Marktentwicklung: Naturwerksteine aus Granit (CN 2516) — 2015–2025
Einführung
Der Zollcode 2516 umfasst ein breites Spektrum an Naturwerksteinen — darunter Granit, Porphyr, Basalt, Sandstein und weitere Gesteinsarten — die in Rohblöcken oder grob zerteilten Platten gehandelt werden. Die Übersicht des Trade Dashboards zeigt, dass der EU-Außenhandel mit diesen Produkten im Zeitraum 2015 bis 2025 tiefgreifende Strukturveränderungen erfahren hat: Die Einfuhren sind in Wert und Menge deutlich zurückgegangen, während die Ausfuhren — trotz leicht rückläufigem Wert — mengenmäßig gestiegen sind. Gleichzeitig hat sich die Importabhängigkeit der EU erheblich verringert, was auf eine zunehmende Eigenproduktion und veränderte Handelsströme hindeutet. Dieser Bericht analysiert die wesentlichen Trends und erklärt die zugrundeliegenden Dynamiken.
I. Strukturwandel im EU-Außenhandel: Von der Importabhängigkeit zur Eigenproduktion
Die Einfuhren sind deutlich stärker gesunken als die Ausfuhren
Im Zeitraum von 2015 bis 2025 entwickelten sich Importe und Exporte gegenläufig. Die Einfuhren in die EU fielen im Wert um 37,3 % — von 323,1 Mio. € auf 202,5 Mio. € —, wobei der Höchstwert 2021 bei 384,4 Mio. € lag und der Tiefstwert 2025 erreicht wurde. Noch deutlicher war der Rückgang bei der Menge: von 1,42 Mio. Tonnen (2015) auf 920.348 Tonnen (2025), ein Minus von 35,2 %. Die Einfuhrpreise hingegen blieben weitgehend stabil und sanken nur um 3,3 % — von 227,4 €/t auf 220,0 €/t.
Demgegenüber steht ein differenziertes Bild bei den Ausfuhren. Der Exportwert sank um 11,7 % (von 82,5 Mio. € auf 72,9 Mio. €), doch die exportierte Menge stieg um 13,3 % — von 622.508 Tonnen auf 705.402 Tonnen. Die Erklärung liegt im deutlichen Preisverfall: Die Exportpreise fielen um 22,1 %, von 132,6 €/t auf nur noch 103,3 €/t, dem niedrigsten Wert im gesamten Betrachtungszeitraum.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. €) | 323,1 | 202,5 | −37,3 % |
| Importmenge (t) | 1.420.717 | 920.348 | −35,2 % |
| Importpreis (€/t) | 227,4 | 220,0 | −3,3 % |
| Exportwert (Mio. €) | 82,5 | 72,9 | −11,7 % |
| Exportmenge (t) | 622.508 | 705.402 | +13,3 % |
| Exportpreis (€/t) | 132,6 | 103,3 | −22,1 % |
| Handelsbilanz (Mio. €) | −240,6 | −129,6 | +46,1 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
Die EU-Produktion ist massiv ausgeweitet worden
Hinter dem Rückgang der Einfuhren steht ein bemerkenswerter Anstieg der heimischen EU-Produktion. Die Produktionsdaten zeigen eine Steigerung der Produktionsmenge um 521 % — von rund 13,9 Mrd. kg (2015) auf 86,1 Mrd. kg (2025). Der Produktionswert verdoppelte sich im selben Zeitraum von 634 Mio. € auf 1,284 Mrd. € (+102,5 %). Dieser massive Produktionsausbau erklärt, warum die EU ihre Importabhängigkeit so drastisch reduzieren konnte.
Die Netto-Importabhängigkeit sank auf unter 10 %
Die Netto-Importabhängigkeit sank von 44,0 % (2015) auf nur noch 9,8 % (2025), was einer Reduktion um 77,7 % entspricht. Parallel dazu sank die Handelsintensität von 54,1 % auf 15,8 % und die Exportneigung von 12,3 % auf 3,6 %. Diese Kennzahlen deuten darauf hin, dass der EU-Markt für Naturwerksteine zunehmend autark wird und der Außenhandel proportional an Bedeutung verloren hat.
II. Verschiebung der Handelspartner: Von Brasilien und China zu afrikanischen und nahöstlichen Märkten
Die wichtigsten Importlieferanten der EU haben an Bedeutung verloren
Ein Blick auf die Top-Importpartner zeigt durchgehende Rückgänge bei den wichtigsten Lieferanten. Brasilien verlor mit Abstand am stärksten: Der Importwert sank um 64,8 % — von 74,6 Mio. € auf 26,2 Mio. €. Aber auch Indien (−35,1 %), Südafrika (−33,6 %) und Mosambik (−52,1 %) verzeichneten erhebliche Einbußen. Norwegen, der europäische Nachbar, fiel um 25,4 %.
| Partnerland | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Indien | 66,9 | 43,4 | −35,1 % |
| Brasilien | 74,6 | 26,2 | −64,8 % |
| Südafrika | 47,3 | 31,4 | −33,6 % |
| Norwegen | 23,7 | 17,6 | −25,4 % |
| Mosambik | 28,3 | 13,5 | −52,1 % |
| Angola | 16,8 | 14,0 | −16,5 % |
| Vereinigtes Königreich | 1,8 | 4,0 | +119,8 % |
Quelle: Top-Importpartner nach Wert
Auffällig ist der Sonderfall Vereinigtes Königreich: Die Einfuhren aus dem UK stiegen um 119,8 % — von 1,8 Mio. € auf 4,0 Mio. €. Dies spiegelt den Handel nach dem Brexit wider, bei dem das UK als Drittland nun separat erfasst wird.
Die Exportziele der EU haben sich stark diversifiziert
Besonders dynamisch veränderten sich die Exportpartner. China war 2015 mit 35,3 Mio. € das wichtigste Exportziel — 2025 waren es nur noch 7,3 Mio. € (−79,4 %). Dieser dramatische Rückgang ist vermutlich auf Chinas eigene Baustoffproduktion und konjunkturelle Abschwächung zurückzuführen.
Dem gegenüber stehen bemerkenswerte Zuwächse:
| Partnerland | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Algerien | 1,1 | 8,4 | +687,9 % |
| Tunesien | 0,5 | 3,8 | +624,3 % |
| Gibraltar | 0,01 | 3,3 | +24.301 % |
| USA | 1,7 | 3,9 | +126,2 % |
| Vereinigtes Königreich | 7,0 | 8,4 | +19,7 % |
| Schweiz | 18,8 | 14,7 | −22,0 % |
Quelle: Top-Exportpartner nach Wert
Der stärkste Zuwachs ging nach Algerien (+687,9 %) und Tunesien (+624,3 %), was auf eine verstärkte Bautätigkeit in Nordafrika und die Rolle der EU — insbesondere Spaniens und Italiens — als Lieferant für Naturwerksteine in diese Region hindeutet. Gibraltar verzeichnete das stärkste prozentuale Wachstum, was jedoch auf einen sehr niedrigen Ausgangswert zurückzuführen ist.
Die Konzentration der Exportmärkte hat sich erheblich verringert
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Exporte sank dramatisch von 2.470 auf 914 (−63,0 %). Dies belegt eine starke Diversifizierung der Exportziele: Wo 2015 noch einzelne Märkte — insbesondere China — dominierten, verteilen sich die Ausfuhren 2025 deutlich breiter. Die Importkonzentration veränderte sich hingegen nur moderat (HHI von 1.378 auf 1.211, −12,1 %).
III. Segmentverschiebungen, Spezialisierung und Preisschocks
Rohgranit verliert an Importanteil, bearbeiteter Granit gewinnt bei Exporten
Die Produktsegmentanalyse zeigt, dass die Einfuhren von Rohgranit (CN 251611) — dem mengenmäßig größten Segment — von 1,08 Mio. Tonnen (2015) auf 636.693 Tonnen (2025) fielen. Der Importwert dieses Segments sank von 267,7 Mio. € auf 146,5 Mio. €. Parallel dazu stiegen die Exporte von bearbeitetem Granit (CN 251690 — Porphyr, Basalt und andere Werksteine) mengenmäßig von 40.272 Tonnen auf 294.470 Tonnen, was einem Zuwachs von über 630 % entspricht. Der Exportwert dieser Kategorie wuchs von 8,9 Mio. € auf 21,3 Mio. €.
Diese Verschiebung deutet darauf hin, dass die EU zunehmend nicht mehr nur Rohblöcke importiert und verarbeitet, sondern eigenständig bearbeitete Werksteine in Drittmärkte exportiert.
Portugal und Spanien sind die Spezialisierungsführer der EU
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass innerhalb der EU große Unterschiede bestehen. Portugal weist mit einem RSCA-Wert von 0,856 und einem RCA von 12,91 die stärkste Spezialisierung im Natursteinbereich auf, gefolgt von Finnland (RSCA 0,585), Schweden (0,578) und Spanien (0,543). Diese Länder profitieren offenbar von günstigen geologischen Voraussetzungen und einer etablierten Natursteinindustrie.
Am anderen Ende des Spektrums stehen Länder wie Kroatien (RSCA −0,999), Ungarn (−0,982) und Slowenien (−0,978), die praktisch keine komparativen Vorteile bei Naturwerksteinen aufweisen.
Es gibt innerhalb des Zeitraums einzelne Preisschocks
Die Volatilitätsanalyse identifiziert mehrere bemerkenswerte Preisschocks. Der stärkste Schock trat 2020 bei den Importen aus dem Vereinigten Königreich auf: Der Preis stieg um 578,2 % bei einer Abnormalität von 56,3. Dieser Schock hatte jedoch nur einen Anteil von 1,4 % am Importwert und ist daher marktweit kaum spürbar.
Deutlich relevanter war der Preisschock bei den Importen aus Brasilien im Jahr 2022 (Preisänderung +34,2 %, Abnormalität 8,6, Anteil am Importwert: 19,9 %). Brasilien als zweitgrößter Importpartner zu jenem Zeitpunkt hatte dieser Preisanstieg spürbare Auswirkungen auf die gesamten EU-Einfuhren.
Bei den Exporten verzeichnete China 2021 einen Preisstoß von +50,9 % (Abnormalität 7,3), der zu jenem Zeitpunkt noch 29,8 % des Exportwertes ausmachte. In Kombination mit dem anschließenden Volumenrückgang nach China deutet dies auf eine strukturelle Marktverschiebung hin, die über einen einzelnen Schock hinausgeht.
| Schock | Jahr | Typ | Preisänderung | Anteil am Handelswert |
|---|---|---|---|---|
| UK → EU (Importe) | 2020 | Preis | +578,2 % | 1,4 % |
| Brasilien → EU (Importe) | 2022 | Preis | +34,2 % | 19,9 % |
| EU → China (Exporte) | 2021 | Preis | +50,9 % | 29,8 % |
Quelle: Preisschocks
Die höchste Volatilität bei Importen zeigt sich bei Handelspartnern mit geringem Volumen: Das Vereinigtes Königreich (CV 1,31) und Norwegen (CV 1,10) weisen die höchsten Variationskoeffizienten auf. Bei den Exporten ist die Volatilität bei Gibraltar (CV 1,96) und den USA (CV 1,81) am höchsten — ein Indiz dafür, dass diese Märkte noch nicht konsolidiert sind.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Naturwerksteine (CN 2516) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Die drei zentralen Entwicklungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
-
Autonomiegewinn durch Produktionsausbau: Die massiv gesteigerte EU-Produktion (Verfünffachung der Mengen) hat die Netto-Importabhängigkeit von 44 % auf unter 10 % sinken lassen. Die EU ist heute weitgehend in der Lage, ihren Bedarf an Naturwerksteinen aus eigener Produktion zu decken.
-
Geographische Umorientierung: Die traditionellen Lieferanten aus Übersee — insbesondere Brasilien und Indien — haben stark an Bedeutung verloren. Gleichzeitig haben sich die Exportziele der EU stark diversifiziert: Nordafrika (Algerien, Tunesien) und die USA sind zu wichtigen Abnehmern geworden, während der Export nach China um fast 80 % einbrach.
-
Wertschöpfungsverschiebung: Die EU importiert weniger Rohgranit und exportiert zunehmend bearbeitete Werksteine — ein Zeichen dafür, dass die europäische Natursteinindustrie sich entlang der Wertschöpfungskette nach oben bewegt.
Die Handelsbilanz ist zwar weiterhin negativ (−129,6 Mio. € in 2025), hat sich aber gegenüber 2015 um 46 % verbessert. Angesichts des anhaltenden Trends zur Eigenproduktion und der Diversifizierung der Exportmärkte ist zu erwarten, dass sich dieser Angleichungsprozess fortsetzen wird — sofern keine neuen externen Schocks — wie etwa drastische Rohstoffpreissteigerungen oder Handelsbeschränkungen — eintreten.