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Marktentwicklung: Natürliche Harze und Gummen (CN 1301) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern für den Zollcode 1301 (Schellack sowie natürliche Gummen, Harze, Gummiharze, Balsame und andere Oleoresine) im Zeitraum 2015 bis 2025. Der Code umfasst zwei Unterpositionen: Gummi arabicum (130120) sowie Schellack und andere natürliche Harze (130190). Die EU ist in diesem Segment grundsätzlich ein Nettoimporteur: Sowohl der Import- als auch der Exportwert sind über den gesamten Zeitraum deutlich gestiegen, wobei sich das Handelsdefizit leicht verringerte.


1. Preisgetriebenes Wachstum: Höhere Werte trotz stagnierender Mengen

1.1 Exporte: Wert verdoppelt sich bei konstantem Volumen

Die EU-Exporte von CN-1301-Produkten stiegen im Betrachtungszeitraum von €122,7 Mio. (2015) auf €209,0 Mio. (2025) — ein Anstieg um 70,3 %. Bemerkenswert ist, dass sich die exportierte Menge mit 33.909 t (2015) bzw. 33.701 t (2025) praktisch nicht verändert hat (−0,6 %). Das bedeutet, dass das gesamte Wertwachstum auf Preissteigerungen zurückzuführen ist: Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von €3.619/t auf €6.201/t (+71,3 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert €122,7 Mio. €209,0 Mio. +70,3 %
Exportmenge 33.909 t 33.701 t −0,6 %
Exportpreis €3.619/t €6.201/t +71,3 %

1.2 Importe: Wertwachstum übertrifft Mengenwachstum

Auch bei den Importen überwiegt der Preiseffekt: Der Importwert stieg von €169,5 Mio. auf €246,2 Mio. (+45,3 %), während die importierte Menge nur um 10,4 % von 82.203 t auf 90.784 t zunahm. Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von €2.062/t auf €2.712/t (+31,5 %). Im Jahr 2022 wurde mit rund 126.500 t ein mengenmäßiger Spitzenwert erreicht, der jedoch nicht gehalten werden konnte.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert €169,5 Mio. €246,2 Mio. +45,3 %
Importmenge 82.203 t 90.784 t +10,4 %
Importpreis €2.062/t €2.712/t +31,5 %

1.3 Handelsbilanz: Defizit bleibt bestehen, verringert sich aber leicht

Die EU verzeichnete durchgehend ein Handelsdefizit im Segment CN 1301. Dieses schwankte zwischen −€83,7 Mio. (Minimum) und einem kurzzeitigen Überschuss von +€13,0 Mio. (Maximum). Im Durchschnitt lag das Defizit bei rund €46,8 Mio. (2015) bzw. €37,2 Mio. (2025). Die leichte Verbesserung um 20,4 % ist vor allem auf das stärkere Exportpreiswachstum (+71,3 %) gegenüber dem Importpreiswachstum (+31,5 %) zurückzuführen.


2. Verschiebungen in der Handelsgeografie: Aufstieg afrikanischer Lieferanten, Rückgang europäischer Partner

2.1 Sudan und Tschad als dominierende Importquellen

Der Importmarkt wird klar von afrikanischen Lieferanten dominiert. Sudan war 2015 mit €69,4 Mio. und 2025 mit €94,6 Mio. der mit Abstand wichtigste Importpartner (+36,4 %). Besonders auffällig ist der Aufstieg des Tschad, dessen Exporte in die EU von €13,5 Mio. auf €47,7 Mio. sprangen — ein Anstieg von 253,5 %. Damit hat sich der Tschad von einem Nischenlieferanten zu einer der wichtigsten Importquellen entwickelt.

Partnerland 2015 (Import) 2025 (Import) Veränderung
Sudan €69,4 Mio. €94,6 Mio. +36,4 %
Tschad €13,5 Mio. €47,7 Mio. +253,5 %
Indien €8,8 Mio. €16,5 Mio. +87,9 %
Brasilien €18,5 Mio. €21,9 Mio. +18,2 %
Vereinigtes Königreich €15,3 Mio. €8,7 Mio. −43,5 %
Argentinien €0,25 Mio. ≈€0 −100,0 %
Somalia €7,6 Mio. €5,0 Mio. −34,1 %

2.2 Rückgang traditioneller Handelspartner

Während afrikanische Lieferanten an Bedeutung gewannen, sanken mehrere etablierte Partner: Argentinien ist als Quelle für CN-1301-Produkte praktisch verschwunden (−100 %). Somalia verlor rund ein Drittel seines Exportvolumens in die EU. Auch das Vereinigte Königreich verlor nach dem Brexit deutlich an Boden (−43,5 %) — ein Trend, der sich im Importsegment klar zeigt. Die Importkonzentration blieb mit einem HHI von rund 2.030 moderat, was auf eine gewisse Lieferantenabhängigkeit hindeutet.

2.3 Exportziele: USA und Schweiz als Wachstumsmärkte

Auf der Exportseite haben sich die Vereinigten Staaten als wichtigster Abnehmer etabliert. Der Exportwert dorthin verdoppelte sich nahezu von €26,9 Mio. auf €56,5 Mio. (+109,8 %). Noch dynamischer entwickelte sich der Handel mit der Schweiz (+218,7 %) und China (+113,5 %). Demgegenüber gingen die Exporte nach Brasilien (−30,0 %) und in das Vereinigte Königreich (−23,0 %) zurück.

Partnerland 2015 (Export) 2025 (Export) Veränderung
USA €26,9 Mio. €56,5 Mio. +109,8 %
Schweiz €7,1 Mio. €22,6 Mio. +218,7 %
China €6,8 Mio. €14,5 Mio. +113,5 %
Türkei €4,3 Mio. €9,7 Mio. +126,7 %
Vereinigtes Königreich €12,4 Mio. €9,5 Mio. −23,0 %
Brasilien €13,3 Mio. €9,3 Mio. −30,0 %

Die Exportkonzentration lag mit einem HHI von rund 1.033 deutlich unter der Importkonzentration, was auf eine diversifizierte Exportstruktur hindeutet.

2.4 Frankreich als zentraler EU-Knotenpunkt

Innerhalb der EU konzentriert sich der Handel mit CN-1301-Produkten stark auf Frankreich. Das Land war sowohl bei den Importen (€89,4 Mio. → €144,2 Mio., +61,2 %) als auch bei den Exporten (€88,2 Mio. → €143,6 Mio., +62,8 %) der mit Abstand größte EU-Mitgliedstaat. Mit einem Revealed Comparative Advantage (RCA) von 8,17 ist Frankreich in diesem Segment hochspezialisiert. Deutschland rangiert als zweitgrößter Handelspartner, weist aber mit einem RCA von 0,78 keine Spezialisierung auf. Bemerkenswert ist der extreme Anstieg der portugiesischen Importe (+1.845 %), der auf eine Verschiebung der Handelsströme innerhalb der EU hindeuten könnte.


3. Produktsegmentanalyse: Gummi arabicum dominiert das Volumen, Schellack zeichnet sich durch hohe Wertschöpfung aus

3.1 Gummi arabicum (130120): Volumenführer bei Importen

Gummi arabicum ist mengenmäßig das dominierende Segment: Die EU importierte zwischen 52.000 und 83.000 Tonnen jährlich — deutlich mehr als bei Position 130190 (25.000 bis 44.000 t). Der Importwert stieg von €104,2 Mio. auf €173,2 Mio. (+66,2 %). Besonders beachtlich ist die Preisentwicklung: Der durchschnittliche Importpreis für Gummi arabicum erhöhte sich von €1.862/t (2015) auf €2.652/t (2025) — ein Anstieg von 42,4 %. Im Exportbereich blieb das Volumen bei Gummi arabicum relativ stabil (rund 30.000–38.000 t), der Preis stieg jedoch von €3.104/t auf €4.929/t (+58,8 %).

3.2 Sonstige Harze und Schellack (130190): Extreme Preisvolatilität im Export

Das Segment 130190 zeigt ein differenzierteres Bild. Die Importmengen schwankten stark — von 24.914 t (2016) bis 44.183 t (2019) —, der Importpreis lag zwischen €2.160/t und €3.042/t. Im Exportbereich sind die Preise für 130190-Produkte allerdings außergewöhnlich hoch und volatil: Sie stiegen von €8.095/t (2015) auf €33.850/t (2025), mit einem Zwischenhöchststand von €24.201/t (2023). Dies deutet darauf hin, dass die EU vor allem hochwertige, veredelte Harzprodukte (z. B. verarbeiteter Schellack) exportiert, während sie die Rohstoffe importiert.

Segment Richtung Kennzahl 2015 2025 Veränderung
130120 (Gummi arabicum) Import Menge 55.958 t 65.286 t +16,7 %
130120 (Gummi arabicum) Import Preis €1.862/t €2.652/t +42,4 %
130120 (Gummi arabicum) Export Menge 30.412 t 32.220 t +5,9 %
130120 (Gummi arabicum) Export Preis €3.104/t €4.929/t +58,8 %
130190 (Schellack u. a.) Import Menge 26.245 t 25.498 t −2,8 %
130190 (Schellack u. a.) Import Preis €2.488/t €2.865/t +15,2 %
130190 (Schellack u. a.) Export Menge 3.497 t 1.481 t −57,6 %
130190 (Schellack u. a.) Export Preis €8.095/t €33.850/t +318,2 %

3.3 Preisschock bei Exporten nach Brasilien (2022)

Die Volatilitätsanalyse identifizierte einen signifikanten Preisschock bei den EU-Exporten nach Brasilien im Jahr 2022: Der Preis stieg um 47,4 % bei einer Abnormalität von 4,6. Dies fiel in eine Phase allgemeiner Rohstoffpreisinflation und könnte durch Lieferkettenstörungen oder Nachfrageverschiebungen bedingt sein. Bei den Importen zeigt insbesondere Ägypten eine extrem hohe Volatilität (Variationskoeffizient: 1,89), gefolgt von Argentinien (0,85) — beides Länder mit instabilen oder stark rückläufigen Handelsbeziehungen im Segment CN 1301.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für natürliche Harze und Gummen (CN 1301) hat sich zwischen 2015 und 2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: Erstens ein preisgetriebenes Wertwachstum, bei dem steigende Preise die stagnierenden oder nur moderat wachsenden Mengen mehr als kompensierten. Zweitens eine geografische Verschiebung der Handelsströme: Afrikanische Lieferanten — allen voran Sudan und Tschad — haben ihre Marktanteile bei EU-Importen deutlich ausgebaut, während traditionelle Partner wie Argentinien und das Vereinigte Königreich an Bedeutung verloren. Drittens zeigt die Segmentanalyse eine strukturelle Polarisierung: Gummi arabicum dominiert das Handelsvolumen mit moderaten Preisen, während Schellack und andere Spezialharze trotz geringer Mengen durch extrem hohe und volatile Exportpreise auffallen — ein Hinweis auf eine Veredelungs- und Wertschöpfungskette innerhalb der EU. Das bestehende Handelsdefizit hat sich leicht verringert, wird jedoch angesichts der hohen Importabhängigkeit — insbesondere von Gummi arabicum aus politisch instabilen Regionen — ein strategisches Risiko bleiben.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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