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Marktentwicklung: Bleischrott (CN 7802) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für die Zollnomenklatur CN 7802 – Abfälle und Schrott aus Blei. Der Zeitraum war von einer fundamentalen strukturellen Verschiebung geprägt: Die EU wandelte sich von einem deutlichen Nettoimporteur zu einem Nettoexporteur dieses Sekundärrohstoffs. Diese Transformation vollzog sich vor dem Hintergrund steigender Preise, einer regionalen Neuorientierung der Handelspartner sowie zunehmender Konzentration auf wenige Partnerländer.

Die Produktdefinition umfasst Bleischrott und -abfälle, ausgenommen Aschen und Rückstände der Bleiherstellung (Pos. 2620), Rohblöcke aus eingeschmolzenen Abfällen (Pos. 7801) sowie Abfälle aus elektrischen Primärelementen und Akkumulatoren.


1. Die Wende vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur

1.1. Exportsprung bei gleichzeitigem Importrückgang

Die bilateralsten Kennzahlen des EU-Handels mit Bleischrott zeigen eine bemerkenswerte Gegenläufigkeit. Die EU-Exporte stiegen im Betrachtungszeitraum von rund 25,6 Mio. EUR (2015) auf knapp 69,0 Mio. EUR (2025) – ein Anstieg um 168,9 %. Mengenmäßig erhöhten sich die Ausfuhren von 21.451 t auf 41.053 t (+91,4 %). Demgegenüber sanken die Importe im selben Zeitraum von 65,7 Mio. EUR auf 50,8 Mio. EUR (−22,7 %) bzw. mengenmäßig von 51.992 t auf 34.660 t (−33,3 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 25.642.580 EUR 68.959.550 EUR +168,9 %
Exportmenge 21.451 t 41.053 t +91,4 %
Importwert 65.725.920 EUR 50.818.171 EUR −22,7 %
Importmenge 51.992 t 34.660 t −33,3 %
Exportpreis 1.195 EUR/t 1.680 EUR/t +40,5 %
Importpreis 1.264 EUR/t 1.466 EUR/t +16,0 %

1.2. Umkehr der Handelsbilanz

Der Handelsbilanzsaldo kehrte sich im Beobachtungszeitraum vollständig um. Lag die EU 2015 bei einem Defizit von rund −40,1 Mio. EUR, so verzeichnete sie 2025 einen Überschuss von +18,1 Mio. EUR. Der Tiefpunkt des Defizits wurde in einem Zwischenjahr bei −83,8 Mio. EUR erreicht, was auf eine Phase besonders hoher Importe zurückzuführen ist. Die Bilanzverbesserung von 145,3 % reflektiert die Kombination aus steigenden Exporten und fallenden Importen.

1.3. Einwirk der EU-Binnenproduktion

Die EU-eigene Produktion von Bleischrott stieg im Betrachtungszeitraum von 1,63 Mrd. kg auf 2,43 Mrd. kg (+48,7 %), wertmäßig von 1,92 Mrd. EUR auf 3,00 Mrd. EUR (+56,2 %). Dieser Zuwachs an inländischer Rohstoffverfügbarkeit ist ein wesentlicher Treiber für den Überschuss an Sekundärrohstoffen, der in den Exporten abgeflossen werden konnte.


2. Regionale Umstrukturierung und Konzentrationsprozesse

2.1. Zusammenbruch traditioneller Lieferanten

Die Struktur der wichtigsten Importpartner veränderte sich drastisch. Mehrere einst bedeutende Lieferländer brachen im Handelsvolumen nahezu vollständig ein:

Lieferland Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 26.252.308 EUR 29.341.902 EUR +11,8 %
Nigeria 9.488.323 EUR 96.202 EUR −99,0 %
Australien 6.774.714 EUR 63.170 EUR −99,1 %
Ghana 7.101.452 EUR 1.005 EUR −100,0 %
Serbien 1.276.352 EUR 9.451 EUR −99,3 %
Schweiz 4.006.372 EUR 9.267.477 EUR +131,3 %
Norwegen 1.093.547 EUR 4.181.611 EUR +282,4 %

Das Vereinigte Königreich blieb mit Abstand der wichtigste Importpartner und baute seine Position moderat aus. Nigeria, Australien und Ghana hingegen verloren praktisch ihre Bedeutung als Bleischrott-Quellen für die EU. Diese Entwicklung ist teilweise auf strengere Exportkontrollen in Drittländern sowie auf die Basel-Konvention-Regelungen zum transnationalen Abfallverkehr zurückzuführen. Norwegen und die Schweiz – beide EWR-/EFTA-Staaten mit engen regulatorischen Bindungen an die EU – kompensierten einen Teil des Rückgangs.

2.2. Indien als dominanter Exportmarkt

Auf der Exportseite vollzog sich eine bemerkenswerte Konzentration auf Indien. Der Exportwert nach Indien stieg von 14,3 Mio. EUR auf 64,1 Mio. EUR – ein Anstieg von 347,5 %. Damit entfielen 2025 rund 93 % des gesamten EU-Exportwerts auf Indien. Parallel dazu sanken die Exporte in das Vereinigte Königreich (−51,0 %) und nach China (−83,3 %), während die Ausfuhren nach Serbien (+17,8 %) und Malaysia (+77,2 %) moderat zunahmen.

Bestimmungsland Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Indien 14.322.766 EUR 64.089.032 EUR +347,5 %
Vereinigtes Königreich 7.187.634 EUR 3.523.243 EUR −51,0 %
Israel 259.448 EUR 398.265 EUR +53,5 %
Norwegen 486.884 EUR 158.461 EUR −67,5 %
Serbien 1.362.694 EUR 1.605.053 EUR +17,8 %
Malaysia 317.903 EUR 563.340 EUR +77,2 %
China 915.848 EUR 152.564 EUR −83,3 %

2.3. Steigende Konzentration – HHI-Analyse

Die zunehmende Abhängigkeit von wenigen Partnern spiegelt sich in den Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) wider, die sowohl für Importe als auch für Exporte deutlich anstiegen:

Richtung HHI 2015 (Wert) HHI 2025 (Wert) Veränderung HHI 2015 (Menge) HHI 2025 (Menge) Veränderung
Importe 2.115 3.786 +79,0 % 1.891 4.020 +112,5 %
Exporte 3.946 8.665 +119,6 % 3.166 8.932 +182,1 %

Der Export-HHI von 8.665 im Jahr 2025 deutet auf eine hochkonzentrierte Exportstruktur hin – ein direktes Ergebnis der Dominanz Indiens als Abnehmer. Auf der Importseite signalisieren die gestiegenen HHI-Werte eine zunehmende Abhängigkeit von einer kleineren Zahl von Lieferanten.

2.4. Binnenmarkt-Spezialisierung und führende EU-Exporteure

Innerhalb der EU zeigt sich eine heterogene Spezialisierungsstruktur im Jahr 2025. Die am stärksten spezialisierten Mitgliedstaaten (nach RSCA) sind Lettland (RSCA: 0,83), Litauen (0,68), Frankreich (0,55), Irland (0,53) und Spanien (0,37). Am wenigsten spezialisiert sind Tschechien (−0,96), Ungarn (−0,86), Portugal (−0,78), Slowenien (−0,75) und Estland (−0,59).

Bei den EU-internen Exporteuren verzeichneten insbesondere Italien (+664,9 %), Spanien (+365,4 %) und die Niederlande (+107,1 %) überproportionale Zuwächse. Italien stieg damit zu einem der führenden EU-Exporteure auf:

EU-Mitgliedstaat Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Niederlande 7.518.692 EUR 15.568.792 EUR +107,1 %
Spanien 3.361.222 EUR 15.642.879 EUR +365,4 %
Italien 1.457.233 EUR 11.147.035 EUR +664,9 %
Deutschland 2.264.445 EUR 5.614.429 EUR +147,9 %
Belgien 3.796.065 EUR 5.948.178 EUR +56,7 %

3. Preisanstiege und Lieferkettenvolatilität

3.1. Deutlicher Preisdruck nach oben

Sowohl Export- als auch Importpreise verzeichneten im Beobachtungszeitraum relevante Steigerungen. Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 1.195 EUR/t auf 1.680 EUR/t (+40,5 %), wobei der Maximalwert im Zeitraum bei 1.824 EUR/t lag. Der Importpreis erhöhte sich von 1.264 EUR/t auf 1.466 EUR/t (+16,0 %), mit einem Spitzenwert von 1.925 EUR/t. Die Differenz zwischen Export- und Importpreis näherte sich an, was auf eine Angleichung der Qualitätsstandards und eine verbesserte Verhandlungsposition der EU hindeutet.

Die Preisentwicklung korreliert mit der allgemeinen Rohstoffkonjunktur und der gestiegenen Nachfrage nach Sekundärrohstoffen im Zuge der Kreislaufwirtschaftsstrategie der EU.

3.2. Hohe Volatilität bei Drittlands-Lieferanten

Die Volatilitätsanalyse (gemessen am Variationskoeffizienten, CV) zeigt bei mehreren Handelspartnern extreme Schwankungen:

Importseitig höchste Volatilität:

Partnerland Variationskoeffizient (CV)
Tunesien 1,92
Ghana 1,90
Serbien 1,27
Nigeria 1,09
Ägypten 1,02

Exportseitig höchste Volatilität:

Bestimmungsland Variationskoeffizient (CV)
Norwegen 2,05
Vereinigte Staaten 2,03
Vereinigte Arabische Emirate 1,81
Israel 1,12
Belarus 1,09

Auffällig ist, dass die meisten dieser hochvolatilen Partnerländer auch die sind, deren Handelsvolumen im Zeitraum stark zurückging oder stark schwankte. Das Vereinigte Königreich als wichtigster Importpartner zeigt hingegen mit einem CV von 0,15 eine bemerkenswerte Stabilität.

3.3. Identifizierte Schocks und Versorgungsrisiken

Die Schockanalyse identifizierte drei signifikante Ereignisse:

Ereignis Typ Richtung Zeitpunkt Veränderung Wertanteil
Vereinigtes Königreich Preisschock Exporte 2021 +161,3 % 25,9 %
Vereinigtes Königreich Preisschock Importe 2022 +38,7 % 67,7 %
Australien Angebotsschock Importe 2024 −99,8 % 8,1 %

Der Preisschock im Export ins Vereinigte Königreich 2021 mit einer Abnormalität von 30 und einem Preissprung von 161,3 % fällt zeitlich mit den Nachwirkungen des Brexit und den damit verbundenen Handelsreibungen zusammen. Der Preisschock auf der Importseite 2022 (Abnormalität: 3,9) korrespondiert mit der globalen Rohstoffpreisinflation nach Beginn des Ukraine-Konflikts. Der Anbieterschock aus Australien 2024 (−99,8 %) markiert den praktischen Zusammenbruch der Lieferbeziehung.


Fazit

Die Entwicklung des EU-Handels mit Bleischrott (CN 7802) im Zeitraum 2015–2025 lässt sich als drei zusammenhängende Trends zusammenfassen:

  1. Strukturelle Wende: Die EU vollzog den Wandel vom Nettoimporteur (2015: −40,1 Mio. EUR) zum Nettoexporteur (2025: +18,1 Mio. EUR). Dieser Wandel wurde durch eine um 48,7 % gewachsene inländische Produktion und einen gleichzeitigen Rückgang der Importe ermöglicht.

  2. Regionale Neuordnung und Konzentration: Der Importmarkt erlebte einen tiefgreifenden Wandel: Afrikanische und ozeanische Lieferanten (Nigeria, Ghana, Australien) fielen fast vollständig weg, während das Vereinigte Königreich seine dominante Stellung behauptete. Auf der Exportseite etablierte sich Indien als quasi-monopolistischer Abnehmer mit 93 % des Exportwerts. Die HHI-Werte verdoppelten sich nahezu, was die Zunahme der bilateralen Konzentration belegt.

  3. Preisdruck und Schockanfälligkeit: Steigende Preise (+40,5 % bei Exporten, +16,0 % bei Importen) spiegeln die globale Rohstoffkonjunktur wider. Die identifizierten Schocks – insbesondere die Brexit-bezogenen Preissprünge bei UK-Handel und der australische Angebotsschock – unterstreichen die Anfälligkeit der Handelsbeziehungen.

Die zunehmende Exportkonzentration auf Indien stellt ein strategisches Risiko dar. Gleichzeitig ermöglicht die gewachsene EU-Binnenproduktion eine größere Autarkie bei der Bleischrott-Versorgung. Politische Maßnahmen zur Diversifizierung der Exportmärkte und zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft wären geeignet, die Resilienz des europäischen Bleisektors weiter zu erhöhen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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