Marktentwicklung: Rohzink (CN 7901) — 2015–2025
Einleitung
Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Bereich der Warengruppe Zink in Rohform (CN 7901) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Erfasst werden der Außenhandel mit Drittländern (nicht-EU-Staaten) für die drei Unterpositionen: nichtlegiertes Zink mit ≥99,99 % Reinheit (790111), nichtlegiertes Zink mit <99,99 % Reinheit (790112) sowie Zinklegierungen (790120). Die Daten umfassen Werte (in EUR), Mengen (in Tonnen) und durchschnittliche Preise (EUR/t) auf Jahresbasis.
Zink ist ein strategisch bedeutsames Industriemetall, das vor allem in der Stahlverzinkung, in Batterien und als Legierungsbestandteil verwendet wird. Die folgende Auswertung zeigt, dass die EU in diesem Zeitraum eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen hat: von einer leicht importabhängigen Position hin zu einem deutlichen Nettoexporteur. Diese Entwicklung wird im Folgenden anhand dreier zentraler Erkenntnisbereiche erläutert.
1. Von der Nettoimportabhängigkeit zum Nettoexporteur: Die strukturelle Wende im EU-Rohzinkhandel
Die signifikanteste Entwicklung im Betrachtungszeitraum ist der Wandel der EU von einer leicht importabhängigen Position zu einem ausgeprägten Nettoexporteur. Dieser Strukturwandel manifestiert sich in drei zentralen Kennzahlen.
1.1. Umkehr der Handelsbilanz
Die Handelsbilanz hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 638,8 Mio. € | 1.230,2 Mio. € | +92,6 % |
| Importwert | 553,8 Mio. € | 580,3 Mio. € | +4,8 % |
| Handelsbilanz | +85,1 Mio. € | +649,9 Mio. € | +664,2 % |
| Nettoimportquote | +9,5 % | −26,3 % | −376,1 % |
Die positive Nettoimportquote von 2015 (+9,5 %) signalisierte eine gewisse Importabhängigkeit der EU. Bis 2025 kehrte sich dies vollständig um: Die EU ist mit −26,3 % ein Nettexporteur, das heißt, sie exportiert erheblich mehr Rohzink, als sie von Drittländern importiert. Der maximale Wert der Nettoimportquote im Zeitraum lag bei +18,5 % (2017), der minimale bei −26,3 % (2025).
1.2. Divergierende Mengenentwicklung bei Importen und Exporten
Die Mengenentwicklung zeigt, dass die Exporte zwar zugenommen haben, die Importe jedoch überproportional zurückgingen:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportmenge | 340.264 t | 467.296 t | +37,3 % |
| Importmenge | 282.432 t | 208.258 t | −26,3 % |
Während die Exportmenge um über ein Drittel stieg, sank die Importmenge um mehr als ein Viertel. Dies deutet darauf hin, dass die EU ihre Rohzink-Versorgung zunehmend aus eigener Produktion deckt und gleichzeitig auf Drittländermärkte ausweicht.
1.3. Steigende Exportoffenheit
Die Exportneigung der EU im Rohzinksektor hat sich im Betrachtungszeitraum mehr als vervierfacht:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportneigung | 9,7 % | 36,4 % | +273,6 % |
| Handelsintensität | 24,9 % | 44,9 % | +80,0 % |
Die Exportneigung — definiert als Anteil der Exporte an der Gesamtproduktion — stieg von unter 10 % auf über 36 %. Gleichzeitig erhöhte sich die Handelsintensität (Verhältnis von Gesamthandel zur Produktion) von 25 % auf 45 %. Die EU hat damit ihre Rohzinkproduktion in deutlich stärkerem Maße auf den Export ausgerichtet.
2. Umstrukturierung der Handelspartner: Konzentration der Importe, Diversifizierung der Exporte
Die geografische Struktur des EU-Rohzinkhandels hat sich zwischen 2015 und 2025 substanziell verschoben. Auf der Importseite zeigt sich eine deutliche Konzentration auf wenige Lieferanten, während die Exportseite eine gewisse Diversifizierung erfahren hat.
2.1. Importseite: Zunehmende Konzentration und Abkehr von traditionellen Partnern
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Importe verdoppelte sich nahezu — von 2.091 auf 4.581 (+119,1 %). Dies signalisiert eine erheblich höhere Konzentration der Importquellen.
Die wichtigsten Importpartner entwickelten sich sehr unterschiedlich:
| Partner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Norwegen | 165,9 | 332,2 | +100,2 % |
| Peru | 136,0 | 208,7 | +53,5 % |
| Mexiko | 47,1 | 14,0 | −70,4 % |
| Namibia | 84,5 | 0,6 | −99,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 87,7 | 1,0 | −98,8 % |
| Kasachstan | 3,5 | 3,4 | −4,1 % |
Norwegen und Peru sind die dominierenden Importquellen geworden: Zusammen machten sie 2025 rund 933 Mio. € aus und haben ihre Anteile massiv ausgebaut. Der starke Rückgang der Lieferungen aus Namibia (−99,3 %), dem Vereinigten Königreich (−98,8 %) und Mexiko (−70,4 %) ist bemerkenswert. Beim Vereinigten Königreich liegt der Rückgang im Zeitraum nach dem Brexit (ab 2020), was auf handelspolitische Veränderungen und veränderte Zollmodalitäten hinweisen könnte.
2.2. Exportseite: Wachstumsmärkte im Mittelmeer- und Nahost-Raum
Der HHI der Exporte sank hingegen leicht von 1.519 auf 1.251 (−17,6 %), was auf eine moderat diversifiziertere Exportstruktur hindeutet.
Die wichtigsten Exportmärkte entwickelten sich wie folgt:
| Partner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Türkei | 137,7 | 386,3 | +180,6 % |
| Ägypten | 29,2 | 88,9 | +204,0 % |
| Saudi-Arabien | 31,4 | 71,1 | +126,6 % |
| Singapur | 0,7 | 80,6 | +10.817,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 46,5 | 55,7 | +19,8 % |
| Vereinigte Staaten | 190,2 | 5,3 | −97,2 % |
| China | 0,5 | 3,6 | +668,0 % |
Besonders auffällig ist das exponentielle Wachstum der Exporte nach Singapur (+10.817 %), das sich von einem unbedeutenden Zielmarkt zu einem der wichtigsten Exportmärkte entwickelt hat. Die Türkei ist mit 386 Mio. € (2025) zum mit Abstand wichtigsten Exportmarkt aufgestiegen, gefolgt von Ägypten und Saudi-Arabien. Demgegenüber sind die Exporte in die USA um 97 % eingebrochen — ein Hinweis auf veränderte Wettbewerbsbedingungen oder handelspolitische Faktoren.
2.3. Rolle der EU-Mitgliedstaaten
Innerhalb der EU zeigt sich bei den Importen ein differenziertes Bild:
| EU-Staat | Importe 2015 (Mio. €) | Importe 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Niederlande | 175,2 | 295,8 | +68,8 % |
| Belgien | 176,5 | 101,9 | −42,3 % |
| Italien | 69,6 | 55,5 | −20,3 % |
| Österreich | 8,7 | 38,7 | +345,4 % |
| Deutschland | 26,3 | 7,0 | −73,5 % |
Bei den Exporten dominieren:
| EU-Staat | Exporte 2015 (Mio. €) | Exporte 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Spanien | 367,4 | 705,0 | +91,9 % |
| Belgien | 124,5 | 239,4 | +92,3 % |
| Bulgarien | 58,8 | 86,7 | +47,6 % |
| Deutschland | 13,4 | 61,3 | +358,5 % |
Spanien hat sich als wichtigster EU-Exporter von Rohzink etabliert und machte 2025 über 705 Mio. € aus. Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index) zeigt, dass Finnland (RSCA 0,88), Bulgarien (0,58) und Belgien (0,45) die am stärksten auf Rohzink spezialisierten EU-Exportländer sind.
3. Preisanstieg, Volatilität und Schocks: Rohzink im Zeichen konjunktureller und geopolitischer Turbulenzen
Die dritte zentrale Erkenntnis betrifft die Preisentwicklung und die auftretenden Marktschocks im Betrachtungszeitraum, die sowohl die Import- als auch die Exportseite nachhaltig geprägt haben.
3.1. Deutlicher Preisanstieg über den gesamten Zeitraum
Sowohl Import- als auch Exportpreise haben im Betrachtungszeitraum erheblich zugenommen:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportpreis (EUR/t) | 1.877 | 2.633 | +40,2 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.961 | 2.786 | +42,1 % |
Die Preisentwicklung verlief jedoch nicht linear. Beide Preise erreichten ihren Spitzenwert im Jahr 2022 — der Exportpreis bei 3.383 EUR/t und der Importpreis bei 3.612 EUR/t. Dieser Preisschock 2022 korrespondiert mit der globalen Energiekrise und den Rohstoffpreisanstiegen im Zuge des Ukrainekonflikts. Im Anschluss gingen die Preise wieder deutlich zurück, blieben aber über dem Niveau von 2015.
3.2. Segmentunterschiede in der Preisentwicklung
Die Preisentwicklung nach Teilpositionen zeigt unterschiedliche Dynamiken:
Importpreise (EUR/t):
| Teilposition | 2015 | 2022 (Peak) | 2025 |
|---|---|---|---|
| 790111 (≥99,99 %) | 1.994 | 3.613 | 2.778 |
| 790112 (<99,99 %) | 1.882 | 3.536 | 2.707 |
| 790120 (Legierungen) | 2.055 | 3.761 | 2.916 |
Exportpreise (EUR/t):
| Teilposition | 2015 | 2022 (Peak) | 2025 |
|---|---|---|---|
| 790111 (≥99,99 %) | 1.839 | 3.406 | 2.617 |
| 790112 (<99,99 %) | 1.942 | 3.455 | 2.600 |
| 790120 (Legierungen) | 2.005 | 3.335 | 2.696 |
Zinklegierungen (790120) werden durchgängig zu höheren Preisen gehandelt als nichtlegiertes Zink, was auf den höheren Verarbeitungsgrad und die spezifischen Legierungseigenschaften zurückzuführen ist.
3.3. Erkannte Marktschocks
Die Analyse hat drei signifikante Marktschocks identifiziert:
| Ereignis | Schocktyp | Zeitpunkt | Abnormalität | Preissprung | Anteil am Handelswert |
|---|---|---|---|---|---|
| China (Exporte) | Preisschock | 2022 | 128,9 | +877,9 % | 6,8 % |
| Mexiko (Importe) | Preisschock | 2017 | 34,3 | +39,4 % | 10,4 % |
| Brasilien (Exporte) | Preisschock | 2022 | 29,8 | +330,1 % | 2,5 % |
Der mit Abstand größte Schock betraf die Exportpreise nach China im Jahr 2022: Ein anomaler Preisanstieg von 877,9 % bei einer Abnormalität von 128,9. Dies deutet auf eine massive Nachfrageverschiebung oder Lieferunterbrechung hin, die im Kontext der globalen Rohstoffkrise 2022 zu sehen ist.
3.4. Volatilität der Handelsströme
Die Volatilität, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), variiert stark zwischen den Handelspartnern:
Importpartner mit höchster Volatilität:
| Partner | CV |
|---|---|
| Indien | 2,89 |
| Korea, Rep. | 2,11 |
| Japan | 2,03 |
| Kasachstan | 1,31 |
Exportpartner mit höchster Volatilität:
| Partner | CV |
|---|---|
| China | 2,00 |
| Singapur | 1,84 |
| USA | 1,35 |
Die hohe Volatilität bei Importen aus Indien und Kasachstan spiegelt die diskontinuierliche Natur dieser Handelsbeziehungen wider — die Handelsvolumen schwankten zwischen sehr niedrigen und sehr hohen Werten. Auf der Exportseite korrespondiert die hohe Volatilität nach China und Singapur mit dem starken Wachstum dieser Märkte aus niedrigen Ausgangsniveaus.
3.5. Produktion und Wertschöpfung
Die EU-Produktion von Rohzink zeigt ein ambivalentes Bild:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge | 2.259.015 t | 2.518.187 t | +11,5 % |
| Produktionswert | 5.556 Mio. € | 3.978 Mio. € | −28,4 % |
Während die physische Produktionsmenge um 11,5 % stieg, sank der Produktionswert um 28,4 %. Dies impliziert, dass die durchschnittlichen Produktionspreise innerhalb der EU stärker zurückgingen als die internationalen Handelspreise — ein Hinweis auf mögliche Margenverluste der europäischen Zinkhütten.
Schlussfolgerung
Die Analyse des EU-Außenhandels mit Rohzink (CN 7901) im Zeitraum 2015–2025 offenbart drei zentrale Entwicklungen:
-
Strukturelle Wende: Die EU hat sich von einer leicht importabhängigen Position (Nettoimportquote +9,5 %) zu einem signifikanten Nettoexporteur (−26,3 %) entwickelt. Der Handelsbilanzüberschuss wuchs von 85 Mio. € auf 650 Mio. €, getrieben von einem Exportwachstum von +92,6 % bei gleichzeitig nur moderater Importzunahme (+4,8 %).
-
Geografische Umstrukturierung: Die Importe konzentrieren sich zunehmend auf Norwegen und Peru, während traditionelle Lieferanten wie das Vereinigte Königreich, Namibia und Mexiko stark an Bedeutung verloren haben. Auf der Exportseite haben sich die Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien als Hauptabsatzmärkte etabliert, während die USA als Abnehmer fast vollständig wegbrachen. Innerhalb der EU sind Spanien und Belgien die dominierenden Exporteure.
-
Preisvolatilität und Schocks: Die Handelspreise stiegen über den gesamten Zeitraum um ca. 40 % und erreichten 2022 im Zuge der globalen Rohstoffkrise ihren Höhepunkt. Die identifizierten Preisschocks — insbesondere der extreme Anstieg der Exportpreise nach China im Jahr 2022 (+878 %) — unterstreichen die Anfälligkeit des Marktes für geopolitische und konjunkturelle Störungen. Die gleichzeitig sinkenden EU-Produktionswerte trotz steigender Mengen deuten auf Margendrückungen im europäischen Zinksektor hin.
Insgesamt zeigt sich ein Markt, der sich in Richtung größerer Exportorientierung und gleichzeitiger Importkonsolidierung bewegt — eine Entwicklung, die strategische Implikationen für die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Zinkindustrie mit sich bringt.