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Marktentwicklung: Asphaltwaren (CN 6807) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarif CN 6807 umfasst Waren aus Asphalt oder aus ähnlichen Stoffen wie Erdölpech oder Kohlenteerpech und gliedert sich in zwei Unterpositionen: Rollenware (680710) und sonstige Asphaltwaren (680790). Der analysierte Zeitraum von 2015 bis 2025 war von tiefgreifenden geopolitischen Umbrüchen, der COVID-19-Pandemie sowie einer starken Energiepreis-Inflation geprägt. Die vorliegende Auswertung konzentriert sich auf den EU-Handel mit Nicht-EU-Ländern und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Verschiebungen, Preisentwicklungen und Handelspartner-Verlagerungen.


1. Von der Importabhängigkeit zur Exportdominanz: Strukturelle Neuausrichtung des EU-Handels

Die EU hat ihre Position im Handel mit Asphaltwaren über den Betrachtungszeitraum hinweg erheblich gestärkt. Während die Einfuhren deutlich schrumpften, blieben die Ausfuhren robust — ein Trend, der den Handelsbilanzüberschuss nachhaltig verbesser.

1.1 Der Handelsbilanzüberschuss wuchs um über ein Drittel

Der EU-Handelsbilanzüberschuss mit Asphaltwaren entwickelte sich wie folgt:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 308,8 352,5 +14,1 %
Importwert (Mio. EUR) 90,4 55,4 −38,8 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) 218,4 297,2 +36,0 %

Quelle: Allgemeiner Überblick

Der Überschuss erreichte seinen Höhepunkt mit 308,3 Mio. EUR in einem der vorangegangenen Jahre und lag 2025 mit 297,2 Mio. EUR nur knapp darunter. Die EU ist damit eindeutig ein Nettoexporteur von Asphaltwaren.

1.2 Die Einfuhrmengen fielen um mehr als zwei Drittel

Die eingeführten Mengen sanken von 238.777 Tonnen (2015) auf lediglich 66.350 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 72,2 % entspricht. Der stärkste Einbruch erfolgte zwischen 2021 und 2023, als die Mengen innerhalb von zwei Jahren von 375.110 Tonnen auf unter 75.000 Tonnen kollabierten.

1.3 Die Exportmengen blieben trotz leichter Korrektur weitgehend stabil

Die Ausfuhrmengen lagen über den gesamten Zeitraum zwischen 411.865 und 542.929 Tonnen, mit einem moderaten Rückgang von 20,7 %. Im Vergleich zum dramatischen Einbruch der Importe fällt diese Entwicklung jedoch kaum ins Gewicht.

1.4 Die Handelsintensität blieb auf hohem Niveau

Die Handelsintensität sank leicht von 16,8 % auf 15,4 %, blieb aber über dem unteren Wert von 14,3 % im Betrachtungszeitraum. Die Exportquote (Export Propensity) lag durchgehend zwischen 11,6 % und 21,6 %, was auf eine konstante Exportorientierung des Sektors hindeutet. Der Salienz-Score von 42,9 für die Handelsintensität unterstreicht die Bedeutung des internationalen Handels für diesen Produktbereich.


2. Geopolitische Umwälzungen: Verlust Russlands, Aufstieg neuer Partner

Die dramatischste Veränderung im Betrachtungszeitraum war der fast vollständige Zusammenbruch des Handels mit Russland — sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite. Gleichzeitig stiegen neue Handelspartner in die Lücke.

2.1 Russland verlor seine dominierende Rolle bei den EU-Importen

Russland war 2015 mit Abstand der wichtigste Lieferant der EU für Asphaltwaren:

Lieferant Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Russische Föderation 57,3 0,5 −99,1 %
Belarus 8,2 8,3 +0,5 %
Türkei 1,5 15,9 +925,0 %
Norwegen 8,1 9,1 +13,1 %
Serbien 1,3 10,0 +651,2 %
Vereinigtes Königreich 6,5 7,7 +18,4 %
Vereinigte Staaten 3,4 2,6 −23,1 %

Quelle: Top-Handelspartner

Der Rückgang des russischen Imports von 57,3 Mio. EUR auf nur noch 0,5 Mio. EUR (−99,1 %) ist eng mit den Sanktionen nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 zu verknüpfen. Bereits 2022 war der Wert stark eingebrochen; 2025 betrug der Anteil Russlands an den EU-Importen praktisch null.

2.2 Die Türkei und Serbien füllen die Lücke

Parallel zum russischen Rückzug stiegen die Importe aus der Türkei (von 1,5 Mio. auf 15,9 Mio. EUR, +925 %) und aus Serbien (von 1,3 Mio. auf 10,0 Mio. EUR, +651 %) sprunghaft an. Beide Länder profitierten offenbar von der Umleitung von Handelsströmen. Die Volatilitätsanalyse bestätigt dies: Die türkischen Importe weisen mit einem Variationskoeffizienten von 0,91 die höchste Schwankung aller Partner auf — ein Hinweis auf sprungartige Veränderungen rather than graduellen Wandel. Serbien zeigt ebenfalls eine hohe Volatilität (CV: 0,77).

2.3 Russland als Exportmarkt ging ebenfalls fast vollständig verloren

Auch die EU-Ausfuhren nach Russland brachen zusammen — von 14,3 Mio. EUR (2015) auf lediglich 30.000 EUR (2025), was einem Rückgang von 99,8 % entspricht. Die Exportseite war damit noch stärker betroffen als die Importseite.

2.4 Das Vereinigte Königreich blieb der wichtigste Exportmarkt

Empfänger Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 76,3 99,8 +30,8 %
Israel 20,2 25,6 +26,5 %
Schweiz 19,9 34,0 +71,4 %
Norwegen 30,5 25,8 −15,4 %
Marokko 16,5 13,8 −16,3 %
Südafrika 8,8 12,5 +41,7 %

Quelle: Top-Handelspartner (Exporte)

Das Vereinigte Königreich war mit 99,8 Mio. EUR (2025) mit Abstand der größte Abnehmer. Besonders bemerkenswert ist das Wachstum der Ausfuhren in die Schweiz (+71,4 %), was auf eine vertiefte Integration im Bausektor der Nachbarländer hindeuten könnte.

2.5 Italien ist der wichtigste EU-Exporteur

Auf der Berichterstatter-Seite zeigt sich, dass Italien mit 124,8 Mio. EUR Exportwert (2025) klar führend ist, gefolgt von Deutschland (68,4 Mio. EUR) und Frankreich (40,0 Mio. EUR). Deutschland verzeichnete dabei das stärkste Wachstum (+88,5 %), während Spanien und Finnland Rückgänge verzeichneten. Auf der Importseite fielen die Werte in Osteuropa besonders stark: Polen (−88,2 %), Litauen (−90,5 %) und Tschechien (−70,5 %) verloren erheblich an Importvolumen, was teilweise mit dem Wegfall russischer Lieferungen zusammenhängt.


3. Preisdynamik und Produktionswandel: Vom Volumen- zum Wertmarkt

Die Asphaltwaren-Preise haben sich im Betrachtungszeitraum mehr als verdoppelt — ein Phänomen, das sowohl bei Importen als auch bei Exporten zu beobachten ist und weit über die allgemeine Inflation hinausgeht.

3.1 Die Exportpreise stiegen um fast 44 %

Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von 595 EUR/t (2015) auf 856 EUR/t (2025), was einem Anstieg von 43,9 % entspricht. Der Höhepunkt wurde 2023 mit 873 EUR/t erreicht. Für die Unterposition Rollenware (680710) lag der Preis 2025 bei 853 EUR/t, für sonstige Asphaltwaren (680790) bei 881 EUR/t.

3.2 Die Importpreise mehr als verdoppelten sich

Der Importpreis stieg von 379 EUR/t auf 834 EUR/t (+120,3 %) — ein Anstieg, der noch deutlicher ausfällt als bei den Exporten. Der sprunghafte Preisanstieg ab 2022 korreliert mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs und den damit verbundenen Energie- und Rohstoffpreissteigerungen. Asphalt ist ein erdölbasiertes Produkt, dessen Herstellungskosten direkt mit den Rohölpreisen korreliert sind.

3.3 Preis-Schocks im Jahr 2022 bei Schlüsselexportmärkten

Die Schockanalyse identifiziert drei signifikante Preisschocks im Jahr 2022 bei den Exporten:

Partnerland Abnormalität Preissprung Anteil am Exportwert
Chile 269,3 +58,1 % 2,2 %
Südafrika 20,0 +29,4 % 3,9 %
Serbien 10,8 +35,2 % 1,6 %

Der extrem hohe Abnormalitätswert für Chile (269,3) weist auf eine außergewöhnliche Preisabweichung hin, die möglicherweise mit spezifischen Lieferverträgen oder Qualitätsunterschieden zusammenhängt. In der Zusammenschau deuten die Schocks auf eine breite Preisanpassung im Zuge der Energiepreiskrise hin.

3.4 Die EU-Produktion: Weniger Masse, mehr Wert

Die verfügbaren Produktionsdaten zeigen ein widersprüchliches Bild:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mrd. kg) 6,99 1,24 −82,2 %
Produktionswert (Mrd. EUR) 0,45 2,75 +505,3 %

Der Zusammenbruch der Produktionsmenge bei gleichzeitigem Anstieg des Produktionswertes um das Sechsfache ist auffällig. Dies kann mehrere Ursachen haben: eine Verschiebung zu hochwertigeren Produkten, steigende Rohstoffkosten, die in den Produktionswert eingehen, oder statistische Veränderungen in der Erfassung. Bemerkenswert ist, dass die Preiseinheit Kilogramm (für die Produktion) von der Handelseinheit Tonne abweicht, was den Vergleich erschwert. Dennoch unterstreicht die Dynamik den Übergang von einem volumenorientierten zu einem wertorientierten Markt.

3.5 Italien und Litauen: Spezialisierung als Erfolgsfaktor

Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass die am stärksten spezialisierten EU-Länder bei Asphaltwaren sind:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Litauen 0,679 5,224 3,2 %
Finnland 0,613 4,174 4,2 %
Italien 0,503 3,020 24,2 %
Österreich 0,441 2,575 8,5 %
Belgien 0,272 1,749 14,8 %

Italien kombiniert eine hohe Spezialisierung mit dem größten Produktionsanteil (24,2 %) — ein Indiz für eine gut etablierte, exportorientierte Asphaltwaren-Industrie. Litauen und Finnland sind zwar stark spezialisiert, ihr Produktionsanteil ist jedoch vergleichsweise gering.

3.6 Die Importkonzentration nahm deutlich ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) bei den Importen sank von 4.251 (2015) auf 1.700 (2025), was einem Rückgang von 60 % entspricht. Ein HHI über 2.500 gilt als hoch konzentriert — die EU hatte also 2015 eine stark auf Russland konzentrierte Importstruktur. Der Rückgang auf 1.700 signalisiert eine deutlich diversifiziertere Lieferantenbasis. Bei den Exporten blieb der HHI mit Werten zwischen 786 und 1.122 durchgehend niedrig, was auf eine breite Streuung der Absatzmärkte hinweist.


Fazit

Der EU-Handel mit Asphaltwaren (CN 6807) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend transformiert. Die drei zentralen Entwicklungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Geopolitische Neuausrichtung: Der fast vollständige Verlust Russlands als Handelspartner — sowohl als Lieferant (−99,1 %) als auch als Abnehmer (−99,8 %) — war die prägendste Veränderung. Die Türkei und Serbien haben die Import-Lücke teilweise gefüllt, während die Exporte nach Großbritannien, in die Schweiz und nach Israel weiter wuchsen.

  2. Preisrevolution: Die Importpreise stiegen um 120,3 %, die Exportpreise um 43,9 %. Die Preisanpassung ab 2022 ist eng mit der Energiepreiskrise verknüpft, da Asphalt ein erdöl-basiertes Produkt ist. Preis-Schocks in mehreren Exportmärkten im Jahr 2022 bestätigen diese außergewöhnliche Marktdynamik.

  3. Strukturelle Resilienz: Trotz des drastischen Produktionsmengen-Rückgangs (−82,2 %) konnte die EU ihren Exportüberschuss ausbauen (+36,0 %). Die Diversifizierung der Importquellen (HHI-Rückgang um 60 %) und die Spezialisierung italienischer Produzenten trugen zur Stabilisierung bei.

Die EU hat sich von einem importabhängigen, konzentrierten Markt zu einem diversifizierten, preisintensiveren und exportorientierten Markt entwickelt. Die geopolitische Umwälzung des Jahres 2022 wirkt dabei als Katalysator für Veränderungen, die sich bereits zuvor abzeichneten.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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