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Marktentwicklung: Zink und Waren daraus (CN 79) — 2015–2025

Einleitung

Der CN-Code 79 erfasst den gesamten EU-Handel mit Zink und Zinkwaren — von Rohzink (7901) über Abfälle und Schrott (7902), Zinkpulver und -flitter (7903), Stäbe, Profile und Draht (7904), Bleche und Folien (7905) bis hin zu Zinkwaren anderer Art (7907). Die EU ist sowohl bedeutender Produzent als auch aktiver Akteur im globalen Zinkhandel, wobei insbesondere die Rohzink-Produktion in der EU zwischen 2015 und 2025 erheblich zulegte: Die Produktionsmenge stieg von 2,68 Mio. t auf 5,55 Mio. t (+107,4 %), der Produktionswert von 6,69 Mrd. € auf 9,10 Mrd. € (+36,0 %). Der hier betrachtete Zeitraum umfasst eine Phase fundamentaler Umbrüche — von der Brexit-Verwerfung über die COVID-19-Pandemie bis hin zur Energiekrise 2022. Der folgende Bericht analysiert die wichtigsten Handelsdynamiken, Preisentwicklungen und strukturellen Verschiebungen in diesem Segment.


1. Vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur — Struktureller Wandel der EU-Handelsbilanz

1.1 Handelsvolumen und -wert: Asymmetrische Entwicklungen

Im Zeitraum 2015–2025 entwickelten sich Exporte und Importe der EU im Zinksektor in deutlich unterschiedlicher Dynamik:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 1,008 Mrd. € 1,743 Mrd. € +72,9 %
Exportmenge 484.326 t 609.950 t +25,9 %
Exportpreis 2.082 €/t 2.858 €/t +37,2 %
Importwert 796 Mio. € 902 Mio. € +13,4 %
Importmenge 342.073 t 263.379 t −23,0 %
Importpreis 2.326 €/t 3.424 €/t +47,3 %

Während die EU-Exporte sowohl mengen- als auch wertseitig zulegten, sanken die Importmengen um fast ein Viertel — obgleich der Importwert infolge steigender Preise moderat wuchs. Die Exportpreise stiegen um 37,2 %, die Importpreise sogar um 47,3 %, was auf eine zunehmende Kostendifferenz zugunsten der EU-Verarbeitung hindeutet.

1.2 Die Wende in der Handelsbilanz

Die EU-Handelsbilanz durchlief eine bemerkenswerte Transformation:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Handelsbilanz +213 Mio. € +841 Mio. € +295,2 %
Nettoimportabhängigkeit +8,0 % −11,0 %

Die Nettoimportabhängigkeit (Net Import Reliance) wandelte sich von positiven Werten (Importüberschuss) hin zu negativen Werten (Exportüberschuss). Der Wert von −11,0 % im Jahr 2025 zeigt, dass die EU nunmehr Nettoexporteur für Zink und Zinkwaren ist. Innerhalb des Beobachtungszeitraums gab es allerdings Jahre mit Handelsbilanzdefizit (Minimum: −384 Mio. €), was die Volatilität dieses Wandels unterstreicht.

1.3 Rohzink (7901) als dominierender Segmenttreiber

Die Segmentaufschlüsselung zeigt, dass Rohzink (7901) sowohl bei Importen als auch Exporten das mit Abstand größte Teilsegment darstellt:

Segment Importwert 2015 Importwert 2025 Exportwert 2015 Exportwert 2025
7901 – Rohzink 554 Mio. € 580 Mio. € 639 Mio. € 1.230 Mio. €
7907 – Waren a.n.g. 156 Mio. € 222 Mio. € 93 Mio. € 160 Mio. €
7903 – Pulver/Flitter 24 Mio. € 38 Mio. € 68 Mio. € 104 Mio. €
7902 – Abfälle/Schrott 18 Mio. € 24 Mio. € 92 Mio. € 144 Mio. €
7905 – Bleche/Folien 31 Mio. € 28 Mio. € 17 Mio. € 50 Mio. €
7904 – Stäbe/Drähte 3 Mio. € 8 Mio. € 10 Mio. € 5 Mio. €

Besonders auffällig: Der Rohzink-Exportwert verdoppelte sich nahezu von 639 Mio. € auf 1.230 Mio. € (+92,5 %), bei einer Exportmengensteigerung von 340.264 t auf 467.296 t (+37,3 %). Im Import hingegen sank die Rohzinkmenge von 282.432 t (2015) über einen Höchststand von 396.454 t (2022) auf nur noch 208.258 t (2025) — ein Rückgang um 26,3 %. Die Zinkbleche und -folien (7905) verzeichneten bei den Exporten ein Dreifachwachstum (17 Mio. € auf 50 Mio. €), was auf eine zunehmende Veredelung innerhalb der EU hindeuten kann.


2. Preiszyklen und externe Schocks — 2017 und 2022 als Wendepunkte

2.1 Die globale Zinkpreisrallye ab 2017

Die Preisentwicklung im EU-Zinkhandel spiegelt die globalen Rohstoffmarktzyklen wider. Die durchschnittlichen Exportpreise (CN 79 gesamt) entwickelten sich wie folgt:

Jahr Exportpreis (€/t) Importpreis (€/t)
2015 2.082 2.326
2016 2.082 (Min.) 2.234 (Min.)
2017 2.658 2.681
2018 2.705 2.705
2019 2.535 2.492
2020 2.060 2.158
2021 2.560 2.667
2022 3.488 (Max.) 3.994 (Max.)
2023 2.547 2.884
2024 2.578 2.751
2025 2.633 2.786

Ab 2017 stiegen die Preise sprunghaft an — ein Reflex der globalen Zinkpreisrallye, die durch Minenkapazitätsengpässe und steigende Nachfrage aus China getrieben war. Nach einem Einbruch während der COVID-19-Pandemie (2020) erreichten die Preise 2022 im Zuge der Energiekrise und der Unterbrechung von Lieferketten einen historischen Höchststand (Exportpreis: 3.488 €/t; Importpreis: 3.994 €/t). Im Segment 7901 (Rohzink) lag der Importpreis 2022 sogar bei 3.612 €/t.

2.2 Detektierte Preisschocks

Die Schock-Analyse identifiziert drei signifikante Preisschocks:

Partnerland Flow Jahr Preisschock (Abnormality) Preisänderung Wertanteil
Malaysia Exporte 2017 58,8 +43,1 % 2,7 %
Mexico Importe 2017 50,6 +39,7 % 8,6 %
Saudi-Arabien Exporte 2022 26,0 +379,7 % 3,9 %

Die Schocks von 2017 bei Malaysia und Mexico fallen mit der globalen Phase der Minenkapazitätsverknappung zusammen. Der dramatische Preisanstieg bei Exporten nach Saudi-Arabien (+379,7 % im Jahr 2022) dürfte im Kontext der Energiekrise und der damit verbundenen Verschiebung von Handelsströmen zu interpretieren sein.

2.3 Volatilitätsunterschiede zwischen Handelspartnern

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient der Handelswerte) zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Handelspartnern:

Partner (Importe) CV Partner (Exporte) CV
Norwegen 0,11 Marokko 0,19
Peru 0,12 Vereinigtes Königreich 0,29
China 0,09 Ägypten 0,26
Schweiz 0,15 Türkei 0,31
Mexiko 0,38 Indien 0,52
Vereinigtes Königreich 0,75 Norwegen 0,64
Namibia 0,95 Saudi-Arabien 0,49
Indien 2,52 Vereinigte Arabische Emirate 0,64
Südkorea 2,06 Singapur 1,47
Kasachstan 1,41 China 1,31

Norwegen und Peru sind als Importpartner bemerkenswert stabil (CV ≤ 0,12), was auf langfristig gesicherte Lieferbeziehungen hindeutet. Demgegenüber weisen Indien (CV 2,52) und Kasachstan (CV 1,41) bei Importen eine extrem hohe Volatilität auf, was ihre Rolle als marginale oder intermittierende Zulieferer widerspiegelt. Bei den Exporten sind Singapur (CV 1,47) und China (CV 1,31) die volatilsten Abnehmer.


3. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme und innerEU-Umstrukturierung

3.1 Importpartner: Brexit-Effekte und Konzentration auf Nordeuropa und Südamerika

Die Herkunft der EU-Importe hat sich zwischen 2015 und 2025 gravierend verschoben:

Partnerland 2015 2025 Veränderung
Norwegen 186 Mio. € 359 Mio. € +92,4 %
Peru 166 Mio. € 237 Mio. € +42,6 %
Vereinigtes Königreich 125 Mio. € 35 Mio. € −72,1 %
Mexiko 49 Mio. € 15 Mio. € −68,3 %
Namibia 84 Mio. € 1 Mio. € −99,3 %
Kasachstan 4 Mio. € 0,003 Mio. € −99,9 %
Indien 5 Mio. € 12 Mio. € +155,4 %

Norwegen ist mit Abstand der wichtigste Importpartner geworden (359 Mio. €), gefolgt von Peru (237 Mio. €). Der dramatische Rückgang der Importe aus dem Vereinigten Königreich (−72,1 %) ist als klarer Brexit-Effekt zu werten: Nach dem EU-Austritt zum 1. Januar 2021 unterliegen Lieferungen aus dem VK Zollformalitäten und potenziellen Handelsbarrieren. Der Kollaps der Importe aus Namibia (−99,3 %) und Kasachstan (−99,9 %) deutet auf Lieferkettenunterbrechungen oder strategische Umorientierung hin.

Die Importkonzentration (HHI) nahm signifikant zu — von 1.536 auf 2.520 (+64,1 %) — was bedeutet, dass die EU ihre Zinkimporte zunehmend aus weniger Quellen bezieht. Dies birgt ein erhöhtes Lieferrisiko, insbesondere bei Abhängigkeit von nur zwei dominierenden Partnern.

3.2 Exportpartner: Schwenk nach Asien und in die Türkei

Auf der Exportseite vollzog sich eine bemerkenswerte Neuorientierung:

Partnerland 2015 2025 Veränderung
Türkei 146 Mio. € 409 Mio. € +180,7 %
Indien 21 Mio. € 115 Mio. € +441,9 %
Singapur 13 Mio. € 91 Mio. € +572,8 %
Norwegen 18 Mio. € 35 Mio. € +99,9 %
Vereinigtes Königreich 83 Mio. € 93 Mio. € +12,6 %
Vereinigte Staaten 243 Mio. € 78 Mio. € −67,8 %
China 88 Mio. € 33 Mio. € −61,8 %

Die Türkei wurde zum mit Abstand wichtigsten Exportmarkt (409 Mio. €), wobei die Exporte sich nahezu verdreifachten. Die Exporte nach Indien und Singapur vervielfachten sich — ein Indiz für die Verschiebung globaler Zinkverarbeitungskapazitäten nach Asien. Gleichzeitig brachen die Exporte in die USA (−67,8 %) und nach China (−61,8 %) ein. Der Rückgang nach China ist angesichts der dortigen eigenen Zinkkapazitäten nachvollziehbar, während der Einbruch in den US-Markt auf Handelspolitik und veränderte Wettbewerbsbedingungen hindeuten könnte.

Die Exportkonzentration (HHI) sank hingegen von 1.105 auf 826 (−25,3 %), was eine Diversifizierung der Exportmärkte anzeigt — ein gegenläufiger Trend zur importseitigen Konzentration.

3.3 Inner-EU-Verschiebungen: Spanien und die Niederlande gewinnen an Bedeutung

Auch innerhalb der EU verschoben sich die Rollen der Mitgliedstaaten erheblich:

Exportseite (EU-Mitgliedstaaten):

Mitgliedstaat 2015 2025 Veränderung
Spanien 387 Mio. € 730 Mio. € +88,5 %
Belgien 165 Mio. € 305 Mio. € +84,7 %
Deutschland 167 Mio. € 213 Mio. € +27,8 %
Niederlande 69 Mio. € 124 Mio. € +79,9 %
Italien 31 Mio. € 62 Mio. € +100,8 %

Importseite (EU-Mitgliedstaaten):

Mitgliedstaat 2015 2025 Veränderung
Niederlande 189 Mio. € 316 Mio. € +67,1 %
Belgien 202 Mio. € 125 Mio. € −38,2 %
Italien 91 Mio. € 85 Mio. € −6,6 %
Frankreich 58 Mio. € 83 Mio. € +43,7 %
Österreich 15 Mio. € 43 Mio. € +191,6 %

Spanien entwickelte sich zum führenden EU-Exporteur (730 Mio. €), was auf die bedeutende spanische Zinkverarbeitungsindustrie und günstige Hafenlogistik zurückzuführen sein dürfte. Auf der Importseite übernahmen die Niederlande die Führungsrolle (316 Mio. €), was die Bedeutung der Häfen Rotterdam und Amsterdam als Einfuhrdrehscheibe für Metalle unterstreicht. Österreichs Importe stiegen um 191,6 %, was auf eine wachsende heimische Verarbeitungskapazität hindeuten kann.

3.4 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) für 2025 zeigt folgende Muster:

Stärkste Spezialisierung RSCA RCA Produktanteil an Exporten
Finnland 0,849 12,20 12,2 %
Bulgarien 0,486 2,89 1,8 %
Belgien 0,389 2,27 19,2 %
Niederlande 0,255 1,68 24,4 %
Spanien 0,185 1,45 8,4 %

Finnland weist mit einem RCA-Wert von 12,20 eine extreme Spezialisierung im Zinkexport auf, was mit der großeneuropäischen Zinkhütte in Kokkola (Boliden) zusammenhängen dürfte. Belgien und die Niederlande sind sowohl bei Importen als auch Exporten stark engagiert und fungieren als Handelsplattformen.


Fazit

Der EU-Zinkmarkt hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Die EU hat sich vom schwachen Nettoimporteur zum deutlichen Nettoexporteur entwickelt (+841 Mio. € Handelsbilanzüberschuss 2025), getrieben durch eine mehr als verdoppelte Rohzinkproduktion und steigende Exportpreise. Die wichtigsten Triebkräfte dieser Entwicklung waren:

  1. Kapazitätsausbau: Die EU-Rohzinkproduktion stieg um 107,4 % auf 5,55 Mio. t — ein Ausbau, der die Handelsbilanz nachhaltig verbesserte.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Die Importquellen konzentrieren sich zunehmend auf Norwegen und Peru, während traditionelle Partner wie das Vereinigte Königreich (Brexit), Namibia und Kasachstan an Bedeutung verloren. Die Exportmärkte verschoben sich von den USA und China hin zur Türkei, Indien und Südostasien.

  3. Preiszyklen und Resilienz: Die globalen Zinkpreisschwankungen — insbesondere der Höchststand 2022 (Energiekrise) — prägten den gesamten Zeitraum. Die Preisanpassungen fielen bei Importen stärker aus als bei Exporten (+47,3 % vs. +37,2 %), was die Verhandlungsposition der EU als wachsender Nettoexporteur widerspiegelt.

Trotz der positiven Gesamtbilanz bleiben Risiken bestehen: Die steigende Importkonzentration (HHI von 1.536 auf 2.520) macht die EU anfälliger für Lieferunterbrechungen bei ihren beiden Hauptimportpartnern. Die gleichzeitige Exportdiversifizierung (Export-Propensity stieg von 9,4 % auf 19,7 %) erhöht zwar die Marktzugangsmöglichkeiten, bindet die EU-Industrie aber auch stärker an globale Nachfrageschwankungen. Angesichts der strategischen Bedeutung von Zink für die europäische Industrie — insbesondere im Kontext der Energiewende und der Batterietechnologie — bleibt die Überwachung dieser Handelsströme eine wichtige Aufgabe.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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