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Marktentwicklung: Kieselgur (CN 2512) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht untersucht die Entwicklung des EU-Außenhandels mit dem Zolltarifprodukt CN 2512 — Kieselgur, Diatomit und ähnliche kieselsäurehaltige Erden — im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die analysierten Daten umfassen Importe, Exporte, Handelspartner, Produktionsvolumina sowie Konzentrations- und Volatilitätsindikatoren. Die zentrale Erkenntnis der vergangenen Dekade ist ein markanter Strukturwandel: Während die Handelswerte sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite deutlich gestiegen sind, sind die physischen Volumina weitgehend stagniert oder rückläufig — ein klares Signal für eine fundamentale Verteuerung des Rohstoffs. Gleichzeitig hat sich die EU-Handelsbilanz erheblich verschlechtert, ohne dass sich die zugrunde liegende Lieferstruktur wesentlich verändert hätte. Die Detailübersicht auf dem Trade Dashboard bildet die Grundlage dieser Analyse.


1. Preisexplosion bei schrumpfenden Volumina: Die EU zahlt mehr für weniger

1.1 Exportpreise haben sich mehr als verdoppelt, während die Exportmengen um über 40 % sanken

Der offensichtlichste Trend im Zeitraum 2015–2025 ist die massive Preissteigerung bei gleichzeitigem Rückgang der Handelsvolumina, insbesondere auf der Exportseite. Die EU exportierte 2015 noch rund 46.101 Tonnen CN 2512 im Wert von ca. 19,4 Mio. EUR; bis 2025 sank die Menge auf 26.174 Tonnen (−43,2 %), während der Wert auf 23,2 Mio. EUR stieg (+19,2 %). Der durchschnittliche Exportpreis verfünffachte sich nahezu: von 421 EUR/t auf 885 EUR/t (+109,9 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportvolumen (t) 46.101 26.174 −43,2 %
Exportwert (EUR) 19.430.717 23.159.567 +19,2 %
Exportpreis (EUR/t) 421 885 +109,9 %

Handelsübersicht Exporte

1.2 Auch bei Importen dominiert der Preisanstieg, doch hier blieben die Mengen stabiler

Auf der Importseite zeigt sich ein ähnliches, wenn auch weniger extremes Muster. Die EU-importierte Menge blieb nahezu unverändert (von 36.100 t auf 35.926 t, lediglich −0,5 %), doch der Importwert stieg von 22,3 Mio. EUR auf 34,6 Mio. EUR (+54,9 %). Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von 618 EUR/t auf 962 EUR/t (+55,6 %). Auffällig ist, dass der Importpreis bereits zu Beginn des Betrachtungszeitraums deutlich über dem Exportpreis lag (618 vs. 421 EUR/t), was auf eine höhere Wertschöpfung der importierten Güter oder eine unterschiedliche Produktqualität hindeuten könnte.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importvolumen (t) 36.100 35.926 −0,5 %
Importwert (EUR) 22.322.515 34.574.595 +54,9 %
Importpreis (EUR/t) 618 962 +55,6 %

1.3 Die Handelsbilanz hat sich erheblich verschlechtert

Die EU war im gesamten Betrachtungszeitraum Nettoimporteur von CN 2512. Das Handelsbilanzdefizit vertiefte sich jedoch erheblich: von rund −2,9 Mio. EUR im Jahr 2015 auf −11,4 Mio. EUR im Jahr 2025 (−294,7 %). Der Tiefpunkt wurde mit −14,4 Mio. EUR zu einem nicht genauer spezifizierten Zeitpunkt innerhalb des Beobachtungszeitraums erreicht. Dies spiegelt wider, dass die Importwertsteigerung die Exportwertsteigerung bei weitem übertraf — trotz der dynamischen Preisentwicklung auf der Exportseite.

Handelsbilanz und Gesamtübersicht


2. Hochkonzentrierte Importseite und zunehmende geopolitische Risiken

2.1 Die USA dominieren die EU-Importe mit großem Abstand

Der Importmarkt für Kieselgur in der EU wird klar von den Vereinigten Staaten dominiert. Mit einem Importwert von 23,6 Mio. EUR im letzten verfügbaren Jahr entfielen rund 68 % aller Importe auf die USA — Tendenz steigend, da der Wert von 15,3 Mio. EUR im ersten Jahr um 54,9 % zunahm. Der zweitgrößte Lieferant, Mexiko, lag mit 6,1 Mio. EUR deutlich dahinter. Die weiteren Partner — Russland (1,2 Mio. EUR), Vereinigtes Königreich (1,1 Mio. EUR), China (0,75 Mio. EUR), Armenien (0,2 Mio. EUR) und Costa Rica (0,44 Mio. EUR) — spielen mengenmäßig eine untergeordnete Rolle.

Lieferant Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigte Staaten 15.253.881 23.621.571 +54,9 %
Mexiko 4.014.869 6.143.914 +53,0 %
Russische Föderation 894.640 1.205.610 +34,8 %
Vereinigtes Königreich 553.906 1.115.171 +101,3 %
China 563.382 750.434 +33,2 %

Importpartner nach Werten

2.2 Der Herfindahl-Hirschman-Index bestätigt die hohe Importkonzentration

Der HHI für Importe nach Wert lag im gesamten Zeitraum auf einem bemerkenswert hohen Niveau: von 5.035 (2015) bis 5.018 (2025). Dies deutet auf einen moderat bis stark konzentrierten Markt hin, in dem die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten — insbesondere den USA — strukturell verankert ist. Im Vergleich dazu lag der Export-HHI deutlich niedriger (539 → 772), was eine breitere Diversifizierung der Exportdestinationen widerspiegelt. Der Import-HHI nach Volumen fiel allerdings stärker (von 4.593 auf 3.501, −23,8 %), was auf eine gewisse Mengenumverteilung hindeutet.

Index 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 5.035 5.018 −0,3 %
HHI Importe (Volumen) 4.593 3.501 −23,8 %
HHI Exporte (Wert) 539 772 +43,4 %
HHI Exporte (Volumen) 1.099 712 −35,3 %

Konzentrationsindizes (HHI)

2.3 Exportmärkte zeigen geopolitische Verwerfungen — Russland und Israel als Beispiele

Auf der Exportseite sind zwei bemerkenswerte Einbrüche zu verzeichnen: Die EU-Exporte in die Russische Föderation fielen von 1,2 Mio. EUR auf 290.257 EUR (−76,0 %), was mit den nach 2022 verhängten Sanktionen im Kontext des Ukraine-Konflikts zusammenhängen dürfte. Noch drastischer war der Rückgang der Exporte nach Israel: von 1,2 Mio. EUR auf lediglich 53.067 EUR (−95,6 %). Demgegenüber stiegen die Exporte nach China besonders dynamisch: von 1,6 Mio. EUR auf 5,0 Mio. EUR (+205,1 %). Auch die Ausfuhr in die Türkei (+12,4 %) und in die USA (+21,1 %) wuchs, während die Schweiz als Abnahmemarkt leicht an Bedeutung verlor (−28,7 %).

Exportpartner nach Werten

2.4 Volatilität und Preisschocks zeigen länderspezifische Risiken

Die Volatilitätsanalyse nach Variationskoeffizient (CV) zeigt, dass bestimmte Handelspartner eine erheblich höhere Schwankungsintensität aufweisen. Auf der Importseite fallen vor allem Argentinien (CV 1,56), das Vereinigte Königreich (CV 0,95) und Indien (CV 0,94) durch hohe Volatilität auf. Auf der Exportseite ist Israel mit einem CV von 2,03 der volatilste Partner — konsistent mit dem beobachteten Einbruch der Exporte. Zudem wurden mehrere Preisschocks identifiziert, darunter ein signifikanter Preisanstieg bei EU-Exporten nach Angola im Jahr 2023 (Abnormalitätsindex 68,9, Preissprung +48,1 %) und ein Preisschock bei Exporten in die Ukraine 2022 (Abnormalität 35,0, +81,7 %), der zeitlich mit dem Beginn des großangelegten Konflikts zusammenfällt.

Volatilitätsanalyse · Preisschocks


3. EU-Produktion rückläufig, Handelsautonomie jedoch verbessert

3.1 Die inländische Produktion der EU ist mengenlich geschrumpft, wertlich aber gestiegen

Die EU-Produktion von CN 2512 (zugeordnet dem Prodcom-Code 08.99.29.20) sank im Beobachtungszeitraum von 13,6 Mrd. kg auf 11,6 Mrd. kg (−14,7 %). Gleichzeitig stieg der Produktionswert leicht von 1,20 Mrd. EUR auf 1,32 Mrd. EUR (+10,2 %). Diese gegenläufige Dynamik — weniger Volumen, aber mehr Wert — korrespondiert mit der beobachteten globalen Preissteigerung bei Kieselgur und deutet auf eine Verknappung oder eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten hin.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktion (kg) 13.600.000.000 11.602.715.679 −14,7 %
Produktionswert (EUR) 1.200.000.000 1.322.956.752 +10,2 %

Produktionsvolumina

3.2 Die Netto-Importabhängigkeit der EU ist deutlich gesunken

Trotz des Produktionsrückgangs ist die Netto-Importabhängigkeit (Net Import Reliance) der EU für CN 2512 von 37,6 % im Jahr 2015 auf 24,5 % im Jahr 2025 gefallen (−34,8 %). Der Tiefpunkt lag bei 21,3 %. Dieses Paradoxon — weniger Produktion, aber auch weniger Importabhängigkeit — lässt sich durch den starken Rückgang der Exportvolumina erklären: Da die EU weniger Kieselgur exportiert, sinkt der Nettoimportbedarf relativ zur Gesamtnachfrage. Die Handelsintensität (Trade Intensity) sank ebenfalls: von 57,9 % auf 48,2 % (−16,8 %), was bedeutet, dass der Anteil des Außenhandels am gesamten Marktumfang zurückging.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Netto-Importabhängigkeit (%) 37,6 24,5 −34,8 %
Handelsintensität (%) 57,9 48,2 −16,8 %
Exportquote (%) 22,9 20,7 −9,8 %

Netto-Importabhängigkeit · Handelsintensität

3.3 Innerhalb der EU zeigt sich eine zunehmende Konzentration der Handelsströme auf wenige Mitgliedstaaten

Die Analyse der EU-Mitgliedstaaten als Reporter offenbart eine Verschiebung der Import- und Exportstrukturen. Bei den Importen verlor Deutschland seine dominante Stellung: Der Importwert sank von 10,2 Mio. EUR auf 6,8 Mio. EUR (−33,4 %). Gleichzeitig stiegen die Importe Belgiens (von 2,5 Mio. EUR auf 11,3 Mio. EUR, +355,5 %) und Italiens (von 1,8 Mio. EUR auf 8,1 Mio. EUR, +337,6 %) sprunghaft an. Bei den Exporten blieb Deutschland mit 12,5 Mio. EUR (+46,8 %) der mit Abstand größte Ausführer, gefolgt von Frankreich (5,0 Mio. EUR, +8,3 %). Besonders auffällig ist der Anstieg der belgischen Exporte von 360.661 EUR auf 1,9 Mio. EUR (+431,9 %).

EU-Mitgliedstaat Import 2015 (EUR) Import 2025 (EUR) Veränderung
Deutschland 10.163.041 6.770.941 −33,4 %
Belgien 2.478.390 11.288.085 +355,5 %
Italien 1.844.498 8.071.414 +337,6 %
Niederlande 597.041 1.685.413 +182,3 %

EU-Mitgliedstaaten als Reporter

3.4 Spezialisierungsmuster: Portugal und Frankreich führen, Osteuropa fehlt

Der RCA- und RSCA-Spezialisierungsindex (für 2025) zeigt, dass innerhalb der EU nur wenige Länder eine nennenswerte komparative Spezialisierung im Bereich CN 2512 aufweisen. Portugal führt mit einem RSCA von 0,72 und einem RCA von 6,06, was auf eine starke relative Spezialisierung hindeutet, auch wenn der absolute Produktionsanteil mit 8,4 % begrenzt ist. Frankreich (RSCA 0,54) und Deutschland (RSCA 0,11) sind die volumenmäßig größten Produzenten. Dagegen weisen Irland, Griechenland, die Slowakei und Rumänien praktisch keine Spezialisierung auf (RSCA nahe −1,0).

Land RSCA RCA Produktionsanteil
Portugal 0,72 6,06 8,4 %
Frankreich 0,54 3,33 26,1 %
Belgien 0,15 1,36 11,6 %
Deutschland 0,11 1,25 26,4 %
Irland −1,00 0,00 0,0 %

Spezialisierungsindizes


Fazit

Der EU-Markt für Kieselgur (CN 2512) hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental gewandelt — getrieben vor allem durch eine Verdopplung der Handelspreise bei weitgehend stagnierenden bis rückläufigen physischen Volumina. Die EU blieb throughout Nettoimporteur, wobei die Dominanz der USA als Hauptlieferant unverändert blieb und die Importkonzentration auf hohem Niveau verharrte. Gleichzeitig führten geopolitische Ereignisse — insbesondere der Ukraine-Konflikts ab 2022 — zu spürbaren Verwerfungen bei den Exportströmen, namentlich dem Einbruch der Ausfuhren nach Russland. Innerhalb der EU verschob sich die Importlandschaft: Deutschland verliert an Boden, während Belgien und Italien zu den neuen Hauptimporteuren aufstiegen. Die Netto-Importabhängigkeit sank zwar nominal, dies ist jedoch primär auf den Rückgang der Exportvolumina und nicht auf eine substantielle Stärkung der inländischen Versorgung zurückzuführen. Angesichts der hohen Lieferantenkonzentration und der anhaltenden Preissteigerungen bleiben sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Kostenentwicklung für europäische Verarbeiter von Kieselgur zentrale strategische Herausforderungen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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