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Marktentwicklung: Getreidemehl (CN 1102) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für die Zolltarifnummer 1102 (Mehl von anderem Getreide als Weizen oder Mengkorn). Die Position umfasst zwei Unterpositionen: Mehl von Mais (110220) sowie Mehl von sonstigem Getreide ausgenommen Weizen/Mengkorn und Mais (110290), beispielsweise Roggen-, Hafer-, Gersten- oder Reismehl. Im Zentrum der Analyse stehen das Außenhandelsvolumen, die Preisentwicklung, die geografische Partnerschaftsstruktur sowie die Wettbewerbsposition einzelner EU-Mitgliedstaaten. Die Daten zeigen, dass sich die EU in diesem Segment zu einem zunehmend exportorientierten Akteur entwickelt hat, mit einem Handelsbilanzüberschuss, der sich im Betrachtungszeitraum mehr als vervierfacht hat.


1. Wachstum der Exporte und steigender Handelsüberschuss

1.1 Dynamisches Exportwachstum bei steigenden Preisen

Im Zeitraum 2015–2025 sind die EU-Exporte von Getreidemehl (CN 1102) in Drittländer signantiv gestiegen. Der Exportwert verdoppelte sich nahezu von 33,3 Mio. EUR auf 84,3 Mio. EUR (+153,3 %), das Exportvolumen wuchs von 58.285 t auf 101.976 t (+75,0 %). Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen im selben Zeitraum von 571 EUR/t auf 826 EUR/t (+44,8 %), was auf eine Kombination aus gestiegenen Produktionskosten, Rohstoffpreisinflation sowie einer Verschiebung hin zu höherwertigen Melen zurückzuführen sein dürfte.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 33,3 84,3 +153,3 %
Exportmenge (t) 58.285 101.976 +75,0 %
Exportpreis (EUR/t) 571 826 +44,8 %
Importwert (Mio. EUR) 22,7 36,8 +61,9 %
Importmenge (t) 27.555 37.885 +37,5 %
Importpreis (EUR/t) 825 971 +17,7 %

Datenquelle: Allgemeine Übersicht

1.2 Ausweitung des Handelsbilanzüberschusses

Während die EU im Segment Getreidemehl bereits 2015 einen Überschuss von 10,5 Mio. EUR erzielte, wuchs dieser bis 2025 auf 47,5 Mio. EUR an — eine Steigerung von 351 %. Die Exporte wuchs dabei deutlich schneller als die Importe (+153 % gegenüber +62 %), sodass sich die Exportorientierung der EU in diesem Marktsegment kontinuierlich verstärkte. Die Netto-Importabhängigkeit lag im gesamten Zeitraum im negativen Bereich (2015: −2,6 %; 2025: −3,7 %), was bedeutet, dass die EU durchgehend Nettoexporteur war. Die intensivste Phase der Exportdominanz wurde 2021 erreicht (−4,4 %).

1.3 Die EU als relevanter globaler Lieferant

Die Handelsintensität stieg von 5,6 % auf 8,9 %, die Exportneigung von 4,1 % auf 6,3 %. Diese Anstiege zeigen, dass der intra-EU-Handel zwar nach wie vor dominiert, der Anteil des Extra-EU-Handels an der Gesamtproduktion jedoch spürbar zugenommen hat. Die EU-Produktion selbst verblieb auf einem relativ stabilen Niveau (2015: 2,42 Mrd. kg; 2025: 2,34 Mrd. kg; −3,5 %), wohingegen der Produktionswert inflationsbedingt von 536 Mio. EUR auf 1.194 Mio. EUR stieg (+122,7 %).


2. Geografische Neuausrichtung der Handelsbeziehungen

2.1 Dominanz des Vereinigten Königreichs im Export

Der mit Abstand wichtigste Abnehmermarkt für EU-Getreidemehl ist das Vereinigte Königreich. Im Jahr 2025 entfielen 41,0 Mio. EUR — nahezu die Hälfte aller EU-Exporte — auf dieses einzelne Land. Gegenüber 2015 (11,6 Mio. EUR) entspricht dies einem Anstieg von 254 %. Es ist naheliegend, dass der Brexit ab 2020/2021 eine Schlüsselrolle spielte: Durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt wurden Handelsströme, die zuvor als intra-EU-Handel galten, zu Extra-EU-Exporten umklassifiziert. Die absoluten Volumina dürften sich dadurch teilweise künstlich erhöht haben.

Die übrigen Top-Exportmärkte im Jahr 2025 waren:

Partnerland Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung 2015–2025
Vereinigtes Königreich 41,0 +254,0 %
Vereinigte Staaten 7,0 +91,5 %
Schweiz 4,5 +195,4 %
Israel 2,3 +70,0 %
Thailand 2,0 +247,3 %
Taiwan 1,7 +104,8 %
Südkorea 1,3 +18,5 %

Datenquelle: Top-Partner nach Wert

Die starke Präsenz asiatischer Märkte (Thailand, Taiwan, Südkorea) spiegelt die steigende Nachfrage nach europäischen Nischenmehlen, insbesondere Maismehl und Spezialmehlen, in diesen Regionen wider.

2.2 Diversifizierung der Importquellen

Auf der Importseite zeigt sich ein differenzierteres Bild. Der wichtigste Lieferant blieb throughout das Vereinigte Königreich (2025: 9,0 Mio. EUR). Bemerkenswert sind jedoch die dynamischen Zuwächse bei einigen Schwellenländern:

Partnerland Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung 2015–2025
Vereinigtes Königreich 9,0 +8,7 %
Thailand 5,5 +37,9 %
Indien 3,3 +973,9 %
Mexiko 3,2 +1.596,4 %
Serbien 1,1 +1.337,0 %
Kolumbien 1,3 −52,8 %
Vereinigte Staaten 1,0 −73,0 %

Datenquelle: Top-Partner nach Wert

Die extremen prozentualen Anstiege bei Serbien (+1.337 %), Mexiko (+1.596 %) und Indien (+974 %) deuten auf eine gezielte Diversifizierung der EU-Importquellen hin. Während die USA als traditioneller Lieferant an Bedeutung verloren (−73 %), gewannen Länder wie Indien und Mexiko erheblich an Marktanteilen. Gleichzeitig sank die Importkonzentration (HHI) von 2.038 auf 1.176 (−42,3 %), was eine breitere Streuung der Importe über mehr Partnerländer bestätigt.

2.3 Zunehmende Exportkonzentration und Mitgliedstaaten-Spezialisierung

Während die Importseite diversifizierte, konzentrierten sich die EU-Exporte stärker auf wenige Märkte. Der Export-HHI stieg von 1.514 auf 2.542 (+68,0 %), was überwiegend auf die herausragende Bedeutung des Vereinigten Königreichs zurückzuführen ist.

Innerhalb der EU weisen einzelne Mitgliedstaaten eine klare Spezialisierung im Getreidemehl-Export auf. Laut dem Spezialisierungsindikator (RSCA) für das Jahr 2025 sind die führenden Spezialisten:

Mitgliedstaat RSCA RCA Produktanteil am EU-Export
Portugal 0,629 4,40 6,1 %
Lettland 0,566 3,61 1,2 %
Italien 0,517 3,14 25,2 %
Estland 0,463 2,73 0,9 %
Belgien 0,300 1,86 15,7 %

Italien steht hier mit einem Produktanteil von über 25 % und einem RCA von 3,14 besonders heraus: Das Land kombiniert absolute Mengendominanz mit komparativem Vorteil. Deutschland und Frankreich zählen zwar zu den absolut größten Exporteuren (17,9 Mio. bzw. 15,7 Mio. EUR in 2025), weisen jedoch keine überdurchschnittliche Spezialisierung auf, da ihr Gesamthandelsumfang entsprechend groß ist.


3. Preistrends, Volatilität und operative Herausforderungen

3.1 Steigende Preise auf allen Handelsströmen

Die Getreidemehlpreise unterlagen im Betrachtungszeitraum einem deutlichen Aufwärtstrend. Die Exportpreise stiegen von 571 EUR/t (2015) auf 826 EUR/t (2025), mit einem Spitzenwert von 902 EUR/t im Jahr 2023. Die Importpreise lagen durchgehend über den Exportpreisen — ein Phänomen, das auf die Importzusammensetzung zurückzuführen ist: Bestimmte Spezialmehle (z. B. aus Thailand oder Kolumbien) werden zu höheren Preisen eingeführt.

Der substanzielle Preisanstieg seit 2020 ist im Kontext der globalen Agrarmarktturbulenzen zu sehen — der COVID-19-Pandemie (2020–2021), des Ukraine-Krieges ab 2022 und der damit verbundenen Energie- und Düngemittelkostenkrise. Besonders auffällig ist der Preisanstieg bei Maismehl (CN 110220): Die Exportpreise stiegen von 513 EUR/t (2015) auf 888 EUR/t im Spitzenjahr 2023, bevor sie sich 2025 bei 781 EUR/t einpendelten.

Datenquelle: Produktsegmentvergleich

3.2 Volatilitätsmuster nach Handelspartner

Die Volatilität der Handelsströme — gemessen am Variationskoeffizienten (CV) über den gesamten Zeitraum — variiert erheblich zwischen den Partnerländern:

Partnerland CV Importe CV Exporte
Vereinigtes Königreich 0,25 0,25
Thailand 0,13 0,39
Vereinigte Staaten 1,00 0,40
Serbien 0,98
Schweiz 0,23
Angola 1,52
Norwegen 1,11

Datenquelle: Volatilitätsanalyse

Das Vereinigte Königreich und die Schweiz zeichnen sich als stabile Handelspartner mit geringer Volatilität aus (CV ~0,23–0,25), was auf etablierte Lieferketten und gleichmäßige Nachfrage hindeutet. Im Gegensatz dazu sind Handelsströme mit den USA (Import-CV 1,00), Serbien (Import-CV 0,98) sowie Angola (Export-CV 1,52) und Norwegen (Export-CV 1,11) stark schwankend, was auf sporadische, mengengetriebene Transaktionen hinweist.

3.3 Identifizierte Preisschocks

Die Datenanalyse identifizierte zwei signifikante Preisschocks im Beobachtungszeitraum:

Schock-Ereignis Typ Richtung Zeitpunkt Anomalie Preisänderung
Philippinen Preis Export 2022 35,5 +77,0 %
Indien Preis Import 2019 3,4 +59,8 %

Datenquelle: Angebotschocks

Der Preisschock bei den Exporten in die Philippinen (2022, Anomalie-Score 35,5) fällt in die Phase des Ukraine-Krieges und der globalen Nahrungsmittelpreiskrise. Die EU exportierte in diesem Jahr Getreidemehl zu stark überhöhten Preisen in die Philippinen, was auf eine Kombination aus globaler Angebotsverknappung, hohen Frachtkosten und dringlicher Nachfrage zurückzuführen sein dürfte. Der Importpreisschock bei Indien (2019) blieb mit einem Wertanteil von 6,5 % marktweit spürbar, war aber weniger akut.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit Getreidemehl (CN 1102) hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend gewandelt. Die EU hat ihre Position als Nettoexporteur kontinuierlich ausgebaut: Der Handelsüberschuss hat sich von 10,5 Mio. EUR auf 47,5 Mio. EUR mehr als vervierfacht, getrieben vor allem durch ein 153-prozentiges Wachstum der Exportwerte. Die Exportpreise stiegen dabei um 45 %, was sowohl auf Kosteninflation als auch auf eine Verschiebung zu höherwertigen Produkten schließen lässt.

Geografisch ist der Markt zunehmend asymmetrisch geworden: Das Vereinigte Königreich dominiert mit rund der Hälfte aller EU-Exporte — ein Phänomen, das teils durch den Brexit und die dadurch veränderte Handelsklassifizierung erklärbar ist. Auf der Importseite hingegen vollzog sich eine bemerkenswerte Diversifizierung: Neue Lieferanten wie Mexiko, Indien und Serbien sind stark an Bedeutung gewachsen, während die USA als traditioneller Zulieferer an Einfluss verloren haben.

Die Preisentwicklung war von einem deutlichen Aufwärtstrend gekennzeichnet, verstärkt durch die globalen Krisen der Jahre 2020–2023. Preisvolatilität und vereinzelte Schocks (Philippinen 2022, Indien 2019) zeigen, dass der Markt für Getreidemehl trotz seiner Nischencharakteristik anfällig für globale Rohstoff- und Logistikturbulenzen bleibt. Für die Zukunft dürfte die Handelspolitik gegenüber dem Vereinigten Königreich, die Entwicklung der Agrarrohstoffpreise sowie die Fähigkeit der EU, ihre Exportmärkte über den UK-Hinaus zu diversifizieren, zentrale Determinanten der Marktentwicklung sein.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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