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Marktentwicklung: Lebende Tiere (CN 01) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel der Europäischen Union mit lebenden Tieren (CN 01) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 erheblich verändert. Der vorliegende Kurzbericht analysiert die Entwicklungen bei Exporten und Importen der EU mit Drittstaaten anhand der verfügbaren Daten. Im Mittelpunkt stehen die wert- und mengenmäßigen Trends, die Verschiebung der Handelspartner sowie die strukturelle Spezialisierung der Mitgliedstaaten. Der Bericht stützt sich ausschließlich auf das Datenmaterial des EU Trade Dashboards und identifiziert die treibenden Kräfte hinter den beobachteten Dynamiken.

Wertwachstum trotz Mengenrückgang: Preiseffekte dominieren die Exportentwicklung

Die EU-Ausfuhren lebender Tiere sind im Betrachtungszeitraum wertmäßig deutlich gestiegen, obwohl die Ausfuhrmenge insgesamt gesunken ist. Diese Diskrepanz wird durch stark steigende Durchschnittspreise erklärt.

Der Gesamtwert der Exporte wuchs von 2,71 Mrd. EUR (2015) auf 3,72 Mrd. EUR (2025) – ein Plus von 37,2 %.

Die Detailzahlen belegen eine nahezu kontinuierliche Aufwärtsbewegung des Ausfuhrwerts, der seinen Höchststand im Jahr 2024 mit 3,98 Mrd. EUR erreichte. Gleichzeitig sank die exportierte Menge von 532.983 Tonnen (2015) auf 460.321 Tonnen (2025), was einem Rückgang um 13,6 % entspricht. Der durchschnittliche Stückpreis stieg von 5.093 EUR auf 8.091 EUR, also um 58,9 %. Handelsübersicht und Entwicklung

Die Preisdynamik zeigt sich besonders bei Rindern und Geflügel, deren Ausfuhrmengen rückläufig waren, die aber dennoch Wertgewinne verbuchten.

Eine Aufschlüsselung nach den führenden Einzelkategorien unterstreicht den Preistreiber-Effekt:

Kategorie (CN‑Code) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Mengenänderung 2015–2025 Preisänderung 2015–2025 Wertänderung 2015–2025
Rinder (0102) 993,2 −32,1 % +44,2 % −2,2 %*
Pferde (0101) 1.322,4 +42,3 % +15,0 % +63,6 %
Schafe/Ziegen (0104) 495,0 +44,8 % +55,7 % +125,4 %
Geflügel (0105) 469,7 −30,7 % +99,4 % +38,2 %

(*Rinder: Wert von 1.016 Mio. EUR 2015 auf 993 Mio. EUR 2025 nahezu stabil, da Preisanstieg den Mengenrückgang ausglich.)

Produktvergleich auf Segmentebene

Der starke Preisauftrieb wurde bei nahezu allen Warengruppen beobachtet, während die Mengenentwicklung gemischt ausfiel. So gingen die Mengen an lebenden Rindern (um ein Drittel) und an Geflügel (um fast ein Drittel) zurück, während bei Pferden und Schafen/Ziegen zweistellige Mengenzuwächse verzeichnet wurden. Die durchschnittlichen Exportpreise für Geflügel verdoppelten sich nahezu, was wesentlich zur Wertsteigerung beitrug.

Geopolitische Neuausrichtung: Von traditionellen Abnehmern zu neuen Wachstumsmärkten

Die regionalen Strukturen der EU‑Exporte haben sich tiefgreifend gewandelt. Einige ehemals bedeutende Zielländer brachen weg, während andere, insbesondere Israel, stark an Bedeutung gewannen. Die Importseite bleibt dagegen stark auf das Vereinigte Königreich fokussiert.

Der Türkei‑Export brach um 92,4 % ein, während Israel mit einem Plus von 469,7 % zum drittwichtigsten Zielland aufstieg.

Die Rangliste der Exportpartner nach Wert zeigt markante Verschiebungen (Werte in Mio. EUR):

Partner 2015 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 504,8 746,4 +47,9 %
Israel 61,7 351,3 +469,7 %
Algerien 71,7 173,0 +141,2 %
Jordanien 77,9 126,3 +62,2 %
Libanon 208,6 92,2 −55,8 %
Libyen 224,1 49,6 −77,9 %
Türkei 321,8 24,6 −92,4 %

Top Handelspartner nach Wert

Während das Vereinigte Königreich seine Spitzenposition ausbaute, stürzten die ehemals großen Abnehmer Türkei, Libyen und Libanon in der Rangfolge ab. Auffällig ist das extreme Exportwachstum nach Israel, das von 61,7 Mio. EUR auf 351,3 Mio. EUR sprang und nun den zweiten Platz einnimmt. Algerien und Jordanien weiteten ihre EU‑Bezüge ebenfalls kräftig aus. Die Exportkonzentration (HHI‑Wert) verharrt mit Werten um 840 auf sehr niedrigem Niveau, was die breite Streuung der Ausfuhren bestätigt. Konzentrationsindex (HHI)

Die Importe werden stark vom Vereinigten Königreich dominiert und wachsen moderat, wobei vor allem Schafe/Ziegen enorme Zuwächse verzeichnen.

Die EU bezog im Jahr 2025 lebende Tiere im Wert von 850,1 Mio. EUR aus Drittstaaten, ein Anstieg um 42,1 % gegenüber 2015. Mit einem Anteil von 71 % der Importe (603,3 Mio. EUR) ist das Vereinigte Königreich der mit Abstand führende Lieferant. Die Importmengen nahmen im gleichen Zeitraum um 29,1 % zu, die Einfuhrpreise stiegen moderat um 10,2 %.

Der stärkste Importimpuls kam von der Kategorie Schafe und Ziegen (CN 0104): Deren Einfuhrwert vervielfachte sich von 3,3 Mio. EUR auf 52,1 Mio. EUR, was in erster Linie auf eine Mengenausweitung um das Fünfeinhalbfache (+563,9 %) zurückgeht. Gleichzeitig verteuerten sich die Einfuhren bei Geflügel und Rindern durch deutliche Preissteigerungen (+109,6 % bzw. +139,0 %), während die Menge bei Rindern und Schweinen rückläufig war. Produktvergleich Importe

Hohe Volatilität und ein Preisschock in Marokko unterstreichen die Anfälligkeit einzelner Zielmärkte.

Die Schwankungsanfälligkeit (Variationskoeffizient der Mengen) ist bei den Exporten nach Saudi‑Arabien (CV 1,03), Marokko (CV 0,99) und in den Kosovo (CV 0,80) besonders ausgeprägt. Ein identifizierter Preisschock betraf die Exporte nach Marokko um das Jahr 2022: Der Durchschnittspreis schnellte um 32,3 % gegenüber der Vorperiode in die Höhe, gefolgt von einem extremen Mengenschub in den Jahren 2023–2024, bei dem die exportierte Menge auf das 4,6‑fache des Basisniveaus stieg und die Preise wieder auf 87,5 % des Ausgangswerts fielen. Der Anteil Marokkos am Gesamtexportwert lag in dieser Zeit bei 6,6 %. Auch die Importe aus Chile (CV 2,52) und Belarus (CV 0,89) zeigen eine überdurchschnittliche Schwankungsbreite. Volatilitätsanalyse Schockereignisse

Intra-EU‑Spezialisierung und die dominierende Rolle einzelner Mitgliedstaaten

Die Handelsströme werden innerhalb der Union von wenigen, stark spezialisierten Mitgliedstaaten geprägt, während die Importseite erheblich konzentriert ist.

Dänemark, Kroatien und Frankreich sind die am stärksten auf Ausfuhren lebender Tiere spezialisierten EU‑Länder.

Im Jahr 2025 weist Dänemark mit einem RSCA‑Wert von 0,78 und einem RCA‑Wert von 8,16 die höchste Export‑Spezialisierung auf. Frankreich (RSCA 0,52) und Kroatien (RSCA 0,54) folgen mit deutlichen komparativen Vorteilen. Dementsprechend entfällt auf Dänemark 14,1 % des EU‑Gesamtexports dieser Warengruppe, obwohl das Land nur 1,7 % der gesamten EU‑Ausfuhren bestreitet. Auch Lettland und Litauen zeigen überdurchschnittliche Spezialisierungsgrade. Auf der anderen Seite haben große Volkswirtschaften wie Italien (RSCA −0,86), Polen (−0,81) und Schweden (−0,83) kaum eine Ausrichtung auf diesen Sektor. Spezialisierungskarte der Mitgliedstaaten

Rumänien, Ungarn und Irland steigerten ihre Exporte dynamisch, während die Ausfuhren Deutschlands und Frankreichs stagnierten oder leicht zurückgingen.

Die zehnjährige Entwicklung der wichtigsten Berichtsmitgliedstaaten offenbart ein Auseinanderdriften der Positionen (Werte in Mio. EUR):

Mitgliedstaat 2015 2025 Veränderung
Irland 372,1 598,4 +60,8 %
Niederlande 414,7 488,7 +17,8 %
Rumänien 163,2 435,8 +167,0 %
Spanien 285,5 389,4 +36,4 %
Frankreich 449,9 415,9 −7,5 %
Deutschland 293,7 266,4 −9,3 %
Ungarn 144,4 249,4 +72,7 %

Rumänien hat seine Ausfuhren mehr als verdoppelt und überholte damit Frankreich und Spanien. Ungarn und Irland zählen ebenfalls zu den dynamischen Gewinnern, während die traditionellen Agrarexporteure Deutschland und Frankreich an Boden verloren. Top Berichtsmitgliedstaaten (Exporte)

Bei den Importen dominieren Irland und Frankreich, die ihre Einfuhren massiv ausweiteten.

Die Importwerte der vier größten Einfuhrländer 2025:

Sekundärhandel der Mitgliedstaaten (Importe)

Während Irland seine Position als führender Importeur ausbaute, holten Frankreich und die Niederlande stark auf. Deutschland reduzierte hingegen seine Drittlandeinfuhren in diesem Segment. Der hohe HHI‑Wert der Importe (5.213,8 im Jahr 2025) spiegelt die anhaltende Abhängigkeit von wenigen Lieferanten – vor allem dem Vereinigten Königreich – wider. Konzentrationsmaße Importe

Fazit

Der EU-Handel mit lebenden Tieren zeichnet sich im letzten Jahrzehnt durch eine ausgeprägte Dualität aus: Während die Exportwerte, getrieben von kräftigen Preissteigerungen bei Rindern, Geflügel und Schafen, um mehr als ein Drittel zulegten, sanken die realen Ausfuhrmengen. Geopolitisch kam es zu einer dramatischen Umwälzung der Absatzmärkte – von der Türkei und Nordafrika hin zu Israel und dem Vereinigten Königreich – wobei hohe Volatilitäten und Preisschocks die Risiken verdeutlichen. Innerhalb der EU konzentriert sich die Ausfuhr zunehmend auf spezialisierte Länder wie Dänemark und auf aufstrebende Agrarexporteure wie Rumänien, während die Importe vom Vereinigten Königreich dominiert bleiben. Die Handelsbilanz ist mit einem stetig wachsenden Überschuss, zuletzt 2,87 Mrd. EUR im Jahr 2025, klar positiv.