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Marktentwicklung: Altpapier und Zellstoff (CN 47) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU im Bereich CN 47 — Halbstoffe aus Holz oder anderen cellulosehaltigen Faserstoffen; Papier oder Pappe (Abfälle und Ausschuss) zur Wiedergewinnung — im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Warengruppe umfasst mechanische und chemische Holzschliffe, verschiedene Zellstoffarten (Natron-/Sulfat-, Sulfit- sowie Halbzellstoffe) sowie Altpapier und -pappe zur Wiederverwertung. Die Daten beziehen sich auf den Handel der EU mit Drittländern. Im Beobachtungszeitraum hat sich die EU von einem deutlichen Nettoimporteur zu einer Position annähernder Handelsautonomie entwickelt, wobei gleichzeitig eine bemerkenswerte Exportdynamik insbesondere nach Asien einsetzte.


1. Vom Nettoimporteur zum Nettogleichgewicht — Strukturwandel des EU-Handelsbilanz

Die EU-Handelsbilanz kehrte sich zwischen 2015 und 2025 vollständig um

Die Entwicklung der EU-Handelsbilanz im Zeitraum 2015–2025 zeigt einen außergewöhnlichen Strukturwandel. Im Jahr 2015 wies die EU ein Handelsdefizit von rund 1,97 Mrd. EUR auf (Gesamtübersicht). Im Jahr 2025 belief sich der Saldo auf rund +1,00 Mrd. EUR — eine Verbesserung um über 150 %. Die Nettoimportabhängigkeit sank im selben Zeitraum von 26,6 % auf nur noch 5,1 % (Nettoimportabhängigkeit).

Exportwachstum übertraf das Importwachstum bei weitem

Die Exporte stiegen im Wert um 76,2 % (von 3,33 Mrd. EUR auf 5,87 Mrd. EUR), bei einem Mengenwachstum von 23,9 % und einem Preisanstieg von 42,2 %. Demgegenüber sanken die Importe im Wert um 8,0 % und mengenmäßig um 9,6 %. Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 298 EUR/t auf 423 EUR/t, während der Importpreis nahezu unverändert bei rund 503 bis 513 EUR/t verharrte (Gesamtübersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 3,33 5,87 +76,2 %
Exportmenge (Mio. t) 11,20 13,87 +23,9 %
Importwert (Mrd. EUR) 5,30 4,88 −8,0 %
Importmenge (Mio. t) 10,53 9,51 −9,6 %
Handelsbilanz (Mrd. EUR) −1,97 +1,00 +150,6 %
Nettoimportabhängigkeit (%) 26,6 5,1 −80,7 %

Die Exportneigung stieg drastisch, während die Handelsintensität moderat zunahm

Die Exportneigung (Exporte in % der Produktion) verdoppelte sich nahezu von 17,9 % auf 39,5 % — ein Anstieg um 120,2 %. Dies signalisiert, dass die EU-Produzenten zunehmend auf Drittmärkte ausgerichtet sind. Die Handelsintensität (Handelssumme relativ zur Produktion) stieg von 46,8 % auf 58,3 % (Exportneigung; Handelsintensität).


2. Geographische Neuausrichtung — Asien als Motor des EU-Exportwachstums

Die wichtigsten Exportziele liegen nun in Asien und nicht mehr in Europa

Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen ist die geographische Verschiebung der EU-Exporte. China ist mit 2,25 Mrd. EUR (2025) das mit Abstand wichtigste Exportziel (+43,6 % gegenüber 2015). Indien verzeichnete das stärkste relative Wachstum aller großen Partner mit +229,3 % (von 187 Mio. EUR auf 615 Mio. EUR). Vietnam (+473,0 %), Thailand (+268,4 %) und die Türkei (+97,7 %) vervielfachten ihre Importe aus der EU (Top-Exportpartner).

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 1.568 2.252 +43,6 %
Indien 187 615 +229,3 %
Türkei 238 471 +97,7 %
Indonesien 213 299 +40,0 %
Vereinigtes Königreich 306 263 −14,0 %
Vietnam 20 117 +473,0 %
Thailand 38 140 +268,4 %

Die Exportkonzentration nahm ab — Märkte wurden diversifizierter

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte sank von 2.452 auf 1.766 (−28,0 %), was auf eine deutlich diversifizierte Exportstruktur hindeutet (Konzentration HHI). Die EU exportiert heute in wesentlich mehr Märkte als noch 2015, was die Abhängigkeit von einzelnen Partnern reduziert.

Brasilien und Uruguay bleiben dominierende Importquellen, aber Chile verliert deutlich

Auf der Importseite bleibt Brasilien der mit Abstand wichtigste Lieferant mit 2,25 Mrd. EUR in 2025 (+8,8 %). Uruguay stieg um 25,3 %, während Chile mit −46,0 % den stärksten Rückgang verzeichnete. Das Vereinigte Königreich verlor nach dem Brexit an Bedeutung (−35,9 %), und die USA verloren leicht (−12,4 %). Gleichzeitig stieg die Importkonzentration (HHI) von 2.286 auf 2.869 (+25,5 %), was bedeutet, dass die EU bei ihren Importen von weniger Partnern abhängig wurde (Top-Importpartner).

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Brasilien 2.072 2.255 +8,8 %
USA 1.197 1.049 −12,4 %
Uruguay 556 697 +25,3 %
Chile 489 264 −46,0 %
Vereinigtes Königreich 216 138 −35,9 %
Norwegen 163 223 +36,2 %
Schweiz 73 57 −20,9 %

Skandinavische Länder dominieren die EU-Produktion und den Export

Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierungsstruktur. Finnland (RCA 10,26) und Schweden (RCA 6,33) sind die am stärksten spezialisierten Produzenten und Exporteure (Spezialisierung). Finnlands Exporte stiegen von 789 Mio. EUR auf 1,81 Mrd. EUR (+128,9 %), Schwedens von 730 Mio. EUR auf 1,47 Mrd. EUR (+101,9 %). Portugal (RCA 4,07) ist ein weiterer bedeutender Produzent mit starkem Exportwachstum (+133,2 %). Deutschland, obwohl der viertgrößte Exporteur, ist Nettoimporteur und weist eine negative Spezialisierung auf (EU-Innerstaatliche Exporteure; EU-Innerstaatliche Importeure).

EU-Mitglied Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Finnland 1.806 +128,9 %
Schweden 1.474 +101,9 %
Deutschland 472 +44,9 %
Niederlande 355 +31,9 %
Portugal 320 +133,2 %
Spanien 246 +52,9 %
Frankreich 227 +59,1 %

3. Preisschocks und Produktsegmente — Preisdynamik als Spiegel globaler Angebotsengpässe

Zellstoff (4703) dominiert sowohl Importe als auch Exporte

Das mit Abstand wichtigste Produktsegment innerhalb von CN 47 ist der chemische Zellstoff (Natron-/Sulfat, CN 4703). Er machte 2025 rund 83 % der Importe nach Wert aus (4,03 Mrd. EUR von 4,88 Mrd. EUR). Bei den Exporten entfielen auf CN 4703 rund 69 % (4,05 Mrd. EUR). Altpapier (CN 4707) ist das zweitwichtigste Segment mit 7 % der Importe und 14 % der Exporte (Produktsegmente).

Segment Beschreibung Importanteil 2025 (Wert) Exportanteil 2025 (Wert)
4703 Chemischer Zellstoff (Natron-/Sulfat) 82,6 % 69,1 %
4707 Altpapier/-pappe zur Wiedergewinnung 6,9 % 14,2 %
4702 Zellstoff zum Auflösen 6,0 % 10,8 %
4705 Halbzellstoff (mechanisch-chemisch) 1,2 % 3,0 %
4706 Halbstoffe aus Abfällen 2,5 % 1,4 %
4701 Mechanischer Holzschliff 0,4 % 0,5 %
4704 Sulfitzellstoff 0,2 % 0,5 %

Der Preis für Altpapierexporte zeigte extreme Schwankungen mit einem Höhepunkt 2022

Der Exportpreis für Altpapier (CN 4707) stieg von 130 EUR/t (2015) auf 190 EUR/t (2022), bevor er auf 140 EUR/t (2025) zurückging. Der Importpreis für Altpapier verlief ähnlich, mit einem Peak von 230 EUR/t in 2022. Für chemischen Zellstoff (CN 4703) stieg der Exportpreis von 562 EUR/t auf 763 EUR/t im Jahr 2022 und sank dann auf 613 EUR/t in 2025 — ein Anstieg um 9 % gegenüber 2015. Der Importpreis folgte einem ähnlichen Muster mit einem Peak von 781 EUR/t in 2022 (Produktsegmente).

Preispreisschocks in Südostasien 2021 deuten auf pandemiebedingte Angebotsengpässe hin

Im Jahr 2021 wurden bei drei bedeutenden Exportpartnern außergewöhnliche Preisschocks festgestellt. Vietnam verzeichnete einen Preisanstieg von +140,6 % (Abnormalität: 23,1), Thailand +113,4 % (Abnormalität: 18,7) und Indonesien +42,6 % (Abnormalität: 14,3) (Angebotspreisschocks). Diese Preisschocks traten im Kontext der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen globalen Lieferkettenstörungen auf, als die Nachfrage nach Zellstoff in Asien stieg und gleichzeitig Logistikengpässe die Exporte verteuerten. Die hohe Volatilität bei Exporten in die USA (Variationskoeffizient 0,68) und Malaysia (0,88) sowie bei Importen aus Russland (0,66) und Kanada (0,48) unterstreicht die Sensitivität des Marktes gegenüber geopolitischen und logistischen Ereignissen (Volatilitätsindikatoren).

Die EU-Produktion blieb mengenmäßig weitgehend stabil, aber der Produktionswert stieg stark

Die EU-Produktion von CN 47 stieg mengenmäßig nur um 5,5 % (von 17,1 Mrd. kg 90 % sdt auf 18,0 Mrd. kg 90 % sdt), im Wert jedoch um 61,4 % (von 7,5 Mrd. EUR auf 12,2 Mrd. EUR) (Produktionsvolumen). Dies deutet auf einen erheblichen Preiseffekt hin — die Produktionswertsteigerung übersteigt die Mengenausdeutung um das Elffache — was sowohl auf gestiegene Rohstoffkosten als auch auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktionsgütern innerhalb der Warengruppe hindeuten kann.


Fazit

Die EU hat im Zeitraum 2015–2025 eine bemerkenswerte Transformation im Bereich CN 47 vollzogen. Aus einem Nettoimporteur mit einer Abhängigkeit von 26,6 % wurde ein Markt mit nahezu ausgeglichener Handelsbilanz und einer Nettoimportabhängigkeit von nur noch 5,1 %. Dieser Strukturwandel wurde vor allem durch ein starkes Exportwachstum (+76,2 % im Wert) angetrieben, während die Importe gleichzeitig leicht zurückgingen. Die geographische Neuausrichtung der Exporte nach Asien — insbesondere nach China, Indien, Vietnam und Thailand — ist dabei die auffälligste Entwicklung. Skandinavische Produzenten (Finnland, Schweden) profitierten am stärksten von dieser Dynamik. Gleichzeitig blieb die EU bei chemischem Zellstoff (CN 4703) weiterhin auf Importe aus Brasilien, Uruguay und den USA angewiesen. Die Preisschocks von 2021–2022 in Südostasien illustrieren die anhaltende Vulnerabilität des Marktes gegenüber globalen Störungen, während die steigende Exportkonzentrationsdiversifizierung (sinkender HHI) auf der Exportseite eine gewisse Resilienz gegenüber einzelnen Marktrisiken schafft. Die nahezu vollständige Umkehr der Handelsbilanz und die Verdopplung der Exportneigung markieren einen Wendepunkt, der die EU vom Konsumenten globaler Zellstoffströme zu einem zunehmend wichtigen Produzenten und Exporteur macht.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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