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Marktentwicklung: Stärke (CN 1108) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Stärke und Inulin (Zolltarifnummer 1108) im Zeitraum von 2015 bis 2025. CN 1108 ist eine Sammelposition, die verschiedene Stärkearten sowie Inulin umfasst: Maisstärke (110812), Maniokstärke (110814), Kartoffelstärke (110813), Weizenstärke (110811), sonstige Stärke (110819) sowie Inulin (110820). Die EU fungiert in diesem Marktsegment klar als Nettoexporteur — und dieser Vorsprung hat sich im Betrachtungszeitraum weiter ausgebaut.


1. Starker Exportwertanstieg bei moderater Mengenentwicklung: Preisgetriebenes Wachstum

Die EU-Ausfuhren wuchsen im Wert fast doppelt so stark wie im Volumen

Der Gesamtüberblick zeigt eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Wert- und Mengenentwicklung der EU-Exporte:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 583 Mio. € 926 Mio. € +58,8 %
Exportmenge 936.261 t 1.018.267 t +8,8 %
Durchschnittspreis 623 €/t 910 €/t +46,0 %

Die Exportmenge stieg also lediglich um knapp 9 %, während sich der Exportwert fast um 60 % erhöhte. Der Preisanstieg von durchschnittlich 623 €/t auf 910 €/t war somit der Haupttreiber der Wertsteigerung. Dies deutet auf eine höhere Wertschöpfung — etwa durch verstärkten Export von Spezialitäten oder steigende Rohstoffpreise — hin.

Kartoffelstärke dominiert die EU-Exporte sowohl mengen- als auch wertmäßig

Die Produktsegment-Aufschlüsselung für das Jahr 2025 zeigt die folgende Zusammensetzung der EU-Ausfuhren:

Produkt Menge 2025 (t) Wert 2025 (Mio. €) Preis (€/t)
Kartoffelstärke (110813) 431.231 401,0 930
Maisstärke (110812) 155.741 113,8 731
Weizenstärke (110811) 105.267 36,6 348
Inulin (110820) 34.068 93,2 2.734
Sonstige Stärke (110819) 53.399 57,4 1.075
Maniokstärke (110814) 2.015 4,9 2.430

Kartoffelstärke ist mit Abstand das wichtigste Exportgut, sowohl nach Menge (42 %) als auch nach Wert (43 %). Inulin hingegen ist mengenmäßig klein, aber wertmäßig der drittgrößte Posten — bedingt durch einen deutlich höheren Einheitspreis (2.734 €/t). Der Export von Weizenstärke hat dagegen mengenmäßig leicht zugenommen, ist preislich aber mit 348 €/t die günstigste Kategorie.


2. Importe wachsen dynamisch — Maniok- und Maisstärke im Fokus

Das Importvolumen stieg fast um das Doppelte

Während die EU exportseitig ein starkes Plus verzeichnete, wuchsen auch die Einfuhren signifikant:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 57 Mio. € 98 Mio. € +71,2 %
Importmenge 90.004 t 152.171 t +69,1 %
Durchschnittspreis 636 €/t 644 €/t +1,3 %

Im Gegensatz zu den Exporten stieg bei den Importen vor allem das Volumen (fast +70 %), während der Preis nahezu stabil blieb (+1,3 %). Dies lässt auf eine wachsende Nachfrage nach kostengünstigen Stärkeprodukten aus Drittländern schließen.

Maniok- und Maisstärke dominieren das EU-Importportfolio

Die Produktsegment-Daten für Importe im Jahr 2025 zeigen:

Produkt Menge 2025 (t) Wert 2025 (Mio. €) Preis (€/t)
Maisstärke (110812) 64.743 34,8 537
Maniokstärke (110814) 62.398 45,1 723
Sonstige Stärke (110819) 11.293 9,6 850
Kartoffelstärke (110813) 11.830 5,3 447
Weizenstärke (110811) 927 0,9 932
Inulin (110820) 981 2,4 2.467

Maisstärke und Maniokstärke machen zusammen mehr als 83 % der Importmenge aus. Die dynamischste Entwicklung zeigt dabei die Maniokstärke: von 32.205 t (2015) auf 62.398 t (2025) — ein Plus von 94 %. Die wichtigsten Importpartner sind Thailand (vor allem Maniok), Serbia und die Ukraine:

Partner Importwert 2015 (Mio. €) Importwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Thailand 15,7 27,2 +73,1 %
Ukraine 0,3 8,6 +2.568 %
Serbia 9,8 19,6 +101,3 %
Vietnam 0,4 10,0 +2.176 %
Brasilien 0,8 5,4 +537,9 %

Besonders auffällig sind die explosionsartigen Zuwächse bei der Ukraine (+2.568 %), Vietnam (+2.176 %) und Brasilien (+537,9 %), die von niedrigen Basen aus starteten. Die Importe aus dem Vereinigten Königreich hingegen sanken um 67,4 % — ein möglicher Effekt des Brexits.

Die Konzentration der Importe nimmt ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe sank von 2.061 (2015) auf 1.463 (2025) — ein Rückgang um 29 %. Die EU bezieht ihre Stärkeimporte also zunehmend breiter gestreut. Dies reduziert das Abhängigkeitsrisiko von einzelnen Lieferländern.


3. Preisschocks, geopolitische Effekte und strukturelle Verschiebungen

Der Ukraine-Krieg verursachte einen massiven Preisschock bei Importen

Die Analyse von Schockereignissen identifiziert drei bemerkenswerte Ereignisse:

Partner Schocktyp Zeitpunkt Preissprung Abnormalitäts-Score
Ukraine Preis 2022 +123,8 % 67,2
Philippinen Preis (Export) 2023 +44,8 % 26,7
Norwegen Preis 2023 +238,2 % 16,7

Der Preisschock bei ukrainischen Stärkeimporten im Jahr 2022 — mit einem Sprung von +123,8 % — steht im direkten Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Lieferkettenunterbrechungen, gestiegene Transportkosten und Getreideknappheit dürften die Preise nach oben getrieben haben. Gleichzeitig stiegen die ukrainischen Exporte in die EU mengenmäßig stark an, was auf eine Umorientierung ukrainischer Exportströme (weg von Häfen im Schwarzen Meer, hin zu EU-Landwegen) hindeuten könnte.

Volatile Lieferanten weisen auf Lieferrisiken hin

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass bestimmte Importpartner eine sehr hohe Preis- und Mengenstabilität aufweisen, während andere stark schwanken:

Importpartner Variationskoeffizient (Wert)
Ägypten 2,02
Türkei 1,43
Vietnam 1,27
Norwegen 1,06
Moldawien 1,07

Die hohen Variationskoeffizienten bei Ägypten (2,02), der Türkei (1,43) und Vietnam (1,27) deuten auf eine unstetige Handelsbeziehung hin — möglicherweise bedingt durch politische Instabilität, Erntezyklen oder Handelsrestriktionen. Auf Exportseite sind die Schwankungen geringer, mit Südkorea (0,11), den USA (0,18) und dem Vereinigten Königreich (0,20) als relativ stabile Abnehmer.

Die EU-Fertigungsproduktion zeigt steigende Wertschöpfung

Die EU-Produktionsdaten offenbaren einen deutlichen Strukturwandel:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 3.810 Mio. kg 4.295 Mio. kg +12,7 %
Produktionswert 1.397 Mio. € 3.041 Mio. € +117,6 %

Die Produktionsmenge wuchs moderat um 13 %, während sich der Produktionswert mehr als verdoppelte (+118 %). Dieser Trend spiegelt den bereits bei den Exporten beobachteten Preisanstieg wider und könnte sowohl auf höhere Rohstoff- und Energiekosten als auch auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten zurückzuführen sein.

Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass bestimmte EU-Mitgliedstaaten eine ausgeprägte komparative Spezialisierung im Stärke- und Inulin-Handel aufweisen:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Litauen 0,71 5,96 3,7 %
Rumänien 0,43 2,48 4,1 %
Belgien 0,27 1,73 14,6 %
Niederlande 0,13 1,31 19,0 %

Litauen und Rumänien haben zwar kleinere Produktionsanteile, weisen aber die höchsten Spezialisierungsindizes auf. Belgien und die Niederlande kombinieren hohe Spezialisierung mit großem Produktionsanteil — sie sind die industriellen Kerne des EU-Stärkemarkts. Deutschland wiederum ist der größte Exporteur nach absolutem Wert (222 Mio. €), gefolgt von Dänemark (219 Mio. €), dessen Exporte sich im Zeitraum fast vervierfacht haben (+278 %).


Fazit

Die Marktentwicklung von CN 1108 zwischen 2015 und 2025 lässt sich durch drei zentrale Trends zusammenfassen:

  1. Preisgetriebenes Exportwachstum: Die EU hat ihre Position als Nettoexporteur kontinuierlich ausgebaut. Der Handelsüberschuss stieg von 526 Mio. € auf 828 Mio. €. Dieses Wachstum wurde jedoch überwiegend durch Preisanstiege (+46 %) und nicht durch Mengenwachstum (+9 %) getrieben — ein Hinweis auf steigende Wertschöpfung oder allgemeine Preisdrücke im Agrarsektor.

  2. Diversifizierung der Importquellen: Die Importe sind zwar mengen- und wertmäßig stark gestiegen, die Konzentration der Lieferanten hat jedoch abgenommen (HHI: −29 %). Neue Lieferanten wie die Ukraine, Vietnam und Brasilien haben an Bedeutung gewonnen, während traditionelle Partner wie das Vereinigte Königreich an Gewicht verloren haben. Die geopolitischen Schocks von 2022 (Ukraine-Krieg) haben die Verwundbarkeit einzelner Lieferbeziehungen verdeutlicht, gleichzeitig aber auch zur Diversifizierung beigetragen.

  3. Strukturwandel in der Produktion: Die EU-Stärkeproduktion zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu höherer Wertschöpfung. Bei nur moderatem Mengenwachstum (+13 %) hat sich der Produktionswert mehr als verdoppelt (+118 %). Kartoffelstärke bleibt das dominierende EU-Exportprodukt, während Inulin trotz geringer Mengen wertmäßig eine zunehmend wichtige Rolle spielt.

Insgesamt zeigt der Markt für CN 1108 eine robuste Exportbasis mit wachsender Preiskraft, gepaart mit einer sich professionalisierenden Importstrategie. Die zunehmende Diversifizierung der Handelspartner stärkt die Resilienz des EU-Stärkemarkts gegenüber geopolitischen Risiken.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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