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Marktentwicklung: Künstliche Blumen und Früchte (CN 6702) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für künstliche Blumen, Blattwerk und Früchte (KN-Code 6702) umfasst Produkte aus Kunststoff (670210) sowie aus anderen Materialien wie Textilien oder Papier (670290). Die Europäische Union ist in diesem Segment ein Nettoimporteur mit einem hohen Importanteil, während die heimische Produktion in den letzten Jahren deutlich geschrumpft ist. Der Überblick auf dem Trade Dashboard zeigt, dass sich die EU-Importe im Betrachtungszeitraum von 2015 bis 2025 mehr als verdoppelt haben, während die Exporte zwar ebenfalls stiegen, aber in absoluten Zahlen weit hinter den Importen zurückbleiben. Der folgende Bericht analysiert die wesentlichen Marktdynamiken und identifiziert drei zentrale Entwicklungslinien.


1. Starke Importexpansion bei sinkender Eigenproduktion — Die EU als abhängiger Absatzmarkt

Importe haben sich zwischen 2015 und 2025 mehr als verdoppelt

Die allgemeine Handelsentwicklung zeigt ein außergewöhnliches Wachstum der EU-Importe aus Drittländern. Der Importwert stieg von 368,6 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 769,5 Mio. EUR im Jahr 2025, was einem Anstieg von 108,8 % entspricht. Besonders bemerkenswert ist, dass die importierte Menge mit einem Plus von 141,2 % (von 47.250 t auf 113.950 t) noch stärker wuchs als der Wert. Dies führte zu einem durchschnittlichen Preisrückgang der Importe um 13,4 %, von 7.801 EUR/t auf 6.753 EUR/t.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 368,6 769,5 +108,8 %
Importmenge (t) 47.250 113.950 +141,2 %
Importpreis (EUR/t) 7.801 6.753 −13,4 %
Exportwert (Mio. EUR) 33,5 66,5 +98,5 %
Exportmenge (t) 2.613 4.703 +79,9 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −335,1 −703,0 −109,8 %

Die heimische EU-Produktion ist drastisch geschrumpft

Die Produktionsdaten belegen einen Einbruch der EU-eigenen Fertigung. Der Produktionswert sank von 51,4 Mio. EUR auf 21,7 Mio. EUR — ein Rückgang von 57,8 %. In Verbindung mit den stark steigenden Importen ergibt sich eine zunehmende Importabhängigkeit: Die Netto-Importquote stieg von 85,8 % auf 96,8 %. Im Jahr 2025 wird der Binnenmarktbedarf somit fast vollständig durch Importe gedeckt.

China dominiert die Importseite mit steigendem Marktanteil

Die Partnerländeranalyse zeigt, dass China der mit Abstand wichtigste Lieferant ist. Die Importe aus China stiegen von 340,4 Mio. EUR (2015) auf 739,2 Mio. EUR (2025), ein Plus von 117,2 %. Der chinesische Anteil an den EU-Gesamtimporten liegt damit bei rund 96 %. Die Konzentration der Importe auf einen einzigen Partner ist hoch: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert lag 2025 bei 9.479 — ein Wert, der auf eine sehr hohe Konzentration hinweist und im Vergleich zu 2015 (8.557) noch gestiegen ist.

Lieferant 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 340,4 739,2 +117,2 %
Hongkong 20,4 4,8 −76,5 %
Vereinigtes Königreich 2,8 2,5 −11,0 %
Indien 0,5 4,0 +700,8 %
Türkei 0,1 1,7 +1.049,6 %
Vietnam 0,9 1,7 +101,2 %

Während China seine dominante Stellung ausbaute, sanken die Importe aus Hongkong um 76,5 % — ein Hinweis darauf, dass Hongkong als Zwischenhandelsplatz an Bedeutung verloren hat. Gleichzeitig stiegen kleinere Lieferanten wie die Türkei (+1.049,6 %) und Indien (+700,8 %) stark an, blieben aber in absoluten Zahlen noch marginal.


2. Zwei Produkte, zwei Preisentwicklungen — Segmentierung zwischen Kunststoff und Nicht-Kunststoff

Das Kunststoff-Segment (670210) wächst mengenmässig am stärksten

Die Produktsegmentanalyse offenbart einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Unterpositionen. Die Importe von Kunststoffblumen (670210) stiegen mengenmäßig von 24.442 t auf 79.515 t — ein Plus von 225 %. Das macht Kunststoffprodukte zum klaren Wachstumstreiber der Importexpansion. Der durchschnittliche Importpreis für dieses Segment sank von 7.088 EUR/t auf 6.354 EUR/t, was auf Preisdruck durch chinesische Massenproduktion hindeutet.

Segment Importmenge 2015 (t) Importmenge 2025 (t) Veränderung
670210 — Kunststoff 24.442 79.515 +225,3 %
670290 — Sonstige 22.809 34.435 +51,0 %

Das Nicht-Kunststoff-Segment zeigt eine divergierende Exportpreisentwicklung

Während die Importpreise in beiden Segmenten rückläufig sind, verlaufen die Exportpreise gegensätzlich. Die Daten zeigen, dass der durchschnittliche Exportpreis für Nicht-Kunststoff-Produkte (670290) von 12.866 EUR/t im Jahr 2015 auf 19.633 EUR/t im Jahr 2025 kletterte — ein Anstieg von 52,6 %. Demgegenüber sank der Exportpreis für Kunststoffprodukte von 12.736 EUR/t auf 11.062 EUR/t (−13,1 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU im Segment der hochwertigen, nicht-plastischen künstlichen Blumen (z. B. aus Textil oder Seide) eine Nische besetzt, in der Qualitäts- und Designvorteile höhere Preise ermöglichen.

Segment Exportpreis 2015 (EUR/t) Exportpreis 2025 (EUR/t) Veränderung
670210 — Kunststoff 12.736 11.062 −13,1 %
670290 — Sonstige 12.866 19.633 +52,6 %

Die EU-Spezialisierung konzentriert sich auf wenige Mitgliedstaaten

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass die Niederlande mit einem RSCA-Wert von 0,47 die mit Abstand höchste Spezialisierung aufweisen — gefolgt von Slowenien (0,39) und Polen (0,22). Die Niederlande spielen als Handels- und Logistikdrehkreuz eine Schlüsselrolle: Mit 40,2 % der EU-Produktion, aber nur 14,5 % des Gesamthandels, fungieren sie als zentraler Umschlagplatz. Gleichzeitig sind viele kleinere EU-Staaten (Malta, Zypern, Irland, Luxemburg) praktisch unspezialisiert in diesem Marktsegment.


3. Geopolitische Umbrüche und Handelsverschiebungen — Brexit, Ukraine-Krieg und neue Exportmärkte

Die Exporte in die Russische Föderation sind eingebrochen

Die Handelspartnerdaten zeigen einen dramatischen Rückgang der EU-Exporte nach Russland. Der Exportwert sank von 3,0 Mio. EUR (2015) auf 0,4 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 86,0 %. Der größte Teil dieses Einbruchs dürfte mit den Sanktionen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 zusammenhängen. Die Volatilitätsanalyse bestätigt, dass die Exporte nach Russland mit einem Variationskoeffizienten von 0,59 eine hohe Schwankungsbreite aufweisen.

Gleichzeitig wuchsen Exporte in Nachbarländer und neue Märkte stark

Als Kompensation für den russischen Marktverlust expandierten die EU-Exporte in andere Richtungen. Besonders auffällig sind die Entwicklungen bei folgenden Handelspartnern:

Exportziel 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Serbien 0,1 2,1 +1.365,7 %
Ukraine 0,2 2,6 +1.113,8 %
Marokko 0,2 1,2 +493,7 %
Schweiz 6,2 12,9 +109,1 %

Die Volatilitätsdaten zeigen jedoch, dass diese neuen Märkte auch mit höherer Unsicherheit verbunden sind: Serbien (CV 0,80) und Ukraine (CV 0,81) weisen die höchsten Schwankungsraten unter den Exportpartnern auf.

Preispreisschocks im Jahr 2022 deuten auf Nach-Covid-Lieferengpässe hin

Die Analyse von Preisschocks identifiziert einen signifikanten Preisschock bei den Exporten nach Norwegen im Jahr 2022: Der Preis stieg um 18,1 % bei einer Abnormalität von 120,2 und einem Anteil von 22,7 % am Exportwert. Ein weiterer Schock betraf die USA (+81,1 % im selben Jahr). Diese Ereignisse fallen in die Phase der globalen Supply-Chain-Störungen nach der Covid-19-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Krieges, die Lieferkettenverkürzungen und steigende Transportkosten zur Folge hatten.

Die EU-Märkte mit dem höchsten Importwachstum liegen im Osten

Innerhalb der EU zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung der Importmärkte. Die Daten nach EU-Mitgliedstaaten offenbaren, dass die Niederlande (+169,5 %) und insbesondere Polen (+302,0 %) die stärkste Importexpansion verzeichneten. Polens Importe stiegen von 27,6 Mio. EUR auf 110,8 Mio. EUR. Deutschland bleibt mit 126,1 Mio. EUR (2025) der größte Einzelimporteur, wuchs aber vergleichsweise moderat um 35,4 %.

EU-Importeur 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 93,2 126,1 +35,4 %
Niederlande 56,6 152,4 +169,5 %
Polen 27,6 110,8 +302,0 %
Frankreich 38,0 71,4 +87,7 %
Italien 54,2 65,3 +20,5 %
Spanien 29,1 49,4 +69,6 %

Fazit

Der EU-Markt für künstliche Blumen und Früchte hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens hat sich die Abhängigkeit von Importen — insbesondere aus China — weiter vertieft. Die heimische EU-Produktion ist um fast 58 % eingebrochen, während die Importe sich mehr als verdoppelt haben. Die Netto-Importquote von 96,8 % im Jahr 2025 zeigt, dass die EU in diesem Segment kaum noch eigenständige Produktionskapazitäten besitzt. Die hohe Konzentration der Importe auf wenige Partnerländer birgt dabei strategische Risiken.

Zweitens divergieren die beiden Produktsegmente: Während Kunststoffprodukte mengenbasiert dominieren und unter Preisdruck stehen, konnten EU-Exporteure im Nicht-Kunststoff-Segment deutlich höhere Preise erzielen — ein Hinweis auf eine Spezialisierung der verbleibenden europäischen Produzenten auf hochwertige Nischenprodukte.

Drittens haben geopolitische Ereignisse die Handelsströme umgeformt. Der Wegfall des russischen Marktes wurde teilweise durch starkes Wachstum in Richtung Serbien, Ukraine und Marokko kompensiert, wenngleich diese Märkte mit höherer Volatilität verbunden sind. Innerhalb der EU haben osteuropäische Märkte wie Polen an Bedeutung gewonnen, was auf Verlagerungen in der Wertschöpfungskette und steigende Binnennachfrage hindeuten könnte.

Insgesamt zeigt sich ein Markt, der trotz — oder gerade wegen — der zunehmenden Importabhängigkeit für die EU-Exportseite eine gewisse Resilienz entwickelt hat, allerdings auf einem niedrigeren Volumenniveau. Die Exportquote stieg von 51,5 % auf 265,7 %, was darauf hindeutet, dass die verbleibende EU-Produktion zunehmend exportorientiert arbeitet — ein Muster, das in vielen geschrumpften Industrien zu beobachten ist.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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