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Marktentwicklung: Kies und Schotter (CN 2517) — 2015–2025

Einleitung

Der Bausektor gehört zu den fundamentalen Wirtschaftszweigen der Europäischen Union, und die Versorgung mit mineralischen Rohstoffen wie Kies, Schotter und zerkleinerten Steinen (Zolltarifnummer 2517) bildet seine materielle Grundlage. Die Position 2517 umfasst ein breites Produktspektrum — von Feldsteinen und Baukies über Schlacken-Makadam bis hin zu hochwertigen Körnungen und Splittern aus Marmor, Granit und Basalt — das im Betonbau, im Wege- und Bahnbau sowie in der Natursteinverarbeitung unverzichtbar ist (Produktübersicht CN 2517).

Der hier betrachtete Zeitraum 2015–2025 ist durch tiefgreifende Veränderungen gekennzeichnet: Nachfrageschübe durch Infrastrukturprogramme, pandemiebedingte Unterbrechungen, steigende Energie- und Transportkosten sowie geopolitische Spannungen haben die Handelsströme erheblich beeinflusst. Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Drittländern in diesem Zeitraum, identifiziert die zentralen Trends und erklärt deren wahrscheinliche Ursachen.


1. Steigende Importabhängigkeit bei divergierender Preisentwicklung

1.1 Das Importvolumen hat sich nahezu verdoppelt — bei nur moderater Preissteigerung

Die EU-Importe von CN-2517-Produkten aus Drittländern sind zwischen 2015 und 2025 außerordentlich stark gewachsen. Der Importwert stieg von 376 Mio. EUR auf 739 Mio. EUR, was einem Anstieg von 96,4 % entspricht. Noch beeindruckender ist die mengenmäßige Entwicklung: Die importierte Menge erhöhte sich von 20,8 Mio. Tonnen auf 38,8 Mio. Tonnen (+86,7 %). Bemerkenswert ist, dass der durchschnittliche Importpreis im selben Zeitraum nur um 5,2 % von 18,10 EUR/t auf 19,05 EUR/t stieg (Handelsübersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 376 Mio. EUR 739 Mio. EUR +96,4 %
Importmenge 20,77 Mio. t 38,78 Mio. t +86,7 %
Importpreis 18,10 EUR/t 19,05 EUR/t +5,2 %

Dieses Muster deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach mineralischen Zuschlagstoffen primär mengengetrieben war — ein Hinweis auf expansive Bauprojekte und Infrastrukturinvestitionen in der EU, die über den gesamten Zeitraum anhielten. Der relativ moderate Preisanstieg beim Import legt nahe, dass die Drittländerlieferanten — insbesondere Norwegen — in der Lage waren, die steigende Nachfrage ohne signifikante Preisdruckausübung zu bedienen.

1.2 Die Exporte stagnieren mengenmäßig, steigen aber preisbedingt im Wert

Im Gegensatz zu den Importen zeigen die EU-Exporte ein differenziertes Bild. Der Exportwert erhöhte sich von 181 Mio. EUR auf 223 Mio. EUR (+23,2 %), doch die exportierte Menge sank im gleichen Zeitraum von 8,8 Mio. auf 8,2 Mio. Tonnen (−7,1 %). Der durchschnittliche Exportpreis stieg hingegen kräftig von 20,62 EUR/t auf 27,34 EUR/t (+32,6 %) (Handelsübersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 181 Mio. EUR 223 Mio. EUR +23,2 %
Exportmenge 8,77 Mio. t 8,15 Mio. t −7,1 %
Exportpreis 20,62 EUR/t 27,34 EUR/t +32,6 %

Die sinkende Exportmenge bei gleichzeitig steigenden Preisen weist auf eine Verknappung des inländischen Angebots hin. Da die EU-Produktion von CN-2517-Produkten zwar mengenmäßing von 653 Mio. t auf 1,19 Mrd. t (+81,7 %) und wertmäßig von 4,9 Mrd. EUR auf 13,1 Mrd. EUR (+169,2 %) gestiegen ist (Produktionsvolumen), scheint die wachsende inländische Nachfrage die Exportkapazitäten zunehmend zu absorbieren.

1.3 Die Handelsbilanz hat sich erheblich verschlechtert — die EU wird zum Nettoimporteur

Die Handelsbilanz der EU im Bereich CN 2517 verschlechterte sich von −195 Mio. EUR im Jahr 2015 auf −516 Mio. EUR im Jahr 2025, eine Verschlechterung um 164,2 %. Die Netto-Importabhängigkeit (Netto-Importabhängigkeit) stieg von 1,89 % auf 2,92 % (+54,4 %). Während dieser Wert absolut betrachtet niedrig erscheint — mineralische Zuschlagstoffe sind voluminöse und schwer transportierbare Güter mit naturgemäß kurzen Lieferketten — ist der relative Anstieg beachtlich und spiegelt den steigenden Bedarf der EU-Bauwirtschaft wider, der zunehmend durch Drittländer gedeckt wird.


2. Struktureller Wandel in den Produktsegmenten: Hochwertige Natursteinkörnungen gewinnen an Bedeutung

2.1 Das Kernsegment 251710 (Baukies und Schotter) dominiert, verliert aber Anteile

Das Standardprodukt — Feldsteine, Kies und zerkleinerte Steine für den Beton- und Wegebau (Unterposition 251710) — bildet sowohl bei Importen als auch bei Exporten das mengen- und wertmäßig dominierende Segment. Die Importe von 251710 stiegen von 15,4 Mio. Tonnen (187 Mio. EUR) auf 25,7 Mio. Tonnen (397 Mio. EUR). Allerdings stieg der Importpreis von 12,18 EUR/t auf 15,41 EUR/t — ein Anstieg von 26,7 %, der auf steigende Rohstoff- und Transportkosten hindeutet (Produktaufschlüsselung Importe).

2.2 Körnungen aus Naturstein (251749) verzeichnen einen explosionsartigen Anstieg

Das auffälligste Einzelergebnis betrifft die Unterposition 251749 — Körnungen, Splitter und Mehl aus Travertin, Granit, Basalt und anderen Natursteinen außer Marmor. Deren Importmenge stieg von 3,7 Mio. Tonnen im Jahr 2015 auf 10,8 Mio. Tonnen im Jahr 2025, was einer Verdreifachung entspricht (+193,2 %). Der Importwert erhöhte sich sogar von 72 Mio. EUR auf 196 Mio. EUR (+172,3 %). Der durchschnittliche Importpreis blieb dabei relativ stabil (19,46 EUR/t → 18,08 EUR/t) (Produktaufschlüsselung Importe).

Dieser Trend ist bemerkenswert und könnte mehrere Ursachen haben:

  • Die wachsende Nachfrage nach hochwertigen Zuschlagstoffen für Spezialbeton und dekorative Anwendungen
  • Die verstiegene Verfügbarkeit und Exportbereitschaft von Lieferländern in Südosteuropa und der Türkei
  • Eventuelle Engpässe bei inländischen Natursteinvorkommen

2.3 Hochwertige Marmorkörnungen (251741) zeigen stabile Mengen bei steigenden Preisen

Die Importe von Marmorkörnungen (251741) blieben mengenäßig relativ stabil (1,59 Mio. t → 1,60 Mio. t), doch der durchschnittliche Importpreis stieg von 71,44 EUR/t auf 83,32 EUR/t (+16,6 %). Dieses Segment ist das preisintensivste der gesamten Position 2517 und wird vorwiegend für hochwertige architektonische und dekorative Anwendungen verwendet. Der Preisanstieg spiegelt wahrscheinlich sowohl die gestiegenen Förder- und Verarbeitungskosten als auch die zunehmende Knappheit hochwertiger Marmorvorkommen wider (Produktaufschlüsselung Importe).

2.4 Teermakadam und Schlacken-Makadam bleiben Nischenprodukte mit starkem Preiswachstum

Die Unterpositionen 251730 (Teermakadam) und 251720 (Schlacken-Makadam) bleiben mengenmäßig nachgeordnet, zeigen aber teils extreme Preisbewegungen. Die Teermakadam-Importe stiegen von 60.000 Tonnen auf 358.000 Tonnen (+492 %), der Importpreis schwankte zwischen 28 EUR/t und 65 EUR/t. Der Exportpreis von Schlacken-Makadam (251720) verzeichnete zwischenzeitlich extreme Spitzen (bis 591 EUR/t im Jahr 2023), was auf sehr geringe Mengen bei projektbezogenen Einzellieferungen hindeutet (Produktaufschlüsselung Exporte).


3. Geografische Konzentration: Norwegen als dominanter Lieferant, die Schweiz als wichtigster Exportpartner

3.1 Norwegen deckt über 70 % der EU-Importe und verdoppelte seine Lieferungen

Norwegen ist mit Abstand der wichtigste Drittlands-Lieferant der EU für CN-2517-Produkte. Die norwegischen Exporte in die EU stiegen von 279 Mio. EUR (2015) auf 541 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 93,9 % entspricht. Damit entfielen zuletzt rund 73 % des gesamten EU-Importwerts auf Norwegen. Die Dominanz Norwegens erklärt sich durch die geografische Nähe, die reichen Natursteinvorkommen, die hohe Qualität der norwegischen Granite und Gneise sowie die etablierten maritimen Transportrouten zu den Küstenstädten der EU (Top-Handelspartner).

Das Konzentrationsmaß (HHI) für Importe lag über den gesamten Zeitraum bei rund 5.500–6.000, was auf eine hohe Lieferantenkonzentration hindeutet (Konzentration HHI).

Lieferant Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung Volatilität (CV)
Norwegen 279 Mio. EUR 541 Mio. EUR +93,9 % 0,19
Vereinigtes Königreich 50 Mio. EUR 106 Mio. EUR +110,9 % 0,15
Bosnien und Herzegowina 5 Mio. EUR 31 Mio. EUR +503,2 % 0,34
Ukraine 5 Mio. EUR 12 Mio. EUR +132,5 % 0,62
Belarus 4 Mio. EUR 7 Mio. EUR +75,1 % 0,65
Schweiz 3 Mio. EUR 7 Mio. EUR +97,8 % 0,27
Türkei 13 Mio. EUR 11 Mio. EUR −18,6 % 0,18

Quelle: Top-Handelspartner und Volatilitätsanalyse

3.2 Bosnien und Herzegowina als schnell wachsender Lieferant mit hoher Volatilität

Besonders auffällig ist das Wachstum der Importe aus Bosnien und Herzegowina: von 5 Mio. EUR auf 31 Mio. EUR (+503 %). Dies ist der stärkste prozentuale Anstieg aller Top-Lieferanten. Gleichzeitig weist dieser Handelsstrom mit einem Variationskoeffizienten von 0,34 eine erhöhte Volatilität auf, was auf eine noch junge und projektabhängige Handelsbeziehung hindeuten könnte. Bosnien und Herzegowina verfügt über bedeutende Natursteinvorkommen, und die wirtschaftliche Integration in die EU-Wertschöpfungsketten scheint sich zu beschleunigen (Volatilitätsanalyse).

3.3 Hohe Volatilität bei Handelsströmen mit Belarus und der Ukraine

Die Importe aus Belarus (CV = 0,65) und der Ukraine (CV = 0,62) zeigen die höchste Schwankungsintensität unter den Top-Lieferanten. Diese Volatilität spiegelt wahrscheinlich die geopolitischen Verwerfungen wider — Belarus war seit 2020 zunehmend mit Sanktionen konfrontiert, und die Ukraine erlebte ab 2022 den Einmarsch Russlands und die damit verbundenen Handelsunterbrechungen. Bemerkenswert ist, dass die Importe aus der Ukraine trotz des Krieges auf 12 Mio. EUR stiegen (+132,5 %), was auf alternative Lieferwege oder die Bedeutung ukrainischer Natursteinressourcen hinweisen könnte (Volatilitätsanalyse).

3.4 Die EU-Exporte sind stark auf die Schweiz konzentriert — ein regionaler „Gravity-Effekt"

Die Schweiz ist mit Abstand das wichtigste Exportziel der EU für CN-2517-Produkte. Die Exporte dorthin stiegen von 103 Mio. EUR auf 123 Mio. EUR (+19,6 %) und machten zuletzt rund 55 % aller EU-Exporte aus. Dies ist ein klassischer „Gravity-Effekt": Schwer transportierbare, voluminöse und preisgünstige Güter wie Kies und Schotter werden bevorzugt an nahegelegene Märkte geliefert. Die geografische Nähe, die hohe Bautätigkeit in der Schweiz und die bestehende grenzüberschreitende Infrastruktur erklären diese Konzentration. Die Schweiz zeigt mit einem Variationskoeffizienten von nur 0,04 die geringste Volatilität aller Exportpartner — ein Indikator für eine stabile, langfristige Handelsbeziehung (Top-Handelspartner Exporte).

3.5 Innerhalb der EU verlagern sich die Importströme nach Nordeuropa

Unter den EU-Mitgliedstaaten haben sich Deutschland, Dänemark und Finnland als dynamischste Importeure entwickelt. Dänemark verzeichnete den stärksten Anstieg (+157,8 %), gefolgt von Finnland (+509,3 %) und Polen (+175,0 %). Deutschland blieb mit 206 Mio. EUR der größte einzelne Importeur innerhalb der EU (Top-Reporter Importe).

EU-Land Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Deutschland 96 Mio. EUR 206 Mio. EUR +113,7 %
Niederlande 60 Mio. EUR 120 Mio. EUR +102,1 %
Dänemark 47 Mio. EUR 121 Mio. EUR +157,8 %
Finnland 7 Mio. EUR 43 Mio. EUR +509,3 %
Polen 22 Mio. EUR 60 Mio. EUR +175,0 %
Schweden 35 Mio. EUR 46 Mio. EUR +32,6 %
Irland 17 Mio. EUR 35 Mio. EUR +100,0 %

Quelle: Top-Reporter Importe

Bei den Exporten verlieren traditionelle Exportnationen wie Österreich (−16,5 %) und Italien (−29,9 %) an Boden, während die Niederlande (+554,8 %), Spanien (+80,0 %) und Frankreich (+36,4 %) an Bedeutung gewinnen. Dies deutet auf eine Verschiebung der Exportaktivitäten in Richtung Seehäfen und atlantischer Handelsrouten hin (Top-Reporter Exporte).


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandelsmarkt für Kies und Schotter (CN 2517) hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens hat sich die EU in verstärktem Maße auf Drittländerimporte angewiesen. Das Importvolumen hat sich nahezu verdoppelt, und die Netto-Importabhängigkeit ist um mehr als die Hälfte gestiegen. Diese Entwicklung spiegelt die anhaltend hohe Bautätigkeit in der EU wider, die durch den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, den Wohnungsbau und zunehmend auch durch den Bedarf an Spezialzuschlagstoffen für innovative Baustoffe getrieben wird.

Zweitens zeigt sich ein struktureller Wandel in den importierten Produkten. Während das Grundsegment (Baukies und Schotter) weiterhin dominiert, sind die Importe von hochwertigen Natursteinkörnungen — insbesondere aus Granit, Basalt und Travertin — explosionsartig gestiegen. Dies deutet auf eine qualitative Aufwertung der Nachfrage hin, die mit der wachsenden Bedeutung von dekorativen und hochfesten Baustoffen zusammenhängt.

Drittens ist die geografische Konzentration sowohl bei Importen als auch bei Exporten hoch geblieben. Norwegen dominiert die Einfuhren, die Schweiz die Ausfuhren — ein Muster, das die klassische „Gravity"-Logik des Handels mit schweren, voluminösen Gütern bestätigt. Gleichzeitig gewinnen neue Lieferanten wie Bosnien und Herzegowina an Bedeutung, während geopolitische Schocks die Handelsströme mit Osteuropa (Belarus, Ukraine) deutlich stärker schwanken lassen als mit etablierten Partnern.

Für die Zukunft ist die Frage der Versorgungssicherheit von Bedeutung. Angesichts der steigenden Importabhängigkeit, der geografischen Konzentration der Lieferanten und der anhaltenden Nachfrage der europäischen Bauwirtschaft könnten Diversifizierungsstrategien — sowohl bei den Lieferantenländern als auch bei den Produktsegmenten — an Bedeutung gewinnen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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