Marktentwicklung: Lebende Pferde Esel Maultiere (CN 0101) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert den Handel der Europäischen Union mit lebenden Pferden, Eseln, Maultieren und Mauleseln (KN-Code 0101) im Zeitraum 2015 bis 2025 mit Drittländern. Die EU hat sich über diesen Zeitraum als bedeutender Nettoexporteur etabliert, wobei sich der Handelsbilanzüberschuss nahezu verdoppelt hat. Im Zentrum stehen drei zentrale Entwicklungslinien: das starke Wachstum des Gesamthandelsvolumens, die tiefgreifende Umstrukturierung der Produktsegmente und die geografische Konzentration der Handelsströme.
1. Starker Exportausbau und wachsender Handelsüberschuss
Die EU hat ihren Export lebender Equiden in Drittländer zwischen 2015 und 2025 erheblich ausgeweitet. Der Exportwert stieg um 63,7 % auf über 1,3 Mrd. EUR, während die Importe lediglich um 18,3 % auf rund 477 Mio. EUR zunahmen. Der Handelsbilanzüberschuss verdoppelte sich damit nahezu.
Die EU als dominierender Nettoexporteur im Segment lebender Pferde
Die Gesamtübersicht zeigt eine klare Asymmetrie zwischen Export- und Importentwicklung:
| Kennzahl | Exporte 2015 | Exporte 2025 | Veränderung | Importe 2015 | Importe 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Wert (Mio. EUR) | 808,0 | 1.322,4 | +63,7 % | 403,7 | 477,4 | +18,3 % |
| Gewicht (t) | 10.248 | 14.585 | +42,3 % | 3.793 | 6.541 | +72,4 % |
| Preis pro t (EUR) | 78.845 | 90.667 | +15,0 % | 106.407 | 72.993 | −31,4 % |
| Stückzahl | 22.663 | 106.467 | +369,8 % | 8.449 | 17.458 | +106,6 % |
| Preis pro Stück (EUR) | 35.652 | 12.421 | −65,2 % | 47.774 | 27.346 | −42,8 % |
Der Handelsbilanzüberschuss entwickelte sich von 404 Mio. EUR (2015) auf 845 Mio. EUR (2025), was einer Steigerung von 109 % entspricht. Der maximale Überschuss wurde 2022 mit rund 1,008 Mrd. EUR erreicht.
Preis- und Mengendynamik: Starke Mengenausdehnung bei fallenden Stückpreisen
Die bemerkenswerteste Beobachtung ist die extreme Diskrepanz zwischen dem Anstieg der exportierten Stückzahl (+369,8 %) und dem moderaten Wachstum des Exportwertes (+63,7 %). Dies führte zu einem drastischen Rückgang des durchschnittlichen Exportpreises pro Stück von 35.652 EUR auf 12.421 EUR (−65,2 %). Parallel dazu stieg das Exportgewicht lediglich um 42,3 %, was bedeutet, dass das durchschnittliche Gewicht pro Tier erheblich gesunken ist — ein Hinweis auf einen wachsenden Anteil leichterer, jüngerer Tiere im Export.
Auch bei den Importen zeigt sich ein ähnliches Muster: Die Stückzahl verdoppelte sich (8.449 auf 17.458), während der Stückpreis von 47.774 EUR auf 27.346 EUR fiel (−42,8 %). Der durchschnittliche Importpreis pro Tonne sank sogar um 31,4 %, von 106.407 EUR auf 72.993 EUR.
Schwankungen im Zeitverlauf und die COVID-19-Pandemie
Der Handel zeigte im gesamten Zeitraum erhebliche Schwankungen. Die Exporte erreichten ihren Höchstwert mit 1,404 Mrd. EUR und 15.139 Tonnen in einem Jahr zwischen 2015 und 2025, sanken aber auch auf 739 Mio. EUR bzw. 9.321 Tonnen. Der Handel mit dem Vereinigten Königreich — dem wichtigsten Partner in beide Richtungen — weist einen Variationskoeffizienten von 0,21 (Importe) bzw. 0,40 (Exporte) auf, was auf substanzielle jährliche Schwankungen hindeutet.
2. Produktsegmente im Wandel: Zuchtpferde versus sonstige lebende Pferde
Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen (KN 6-Steller) zeigt eine tiefgreifende Umstrukturierung der Handelsströme innerhalb der Warengruppe 0101. Während reinrassige Zuchtpferde (010121) bei den Importen traditionell dominierten, gewannen sonstige lebende Pferde (010129) stark an Bedeutung.
Wachstumstreiber „Sonstige lebende Pferde" (KN 010129)
Die Produktsegment-Analyse verdeutlicht die Verschiebung innerhalb der Importe:
| Segment | Importe Gewicht 2015 (t) | Importe Gewicht 2025 (t) | Veränderung | Importe Wert 2025 (Mio. EUR) |
|---|---|---|---|---|
| Reinrassige Zuchtpferde (010121) | 2.308 | 2.475 | +7,2 % | 400,2 |
| Sonstige lebende Pferde (010129) | 1.264 | 3.988 | +215,5 % | 76,9 |
| Esel (010130) | 5 | 37 | +595,2 % | 0,1 |
| Maultiere/Maulesel (010190) | 215 | 41 | −80,9 % | 0,2 |
Die Importe von sonstigen lebenden Pferden (010129) stiegen im Gewicht um 215,5 % und wurden damit zum stärksten Mengentreiber. Die reinrassigen Zuchtpferde blieben mengenmäßig relativ stabil, dominieren aber nach wie vor mit 400 Mio. EUR den Importwert.
Exportsegmente: Deutlicher Anstieg der Stückzahlen bei Zuchtpferden
Bei den Exporten zeigt sich ein besonders auffälliger Befund für reinrassige Zuchtpferde (010121):
| Segment | Export Stückzahl 2015 | Export Stückzahl 2025 | Veränderung | Export Wert 2025 (Mio. EUR) |
|---|---|---|---|---|
| Reinrassige Zuchtpferde (010121) | 7.679 | 86.423 | +1.025 % | 546,7 |
| Sonstige lebende Pferde (010129) | 14.430 | 19.037 | +32,0 % | 774,8 |
| Esel (010130) | 24 | 114 | +375,0 % | 0,2 |
| Maultiere/Maulesel (010190) | 530 | 893 | +68,5 % | 0,7 |
Der Anstieg der Stückzahl bei reinrassigen Zuchtpferden (010121) um über 1.000 % — von 7.679 auf 86.423 Stück — ist die dominierende Entwicklung des gesamten Betrachtungszeitraums. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Stückpreis bei den Exporten von 010121 von 55.606 EUR auf 6.325 EUR (−88,6 %), während das Gewicht pro Tier ebenfalls drastisch abnahm. Dies deutet darauf hin, dass zunehmend leichtere, jüngere oder preisgünstigere Tiere exportiert werden — möglicherweise Fohlen oder Jungpferde, die in Drittländern aufgezogen und trainiert werden sollen.
Preisdynamik nach Segment: Gegenläufige Trends
| Segment | Import-Preis/t 2015 (EUR) | Import-Preis/t 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Reinrassige Zuchtpferde (010121) | 146.494 | 161.730 | +10,4 % |
| Sonstige lebende Pferde (010129) | 50.600 | 19.275 | −61,9 % |
| Esel (010130) | 8.164 | 2.698 | −67,0 % |
| Maultiere/Maulesel (010190) | 5.797 | 5.713 | −1,4 % |
Reinrassige Zuchtpferde konnten ihre Preisführerschaft bei den Importen nicht nur halten, sondern sogar ausbauen (146.494 EUR/t auf 161.730 EUR/t). Im Gegensatz dazu fielen die Importpreise für sonstige Pferde um 61,9 % — ein klarer Hinweis auf eine Verschiebung hin zu preisgünstigeren Tieren in diesem Segment.
3. Geografische Konzentration und Spezialisierung der Handelspartner
Die geografische Verteilung der Handelsströme zeigt eine hohe Konzentration auf wenige Schlüsselpartner. Gleichzeitig weisen einzelne EU-Mitgliedstaaten eine deutliche Spezialisierung im Pferdehandel auf.
Das Vereinigte Königreich als dominanter Handelspartner
Die Partneranalyse zeigt die herausragende Stellung des Vereinigten Königreichs:
Importe (von Drittländern in die EU):
| Partner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 311,0 | 361,8 | +16,3 % |
| Vereinigte Staaten | 61,3 | 72,8 | +18,9 % |
| Schweiz | 11,6 | 11,6 | −0,2 % |
| Island | 6,1 | 8,9 | +45,4 % |
| Norwegen | 2,3 | 5,3 | +128,5 % |
| Argentinien | 1,8 | 2,5 | +35,4 % |
| Ukraine | 0,04 | 0,6 | +1.416,2 % |
Exporte (von der EU in Drittländer):
| Partner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 280,7 | 496,2 | +76,8 % |
| Vereinigte Staaten | 327,6 | 453,1 | +38,3 % |
| Schweiz | 39,6 | 79,4 | +100,5 % |
| Mexiko | 22,9 | 47,9 | +109,6 % |
| VAE | 17,7 | 38,2 | +115,3 % |
| Japan | 16,4 | 11,5 | −29,7 % |
| China | 9,4 | 20,3 | +116,3 % |
Das Vereinigte Königreich ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner in beide Richtungen: Es liefert 361,8 Mio. EUR an Importen (ca. 76 % der Gesamtimporte) und nimm 496,2 Mio. EUR an Exporten ab. Insgesamt war der bilaterale Handel mit dem VK im 2025 im Wert von über 858 Mio. EUR — weit mehr als der Handels mit jedem anderen Partner.
Höchste Volatilität bei kleineren Partnern
Die Volatilitätsanalyse zeigt erwartungsgemäß die höchsten Schwankungen bei kleineren Handelspartnern:
| Partner (Importe) | Variationskoeffizient |
|---|---|
| Ukraine | 1,12 |
| Kanada | 1,09 |
| Island | 0,40 |
| Russische Föderation | 0,44 |
| Vereinigte Staaten | 0,26 |
| Vereinigtes Königreich | 0,21 |
| Norwegen | 0,09 |
| Partner (Exporte) | Variationskoeffizient |
|---|---|
| Kirgisistan | 0,69 |
| Japan | 0,55 |
| VAE | 0,47 |
| Vereinigtes Königreich | 0,40 |
| Türkei | 0,37 |
| China | 0,22 |
| Schweiz | 0,06 |
Die Ukraine zeigt mit einem Variationskoeffizienten von 1,12 die höchste Volatilität bei den Importen, was auf die geringe Basis und politische Instabilität zurückzuführen ist. Bei den Exporten überrascht der hohe Variationskoeffizient für das Vereinigte Königreich (0,40), der angesichts des enormen Handelsvolumens auf substanzielle jährliche Schwankungen hindeutet — möglicherweise beeinflusst durch den Brexit und veränderte Veterinär- und Zollbestimmungen.
Preischocks bei Exporten in die VAE, Norwegen und Kirgisistan
Die Supply-Shock-Analyse identifizierte drei signifikante Preischocks:
| Ereignis | Art | Fluss | Abnormalitäts-Score | Preisänderung | Zeitpunkt |
|---|---|---|---|---|---|
| VAE | Preis | Exporte | 356,5 | +122,3 % | 2023 |
| Norwegen | Preis | Exporte | 23,7 | +162,7 % | 2022 |
| Kirgisistan | Preis | Exporte | 6,9 | +175,4 % | 2023 |
Der dramatischste Schock betraf die Exportpreise in die Vereinigten Arabischen Emirate im Jahr 2023 mit einem Anormalitäts-Score von 356,5. Ein Anstieg um 122,3 % bei einem Handelsanteil von 2,2 % deutet auf den Export besonders wertvoller Einzeltiere — vermutlich hochpreisiger Sport- oder Zuchtpferde — in die Golfregion hin.
Spezialisierung innerhalb der EU: Irland als führender Exporteur
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt:
| EU-Mitgliedstaat | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion | Anteil am EU-Gesamtexport |
|---|---|---|---|---|
| Irland | 0,656 | 4,817 | 10,1 % | 2,1 % |
| Dänemark | 0,594 | 3,928 | 6,8 % | 1,7 % |
| Frankreich | 0,442 | 2,581 | 20,2 % | 7,8 % |
| Belgien | 0,409 | 2,384 | 20,2 % | 8,5 % |
| Niederlande | 0,114 | 1,258 | 18,3 % | 14,5 % |
Irland weist mit einem RCA-Wert von 4,817 und einem RSCA von 0,656 die mit Abstand höchste Spezialisierung im Pferdehandel auf. Die Reporterverteilung zeigt, dass die Niederlande und Irland die größten EU-Exporteure sind (352 Mio. EUR bzw. 376 Mio. EUR), gefolgt von Deutschland (217 Mio. EUR) und Frankreich (203 Mio. EUR).
Bei den Importen dominiert Irland ebenfalls mit 327 Mio. EUR — ein bemerkenswerter Befund, da Irland gleichzeitig einer der größten Exporteure ist. Dies unterstreicht die Rolle Irlands als Drehscheibe im internationalen Pferdehandel.
Die Konzentrationsindizes (HHI) bestätigen die unterschiedliche Marktstruktur:
| Kennzahl | Importe 2015 | Importe 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI (Wert) | 6.278 | 6.008 | −4,3 % |
| HHI (Volumen) | 2.214 | 2.605 | +17,7 % |
| Kennzahl | Exporte 2015 | Exporte 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI (Wert) | 2.997 | 2.854 | −4,8 % |
| HHI (Volumen) | 1.102 | 1.500 | +36,1 % |
Der HHI-Wert der Importe (6.008) liegt deutlich über dem der Exporte (2.854), was die starke Abhängigkeit der EU-Importe vom Vereinigten Königreich widerspiegelt. Allerdings ist die Konzentration bei beiden Handelsrichtungen in Wertterminen leicht zurückgegangen, was auf eine beginnende Diversifizierung hindeutet.
Schlussfolgerung
Der EU-Handel mit lebenden Pferden, Eseln, Maultieren und Mauleseln hat sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Entwicklungen geprägt:
Erstens hat sich die EU als zunehmend starker Nettoexporteur etabliert. Der Handelsbilanzüberschuss stieg um 109 % auf 845 Mio. EUR an, getrieben vor allem durch ein robustes Exportwachstum von 63,7 % in Wert- und 42,3 % in Gewichtsterminen.
Zweitens vollzog sich eine tiefgreifende Verschiebung innerhalb der Produktsegmente. Der dramatische Anstieg der exportierten Stückzahlen bei gleichzeitig sinkenden Stückpreisen — insbesondere bei reinrassigen Zuchtpferden (010121) — deutet auf eine zunehmende „Kommoditisierung" bestimmter Teilmärkte hin. Im Importbereich gewannen sonstige lebende Pferde (010129) mengenmäßig stark an Bedeutung, während reinrassige Zuchtpferde ihre Preisführerschaft behaupten konnten.
Drittens blieb die geografische Konzentration hoch, mit dem Vereinigten Königreich als dominantem Handelspartner in beide Richtungen. Die identifizierten Preischocks bei Exporten in die VAE und nach Norwegen zeigen jedoch, dass der Markt für hochpreisige Einzeltiere von spezifischen Nachfragesprüngen geprägt werden kann. Die besonders hohe Spezialisierung Irlands und der Niederlande unterstreicht die Bedeutung traditioneller Pferdenationen in der europäischen Handelslandschaft.