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Marktentwicklung: Kondensmilch (CN 0402) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zolltarifbereich CN 0402 — Milch und Rahm, eingedickt oder mit Zusatz von Zucker oder anderen Süßmitteln im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Codegruppe 0402 umfasst fünf Unterpositionen, die von Magermilchpulver (≤1,5 % Fett, 040210) über Vollmilchpulver (040221/040229) bis hin zu eingedickter Milch mit und ohne Zuckerzusatz (040291/040299) reichen. Die EU ist in diesem Segment ein dominanter Nettoexporteur: Das positive Handelsbilanzsaldo stieg im Betrachtungszeitraum von 3,14 Mrd. EUR auf 3,29 Mrd. EUR, bei einem Netto-Exportüberschuss, der sich von −22,4 % auf −52,3 % vertiefte. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich in drei Thesen zusammenfassen: ein preisgetriebenes Exportwachstum trotz rückläufiger Mengen, eine geopolitische Neuausrichtung der Handelsbeziehungen und eine tiefgreifende Verschiebung innerhalb der Produktsegmente.


1. Preisgetriebenes Exportwachstum trotz rückläufiger Mengen

Die zentrale Entwicklung des Untersuchungszeitraums ist ein Spannungsverhältnis zwischen steigenden Exportwerten und fallenden Exportmengen. Während der Warenwert der EU-Ausfuhren von 3,33 Mrd. EUR (2015) auf 3,52 Mrd. EUR (2025) um 5,6 % stieg, sank das exportierte Volumen von 1,50 Mio. Tonnen auf 1,26 Mio. Tonnen — ein Rückgang von 15,9 %. Die Differenz erklärt sich durch einen drastischen Preisanstieg um 25,6 %: von durchschnittlich 2.217 EUR/t auf 2.785 EUR/t.

Exportpreise als dominanter Wachstumstreiber

Die preisgetriebene Dynamik zeigt sich besonders eindrücklich im Vergleich der Eckwerte. Der Exportpreis erreichte seinen Höchststand im Jahr 2022 mit 3.541 EUR/t, was die Auswirkungen der globalen Energie- und Rohstoffkrise widerspiegelt. Auch nach dem Rückgang auf 2.785 EUR/t im Jahr 2025 blieb das Preisniveau deutlich über dem Ausgangswert von 2015. Die Importseite zeigt ein analoges Muster: Die Einfuhren stiegen im Wert um 24,1 % (von 188 Mio. EUR auf 234 Mio. EUR), bei nahezu konstanten Mengen (+1,5 %), was einem Preisanstieg von 22,3 % entspricht.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 3,33 3,52 +5,6 %
Exportmenge (Mio. t) 1,50 1,26 −15,9 %
Exportpreis (EUR/t) 2.217 2.785 +25,6 %
Importwert (Mio. EUR) 188 234 +24,1 %
Importmenge (t) 119.608 121.379 +1,5 %
Importpreis (EUR/t) 1.576 1.927 +22,3 %
Handelssaldo (Mrd. EUR) 3,14 3,29 +4,5 %

Produktionswachstum als Fundament der Exportstärke

Parallel zum Außenhandel wuchs die inländische Produktion der EU im selben Zeitraum erheblich: Die Produktionsmenge stieg von 1,48 Mrd. kg auf 3,52 Mrd. kg (+138,6 %), der Produktionswert von 1,75 Mrd. EUR auf 9,65 Mrd. EUR (+449,8 %). Dieses Wachstum unterstreicht, dass die EU ihre Rolle als globaler Anbieter von Kondensmilchprodukten nicht nur behauptet, sondern ausgebaut hat — wenngleich die gestiegenen Werte zu einem erheblichen Teil auf Preissteigerungen zurückzuführen sind. Die Exportquote stieg dabei von 20,0 % auf 36,4 %, was die zunehmende Exportorientierung der EU-Kondensmilchindustrie belegt.

Inner-EU-Produktionsspezialisierung

Die Spezialisierung innerhalb der EU ist ungleichmäßig verteilt. Irland weist mit einem RCA-Wert von 4,05 und einem RSCA von 0,60 die höchste Spezialisierung auf, gefolgt von Luxemburg (RCA 3,09), Frankreich (1,82), Belgien (1,62) und Litauen (1,56). Am anderen Ende des Spektrums stehen Zypern (RCA 0,0001), Slowenien (0,01) und die Slowakei (0,05), die praktisch keine Exportkapazität in diesem Segment besitzen. Auf Ebene der EU-Mitgliedstaaten zeigen sich im Export deutliche Verschiebungen: Die Niederlande blieben mit 850 Mio. EUR der größte Einzelexporteur, verloren aber 15,3 %; Deutschland (−11,6 %) und Frankreich (−7,2 %) folgten. Demgegenüber verzeichneten Belgien (+54,7 %), Irland (+92,5 %) und Polen (+46,9 %) kräftige Zuwächse, während Dänemark seinen Exportwert nahezu halbierte (−49,4 %).


2. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsbeziehungen

Die zweite zentrale Erkenntnis betrifft eine tiefgreifende Umstrukturierung der Handelspartner — sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite. Diese Veränderungen lassen sich teilweise durch geopolitische Ereignisse, Handelsabkommen und pandemiebedingte Nachfrageverschiebungen erklären.

Diversifizierung der Importquellen

Besonders auffällig ist der dramatische Rückgang der Importkonzentration: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) nach Wert halbierte sich nahezu von 8.128 auf 4.028 (−50,4 %), was einer erheblichen Diversifizierung der Importquellen entspricht. Der Hauptpartner Vereinigtes Königreich — historisch der mit Abstand wichtigste Importeur — verlor 20,7 % seines Exportwerts in die EU (von 170 Mio. EUR auf 135 Mio. EUR). Gleichzeitig traten neue Akteure in Erscheinung:

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 169,6 134,6 −20,7 %
Ukraine 0,6 50,5 +8.124 %
Neuseeland 8,9 35,1 +295,7 %
Norwegen 1,3 1,2 −8,5 %
Vereinigte Staaten 0,4 4,8 +1.009 %
Schweiz 2,6 4,4 +67,6 %
Israel 3,6 0,003 −99,9 %

Der Ukraine-Effekt ist hier besonders bemerkenswert: Die Importe aus der Ukraine stiegen von praktisch insignifikanten 0,6 Mio. EUR auf 50,5 Mio. EUR — ein Anstieg, der zeitlich mit dem EU-Assoziierungsabkommen und dem unilateralen Handelsabkommen nach dem russischen Angriffskrieg 2022 zusammenfällt. Auch Neuseeland (+295,7 %) und die USA (+1.009 %) gewannen erheblich an Bedeutung, während Israel als Importquelle nahezu vollständig verschwand (−99,9 %).

Stabilität und Wandel auf der Exportseite

Die Exportseite zeigt ein differenzierteres Bild. Algerien blieb mit 337 Mio. EUR der größte Abnehmer (+8,2 %), während die Ausfuhren nach China trotz eines Rückgangs von 28,3 % (von 222 Mio. EUR auf 159 Mio. EUR) weiterhin bedeutsam blieben. Das Königreich Saudi-Arabien (+39,7 %) und der Oman (+53,7 %) gewannen als Nahost-Abnehmer deutlich an Gewicht, ebenso wie das Vereinigte Königreich (+27,9 %) als Drittlandmarkt. Nigeria hingegen verlor 43,6 % seines Exportwerts. Die Exportkonzentration blieb mit einem HHI von 384 bis 403 erwartungsgemäß niedrig und stabil — die EU-Ausfuhren sind traditionell breit diversifiziert.

Preisschocks im Jahr 2022

Die Volatilitätsanalyse identifiziert signifikante Preisschocks im Jahr 2022, die als Auswirkungen der Energiekrise und der globalen Inflationswelle nach dem Beginn des russischen Krieges in der Ukraine interpretiert werden können. Exportpreisschocks mit außergewöhnlicher Abnormalität wurden für China (Anstieg von 39,3 %, Abnormalität 101,1), den Jemen (+41,6 %, Abnormalität 64,9) und die Dominikanische Republik (+35,9 %, Abnormalität 35,5) festgestellt. Die Volatilitätsprofile der Handelspartner unterscheiden sich dabei erheblich: Die Exportbeziehungen zu den wichtigsten Partnern wie Oman (CV 0,10), Saudi-Arabien (0,12) und Algerien (0,20) sind relativ stabil, während die Importseite höhere Volatilität aufweist — Israel (CV 2,40), die Ukraine (1,19) und Norwegen (1,00) zeigen extreme Schwankungen.


3. Strukturelle Verschiebung in den Produktsegmenten

Die dritte zentrale Erkenntnis betrifft eine gravierende Umstrukturierung innerhalb der einzelnen Unterpositionen von CN 0402 — sowohl im Export als auch im Import. Diese Verschiebungen haben erhebliche Implikationen für die Wertschöpfungsstruktur und die Wettbewerbsposition der EU.

Exportseitiger Niedergang des Vollmilchpulvers

Die Produktaufschlüsselung der Exporte zeigt eine dramatische Verschiebung zugunsten des Magermilchpulvers (040210). Während dieses Segment seine Exportmenge von 707.000 t auf 796.000 t steigern konnte (+12,6 %), brachen die Mengen bei Vollmilchpulver ohne Zucker (040221) von 350.000 t auf 171.000 t ein (−51,2 %). Noch drastischer fiel der Rückgang bei Vollmilchpulver mit Zucker (040229) aus: von 36.000 t auf nur noch 6.000 t (−82,1 %). Auch eingedickte Milch ohne Zucker (040291) verlor 34,1 % ihres Volumens.

Produktsegment (Export) 2015 (t) 2025 (t) Veränderung 2015 (Mrd. EUR) 2025 (Mrd. EUR)
040210 — Magermilchpulver (≤1,5 % Fett) 706.558 795.950 +12,6 % 1,51 2,03
040221 — Vollmilchpulver, n. gesüßt 350.300 171.014 −51,2 % 1,06 0,82
040291 — Eingedickt, n. gesüßt 294.344 193.838 −34,1 % 0,44 0,39
040299 — Eingedickt, gesüßt 116.001 96.581 −16,8 % 0,21 0,26
040229 — Vollmilchpulver, gesüßt 35.690 6.387 −82,1 % 0,11 0,03

Die preisliche Entwicklung verstärkt diesen Trend: Während Magermilchpulver (040210) im Export einen Preis von durchschnittlich 2.546 EUR/t erzielte, lag Vollmilchpulver ohne Zucker (040221) mit 4.774 EUR/t deutlich höher. Allerdings fielen die Exportmengen des hochwertigeren Vollmilchpulvers kontinuierlich, was auf einen Verlust internationaler Wettbewerbsfähigkeit in diesem Segment hindeuten könnte — möglicherweise bedingt durch höhere Produktionskosten in der EU im Vergleich zu Konkurrenten aus Ozeanien oder Südamerika.

Importseitiger Aufstieg der eingedickten Milch

Auf der Importseite zeigt sich ein gegenläufiges Muster. Der spektakulärste Anstieg betraf eingedickte Milch ohne Zuckerzusatz (040291): Die Importmenge mehr als verdoppelte sich von 22.000 t auf 51.000 t (+131,5 %), der Wert stieg von 21 Mio. EUR auf 35 Mio. EUR. Dies deutet auf eine wachsende Nachfrage nach diesem spezifischen Produkt hin, die möglicherweise durch die Verarbeitungsindustrie oder veränderte Konsumgewohnheiten getrieben wird. Demgegenüber sanken die Importe von Vollmilchpulver (040221) von 38.000 t auf 17.000 t (−54,5 %), und Magermilchpulver (040210) verlor leicht an Volumen (−14,1 %).

Produktsegment (Import) 2015 (t) 2025 (t) Veränderung 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR)
040210 — Magermilchpulver (≤1,5 % Fett) 52.893 45.450 −14,1 % 65,8 109,6
040291 — Eingedickt, n. gesüßt 21.962 50.861 +131,5 % 21,4 35,2
040221 — Vollmilchpulver, n. gesüßt 37.959 17.400 −54,2 % 89,5 71,2
040299 — Eingedickt, gesüßt 5.996 7.584 +26,5 % 8,3 17,2
040229 — Vollmilchpulver, gesüßt 798 85 −89,3 % 3,5 0,6

Konvergenz der Preise und Margenentwicklung

Ein bemerkenswerter Trend zeigt sich in der Preisentwicklung über alle Segmente hinweg: Die Exportpreise lagen in der Regel deutlich über den Importpreisen, was auf eine positive Terms-of-Trade-Position der EU hindeutet. Im Segment 040210 betrug der Exportpreis 2.546 EUR/t gegenüber einem Importpreis von 2.412 EUR/t; bei 040221 lag der Exportpreis bei 4.774 EUR/t gegenüber 4.093 EUR/t. Bei eingedickter gesüßter Milch (040299) kehrte sich dieses Verhältnis jedoch teilweise um: Der Importpreis (2.267 EUR/t) näherte sich dem Exportpreis (2.651 EUR/t) an, was auf eine Angleichung der Beschaffungskosten hindeuten könnte. Der bemerkenswerte Preisanstieg bei 040229-Importen — mit stark schwankenden Preisen zwischen 612 EUR/t (2018) und 11.745 EUR/t (2024) — spiegelt die geringen Handelsvolumina und die damit verbundene statistische Unsicherheit wider.


Fazit

Der EU-Handel mit Kondensmilchprodukten (CN 0402) hat sich im Zeitraum 2015–2025 in mehrfacher Hinsicht strukturell gewandelt. Erstens hat sich die EU trotz sinkender Exportmengen ihre Position als globaler Marktführer erhalten, weil steigende Preise den Wertverlust überkompensierten. Zweitens haben sich die Handelsbeziehungen sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite deutlich verschoben: Die Importkonzentration halbierte sich nahezu, die Ukraine stieg zu einem der wichtigsten Importpartner auf, und auf der Exportseite gewannen Nahost-Märkte an Gewicht, während China und Nigeria an Bedeutung verloren. Drittens vollzog sich innerhalb der Produktsegmente eine fundamentale Verschiebung: Vollmilchpulver verlor als Exportprodukt massiv an Boden, während Magermilchpulver seine dominante Stellung ausbaute. Im Importbereich verzeichnete eingedickte ungesüßte Milch das stärkste Wachstum. Diese Entwicklungen dürften sich in den kommenden Jahren fortsetzen — getrieben durch globale Milchpreiszyklen, geopolitische Unsicherheiten und sich verändernde Nachfragestrukturen in den wichtigsten Absatzmärkten.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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