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Marktentwicklung: Blei und Bleiwaren (CN 78) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 für den Zolltarifcode 78 (Blei und Waren daraus). Die Warengruppe umfasst vier Unterpositionen: Roheisen/Blei in Rohform (7801), Abfälle und Schrott (7802), Platten/Bleche/Bänder/Folien/Pulver/Flitter (7804) sowie sonstige Bleiwaren (7806). (Übersicht und Definitionen)

Die EU zeigt im untersuchten Zeitraum eine bemerkenswerte Stärkung der heimischen Produktionsbasis bei gleichzeitiger Neuausrichtung der Handelsströme. Diese Entwicklungen werden in den folgenden drei Hauptabschnitten analysiert.


1. Strukturelle Transformation: Von der Importabhängigkeit zur Eigenproduktion

Die EU hat im Zeitraum 2015–2025 eine fundamentale Verschiebung ihrer Position im globalen Bleimarkt vollzogen. Die heimische Produktion stieg von 1,46 Mrd. kg (2015) auf 4,05 Mrd. kg (2025) – ein Zuwachs von 178,4 %. Der Produktionswert erhöhte sich sogar um 303,2 % von 1,56 Mrd. EUR auf 6,29 Mrd. EUR (Produktionsvolumen).

Die Importabhängigkeit sank drastisch

Die Nettoimportabhängigkeit fiel von 15,9 % (2015) auf nur noch 4,2 % (2025), was einer Reduktion um 73,7 % entspricht. In den Jahren 2021 und 2022 wurde sogar ein leicht negativer Wert von −2,3 % erreicht, was bedeutet, dass die EU in diesen Jahren netto exportorientiert war (Nettoimportabhängigkeit).

Die Handelsintensität nahm gleichzeitig ab

Die Handelsintensität (Handelsvolumen als Anteil der inländischen Produktion plus Handel) sank von 27,8 % auf 14,9 % (−46,6 %). Dies spiegelt wider, dass die EU zunehmend auf inländische Erzeugung setzt und weniger auf den internationalen Austausch angewiesen ist. Die Exportneigung fiel von 8,2 % auf 6,0 % (−26,8 %) (Handelsintensität).

Bulgarien als Spezialist der EU-Produktion

Die Analyse der spezialisierten Komparativen Vorteile zeigt Bulgarien mit einem RSCA-Wert von 0,85 als mit Abstand am stärksten spezialisierten EU-Mitgliedstaat im Bleisektor, gefolgt von Estland (0,57) und Schweden (0,51). Am unteren Ende der Skala rangieren Slowenien (−0,91) und Luxemburg (−0,90) (Spezialisierung).


2. Geopolitische Umbrüche und Neuausrichtung der Handelspartner

Die Handelsströme der EU mit Drittländern haben sich im Zeitraum 2015–2025 erheblich verändert, wobei geopolitische Ereignisse eine zentrale Rolle spielten.

Der Zusammenbruch des Handels mit Russland

Der dramatischste Einbruch betraf die Importe aus der Russischen Föderation: Diese fielen von 63,4 Mio. EUR (2015) auf nur noch 94.047 EUR (2025) – ein Rückgang von 99,9 %. Der Koeffizient der Variation (CV) von 0,76 unterstreicht die extreme Volatilität dieses Handelsstroms. Die Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine führten zu einem vollständigen Handelsstopp (Partner-Länder).

Der Aufstieg neuer Lieferanten

Die Lücke, die Russland hinterließ, wurde teilweise durch neue Lieferanten gefüllt. Serbia verzeichnete ein Plus von 1.971 % (von 1,3 Mio. EUR auf 27,9 Mio. EUR), während die Importe aus dem Libanon um 403 % stiegen (von 15,9 Mio. EUR auf 79,9 Mio. EUR). Besonders auffällig: Im Jahr 2023 wurde ein signifikanter Preisschock bei Importen aus Serbien mit einer abnormalen Preisabweichung von 88,9 % und einem Preisanstieg von 66,1 % festgestellt (Preisschocks).

Großbritannien als dominanter Handelspartner

Das Vereinigte Königreich hat sich als wichtigster Handelspartner der EU im Bleisektor etabliert. Die Importe aus dem UK stiegen von 217,6 Mio. EUR auf 282,9 Mio. EUR (+30,0 %). Bei den Exporten blieb das UK mit rund 47–48 Mio. EUR weitgehend stabil. Damit ist das UK sowohl der mit Abstand größte Importlieferant als auch ein bedeutender Exportmarkt der EU.

Veränderungen bei den Exportmärkten

Bei den Exporten zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung: Während die USA als Exportmarkt an Bedeutung verloren (−70,7 % von 48,3 Mio. EUR auf 14,1 Mio. EUR), expandierte die EU in Richtung Asien und Südosteuropa. Indien stieg um 301 % auf 70,9 Mio. EUR zum zweitgrößten Exportmarkt auf, Singapur verzeichnete ein Plus von 1.061 %, und Nordmazedonien gewann 257 % hinzu. Türkei blieb mit 95,8 Mio. EUR (plus 22,4 %) der größte Exportmarkt (Partner-Länder Exporte).


3. Preisentwicklung und Segmentanalyse: Rohstoffe im Aufwärtszyklus

Die Periode 2015–2025 war von einem deutlichen Aufwärtszyklus bei Bleipreisen geprägt, der sich in allen Unterpositionen widerspiegelt.

Allgemeiner Preisanstieg über alle Segmente

Segment Beschreibung Importpreis 2015 (EUR/t) Importpreis 2025 (EUR/t) Veränderung
7801 Blei in Rohform 1.808 2.157 +19,3 %
7802 Abfälle und Schrott 1.264 1.466 +16,0 %
7804 Platten, Bleche, Folien 1.929 2.438 +26,4 %
7806 Sonstige Bleiwaren 4.035 6.154 +52,5 %

(Produktvergleich)

Die Exportpreise entwickelten sich teils noch dynamischer: Bei 7804 stieg der Exportpreis von 2.192 EUR/t auf 3.120 EUR/t (+42,3 %), bei 7806 von 5.131 EUR/t auf 9.437 EUR/t (+83,9 %).

Blei in Rohform (7801) dominiert den Handel

Roheisen/Blei in Rohform bildet mit Abstand das größte Segment. Es machte 2025 bei den Importen 79,4 % des Gesamtwerts aus (451,1 Mio. EUR von 568,0 Mio. EUR) und bei den Exporten 57,4 % (210,3 Mio. EUR von 366,2 Mio. EUR). Die Importmengen bei 7801 stiegen über weite Strecken des Zeitraums, bevor sie 2025 auf 209.140 t sanken – möglicherweise als Ausdruck der gestiegenen heimischen Produktionskapazitäten.

Abfälle und Schrott (7802): Wachsendes Exportsegment

Ein bemerkenswerter Trend zeigt sich bei Abfällen und Schrott: Die Exportmengen stiegen von 21.451 t (2015) auf 41.053 t (2025) – ein Zuwachs von 91 %. Der Exportwert vervielfachte sich von 25,6 Mio. EUR auf 69,0 Mio. EUR (+169 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend Sekundärrohstoffe in Richtung Drittländer exportiert, was mit der gestiegenen inländischen Verarbeitungskapazität und der hohen Recyclingquote von Blei zusammenhängen dürfte.

Hohe Volatilität bei bestimmten Handelspartnern

Die Analyse der Volatilität (Variationskoeffizient) zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Handelspartnern:

Partner Strom CV
USA Exporte 2,38
Singapur Exporte 1,95
Taiwan Exporte 1,89
Korea Importe 1,21
Kasachstan Importe 1,14

(Volatilitätsanalyse)

Die Exporte in die USA und nach Singapur weisen die höchste Instabilität auf, was mit sporadischen, mengenstarken Lieferungen erklärt werden könnte. Bei den Importen zeigt Korea mit einem CV von 1,21 die größte Schwankung.


Schlussfolgerung

Der EU-Bleimarkt (CN 78) durchlief zwischen 2015 und 2025 eine fundamentale Transformation. Drei zentrale Entwicklungen prägten diesen Zeitraum:

Erstens die Stärkung der Eigenproduktion: Mit einem Anstieg der heimischen Produktion um 178 % bei gleichzeitig sinkender Nettoimportabhängigkeit (von 15,9 % auf 4,2 %) hat die EU ihre strategische Autonomie im Bleisektor erheblich ausgebaut.

Zweitens die geopolitische Neuausrichtung: Der Zusammenbruch des Handels mit Russland (−99,9 %) wurde durch die Diversifizierung zu neuen Partnern wie Serbien und dem Libanon sowie durch gestiegene Importe aus dem UK kompensiert. Die Exportströme verlagerten sich in Richtung Asien, insbesondere nach Indien und Singapur.

Drittens der strukturelle Wandel der Handelsströme: Während die Importe von Roheisen/Blei stagnierten oder sanken, expandierte die EU ihr Exportgeschäft bei Sekundärrohstoffen (Abfälle und Schrott) erheblich, was auf eine zunehmend kreislaufwirtschaftliche Ausrichtung hindeutet.

Die Handelsbilanz blieb über den gesamten Zeitraum negativ, verschlechterte sich nominal von −69,4 Mio. EUR auf −201,8 Mio. EUR. In Relation zur gestiegenen inländischen Produktion und den gesunkenen Importmengen ist diese Entwicklung jedoch weniger kritisch als die absoluten Zahlen vermuten lassen. Der EU-Markt für Blei und Bleiwaren ist robuster und diversifizierter als noch vor einem Jahrzehnt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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