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Marktentwicklung: Werksteine (CN 6802) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 6802 umfasst bearbeitete Naturwerksteine – darunter Marmor, Travertin, Granit, Kalkstein sowie sonstige Natursteine – und ist ein bedeutender Sektor innerhalb der EU-Außenhandelsstatistik. Der Zeitraum 2015 bis 2025 war durch fundamentale strukturelle Verschiebungen gekennzeichnet: Die EU blieb throughout ein Nettoexporteur, doch das Handelsbilanz-Defizit zugunsten der Ausfuhren schrumpfte von rd. 1,1 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf rd. 791 Mio. EUR im Jahr 2025, was einem Rückgang von 27,9 % entspricht. Zugleich veränderten sich die Handelspartner, die Preisstrukturen und die Produktzusammensetzung erheblich. Dieser Bericht analysiert die zentralen Dynamiken anhand der verfügbaren Handelsdaten.


I. Volumeneinbruch bei Exporten und Preisdivergenz: Die Transformation der EU als Natursteinexporteur

Die EU-Ausfuhren verloren 40 % ihres Volumens, doch der Wert blieb weitgehend stabil

Die auffälligste Entwicklung im gesamten Beobachtungszeitraum ist der massive Rückgang der EU-Exportmengen bei gleichzeitiger Preissteigerung. Die Ausfuhrmenge fiel von rd. 2,26 Mio. Tonnen (2015) auf rd. 1,35 Mio. Tonnen (2025), was einem Rückgang von 40,1 % entspricht. Der Exportwert sank im gleichen Zeitraum nur um 7,6 % – von rd. 1,95 Mrd. EUR auf rd. 1,80 Mrd. EUR. Der durchschnittliche Exportpreis stieg damit von 863 EUR/t auf 1.331 EUR/t (+54,2 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 1,95 1,80 −7,6 %
Exportmenge (Mio. t) 2,26 1,35 −40,1 %
Exportpreis (EUR/t) 863 1.331 +54,2 %

Diese Entwicklung deutet auf eine fundamentale Qualitätsverschiebung hin: Die EU exportiert zunehmend hochwertigere, stärker bearbeitete Natursteine mit höherem Wertschöpfungsanteil.

Die Einfuhren blieben mengenstabil, stiegen aber im Preis deutlich an

Im Gegensatz zu den Exporten veränderte sich das Importvolumen nur marginal: von rd. 2,00 Mio. Tonnen (2015) auf rd. 2,01 Mio. Tonnen (2025, +0,3 %). Der Importwert stieg jedoch von rd. 850 Mio. EUR auf rd. 1,01 Mrd. EUR (+18,6 %). Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von 424 EUR/t auf 502 EUR/t (+18,2 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 850 1.009 +18,6 %
Importmenge (Mio. t) 2,00 2,01 +0,3 %
Importpreis (EUR/t) 424 502 +18,2 %

Der Preisspread zwischen Export und Import hat sich mehr als verdoppelt

Die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Export- und Importpreis stieg von rd. 439 EUR/t (2015) auf rd. 829 EUR/t (2025). Dies spiegelt wider, dass die EU zunehmend Rohblöcke importiert und höher veredelte Produkte – geschliffene, polierte Werksteine und Fertigprodukte – exportiert. Die Handelsintensität stieg im selben Zeitraum von 23,3 % auf 40,6 %, und die Exportneigung nahm von 19,5 % auf 31,4 % zu – beides Indizien für eine zunehmende Verflechtung des Sektors mit globalen Wertschöpfungsketten.


II. Geopolitische Umorientierung: Aufstieg neuer Lieferanten und veränderte Absatzmärkte

China verliert als Importquelle an Bedeutung, während die Türkei und Brasilien stark zulegen

China war 2015 mit rd. 408 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU und deckte damit fast die Hälfte aller Einfuhren ab. Bis 2025 sank der chinesische Anteil auf rd. 284 Mio. EUR (−30,3 %). Gleichzeitig stiegen die Importe aus der Türkei von rd. 95 Mio. EUR auf rd. 216 Mio. EUR (+126,8 %) und aus Brasilien von rd. 17 Mio. EUR auf rd. 66 Mio. EUR (+294,2 %). Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg Ägyptens von rd. 11 Mio. EUR auf rd. 55 Mio. EUR (+405,8 %).

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 408 284 −30,3 %
Indien 218 260 +19,0 %
Türkei 95 216 +126,8 %
Brasilien 17 66 +294,2 %
Ägypten 11 55 +405,8 %
Vietnam 23 24 +4,3 %
Norwegen 3 0,2 −94,2 %

Diese Neugewichtung der Lieferanten führt zu einer Diversifizierung der Importbasis: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 3.115 auf 2.003 (−35,7 %), was auf eine deutlich geringere Konzentration hindeutet.

Die USA bleiben der wichtigste Exportmarkt, doch der Nahe Osten und die Schweiz sind tragende Säulen

Die Vereinigten Staaten waren mit rd. 652 Mio. EUR im Jahr 2025 das mit Abstand wichtigste Exportziel – trotz leichtem Rückgang gegenüber dem Höchststand. Die Schweiz (155 Mio. EUR), Saudi-Arabien (132 Mio. EUR), das Vereinigte Königreich (109 Mio. EUR), die Vereinigten Arabischen Emirate (99 Mio. EUR) und Marokko (66 Mio. EUR) folgen. Während die Ausfuhren in die USA (+12,7 %) und nach Marokko (+0,6 %) stabil blieben oder stiegen, gingen die Exporte nach Saudi-Arabien (−8,0 %), in die Schweiz (−8,8 %), nach China (−11,0 %) und in die VAE (−9,1 %) leicht zurück.

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
USA 579 652 +12,7 %
Schweiz 170 155 −8,8 %
Saudi-Arabien 143 132 −8,0 %
Vereinigtes Königreich 117 109 −6,9 %
VAE 108 99 −9,1 %
Marokko 66 66 +0,6 %
China 24 22 −11,0 %

Die Exportkonzentration nach Wert stieg leicht von HHI 1.200 auf 1.605 (+33,8 %), was vor allem auf die wachsende Dominanz der USA als Abnehmer zurückzuführen ist.

Italien dominiert die EU-Exporte, verliert aber an Anteil; Griechenland und Portugal gewinnen

Innerhalb der EU ist Italien mit rd. 1,17 Mrd. EUR Exportwert im Jahr 2025 der mit Abstand größte Exporteur – trotz eines Rückgangs von 4,5 % gegenüber 2015. Italien produzierte 2025 rd. 43 % des gesamten EU-Natursteinvolumens. Spanien (189 Mio. EUR, −37,2 %) und Portugal (117 Mio. EUR, −1,7 %) folgen. Griechenland stieg auf 169 Mio. EUR (+31,8 %). Die Spezialisierungsdaten bestätigen, dass Portugal (RSCA 0,82), Italien (0,69) und Griechenland (0,61) die komparativen Vorteile der EU in diesem Sektor verkörpern.

Die EU-Produktion ist rückläufig, was den Importbedarf erklärt

Die EU-Produktion von bearbeitetem Naturstein sank von rd. 29,8 Mrd. kg (2015) auf rd. 24,3 Mrd. kg (2025, −18,6 %), und der Produktionswert fiel von rd. 7,3 Mrd. EUR auf rd. 5,9 Mrd. EUR (−18,7 %). Die Pandemie markierte einen Tiefpunkt: 2020 wurde nur noch rd. 11,9 Mrd. kg produziert. Obwohl sich die Produktion danach erholte, blieb sie unter dem Vorkrisenniveau. Der Rückgang der heimischen Produktion erklärt, warum die Importmengen trotz sinkender Exportmengen stabil blieben.


III. Produktsegmente im Wandel: Granit verliert Marktanteile, Marmor und Spezialsteine gewinnen an Bedeutung

Granit (680293) bleibt das größte Importsegment, verliert aber mengenmäßig erheblich

Granit in bearbeiteter Form (680293) war 2015 mit rd. 1,21 Mio. Tonnen (Wert: 506 Mio. EUR) das dominierende Importsegment. Bis 2025 sank die Menge auf rd. 1,04 Mio. Tonnen (−14,3 %), während der Wert auf rd. 476 Mio. EUR (−5,9 %) zurückging. Der durchschnittliche Importpreis für Granit stieg von 417 EUR/t auf 458 EUR/t (+9,8 %). Dies ist weniger stark als der Gesamtpreisanstieg, was darauf hindeutet, dass Granitimporte zunehmend aus günstigeren Quellen bezogen werden.

Produktsegment (Import) Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Δ Menge Wert 2025 (Mio. EUR)
680293 – Granit, bearbeitet 1.213.597 1.039.525 −14,3 % 476
680291 – Marmor/Travertin/Alabaster 178.683 354.206 +98,2 % 200
680221 – Marmor, geschnitten/gesägt 173.276 244.695 +41,2 % 111
680223 – Granit, geschnitten/gesägt 95.120 128.381 +35,0 % 62
680299 – Sonstige Werksteine, bearbeitet 124.242 105.854 −14,8 % 92
680229 – Sonstige Werksteine, geschnitten 102.457 63.815 −37,7 % 29
680292 – Kalksteine 74.377 60.051 −19,3 % 27

Marmor und Travertin (680291) haben sich als Importsegment verdoppelt

Der stärkste Zuwachs bei den Importen verzeichnete das Segment Marmor, Travertin und Alabaster in bearbeiteter Form (680291): Die Einfuhrmenge verdoppelte sich von rd. 179.000 Tonnen auf rd. 354.000 Tonnen (+98,2 %), der Wert stieg von rd. 97 Mio. EUR auf rd. 200 Mio. EUR. Der Importpreis lag 2025 bei 565 EUR/t – deutlich über dem Durchschnitt aller Einfuhren. Parallel dazu stiegen auch die Einfuhren von Marmor in geschnittener/gesägter Form (680221) um 41,2 %. Dies deutet auf eine steigende Nachfrage nach hochwertigem Marmor in der EU hin, der verstärkt aus der Türkei, Ägypten und Brasilien bezogen wird.

Im Exportsegment dominiert Marmor (680291), der Preis stieg auf über 2.000 EUR/t

Bei den Exporten ist Marmor/Travertin/Alabaster in bearbeiteter Form (680291) mit rd. 772 Mio. EUR das mit Abstand wichtigste Segment. Obwohl die Menge von rd. 792.000 Tonnen auf rd. 382.000 Tonnen (−51,7 %) fiel, sank der Wert nur um 7,1 %. Der Exportpreis expl regierte förmlich: von 1.049 EUR/t (2015) auf 2.018 EUR/t (2025, +92,3 %). Dies unterstreicht die Transformation der EU-Exporte hin zu hochwertig bearbeiteten Marmorprodukten. Auch das Segment 680299 (sonstige bearbeitete Werksteine) zeigte einen starken Preisanstieg von 1.278 EUR/t auf 2.158 EUR/t (+68,8 %), bei gleichzeitiger Wertsteigerung von 80 Mio. EUR auf 159 Mio. EUR (+98,1 %).

Produktsegment (Export) Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Δ Menge Preis 2015 (EUR/t) Preis 2025 (EUR/t) Δ Preis
680291 – Marmor/Travertin/Alabaster 792.132 382.464 −51,7 % 1.049 2.018 +92,3 %
680293 – Granit, bearbeitet 485.878 240.845 −50,4 % 809 882 +9,1 %
680221 – Marmor, geschnitten/gesägt 458.501 330.639 −27,9 % 845 1.325 +56,8 %
680292 – Kalksteine 286.474 162.191 −43,4 % 500 731 +46,1 %
680299 – Sonstige Werksteine, bearbeitet 62.909 73.774 +17,3 % 1.278 2.158 +68,8 %
680223 – Granit, geschnitten/gesägt 53.777 56.001 +4,1 % 633 506 −20,1 %
680229 – Sonstige Werksteine, geschnitten 62.176 57.244 −7,9 % 640 717 +12,0 %

Preisvolatilität und Versorgungsschocks zeigen Anfälligkeit des Marktes

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass Importlieferungen aus Ägypten (CV 0,69) und Norwegen (CV 0,67) die höchsten Schwankungen aufweisen, während Indien (CV 0,09) und Albanien (CV 0,11) besonders stabile Lieferanten darstellen. Auf der Exportseite war die Volatilität bei Ausfuhren in die Türkei (CV 0,49) und nach China (CV 0,39) am höchsten, während Australien (CV 0,06) und Marokko (CV 0,07) als stabile Absatzmärkte gelten können. Im Jahr 2022 wurden zudem Preisschocks bei Exporten in die Dominikanische Republik (Preissprung +49,1 %, Abnormalität 28,3), nach China (+44,8 %) und nach Südkorea (+103,7 %) festgestellt – möglicherweise bedingt durch Lieferkettenstörungen nach der Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Konflikts.


Fazit

Der EU-Markt für Werksteine (CN 6802) hat sich zwischen 2015 und 2025 tiefgreifend gewandelt. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens vollzieht die EU einen Strukturwandel vom Volumen- zum Wertschöpfungsexport: Die Exportmengen halbierten sich nahezu, doch die stark steigenden Preise – insbesondere bei Marmorprodukten – halten den Exportwert weitgehend stabil. Die EU positioniert sich zunehmend als Lieferant hochwertiger, stark veredelter Natursteinprodukte.

Zweitens zeigt sich eine geopolitische Diversifizierung der Lieferantenbasis: China verliert als Importquelle zugunsten der Türkei, Brasiliens und Ägyptens. Die Importkonzentration sank erheblich, was die Versorgungssicherheit erhöht.

Drittens verschiebt sich die Produktstruktur zugunsten hochwertiger Marmorsegmente, sowohl bei Importen als auch bei Exporten. Granit verliert mengenmäßig an Boden, während Travertin und bearbeiteter Marmor an Bedeutung gewinnen.

Die rückläufige EU-Produktion (−18,6 %) bei gleichzeitig stabilen Importmengen deutet darauf hin, dass die europäische Natursteinindustrie ihre komparativen Vorteile künftig stärker auf hochwertige Veredelung konzentrieren wird, während Grundmaterialien zunehmend importiert werden.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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