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Marktentwicklung: Schirme und Stöcke (CN 66) — 2015–2025

Einleitung

Die Warengruppe CN 66 umfasst Regenschirme, Sonnenschirme, Gehstöcke, Sitzstöcke, Peitschen, Reitpeitschen und deren Teile. Zwischen 2015 und 2025 hat sich der Außenhandel der Europäischen Union mit diesen Produkten grundlegend verändert. Die Union bleibt ein großer Nettoimporteur mit einem sich ausweitenden Handelsdefizit, einer starken Konzentration auf wenige Lieferanten und einer wachsenden Abhängigkeit von Einfuhren. Gleichzeitig erfuhr die eigene Produktion nach einem Tiefpunkt eine Belebung, und die Exporte zeigen eine höhere Wertschöpfung. Der vorliegende Bericht analysiert die zentralen Dynamiken anhand von drei Themenfeldern.


1. Importabhängigkeit und Konzentration — China als übermächtiger Lieferant

Die EU importiert zunehmend mehr Schirme und Stöcke, wobei das Handelsbilanzdefizit weiter wächst.

Der Gesamtwert der EU‑Importe von CN 66 stieg von 577,2 Mio. EUR (2015) auf 701,2 Mio. EUR (2025), ein Plus von 21,5 %. Die Exporte legten ebenfalls zu, blieben aber auf deutlich niedrigerem Niveau: 89,5 Mio. EUR (2015) auf 105,8 Mio. EUR (2025; +18,2 %). Das Ergebnis ist ein sich vertiefendes Handelsdefizit, das von -487,7 Mio. EUR auf -595,4 Mio. EUR anstieg (Verschlechterung um 22,1 %). Die Einfuhrmenge nahm um 19,8 % auf 190,5 Tsd. Tonnen zu, während die Ausfuhrmenge mit 11,3 Tsd. Tonnen nahezu unverändert blieb (-2,0 %). Der durchschnittliche Importpreis blieb mit etwa 3.680 EUR / t nahezu konstant (+1,4 %), während der Exportpreis von 7.768 EUR / t auf 9.370 EUR / t zulegte (+20,6 %), was auf eine Aufwertung der ausgeführten Waren hindeutet.

Handelsüberblick

China dominiert die Importseite mit einem Marktanteil von weit über 80 %, während die Exporte breiter gestreut sind.

Die Einfuhrkonzentration ist extrem hoch und während des gesamten Zeitraums nahezu unverändert. Der Herfindahl‑Hirschman‑Index (HHI) für Importe lag 2015 bei 7.859 und 2025 bei 7.833 (Rückgang lediglich -0,3 %). Der Grund ist die überragende Rolle Chinas, das seinen Exportwert in die EU von 511,1 Mio. EUR auf 618,1 Mio. EUR steigerte (+20,9 %). China vereinte 2025 rund 88 % des gesamten EU‑Importwerts auf sich. Andere Lieferanten wie Bosnien und Herzegowina (15,6 Mio. EUR, +369 %), die Türkei (5,4 Mio. EUR, +129 %) oder Vietnam (2,4 Mio. EUR, +102 %) wuchsen zwar dynamisch, bleiben jedoch marginal.

Auf der Exportseite ist die Struktur diversifizierter. Der HHI sank von 1.107 auf 1.038 (-6,2 %). Die wichtigsten Bestimmungsländer 2025 waren das Vereinigte Königreich (19,9 Mio. EUR, -0,2 %), die Schweiz (23,0 Mio. EUR, +31,9 %), die USA (11,4 Mio. EUR, +11,1 %) und Norwegen (6,2 Mio. EUR, +68,5 %). Die britischen Exporte blieben stabil, während die Schweiz ihre Position als wichtigster Exportmarkt ausbaute.

Top-Handelspartner
Konzentrationsmaße

Die Nettoimportabhängigkeit der EU hat sich im Betrachtungszeitraum nahezu verdoppelt.

Die Kennzahl der Nettoimportabhängigkeit (Net Import Reliance) zeigt, wie stark der heimische Markt von Einfuhren abhängt. Sie stieg von 26,0 % (2015) auf 51,0 % (2025) – nahezu eine Verdopplung (+96 %). Parallel dazu erhöhte sich die Handelsintensität (Gesamthandel bezogen auf Produktion) von 32,4 % auf 62,1 % und die Exportneigung von 5,2 % auf 16,4 %. Die EU ist damit im Bereich Schirme und Stöcke erheblich verletzlicher gegenüber externen Angebotsstörungen geworden.

Nettoimportabhängigkeit


2. Preisbewegungen und externe Schocks — Von Pandemieeffekten bis zu geopolitischen Verwerfungen

Ein ausgeprägter Preisschock aus China trieb 2022 die Importpreise in die Höhe.

Die Analyse der Preisschocks identifiziert für chinesische Importe ein auffälliges Ereignis: Im Jahr 2022 schnellte der Durchschnittspreis um 26,1 % im Vergleich zur vorangegangenen Basisperiode (2020‑2021) nach oben, während die Menge nur leicht zunahm (115,6 % der Basismenge). Der Preis pro Tonne erreichte mit 3.957,92 EUR seinen Höchststand, bevor er sich in den Jahren 2023‑2024 wieder abschwächte (Rückgang auf 3.483 EUR / t im Durchschnitt). Dieser Preissprung fiel mit globalen Lieferkettenengpässen und hohen Frachtkosten nach der Covid‑19‑Pandemie zusammen und belastete die EU‑Importrechnung massiv, da China nahezu die gesamte Wertschöpfung der Einfuhren trägt.

Schockereignisse – Einfuhren

Die Exportpreise in die Ukraine und nach Serbien unterlagen starken Schwankungen mit deutlichen Preiseinbrüchen bzw. -sprüngen.

Auf der Ausfuhrseite traten zwei markante Preisereignisse auf. In die Ukraine brach der Exportpreis im Zeitraum 2020‑2021 um 47,7 % ein (von durchschnittlich 6.193 EUR / t auf 3.242 EUR / t), begleitet von einer massiven Mengenausweitung (347,7 % der Basismenge). Dies dürfte auf veränderte Produktqualitäten oder verstärkte Hilfslieferungen zurückgehen. Nach Serbien schnellte der Preis 2023 sprunghaft um 65,8 % auf 5.662,57 EUR / t, obwohl die Menge nahezu stabil blieb (99,6 % der Basismenge). Ein solcher isolierter Preissprung deutet auf einen temporären Nachfrageschub nach hochwertigeren Waren oder Lieferengpässe hin.

Schockereignis Partner Jahr Preisänderung Mengenänderung
Importpreis-Sprung China 2022 +26,1 % +15,6 %
Exportpreis-Einbruch Ukraine 2020‑2021 -47,7 % +247,7 %
Exportpreis-Anstieg Serbien 2023 +65,8 % -0,4 %

Schockereignisse – Ausfuhren

Die Volatilität der Handelsströme variiert erheblich: Während China als Hauptlieferant relativ stabile Mengen liefert, zeigen kleinere Partner extreme Schwankungen.

Die mittels Variationskoeffizient (CV) gemessene Volatilität der Einfuhrmengen unterstreicht die Stabilität Chinas (CV = 0,155) und Taiwans (0,204). Demgegenüber weisen Handelspartner wie das Vereinigte Königreich (0,664) oder Bosnien und Herzegowina (0,584) eine hohe Mengenvolatilität auf, was ihre Rolle als unregelmäßige Nischenlieferanten kennzeichnet. Bei den Ausfuhren sind vor allem Bosnien und Herzegowina (0,774), die Ukraine (0,706) und Serbien (0,431) durch stark schwankende Mengen geprägt – ein Spiegel der in den Preisschocks sichtbaren Instabilitäten.

Volatilitätsanalyse


3. EU‑Produktion und Spezialisierung — Wiederbelebung bei anhaltender Fragmentierung

Die EU‑Produktion von Schirmen und Stöcken hat sich nach einem Tiefpunkt 2015 erholt, bleibt aber hinter früheren Höchstständen zurück.

Im Jahr 2015 erreichte die mengenmäßige EU‑Produktion mit 2,43 Mio. Einheiten ihren niedrigsten Stand im Datensatz. Bis 2024 erholte sie sich auf 10,90 Mio. Einheiten, was jedoch noch unter dem Niveau von 2003 (13,05 Mio. Einheiten) liegt. Der Produktionswert stieg im gleichen Zeitraum von 129,3 Mio. EUR auf 478,2 Mio. EUR, vor allem getrieben durch einen gestiegenen durchschnittlichen Stückpreis (von 53,28 EUR auf 43,88 EUR – im Vergleich zum Höchststand von 72,22 EUR im Jahr 2022). Die Erholung ist ausbaufähig, die Volatilität der Jahreswerte deutet darauf hin, dass die inländische Fertigung stark auf Auftragsschwankungen reagiert.

Jahr Produktionsmenge (Stück) Produktionswert (EUR)
2015 2.426.057 129.253.580
2020 9.086.616 441.561.102
2024 10.896.150 478.168.884

Produktionsvolumen

Nur wenige Mitgliedstaaten wie Kroatien, Griechenland und Österreich weisen eine nennenswerte Spezialisierung auf; die Mehrheit ist kaum auf diese Warengruppe ausgerichtet.

Im Jahr 2025 zeigt der RSCA‑Index (Revealed Symmetric Comparative Advantage) für die meisten EU‑Länder negative oder nur schwach positive Werte. Lediglich Kroatien (0,586), Griechenland (0,531) und Österreich (0,424) besitzen eine deutliche Spezialisierung. Die Niederlande (0,198) und Polen (0,196) folgen mit Abstand. Auf der anderen Seite sind Malta (-0,999), Zypern (-0,999) oder Irland (-0,973) praktisch nicht in dieser Branche aktiv. Die Spezialisierung konzentriert sich somit geografisch deutlich.

Spezialisierungskarte

Die Exportneigung ist deutlich gestiegen, was auf eine stärkere Integration in globale Wertschöpfungsketten hindeutet.

Die Exportneigung (Exporte im Verhältnis zur Produktion) hat sich von 5,2 % (2015) auf 16,4 % (2024) mehr als verdreifacht. Das bedeutet, dass ein wachsender Anteil der EU‑Produktion in Drittländer geliefert wird. Gleichzeitig stieg die Handelsintensität (Gesamthandel relativ zur Produktion) von 32,4 % auf 62,1 %. Die EU‑Standorte sind also zunehmend sowohl als Import‑ als auch als Exportdrehkreuze eingebunden. Produktseitig entfiel der Löwenanteil der Importe auf Regenschirme und Sonnenschirme (6601), die 2025 einen Wert von 577,7 Mio. EUR erreichten, während Teile (6603) und Gehstöcke/Peitschen (6602) mit 66,9 Mio. EUR bzw. 46,7 Mio. EUR beitrugen. Die Exportstruktur zeigt ein ähnliches Bild, jedoch mit deutlich höheren Durchschnittspreisen, insbesondere bei Gehstöcken und Reitpeitschen (6602: 57.952 EUR / t gegenüber 15.035 EUR / t Importpreis 2025).

Exportneigung
Produktsegment-Vergleich


Schlussfolgerung

Der EU‑Handel mit Schirmen und Stöcken (CN 66) ist im Zeitraum 2015–2025 von wachsender Importabhängigkeit, extremer Lieferantenkonzentration auf China und einer nur teilweisen Erholung der Eigenproduktion geprägt. Die Nettoimportabhängigkeit hat sich verdoppelt, und Preisschocks – insbesondere der chinesische Importpreisanstieg 2022 – haben die Verwundbarkeit offengelegt. Gleichzeitig zeigt die Exportseite eine erfreuliche Aufwertung durch höherwertige Waren und eine zunehmende internationale Verflechtung. Die Produktion hat sich vom Tiefpunkt 2015 zwar erholt, bleibt jedoch volatil und stark auf wenige spezialisierte Mitgliedstaaten beschränkt. Ohne eine Diversifizierung der Bezugsquellen und eine weitere Stärkung der heimischen Fertigung wird die EU bei diesen Konsumgütern anfällig für künftige Lieferstörungen bleiben.