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Marktentwicklung: Perücken und Haarwaren (CN 6704) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifposition CN 6704 umfasst Perücken, Bärte, Augenbrauen, Augenwimpern, Locken und vergleichbare Erzeugnisse aus Menschenhaaren, Tierhaaren oder Spinnstoffen sowie Waren aus Menschenhaaren. Der Markt für diese Produkte hat sich in der EU zwischen 2015 und 2025 erheblich dynamisiert: Die Importe stiegen um 87,7 % auf 313,8 Mio. EUR, die Exporte sogar um 121,8 % auf 59,9 Mio. EUR. Gleichzeitig verschob sich die Produktionsstruktur der EU — die heimische Fertigung verlagerte sich in wertvollere, mengenreduzierte Segmente. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Handelsdynamiken, die sich aus den Daten für den Zeitraum 2015 bis 2025 ergeben.

Übersicht und Definitionsrahmen auf dem Trade Dashboard


1. Nachfrageboom und steigende Importabhängigkeit: Das Wachstum des EU-Marktes

Der EU-Handel verdoppelte sich nahezu in Volumen und Wert

Im Zeitraum 2015–2025 wuchsen sowohl Importe als auch Exporte der EU im Bereich CN 6704 signifikant. Die Importe stiegen von 167,2 Mio. EUR auf 313,8 Mio. EUR (+87,7 %), die Exporte von 27,0 Mio. EUR auf 59,9 Mio. EUR (+121,8 %). In Mengentermen betrug der Anstieg bei den Importen 104,4 % (von 4.124 t auf 8.429 t), bei den Exporten 121,2 % (von 327 t auf 722 t).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert, Mio. EUR) 167,2 313,8 +87,7 %
Exporte (Wert, Mio. EUR) 27,0 59,9 +121,8 %
Importe (Menge, t) 4.124 8.429 +104,4 %
Exporte (Menge, t) 327 722 +121,2 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −140,2 −253,9 −81,2 %

Handelsentwicklung auf dem Trade Dashboard

Die Nettoimportabhängigkeit erreichte fast 90 %

Die Nettoimportabhängigkeit der EU stieg von 62,5 % im Jahr 2015 auf 88,0 % im Jahr 2025 — ein Anstieg um 40,8 % relativ. Der Höchstwert wurde 2023 mit 90,3 % erreicht. Dies zeigt, dass die EU trotz eines Anstiegs der heimischen Produktion im Wert von 34,7 Mio. EUR auf 40,0 Mio. EUR (+15,3 %) bei der Versorgung mit Perücken und Haarwaren zunehmend auf Drittstaaten angewiesen ist.

Nettoimportabhängigkeit

Die Importpreise sanken leicht, während die Exportpreise stabil blieben

Der durchschnittliche Importpreis fiel von 40.508 EUR/t auf 37.191 EUR/t (−8,2 %), was auf steigende Volumina aus kostengünstigen Herkunftsländern hindeutet. Demgegenüber blieb der Exportpreis mit rund 82.500 EUR/t nahezu unverändert (Veränderung: +0,2 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU vor allem hochwertigere oder weiterverarbeitete Erzeugnisse exportiert.

Synthetische Spinnstoffe dominieren mengenmäßig den Importmarkt

Die Segmentanalyse nach Unterpositionen zeigt eine klare Aufteilung:

Unterposition Importe 2025 (Wert, Mio. EUR) Importe 2025 (Menge, t) Beschreibung
670420 146,4 817 Menschenhaarerzeugnisse
670419 97,1 5.428 Synth. Spinnstoffe (außer vollständige Perücken)
670411 44,8 1.125 Vollständige Perücken aus synth. Spinnstoffen
670490 25,5 1.059 Tierhaare/andere Spinnstoffe

Synthetische Spinnstoffe (670419) machen mengenmäßig mit 5.428 t den mit Abstand größten Teil der Importe aus, während Menschenhaarprodukte (670420) mit 146,4 Mio. EUR wertmäßig dominieren — aufgrund eines deutlich höheren Durchschnittspreises von 178.827 EUR/t gegenüber nur 17.861 EUR/t für 670419.

Produktvergleich auf dem Trade Dashboard


2. China dominiert, Afrika gewinnt an Bedeutung: Die Verschiebung der Handelspartnerstruktur

China ist der mit Abstand wichtigste Importlieferant

China lieferte 2025 Waren im Wert von 198,7 Mio. EUR an die EU — ein Anstieg von 113,2 % gegenüber 2015 (93,2 Mio. EUR). Mit einem Anteil von über 63 % am Importwert und einem HHI-Index (Herfindahl-Hirschman-Index) von 4.411 für die Importkonzentration nach Wert ist der EU-Markt hochgradig von wenigen Lieferanten abhängig, wobei China die dominierende Position einnimmt.

Partnerland Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 93,2 198,7 +113,2 %
Indonesien 21,2 37,1 +75,0 %
Senegal 3,1 14,0 +350,2 %
Nigeria 0,1 0,5 +289,2 %
USA 11,5 8,4 −26,4 %
Vereinigtes Königreich 10,6 4,3 −59,6 %
Togo 1,3 0,5 −58,5 %

Top-Handelspartner auf dem Trade Dashboard

Afrikanische Lieferanten vergrößern ihren Marktanteil deutlich

Besonders auffällig ist das Wachstum afrikanischer Lieferanten. Senegal steigerte seine Exporte in die EU von 3,1 Mio. EUR auf 14,0 Mio. EUR (+350,2 %), Nigeria von 0,1 Mio. EUR auf 0,5 Mio. EUR (+289,2 %). Dies deutet auf eine Diversifikationsbewegung bei der Beschaffung von Naturhaar-Rohstoffen und -Halbfertigprodukten hin — möglicherweise auch als Reaktion auf Lieferkettenengpässe aus Asien.

Die Exportziele der EU verschieben sich nach China und in europäische Nachbarländer

Auf der Exportseite zeigt sich ein bemerkenswerter Strukturwandel. Die EU-Exporte nach China stiegen von nur 324.000 EUR auf 16,4 Mio. EUR (+4.952 %). China ist damit 2025 nach dem Vereinigten Königreich (10,0 Mio. EUR) das zweitwichtigste Exportziel. Weiterhin bedeutsam sind die USA (7,5 Mio. EUR, +88,3 %), die Schweiz (6,6 Mio. EUR, +89,0 %) und Norwegen (6,0 Mio. EUR, +61,9 %).

Exportziel Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 5,3 10,0 +88,0 %
China 0,3 16,4 +4.952,4 %
USA 4,0 7,5 +88,3 %
Schweiz 3,5 6,6 +89,0 %
Norwegen 3,7 6,0 +61,9 %
Russland 1,5 2,0 +35,8 %
Tunesien 0,2 0,03 −85,1 %

Exportpartner auf dem Trade Dashboard

Deutschland, Frankreich und die Niederlande sind die größten EU-Importeure und -Exporteure

Innerhalb der EU ist Deutschland sowohl der größte Importeur (79,0 Mio. EUR, +60,7 %) als auch der größte Exporteur (22,0 Mio. EUR, +90,8 %). Italien und die Niederlande folgen auf den Plätzen. Auffällig ist das starke Wachstum Polens: Die polnischen Importe stiegen um 396,4 % (von 4,1 Mio. EUR auf 20,2 Mio. EUR), die Exporte sogar um 1.516,8 % (von 0,3 Mio. EUR auf 5,5 Mio. EUR). Dies deutet auf Polen als aufstrebenden Produktions- und Distributionsstandort in der EU hin.

EU-Reportergebnisse nach Land


3. Produktionswandel, Lieferrisiken und zunehmende Exportorientierung der EU

Die EU-Fertigung wandelt sich: weniger Volumen, mehr Wertschöpfung

Die Produktionsmengen der EU sanken im betrachteten Zeitraum dramatisch — von 500.050.000 kg (2015) auf nur noch 160.000 kg (2025). Dieser Rückgang um praktisch 100 % steht im Gegensatz zum Anstieg des Produktionswerts von 34,7 Mio. EUR auf 40,0 Mio. EUR (+15,3 %). Die Erklärung liegt in einer qualitativen Verschiebung: Die EU konzentriert sich zunehmend auf hochwertige, spezialisierte Produkte (z. B. maßgefertigte Perücken aus Menschenhaaren), während die Massenproduktion synthetischer Waren in Drittländer verlagert wird.

Produktionsvolumen und -wert

Schwellenländer wie Bangladesch und Vietnam weisen hohe Liefervolatilität auf

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient) der Importströme zeigt, dass einzelne Partnerländer erhebliche Schwankungen aufweisen:

Lieferant Variationskoeffizient (Importe)
Bangladesch 0,709
Vereinigtes Königreich 0,684
Hongkong 0,651
Tansania 0,611
Senegal 0,535
Vietnam 0,500

Auf der Exportseite ist die Volatilität bei China besonders hoch (CV = 1,903), was mit den identifizierten Schocks zusammenhängt.

Volatilitätsanalyse auf dem Trade Dashboard

Spezifische Schocks prägten den Handel zwischen 2018 und 2022

Drei signifikante Handelsschocks wurden identifiziert:

  1. China-Exportschock 2019 (Angebotsschock): Die EU-Exporte nach China sanken um 64,8 % (Abnormalitätsindex: 15,4). Dies könnte auf eine Verlagerung der Lieferketten oder regulatorische Änderungen in China zurückzuführen sein — möglicherweise im Zusammenhang mit verschärften Zollkontrollen oder der Vorbereitung auf die Handelskonflikte.

  2. Indonesischer Preischock 2022: Die Importpreise aus Indonesien stiegen um 24,7 % (Abnormalitätsindex: 12,5). Angesichts des Importanteils von Indonesien (17,5 %) hatte dies spürbare Auswirkungen auf die gesamten Einkaufskosten der EU.

  3. China-Preisschock 2018 (Exporte): Die EU-Exportpreise nach China explodierten 2018 um 373,8 % (Abnormalitätsindex: 11,1), was auf den Export hochwertiger Produkte oder eine Verschiebung der Produktmischung hindeutet.

Identifizierte Schocks auf dem Trade Dashboard

Die Exportorientierung der EU stieg dramatisch an

Drei Indikatoren für Handelsoffenheit und Verwundbarkeit zeigen bemerkenswerte Entwicklungen:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Nettoimportabhängigkeit 62,5 % 88,0 % +40,8 % relativ
Handelsintensität 84,3 % 110,2 % +30,7 % relativ
Exportneigung 50,3 % 205,4 % +308,3 % relativ

Die Exportneigung — definiert als Verhältnis der Exporte zur heimischen Produktion — stieg von 50,3 % auf 205,4 %. Das bedeutet, dass die EU 2025 mehr als das Doppelte ihres Produktionswerts exportierte. Dies ist nur erklärbar durch Re-Exporte (Importe, die nach geringer Veredelung weiterexportiert werden) und durch die zunehmende Rolle der EU als Handels- und Logistik-Drehscheibe für Perücken und Haarwaren.

Handelsoffenheitsindikatoren auf dem Trade Dashboard

Spezialisierungsmuster: Schweden und Tschechien führen, viele Mitgliedstaaten sind unbedeutend

Die Analyse der aufbereiteten Handelsvorteile (RSCA) zeigt erhebliche Unterschiede innerhalb der EU:

Am stärksten spezialisiert RSCA
Schweden 0,392
Tschechien 0,299
Deutschland 0,287
Österreich 0,254
Slowenien 0,238
Am schwächsten spezialisiert RSCA
Luxemburg −0,997
Litauen −0,994
Irland −0,934
Finnland −0,905
Rumänien −0,895

Deutschland allein produziert 38,2 % des EU-weiten Produktionswerts (Anteil am gesamten Handel: 21,2 %). Kleine Mitgliedstaaten wie Luxemburg und Litauen sind im Segment praktisch nicht präsent.

Spezialisierungsanalyse auf dem Trade Dashboard


Fazit

Der EU-Markt für Perücken und Haarwaren (CN 6704) hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem wachsenden, aber relativ ausgeglichenen Markt zu einer stark importabhängigen und zugleich exportorientierten Struktur entwickelt. Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

  1. Starkes Nachfragewachstum: Sowohl Importe (+87,7 %) als auch Exporte (+121,8 %) wuchsen deutlich, was auf eine steigende Nachfrage nach Perücken und Haarprodukten in Europa hinweist — getrieben durch Modetrends, eine alternde Bevölkerung und das Wachstum der Beauty-Industrie.

  2. Zunehmende China-Abhängigkeit bei gleichzeitiger Diversifikation: China dominiert den Importmarkt mit über 63 % Anteil, gleichzeitig gewinnen afrikanische Lieferanten wie Senegal und Nigeria an Bedeutung. Die Importkonzentration (HHI: 4.411) bleibt jedoch hoch und birgt Lieferkettenrisiken.

  3. Strukturwandel der EU-Produktion: Die EU verlagert sich von der mengenintensiven Massenproduktion hin zu hochwertigen Spezialprodukten. Bei einem Rückgang der Produktionsmengen auf nahezu null Kilogramm stieg der Produktionswert leicht an — ein klares Zeichen für eine Qualitäts- und Wertestrategie.

  4. Die EU als Handelsdrehscheibe: Die dramatisch gestiegene Exportneigung (von 50 % auf 205 %) zeigt, dass die EU zunehmend als Umschlag- und Veredelungsstandort fungiert, insbesondere für den Re-Export nach China und in Drittmärkte.

  5. Anfälligkeit für Schocks: Identifizierte Handelsschocks (2018, 2019, 2022) unterstreichen die Verwundbarkeit der Lieferketten, insbesondere bei der Abhängigkeit von chinesischen und indonesischen Lieferanten. Eine strategische Diversifizierung der Beschaffung wäre angeraten.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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