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Marktentwicklung: Schafe und Ziegen (CN 0104) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel mit lebenden Schafen und Ziegen (CN 0104) der Europäischen Union mit Drittländern hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich gewandelt. Die EU ist in diesem Marktsegment ein Nettoexporteur mit einem stark wachsenden Handelsbilanzüberschuss. Der Exportwert stieg im Betrachtungszeitraum um rund 125 %, während die Importe – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau – sogar um über 1.480 % zunahmen. Die Analyse umfasst sowohl Schafe (CN 010410) als auch Ziegen (CN 010420), wobei Schafe mengen- und wertmäßig den überwiegenden Teil ausmachen. Im Folgenden werden die zentralen Entwicklungen in drei Kernbereichen dargestellt.


1. Vom Agrarexporteur zum Preistreiber: Wachstum und Wertschöpfung im EU-Außenhandel

1.1 Exporte: Solides Mengenwachstum bei steigenden Preisen

Die EU-Exporte lebender Schafe und Ziegen verzeichneten im gesamten Zeitraum ein robustes Wachstum. Der Exportwert erhöhte sich von 219,6 Mio. EUR (2015) auf 495,0 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 125,4 % entspricht. Die exportierte Menge in Tonnen stieg im gleichen Zeitraum um 44,8 % — von 80.697 t auf 116.838 t. Der Höchstwert wurde 2023 mit 132.396 t erreicht (Übersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 219.610.537 494.972.902 +125,4 %
Exportmenge (t) 80.697 116.838 +44,8 %
Exportpreis (EUR/t) 2.721 4.236 +55,7 %
Exporte (Stück) 1.997.748 2.755.000 +37,9 %
Exportpreis (EUR/Stück) 109,93 179,66 +63,4 %

Bemerkenswert ist, dass der Wertanstieg (+125 %) das Mengenwachstum (+45 %) deutlich übertraf. Die durchschnittlichen Exportpreise pro Tonne stiegen von 2.721 EUR auf 4.236 EUR (+55,7 %), und der Preis pro Stück erhöhte sich von 109,93 EUR auf 179,66 EUR (+63,4 %). Dies deutet auf eine strukturelle Aufwertung hin: Die EU exportierte nicht nur mehr Tiere, sondern erzielte auch deutlich höhere Erlöse pro Einheit.

1.2 Lebende Schafe dominieren, Ziegen spielen eine Nischenrolle

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt, dass lebende Schafe (CN 010410) praktisch den gesamten Handel dominieren. Im Jahr 2025 entfielen 490,9 Mio. EUR (99,2 % des Exportwerts) auf Schafe und nur 4,0 Mio. EUR auf Ziegen. Bei den Importen war das Verhältnis noch deutlicher: 52,1 Mio. EUR (99,99 %) für Schafe gegenüber lediglich 5.429 EUR für Ziegen (Produktvergleich).

Produkt Exportwert 2025 (EUR) Anteil am Export Importwert 2025 (EUR) Anteil am Import
010410 – Schafe, lebend 490.942.517 99,2 % 52.136.394 99,99 %
010420 – Ziegen, lebend 4.030.384 0,8 % 5.429 <0,01 %

Auffällig bei den Ziegenexporten ist die hohe Volatilität: Der Wert schwankte zwischen 2,3 Mio. EUR (2022) und 8,0 Mio. EUR (2021), bei einem sehr variablen Preis pro Tonne (von 5.928 EUR bis 13.347 EUR).

1.3 Der Handelsbilanzüberschuss verdoppelt sich

Die EU erzielte in jedem Jahr des Betrachtungszeitraums einen positiven Handelsbilanzüberschuss. Dieser wuchs von 216,3 Mio. EUR (2015) auf 442,8 Mio. EUR (2025) — eine Steigerung von 104,7 %. Der Überschuss erreichte seinen Höhepunkt 2025, was den anhaltenden Strukturwandel hin zu einer stärkeren Exportorientierung unterstreicht.


2. Neue Exportmärkte im Nahen Osten und Nordafrika: Verschiebung der Handelsströme

2.1 Jordans Aufstieg zum wichtigsten Exportpartner

Die geografische Struktur der EU-Exporte hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert. Jordanien entwickelte sich vom zweitgrößten zum wichtigsten Exportpartner. Der Exportwert nach Jordanien stieg von 60,1 Mio. EUR auf 116,6 Mio. EUR (+93,9 %), wobei der Höchstwert 2023 mit 178,3 Mio. EUR erreicht wurde (Partnerländer).

Exportpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Jordanien 60.149.950 116.641.971 +93,9 %
Algerien 334.318 117.363.292 +35.005 %
Israel 346.194 111.521.750 +32.114 %
Saudi-Arabien 54.000 33.528.865 +61.991 %
Libyen 135.440.670 29.690.542 −78,1 %
Marokko 9.000 54.488.788 +605.331 %
Libanon 15.777.494 6.534.419 −58,6 %

2.2 Dramatische Zuwächse bei neuen Abnehmern

Besonders auffällig sind die prozentualen Anstiege bei mehreren Märkten:

  • Marokko stieg von lediglich 9.000 EUR (2015) auf 54,5 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von über 605.000 % entspricht. Marokko entwickelte sich damit zu einem der wichtigsten Exportmärkte.
  • Algerien wuchs von 334.318 EUR auf 117,4 Mio. EUR (+35.005 %) und wurde 2025 zum zweitgrößten Exportpartner.
  • Israel verzeichnete einen Anstieg von 346.194 EUR auf 111,5 Mio. EUR (+32.114 %).
  • Saudi-Arabien wuchs von 54.000 EUR auf 33,5 Mio. EUR (+61.991 %).

Diese Entwicklung spiegelt die wachsende Nachfrage nach lebenden Schafen insbesondere im Nahen Osten und Nordafrika wider, getrieben von religiösen Festen (insbesondere dem Opferfest) und der dortigen Tradition der Schlachtung frischer Tiere.

2.3 Libanon und Libyen als rückläufige Märkte

Nicht alle traditionellen Märkte entwickelten sich positiv. Libyen, 2015 noch der größte Exportpartner mit 135,4 Mio. EUR, verlor deutlich an Bedeutung und sank auf 29,7 Mio. EUR (−78,1 %). Auch der Export nach Libanon ging von 15,8 Mio. EUR auf 6,5 Mio. EUR zurück (−58,6 %). Die hohen Schwankungen bei Libyen (Variationskoeffizient von 0,83) unterstreichen die Instabilität dieses Marktes (Volatilität).

2.4 Abnehmende Konzentration der Exporte — Diversifizierung erkennbar

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte fiel von 4.624 (2015) auf 1.854 (2025), was einer Reduktion um 59,9 % entspricht (Konzentration). Die EU-Exporte waren 2015 noch stark auf wenige Märkte konzentriert (Libyen und Jordanien dominierten). Bis 2025 verteilte sich der Export auf deutlich mehr Abnehmer — neben Jordanien, Algerien und Israel auch auf Saudi-Arabien, Marokko und weitere Märkte. Diese Diversifizierung reduziert das Abhängigkeitsrisiko von einzelnen Märkten.


3. Struktureller Importwandel: Großbritannien als neuer Hauptlieferant und die irische Sonderrolle

3.1 Explosion der EU-Importe — getrieben durch das Vereinigte Königreich

Die EU-Importe lebender Schafe und Ziegen stiegen im Betrachtungszeitraum dramatisch an. Der Importwert erhöhte sich von nur 3,3 Mio. EUR (2015) auf 52,1 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 1.481 % entspricht. Die importierte Menge in Tonnen wuchs von 980 t auf 6.505 t (+564 %), und die Stückzahl expl regierte förmlich von 30.774 auf 1.635.194 Tiere (+5.214 %) (Übersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 3.297.397 52.141.823 +1.481 %
Importmenge (t) 980 6.505 +564 %
Importpreis (EUR/t) 3.366 8.016 +138 %
Importe (Stück) 30.774 1.635.194 +5.214 %
Importpreis (EUR/Stück) 107,15 31,89 −70,2 %

Der massive Anstieg der importierten Stückzahl (+5.214 %) bei gleichzeitigem Rückgang des Preises pro Stück (−70,2 %) ist ein zentrales Ergebnis. Dies lässt sich erklären: Die EU importierte 2015 offenbar vor allem einzelne, hochwertige Zuchttiere (hoher Preis pro Stück). Ab 2019 stiegen die Importe sprunghaft an — sowohl in Tonnen (von 898 t auf 8.964 t) als auch in der Stückzahl (von 30.774 auf 386.776). Dies deutet auf den Beginn von Importen in größeren Chargen hin, vermutlich für die Schlachtung oder Mast.

3.2 Brexit-Effekt: Irland als Durchgangsland und der britische Importboom

Die Analyse der Herkunftsländer und der importierenden EU-Mitgliedstaaten zeigt ein eindeutiges Muster. Das Vereinigte Königreich wurde mit Abstand zum wichtigsten Importpartner: Der Importwert stieg von 3,3 Mio. EUR (2015) auf 52,1 Mio. EUR (2025), ein Anstieg von 1.488 % (Partnerländer).

Gleichzeitig zeigt die Analyse der EU-Mitgliedstaaten, dass Irland mit großem Abstand der größte Importeur innerhalb der EU ist: Irlands Importe stiegen von 1,2 Mio. EUR auf 52,0 Mio. EUR (+4.299 %) (Berichterstatter).

Importeur (EU) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Irland 1.182.326 52.007.868 +4.299 %
Frankreich 1.702.224 2.426 −99,9 %
Belgien 57.780 84.469 +46,2 %
Deutschland 4.150 34.900 +741 %
Italien 226.403 7.400 −96,7 %
Niederlande 99.586 10.457 −89,5 %

Die enge Verbindung zwischen Irland als Importeur und dem Vereinigten Königreich als Lieferant erklärt sich durch die geografische Nähe, die historisch gewachsenen Handelsbeziehungen im Agrarsektor sowie die besondere landwirtschaftliche Struktur beider Länder. Der Brexit hat diese Handelsströme nicht unterbrochen, sondern möglicherweise sogar intensiviert — vermutlich weil Zollkontrollen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich neue Anreize für formale Importe schufen.

3.3 Hohe Importkonzentration und steigende Preise

Die Importkonzentration blieb throughout den gesamten Zeitraum extrem hoch: Der HHI für Importe lag stets zwischen 9.541 und 9.999 (nahe dem Maximum von 10.000), was bedeutet, dass die Importe praktisch vollständig auf ein einziges Partnerland konzentriert waren — das Vereinigte Königreich (Konzentration).

Andere Importpartner wie die Türkei (73.477 EUR → 87.847 EUR), Albanien (33.059 EUR → 44.677 EUR) und die Schweiz (9.044 EUR → 47.828 EUR) spielen mengenmäßig eine untergeordnete Rolle, auch wenn die Schweiz mit einem Wachstum von 429 % einen bemerkenswerten Anstieg verzeichnete.

Gleichzeitig stiegen die Importpreise pro Tonne erheblich — von 3.366 EUR auf 8.016 EUR (+138 %). Die Importpreise pro Stück sanken jedoch von 107 EUR auf 32 EUR (−70 %), was die These stützt, dass sich die Importstruktur von hochwertigen Einzeltieren hin zu größeren Chargen günstigerer Tiere verschoben hat.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit lebenden Schafen und Ziegen hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend gewandelt:

  1. Stärkung der Exportposition: Die EU hat ihre Rolle als bedeutender Exporteur lebender Kleinviehbestände ausgebaut. Der Handelsbilanzüberschuss stieg von 216 Mio. EUR auf 443 Mio. EUR, wobei steigende Preise auf eine höhere Wertschöpfung hindeuten.

  2. Geografische Diversifizierung der Exporte: Die einstige Konzentration auf wenige Märkte (insbesondere Libyen) wich einer breiteren Streuung auf zahlreiche nordafrikanische und nahöstliche Märkte. Die Exportkonzentration (HHI) sank um 60 %.

  3. Dramatischer Importanstieg durch die britische Verbindung: Die EU-Importe sind, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau, auf über 52 Mio. EUR gestiegen — fast ausschließlich getrieben durch Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich nach Irland. Dieser Handelsstrom spiegelt die besondere agrarische Verflechtung der britischen Insel wider.

Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, wie sich die Nachfrage im Nahen Osten und Nordafrika (saisonal und strukturell), die Handelsbedingungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich sowie die landwirtschaftlichen Produktionskapazitäten in den führenden EU-Exportländern (Rumänien, Spanien, Portugal) entwickeln.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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