieses Segment stiegen von 528 EUR/t auf 497 EUR/t, mit einem Höhepunkt von 550 EUR/t im Krisenjahr 2022.

3.2 Steinwolle und Dämmstoffe (CN 6806): Stetiges Wachstum trotz Volatilität

Das Segment der mineralischen Dämmstoffe (CN 6806) profitiert langfristig von der europäischen Energiewende und den Verschärfungen bei der Gebäudedämmung. Die Exportpreise stiegen von 1.293 EUR/t (2015) auf 1.573 EUR/t (2025), mit einem Spitzenwert von 1.736 EUR/t im Jahr 2024. Die Energiepreisexplosion 2022 trieb die Preise in diesem energieintensiven Segment besonders stark: Der Importpreis erreichte 1.835 EUR/t im Jahr 2023, bevor er sich wieder etwas abschwächte.

3.3 Asphaltprodukte (CN 6807): Dramatischer Mengeneinbruch

Besonders auffällig ist der Zusammenbruch der Asphalt-Importe (CN 6807). Die Menge sank von 239.000 t (2015) auf nur noch 66.000 t (2025) — ein Rückgang von 72 %. Parallel dazu vervoppelte sich der Importpreis nahezu von 379 EUR/t auf 834 EUR/t (+120 %). Dies deutet auf eine fundamentale Umstrukturierung hin: Asphaltprodukte werden zunehmend in der EU selbst hergestellt, oder die Nachfrage verlagert sich auf alternative Materialien. Die steigenden Rohölpreise dürften ebenfalls eine Rolle spielen.

3.4 Naturstein (CN 6802): Stabiler Kern des Segments

Natursteinprodukte (CN 6802) bleiben das wertstärkste Exportsegment mit 1,80 Mrd. EUR im Jahr 2025. Die Exportmengen sanken jedoch kontinuierlich von 2,26 Mio. t auf 1,35 Mio. t (−40 %), während sich der Exportpreis von 863 EUR/t auf 1.331 EUR/t verteuerte. Auf der Importseite blieben die Mengen stabiler (rund 2 Mio. t), der Importpreis stieg aber ebenfalls deutlich von 424 EUR/t auf 502 EUR/t.

3.5 Gipsprodukte (CN 6809): Wachstumspotenzial durch nachhaltiges Bauen

Gipswaren (CN 6809) zeigen ein moderates, aber stetiges Wachstum. Die Exportmengen lagen über den gesamten Zeitraum relativ stabil bei etwa 1 Mio. t, der Exportpreis stieg von 290 EUR/t auf 368 EUR/t. Die Importmengen wuchsen von 204.000 t auf 350.000 t (+72 %), was auf eine steigende Nachfrage nach Gipsplatten im Trockenbau hindeutet — ein Trend, der durch energieeffizientes Bauen und Renovierungswellen begünstigt wird.

3.6 Veränderungen in der EU-Produktion

Die EU-Produktion zeigt ein differenziertes Bild: Die Produktionsmenge sank von 316 Mrd. kg auf 259 Mrd. kg (−18 %), während der Produktionswert von 38,5 Mrd. EUR auf 55,5 Mrd. EUR stieg (+44 %). Dies bestätigt den Trend zur Verteuerung und Wertschöpfung — weniger Mengen werden zu höheren Preisen produziert und vermarktet.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit Stein- und Gipswaren (CN 68) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Der scheinbar moderate Anstieg der Handelswerte verbirgt eine tiefgreifende Strukturverschiebung: Die EU produziert und exportiert weniger Mengen, erzielt aber deutlich höhere Preise. Die geopolitischen Umbrüche seit 2022 — insbesondere die Sanktionen gegen Russland und Belarus — haben die Handelsströme neu geordnet und die Türkei sowie China als strategisch wichtigere Partner etabliert. Gleichzeitig bleibt die EU in diesem Segment weiterhin Nettoexporteur mit einem robusten Handelsüberschuss von über 3 Mrd. EUR.

Die Preisentwicklung wird maßgeblich durch Energiekosten, Inflation und den europäischen Green-Deal-Antrieb (z. B. Gebäudedämmung) bestimmt. Aufmerksamkeit verdient die zunehmende Spezialisierung kleinerer EU-Mitgliedstaaten (Kroatien, Lettland, Estland, Portugal), die im Vergleich zu ihren Gesamthandelsvolumen überdurchschnittlich in diesem Segment aktiv sind. Insgesamt zeigt sich ein Markt, der sich von der Masse weg und hin zu höherwertigen, energieeffizienten Produkten bewegt — ein Trend, der sich durch die EU-Klimapolitik weiter verstärken dürfte.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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