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Marktentwicklung: Federn und Kunstblumen (CN 67) — 2015–2025

Einleitung

Das Warenkapitel 67 des Harmonisierten Systems umfasst zugerichtete Federn und Daunen, künstliche Blumen und Blattwerk, zugerichtetes Menschenhaar sowie Perücken und ähnliche Erzeugnisse. Der vorliegende Bericht analysiert den EU-Außenhandel mit diesen heterogenen Produkten für den Zeitraum 2015 bis 2025 auf Basis der Daten des Trade Dashboards. Die EU ist in dieser Warengruppe Nettoimporteur; die Einfuhren stiegen in den vergangenen zehn Jahren weit stärker als die Ausfuhren. Besonders auffällig sind eine ausgeprägte Lieferkonzentration auf China, mehrere außergewöhnliche Preisschocks und ein tiefgreifender Wandel der EU-internen Produktion.

1. China dominiert die Einfuhren, während die EU-Exporte breiter streuen

Die EU-Importe haben sich wertmäßig mehr als verdoppelt und sind zu über 86 % auf China konzentriert.

Zwischen 2015 und 2025 stiegen die Einfuhren von Waren der CN 67 von 592,0 Mio. EUR auf 1.211,6 Mio. EUR, was einem Zuwachs von 104,7 % entspricht (Gesamtüberblick). Die eingeführte Menge wuchs noch kräftiger, nämlich von 52.260 Tonnen auf 125.519 Tonnen (+140,2 %). Gleichzeitig sank der Durchschnittspreis der Importe von 11.326 EUR/t auf 9.651 EUR/t (–14,8 %), was auf einen preisdämpfenden Mengeneffekt hindeutet.

Kennzahl Einfuhr 2015 2025 Veränderung (%)
Wert (Mio. EUR) 592,0 1.211,6 +104,7
Menge (Tonnen) 52.260 125.519 +140,2
Preis (EUR/t) 11.326 9.651 –14,8

Quelle: Gesamtüberblick

China ist mit Abstand der wichtigste Lieferant: Die Bezüge aus China legten um 129,0 % von 455,5 Mio. EUR auf 1.043,3 Mio. EUR zu und machen 2025 rund 86 % des EU-Importwerts aus (Top-Handelspartner). Die Lieferkonzentration (HHI) stieg von 5.995 auf 7.652, was diese Entwicklung unterstreicht (Konzentration). Weitere bedeutende, aber dynamisch sehr unterschiedliche Lieferanten sind Senegal (+350,1 %), Vietnam (+547,4 %) und Indonesien (+65,8 %), während Hongkong (–71,8 %) und das Vereinigte Königreich (–50,6 %) stark an Bedeutung verloren.

Top-Importpartner Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung (%)
China 455,5 1.043,3 +129,0
Senegal 3,1 14,0 +350,1
Vietnam 2,4 15,8 +547,4
Indonesien 22,7 37,6 +65,8
Hongkong 28,0 7,9 –71,8
Vereinigtes Königreich 15,4 7,6 –50,6

Quelle: Top-Handelspartner

Die Exporte wachsen langsamer und verteilen sich auf zahlreichere Zielländer.

Die EU-Ausfuhren stiegen im gleichen Zeitraum von 83,9 Mio. EUR auf 148,3 Mio. EUR (+76,8 %), die ausgeführte Menge von 3.326 Tonnen auf 5.741 Tonnen (+72,6 %). Die Exportpreise blieben mit einem Anstieg von 25.210 EUR/t auf 25.793 EUR/t nahezu stabil (+2,3 %) (Gesamtüberblick). Die Exporte sind geografisch deutlich ausgewogener – der HHI der Exporte sank von 1.127 auf 1.083 (Konzentration).

Die wichtigsten Abnehmer 2025 sind das Vereinigte Königreich (25,2 Mio. EUR, +46,0 %), die Schweiz (21,7 Mio. EUR, +86,4 %) und Norwegen (17,0 Mio. EUR, +53,3 %). China tritt neuerdings auch als bedeutendes Exportziel auf: Die Ausfuhren dorthin explodierten von 3,8 Mio. EUR auf 25,1 Mio. EUR (+559,5 %) (Top-Handelspartner). Russland verlor hingegen massiv (–45,8 %), was mit den ab 2022 verschärften Sanktionen zusammenhängen dürfte.

Top-Exportpartner Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung (%)
Vereinigtes Königreich 17,2 25,2 +46,0
Schweiz 11,7 21,7 +86,4
Norwegen 11,1 17,0 +53,3
China 3,8 25,1 +559,5
Serbien 0,4 2,6 +573,9
Russland 4,6 2,5 –45,8

Quelle: Top-Handelspartner

Das Handelsbilanzdefizit hat sich von 508,1 Mio. EUR auf 1.063,3 Mio. EUR mehr als verdoppelt (–109,3 %), getrieben vor allem durch die stark gestiegenen Einfuhren aus China.

2. Ungewöhnliche Preisschocks und hohe Volatilität prägen den Handel

Plötzliche Preissprünge auf mehreren Exportmärkten deuten auf angebots- oder nachfrageseitige Sondereffekte hin.

Die Analyse der Preisschocks zeigt vier außergewöhnliche Ereignisse im Export (Preisschocks):

Auch in den Importen gab es einen ausgeprägten Preisschock: Die Einfuhrpreise aus China stiegen 2022 um 29,8 %, fielen danach jedoch wieder zurück. Diese Bewegung könnte mit den globalen Frachtkosten und pandemiebedingten Lieferkettenstörungen zusammenhängen.

Die Volatilität ist in den Exporten insgesamt höher als in den Importen.

Die Mengenvolatilität (Coefficient of Variation) der Exporte in viele wichtige Partnerländer war extrem: China weist einen CV von 1,17 auf, Serbien 0,78, Ukraine 0,74 (Volatilität). Im Importbereich ist die Volatilität bei kleineren Lieferanten wie Türkei (CV 0,77) oder dem Vereinigten Königreich (CV 0,59) hoch, bei China (0,28) aber moderat, was die Stabilität der Massenlieferungen unterstreicht. Die EU-Importseite ist damit trotz extremer Konzentration weniger schwankungsanfällig.

3. Die EU-Produktion verlagert sich von Menge zu Wert – unterschiedliche Spezialisierungen der Mitgliedstaaten

Die EU-interne Produktion steigert den Wert, obwohl die Menge langfristig schrumpft.

Die verfügbaren Produktionsdaten (Prodcom) reichen bis 2024. Von 2003 bis 2024 fiel die Ausbringungsmenge von 504 Mio. Stück auf 238 Mio. Stück (–52,9 %), während der Produktionswert von 128,9 Mio. EUR auf 321,9 Mio. EUR stieg (+149,8 %) (Produktionsmenge). Die Preisrelation pro Einheit hat sich also ungefähr vervierfacht – ein klares Zeichen für die Verlagerung auf teurere, veredelte Erzeugnisse wie Echthaarperücken oder Designer-Kunstblumen.

Die Spezialisierung innerhalb der EU ist sehr ungleich verteilt.

Im Jahr 2025 sind die Niederlande (RSCA 0,32), Zypern (0,79) und Slowenien (0,31) am stärksten auf Waren der CN 67 spezialisiert, während insbesondere Malta, Luxemburg und Irland kaum in diesem Bereich aktiv sind (Spezialisierung). Bei den wichtigsten Importeuren unter den Mitgliedstaaten führen Deutschland (251 Mio. EUR), die Niederlande (183 Mio. EUR) und Polen (133 Mio. EUR), das mit +298 % das stärkste Wachstum aufweist (Mitgliedstaaten). Im Export dominieren Deutschland (36 Mio. EUR), Italien (27 Mio. EUR) und die Niederlande (17 Mio. EUR), wobei Polen hier sogar ein Plus von 405 % verzeichnet.

Top-Mitgliedstaat (Import) Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung (%)
Deutschland 148,6 251,0 +69,0
Niederlande 75,1 183,0 +143,5
Polen 33,3 132,6 +298,0
Frankreich 82,3 115,9 +40,8
Spanien 42,6 103,9 +143,6

Quelle: Mitgliedstaaten

Künstliche Blumen (6702) dominieren sowohl Ein- als auch Ausfuhren, während Perücken (6704) an Bedeutung gewinnen.

Die Unterteilung in die vier sechsstelligen Positionen zeigt eine klare Dominanz der künstlichen Blumen (6702): Sie stellen 2025 rund 63 % des Importwerts (769,5 Mio. EUR) und 45 % des Exportwerts (66,5 Mio. EUR) (Produktsegmente). Perücken und ähnliche Waren (6704) folgen mit 25,9 % der Importe und einem Viertel der Exporte. Federn und Daunen (6701) sowie zugerichtetes Haar (6703) spielen eine untergeordnete Rolle, wobei die Preise für 6703-Erzeugnisse sowohl im Import (179.828 EUR/t) als auch im Export (599.143 EUR/t) extrem hoch sind und auf hochwertige Echthaarprodukte schließen lassen.

Segment (CN-Code) Importwert 2025 (Mio. EUR) Importmenge 2025 (t) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Exportmenge 2025 (t)
Künstliche Blumen (6702) 769,5 113.950 66,5 4.703
Perücken u.ä. (6704) 313,8 8.429 59,9 722
Federn/Daunen (6701) 14,2 569 7,1 293
Menschenhaar (6703) 33,9 188 17,5 29

Quelle: Produktsegmente

Fazit

Der EU-Außenhandel mit Federn, Daunen, künstlichen Blumen und Perücken ist im letzten Jahrzehnt durch ein extrem starkes Importwachstum geprägt, das fast vollständig von China getragen wird. Die EU-Exporte können mit diesem Tempo nicht Schritt halten, sodass sich das Handelsdefizit verdoppelt hat. Gleichzeitig hat die EU-interne Produktion einen deutlichen Strukturwandel hin zu hochpreisigen Erzeugnissen vollzogen, was trotz sinkender Mengen zu einem kräftigen Wertanstieg führte. Die zunehmende Importabhängigkeit (74,9 % Nettoimportquote im Jahr 2024) und die mehrfach beobachteten Preisschocks unterstreichen die Anfälligkeit der europäischen Märkte für Störungen der Lieferkette. Für politische Entscheidungsträger bleibt die Diversifizierung der Bezugsquellen und die Förderung von wettbewerbsfähiger Spezialisierung in der EU ein zentrales Anliegen.