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Marktentwicklung: Fermentierte Milcherzeugnisse (CN 0403) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit fermentierten Milcherzeugnissen (Zolltarifnummer 0403) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Warengruppe umfasst unter anderem Joghurt, Kefir, Buttermilch und saure Milchprodukte, auch mit Zusätzen wie Früchten oder Zucker. Die Daten zeigen eine bemerkenswerte Transformation des EU-Marktes: von einem leicht importabhängigen Sektor hin zu einem starken und zunehmend diversifizierten Nettoexporteur. Der Gesamtwert der Exporte stieg um 69 %, während die Importe um über ein Drittel schrumpften. Dieser Wandel wird im Folgenden in drei zentralen Abschnitten beleuchtet.

1. Vom Importeur zum Exporteur: Die fundamentale Wende der EU-Handelsbilanz

Die EU hat ihre Position im globalen Handel mit fermentierten Milchprodukten im betrachteten Zeitraum grundlegend gestärkt. Eine Analyse der Handelsströme zeigt eine klare Verschiebung der Handelsbilanz zugunsten der EU.

Die Handelsbilanz verzeichnet eine Verdopplung des Überschusses

Im Jahr 2015 wies die EU mit Drittländern ein positives Handelsbilanz von 631 Mio. EUR aus. Dieser Überschuss stieg bis 2025 auf 1,147 Mrd. EUR an, was einem Anstieg von 81,8 % entspricht (Handelsbilanz). Die EU war somit zu Beginn und am Ende des Zeitraums Nettoexporteur, hat diesen Vorsprung jedoch massiv ausgebaut.

Exporte wachsen stark in Wert und Menge

Die EU-Exporte von CN-0403-Produkten entwickelten sich äußerst dynamisch:

  • Wert: Der Exportwert stieg von 707,9 Mio. EUR (2015) auf 1,196 Mrd. EUR (2025). Das entspricht einem Plus von 69 %.
  • Menge: Die exportierte Menge erhöhte sich von 485.236 Tonnen auf 594.461 Tonnen (+22,5 %).
  • Preis: Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 1.459 EUR/t auf 2.012 EUR/t (+37,9 %), was auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten oder allgemeine Preissteigerungen hindeutet.

Importe gehen zurück, getrieben von Preis- und Mengenentwicklungen

Während die Exporte expandierten, entwickelten sich die Importe gegenläufig:

  • Wert: Der Importwert sank von 76,9 Mio. EUR auf 49,4 Mio. EUR (−35,7 %).
  • Menge: Die importierte Menge blieb mit 45.245 Tonnen (2015) und 47.312 Tonnen (2025) relativ stabil (+4,6 %).
  • Preis: Der durchschnittliche Importpreis halbierte sich nahezu von 1.700 EUR/t auf 1.045 EUR/t (−38,5 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU ihre Importe zunehmend aus kostengünstigeren Quellen bezieht oder dass günstigere Produkte importiert werden.

2. Neuausrichtung der Handelsströme: Diversifizierung und neue Schlüsselmärkte

Parallel zur Verbesserung der Handelsbilanz vollzog sich eine deutliche Veränderung bei den Handelspartnern sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite. Die EU hat ihre Absatzmärkte diversifiziert und neue, wachstumsstarke Partner identifiziert.

Exporte: Abkehr von China und Aufstieg von Philippinen und USA

Die wichtigsten Exportziele der EU haben sich gewandelt:

  • Vereinigtes Königreich blieb mit Abstand der größte Partner, mit Exporten von 642 Mio. EUR (2025). Der Anstieg von 48,7 % gegenüber 2015 unterstreicht die anhaltende Bedeutung des Nachbarlandes (Exportpartner).
  • Philippinen und USA sind zu neuen Wachstumsmotoren geworden. Die Exporte in die Philippinen stiegen um 586 % auf 66,2 Mio. EUR, in die USA sogar um 3.276 % auf 59,8 Mio. EUR.
  • China verlor dagegen an Bedeutung. Die Exporte fielen von 52,2 Mio. EUR (2015) auf 29,1 Mio. EUR (2025, −44,4 %).

Importe: Rückgang aus dem Vereinigten Königreich und Aufstieg von Balkanstaaten

Auch die Importquellen haben sich stark verändert:

  • Die EU-Importe aus dem Vereinigten Königreich sind um 66,9 % von 70,2 Mio. EUR auf 23,3 Mio. EUR eingebrochen (Importpartner). Dies ist zum Teil auf den Brexit und veränderte Handelsbeziehungen zurückzuführen.
  • Neue, wenn auch kleinere Importquellen sind auf dem Balkan entstanden: Bosnien und Herzegovina (+3.758 %), Serbia (+752 %) und Norway (von 42.034 EUR auf 2,3 Mio. EUR).
  • Die Schweiz als traditioneller Partner verlor an Bedeutung (−42,5 %).

Konzentration der Handelsbeziehungen nimmt ab

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für die Handelskonzentration zeigen eine klare Diversifizierungstendenz:

  • Der HHI der Importe sank von 8.380 auf 2.851 (−66 %), was auf eine deutlich geringere Abhängigkeit von einzelnen Importpartnern hindeutet (Konzentration).
  • Der HHI der Exporte sank leicht von 3.823 auf 2.997 (−21,6 %), was eine moderate Diversifizierung der Exportmärkte anzeigt.

3. Produktspezifische Trends: Joghurt als Wachstumstreiber und divergente Preisentwicklungen

Die Warengruppe CN 0403 besteht aus zwei Hauptsegmenten: Joghurt (040320) und anderen fermentierten Milchprodukten wie Kefir und Buttermilch (040390). Die Daten zeigen eine klare Trennung in deren Handelsentwicklung.

Joghurt-Exporte dominieren das Wachstum seit 2022

Seit 2022 wird Joghurt separat ausgewiesen. Die Entwicklung ist auffällig:

  • Der Exportwert von Joghurt (040320) explodierte von 406 Mio. EUR (2022) auf 710 Mio. EUR (2025). Die exportierte Menge verdoppelte sich von 228.127 t auf 357.813 t.
  • Im Gegensatz dazu stagnierten die Exporte von anderen fermentierten Milchprodukten (040390). Der Wert schwankte zwischen 365 Mio. EUR (2021) und 563 Mio. EUR (2022) und lag 2025 bei 486 Mio. EUR. Die exportierte Menge sank sogar von 305.100 t (2015) auf 236.648 t (Produktvergleich).

Preisentwicklungen divergieren zwischen Segmenten

Die Preise für die beiden Segmente entwickelten sich unterschiedlich:

  • Exportpreise für 040390: Der Preis stieg kontinuierlich von 1.380 EUR/t (2015) auf 2.048 EUR/t (2025), was einem Anstieg von 48 % entspricht.
  • Importpreise für 040390: Im Gegensatz dazu sank der Importpreis drastisch von 1.458 EUR/t auf 749 EUR/t (−49 %). Dies deutet auf eine gezielte Beschaffung kostengünstigerer Grundprodukte hin.
  • Preise für Joghurt (040320): Die Exportpreise lagen 2025 bei 1.985 EUR/t, die Importpreise bei 1.899 EUR/t, was eine relativ ausgeglichene Preissituation für dieses hochwertigere Segment zeigt.

Volatilität und Schocks konzentrieren sich auf Nischenmärkte

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass größere Handelsbeziehungen tendenziell stabiler sind:

  • Der Export in das Vereinigte Königreich weist mit einem Variationskoeffizient (CV) von 0,06 die geringste Schwankung auf.
  • Höhere Volatilität findet sich bei Exporten in kleinere oder neuere Märkte wie die USA (CV 0,64) oder Ukraine (CV 0,52).
  • Ein signifikanter Preisschock wurde 2022 bei den Exporten in die Philippinen festgestellt, wo die Exportpreise um 56 % stiegen (Schock-Ereignisse).

Schlussfolgerung

Der EU-Markt für fermentierte Milcherzeugnisse (CN 0403) hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem leicht defizitären Sektor zu einem starken und dynamischen Exporteur entwickelt. Der Exportüberschuss hat sich nahezu verdoppelt, getrieben von einem steigenden Exportwert (+69 %) bei gleichzeitig rückläufigen Importen (−35,7 %). Die EU hat ihre Absatzmärkte erfolgreich diversifiziert, mit starkem Wachstum in Regionen wie Südostasien (Philippinen) und Nordamerika (USA), während die traditionelle Abhängigkeit vom Vereinigten Königreich abnahm. Innerhalb der Warengruppe hat sich Joghurt zum klaren Wachstumstreiber entwickelt, während andere fermentierte Milchprodukte an Bedeutung verloren. Die zunehmende Exportpropensität und das sinkende Importreliance deuten auf eine gestärkte Wettbewerbsfähigkeit und Autonomie der EU in diesem Segment hin. Zukünftige Entwicklungen werden von globalen Nachfragetrends, Wettbewerb aus anderen exportstarken Regionen und der Fähigkeit der EU, in hochwertige, innovative Produkte zu investieren, abhängen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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