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Marktentwicklung: Zinkschrott (CN 7902) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel der EU mit Zinkschrott (KN-Code 7902) hat sich im Zeitraum 2015–2025 erheblich gewandelt. Die EU ist in diesem Segment ein ausgeprägter Nettoexporteur: Die Exporte überstiegen die Importe über den gesamten Zeitraum um ein Vielfaches — das Handelsbilanzplus wuchs von rd. 75 Mio. EUR (2015) auf rd. 121 Mio. EUR (2025). Gleichzeitig vollzog sich eine tektonische Verschiebung in der geografischen Ausrichtung der Exportströme, verbunden mit einem starken Preisanstieg. Im Folgenden werden die wesentlichen Dynamiken anhand der verfügbaren Daten dargestellt und interpretiert.

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1. Tektonische Verschiebung der Exportdestinationen: Von China zu Indien und Südostasien

Die auffälligste Veränderung im EU-Zinkschrotthandel betrifft die geografische Verteilung der Exporte. China, 2015 noch mit Abstand der wichtigste Abnehmer (71,4 Mio. EUR), verlor fast vollständig an Bedeutung, während Indien und Thailand zu neuen Hauptmärkten aufstiegen.

1.1 Chinas Rückgang als Abnehmer

Partnerland Exportwert 2015 (EUR) Exportwert 2025 (EUR) Veränderung
China 71.418.624 823.097 −98,8 %
Indien 12.943.841 85.281.815 +558,9 %
Thailand 97.856 45.478.907 +46.375 %
Malaysia 36.163 3.133.181 +8.564 %
Hongkong 5.691.157 3.548.121 −37,7 %

Quelle: Handelspartner nach Wert – Exporte

China war 2015 mit 71,4 Mio. EUR der dominierende Exportmarkt und nahm einen erheblichen Anteil an den gesamten EU-Ausfuhren von Zinkschrott ein. Bis 2025 sank der Wert auf unter 1 Mio. EUR (−98,8 %). Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit Chinas verschärften Importbeschränkungen für Abfälle und Schrotte, die im Rahmen der sogenannten „National Sword"-Politik seit 2017/2018 stufenweise eingeführt wurden und den Import von Metallschrott massiv erschwerten.

1.2 Indien als neuer dominanter Abnehmer

Indien füllte die Lücke, die China hinterließ, und weitete seine Importe von EU-Zinkschrott von rd. 13 Mio. EUR (2015) auf rd. 85 Mio. EUR (2025) aus — eine Steigerung um 559 %. Damit wurde Indien 2025 zum mit Abstand wichtigsten Exportmarkt der EU für Zinkschrott. Diese Dynamik spiegelt Indiens wachsende Zinkverhüttungs- und Recyclingkapazitäten sowie den steigenden Rohstoffbedarf der indischen Industrie wider.

1.3 Thailands meteoritischer Aufstieg

Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der EU-Exporte nach Thailand: von lediglich rd. 98.000 EUR (2015) auf rd. 45,5 Mio. EUR (2025). Thailand entwickelte sich damit zum zweitwichtigsten Exportmarkt. Die Volatilität dieses Handelsstroms ist jedoch hoch (Variationskoeffizient von 1,12), was auf die noch junge und möglicherweise unsichere Handelsbeziehung hindeutet. Der Anstieg dürfte mit dem Aufbau von Zinkrecycling- und -verhüttungskapazitäten in Südostasien zusammenhängen, die teilweise die Rolle Chinas übernahmen.

1.4 Bedeutung der Exportkonzentration

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte nach Wert sank von 6.201 (2015) auf 4.513 (2025), was einer Abnahme der Exportkonzentration (−27,2 %) entspricht. Trotz dieser Diversifizierung verbleibt der HHI auf einem Niveau, das eine moderate Konzentration anzeigt — die Abhängigkeit von wenigen Hauptabnehmern (Indien, Thailand) ist weiterhin erheblich.


2. Preisgetriebener Anstieg der Handelsbilanzüberschüsse

Die EU erzielte über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg substantielle Handelsbilanzüberschüsse im Zinkschrotthandel. Der Überschuss wuchs von rd. 74,9 Mio. EUR (2015) auf rd. 120,6 Mio. EUR (2025) — eine Zunahme um 60,9 %. Die Analyse zeigt, dass dieser Anstieg primär preis- und nicht mengengetrieben war.

2.1 Mengenentwicklung: moderates Wachstum

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte
Menge (t) 59.230 64.273 +8,5 %
Wert (EUR) 92.470.732 144.107.595 +55,8 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 1.561 2.242 +43,6 %
Importe
Menge (t) 12.924 14.087 +9,0 %
Wert (EUR) 17.545.752 23.523.546 +34,1 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 1.358 1.670 +23,0 %

Quelle: Allgemeine Übersicht – Handel

Die exportierten Mengen stiegen lediglich um 8,5 %, der Exportwert hingegen um 55,8 %. Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von 1.561 EUR/t auf 2.242 EUR/t (+43,6 %). Bei den Importen war das Muster ähnlich: Mengenwachstum von 9,0 %, Wertwachstum von 34,1 %, Preissteigerung von 23,0 %. Der Preisanstieg spiegelt die global steigende Zinknachfrage und die Zunahme der Zinkpreise an den Rohstoffbörsen wider, die sich in den Schrottpreisen niederschlagen.

2.2 Preisunterschiede zwischen Export- und Importmärkten

Ein bemerkenswertes Detail ist die Differenz zwischen Export- und Importpreisen: Die EU exportierte Zinkschrott 2025 zu einem durchschnittlichen Preis von 2.242 EUR/t und importierte ihn zu 1.670 EUR/t. Dieser Spread von rd. 572 EUR/t (+34 %) zeigt, dass die EU qualitativ höherwertigen oder besser sortierten Zinkschrott exportierte und geringerwertigen Schrott importierte — ein typisches Muster in der Kreislaufwirtschaft fortgeschrittener Volkswirtschaften.

2.3 Preisschocks bei Importen

Im Zeitraum wurden mehrere Preisschocks bei Importen festgestellt:

Partnerland Schocktyp Jahr Abnormalität Preissprung Anteil am Importwert
Mexiko Preis 2017 21,9 +43,9 % 4,6 %
Schweiz Preis 2017 6,7 +48,2 % 16,3 %
Bosnien und Herzegowina Preis 2022 4,6 +53,3 % 5,1 %

Der Preisschock bei Importen aus der Schweiz (2017) war besonders relevant, da die Schweiz einen Anteil von 16,3 % am EU-Importwert hatte. Die hohen Abnormalitätswerte (21,9) bei Mexiko deuten auf einen außergewöhnlichen Einzelfall hin. Der Schock bei Bosnien und Herzegowina (2022) fällt in die Phase der Energiekrise und der gestiegenen Rohstoffpreise nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.


3. Marktstruktur und regionale Spezialisierung innerhalb der EU

3.1 Dominante EU-Exportländer

Die Exporte von Zinkschrott aus der EU konzentrieren sich auf wenige Mitgliedstaaten. Deutschland, die Niederlande und Frankreich waren 2025 die drei größten Exporteure:

Mitgliedstaat Exportwert 2015 (EUR) Exportwert 2025 (EUR) Veränderung
Deutschland 33.914.605 33.259.673 −1,9 %
Niederlande 8.738.544 41.987.546 +380,5 %
Frankreich 26.669.921 19.066.231 −28,5 %
Italien 7.935.448 12.623.742 +59,1 %
Belgien 6.584.364 11.161.910 +69,5 %
Spanien 4.674.398 10.587.556 +126,5 %
Österreich 1.072.885 3.208.780 +199,1 %

Quelle: Reportländer nach Wert – Exporte

Deutschland blieb über den gesamten Zeitraum der größte einzelne Exporteur mit einem relativ stabilen Volumen um 33–39 Mio. EUR. Der dramatischste Anstieg ereignete sich bei den Niederlanden, die ihre Exporte von 8,7 Mio. EUR auf 42,0 Mio. EUR mehrten (+380,5 %). Die Niederlande überholten damit Frankreich und näherten sich Deutschland an. Diese Entwicklung könnte mit dem Ausbau der niederländischen Häfen (insbesondere Rotterdam) als Umschlagplätze für Schrotthandel und mit der verstärkten Rolle niederländischer Handelsunternehmen als Vermittler in den Handel mit Asien zusammenhängen.

Frankreich verlor hingegen an Boden (−28,5 %), blieb aber aufgrund seines hohen Spezialisierungsindex (RSCA von 0,64) weiterhin der am stärksten spezialisierte EU-Mitgliedstaat im Zinkschrotthandel.

3.2 Importseitige Struktur: Belgien und die Nachfrage der EU-Verhüttung

Auf der Importseite dominieren Belgien, Italien und zunehmend Spanien:

Mitgliedstaat Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
Belgien 8.882.960 10.082.731 +13,5 %
Italien 3.310.712 3.667.758 +10,8 %
Spanien 275.369 4.681.895 +1.600 %
Deutschland 1.295.330 1.817.198 +40,3 %

Quelle: Reportländer nach Wert – Importe

Belgien ist als Standort bedeutender Zinkhütten (u. a. Nyrstar) traditionell der größte Importeur von Zinkschrott in die EU. Der starke Anstieg der spanischen Importe (+1.600 %) könnte mit dem Aufbau neuer Recyclingkapazitäten oder der veränderten Rolle Spaniens als Drehscheibe für Handelsströme aus Nordafrika und Lateinamerika zusammenhängen.

3.3 EU-Produktion und Selbstversorgung

Die EU-Produktion von Zinkschrott (Pos. 7902 bzw. PRODCOM 38.32.29.10) stieg von rd. 1.634.700 t (2015) auf rd. 2.430.000 t (2025), was einem Zuwachs von 48,7 % entspricht. Der Produktionswert erhöhte sich von rd. 1,92 Mrd. EUR auf rd. 3,00 Mrd. EUR (+56,2 %). Die EU verfügt somit über eine erhebliche inländische Erzeugung, von der nur ein vergleichsweise kleiner Anteil (rd. 64.000 t bzw. ca. 2,6 %) in Drittländer exportiert wird. Die EU ist in diesem Segment weitgehend selbstversorgend und ein Nettoexporteur — ein Zeichen dafür, dass die inländische Recyclinginfrastruktur mehr Schrott erzeugt als die heimische Verhüttung aufnehmen kann.

3.4 Stabilität der Importpartnerstruktur

Der Import-HHI lag mit rd. 2.065 (2025) nur leicht über dem Wert von 2015 (rd. 1.928). Die Importseite zeigt damit eine moderate und über die Zeit relativ stabile Konzentration. Im Vergleich dazu war die Exportseite deutlich stärker konzentriert (HHI rd. 4.513 im Jahr 2025), wenngleich sich die Konzentration gegenüber 2015 (HHI rd. 6.201) spürbar verringerte. Die Importpartner blieben dabei überwiegend aus westlichen Industrieländern und dem Balkan — eine weniger volatile Herkunftsstruktur als bei den Exportzielen.


Schlussfolgerung

Der EU-Zinkschrotthandel (KN 7902) durchlief zwischen 2015 und 2025 eine tiefgreifende Transformation. Die drei zentralen Entwicklungen sind:

  1. Geografische Neuausrichtung der Exporte: Der Zusammenbruch des chinesischen Marktes (−98,8 %) wurde durch das rasante Wachstum der Exporte nach Indien (+559 %) und Thailand (+46.375 %) mehr als kompensiert. Die EU exportierte 2025 mehr Zinkschrott als 2015, allerdings in völlig andere Richtungen.

  2. Preisgetriebene Wertschöpfungssteigerung: Der Handelsbilanzüberschuss wuchs um 60,9 %, obwohl die Mengen nur um rd. 9 % zunahmen. Der Preisanstieg (+43,6 % bei Exporten, +23,0 % bei Importen) war der wesentliche Treiber — ein Ausdruck der globalen Rohstoffkonjunktur und der steigenden Bedeutung von Sekundärrohstoffen im Zuge der Kreislaufwirtschaft.

  3. Konzentrationsverschiebung innerhalb der EU: Die Niederlande stiegen zum zweitgrößten Exporteur auf (+380 %), während Frankreich an Boden verlor. Deutschland blieb der stabil größte Exporteur. Die Exportkonzentration insgesamt nahm ab, was auf eine Diversifizierung der Handelsströme hindeutet.

Die EU positioniert sich als bedeutender Nettoexporteur von Zinkschrott, mit einer erheblichen inländischen Produktionsbasis (rd. 2,4 Mio. t). Die Abhängigkeit von einzelnen Drittlandsmärkten bleibt jedoch bestehen: Indien und Thailand vereinen 2025 einen erheblichen Teil der EU-Exporte auf sich. Sollten diese Märkte ihre Importpolitik verschärfen — ähnlich wie China es 2017/2018 tat — könnte dies zu erheblichen Anpassungsbedarfen führen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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