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Marktentwicklung: Uhrengläser und Brillengläser (CN 7015) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zolltarifnummer 7015 für den Zeitraum 2015 bis 2025. CN 7015 umfasst Gläser für Uhren und Brillen, die gewölbt, gebogen oder hohl gefertigt, jedoch noch nicht optisch bearbeitet sind, sowie Hohlkugeln und Hohlkugelsegmente aus Glas. Der Sektor wird durch zwei Untergliederungen strukturiert: CN 701510 (Gläser für medizinische Brillen) und CN 701590 (Uhrengläser, Gläser für einfache Brillen sowie Hohlkugeln). Die Analyse basiert auf den Handelsströmen der EU mit Drittländern und beleuchtet Volumen-, Preis-, Partner- und Produktmix-Entwicklungen.


1. Sinkende Handelsvolumen bei steigenden Einheitspreisen — ein struktureller Rückgang

Das dominante Merkmal des untersuchten Zeitraums ist der deutliche Rückgang der Handelsvolumen auf beiden Seiten — sowohl bei Exporten als auch bei Importen — gepaart mit einem erheblichen Preisanstieg pro Tonne. Dieses Muster lässt auf einen strukturellen Wandel der europäischen Glasindustrie für diesen Sektor schließen.

Der EU-Exportwert sank um über 40 Prozent

Die EU-Exporte in Drittländer fielen von 25,0 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 14,5 Mio. EUR im Jahr 2025, was einem Rückgang von 42,1 % entspricht. Der mengenmäßige Rückgang war mit −57,7 % (von 1.757 t auf 744 t) sogar noch ausgeprägter. Die Gesamtübersicht zeigt, dass der Exportpreis pro Tonne im selben Zeitraum um 40,1 % auf 19.222 EUR/t stieg — ein Anstieg, der den mengenmäßigen Rückgang nur teilweise kompensierte.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 25,0 Mio. EUR 14,5 Mio. EUR −42,1 %
Exportmenge 1.757 t 744 t −57,7 %
Exportpreis 13.719 EUR/t 19.222 EUR/t +40,1 %

Importpreise stiegen fast doppelt so stark wie Exportpreise

Besonders auffällig ist die Preisentwicklung bei den Importen. Der durchschnittliche Importpreis kletterte von 39.902 EUR/t im Jahr 2015 auf 98.747 EUR/t im Jahr 2025 — ein Anstieg von 147,5 %. Gleichzeitig sank die Importmenge von 312 t auf 95 t (−69,6 %), und der Importwert ging von 12,6 Mio. EUR auf 9,7 Mio. EUR zurück (−23,1 %). Der enorme Preisanstieg bei Importen deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertigere, spezialisierte Gläser importiert, während günstigere Standardprodukte möglicherweise durch inländische Alternativen oder andere Materialien ersetzt werden.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 12,6 Mio. EUR 9,7 Mio. EUR −23,1 %
Importmenge 312 t 95 t −69,6 %
Importpreis 39.902 EUR/t 98.747 EUR/t +147,5 %

Die Handelsbilanz blieb positiv, schrumpfte jedoch erheblich

Die EU verbleibt Nettoexporteur in diesem Segment, doch der Überschuss sank von 12,4 Mio. EUR auf 4,8 Mio. EUR (−61,5 %). Der Nettoimportabhängigkeit-Indikator bestätigt dies: Er lag im gesamten Zeitraum negativ (die EU exportiert mehr als sie importiert), verbesserte sich aber von −23,7 % auf −16,6 %. Parallel dazu stieg die Handelsintensität von 35,8 % auf 43,0 %, was bedeutet, dass der Sektor trotz kleinerer Volumen relativ zur Produktion stärker in den internationalen Handel eingebunden ist.


2. Geografische Neuausrichtung: Frankreichs Niedergang als Exporteur und wachsende Konzentration

Die zweite große Dynamik betrifft eine fundamentale Machtverschiebung innerhalb der EU und eine zunehmende Konzentration der Exporte auf wenige Partnerländer.

Deutschland löst Frankreich als führenden EU-Exporteur ab

Frankreich war 2015 mit 14,7 Mio. EUR der mit Abstand größte Exporteur der EU in diesem Segment und damit für 58,6 % der EU-Exporte verantwortlich. Bis 2025 sanken die französischen Exporte auf 4,1 Mio. EUR — ein Rückgang von 72,0 %. Gleichzeitig stiegen Deutschlands Exporte von 6,8 Mio. EUR auf 7,9 Mio. EUR (+15,1 %). Deutschland machte 2025 bereits 54,2 % der EU-Exporte aus (2015: 27,3 %). Die EU-Mitgliedstaaten-Übersicht dokumentiert diese Verschiebung eindrücklich. Auch Italien verlor stark (von 2,2 Mio. EUR auf 0,6 Mio. EUR, −73,8 %).

EU-Mitgliedstaat 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung Anteil 2015 Anteil 2025
Frankreich 14,7 4,1 −72,0 % 58,6 % 28,3 %
Deutschland 6,8 7,9 +15,1 % 27,3 % 54,2 %
Italien 2,2 0,6 −73,8 % 8,8 % 4,0 %
Niederlande 0,9 0,5 −44,9 % 3,5 % 3,3 %
Spanien 0,06 0,14 +121,8 % 0,3 % 1,0 %

Westliche Absatzmärkte schrumpften, Asien blieb stabil

Auf der Partnerseite zeigen sich ebenfalls gravierende Verschiebungen. Die Exporte in die USA sanken von 1,6 Mio. EUR auf 0,3 Mio. EUR (−80,2 %), nach Hongkong von 1,1 Mio. EUR auf 0,1 Mio. EUR (−87,3 %) und nach Japan von 1,5 Mio. EUR auf 0,3 Mio. EUR (−78,8 %). Der Hauptpartner-Übersicht zufolge blieb China mit 6,4 Mio. EUR der wichtigste Einzelexportmarkt (+2,5 %), während Thailand mit 2,9 Mio. EUR (+58,6 %) zum zweitwichtigsten Exportziel aufstieg.

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 6,3 6,4 +2,5 %
Thailand 1,8 2,9 +58,6 %
Indien 5,6 1,7 −69,9 %
USA 1,6 0,3 −80,2 %
Hongkong 1,1 0,1 −87,3 %
Japan 1,5 0,3 −78,8 %
Serbien 0,4 0,4 −6,1 %

Die Exportkonzentration verdoppelte sich nahezu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte nach Wert stieg von 1.379 auf 2.843 — eine Verdopplung um 106,1 %, wie die Konzentrationsanalyse zeigt. Dies bedeutet, dass die EU-Exporte heute deutlich stärker auf wenige Bestimmungsländer konzentriert sind als noch 2015 — ein potenzielles Risiko für die Handelsresilienz.

Schweiz bleibt wichtigster Importpartner — Uhrenglas-Drehscheibe

Die Schweiz war 2015 mit 6,1 Mio. EUR und 2025 mit 5,2 Mio. EUR (−13,9 %) der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU und deckte rund die Hälfte aller Importe ab. Dies spiegelt die Rolle der Schweiz als globales Zentrum der Uhrenindustrie wider, das hochwertige Uhrengläser produziert. China folgte mit 3,0 Mio. EUR (−23,3 %) als zweitwichtigster Lieferant. Malaysia (0,7 Mio. EUR, −38,8 %) und Hongkong (0,2 Mio. EUR, −77,0 %) verloren deutlich an Bedeutung, was auf eine Verlagerung der asiatischen Lieferketten hindeutet.

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Schweiz 6,1 5,2 −13,9 %
China 4,0 3,0 −23,3 %
Malaysia 1,1 0,7 −38,8 %
Hongkong 0,9 0,2 −77,0 %
Vereinigtes Königreich 0,2 0,1 −53,6 %
Taiwan 0,1 0,01 −91,0 %
Japan 0,07 0,02 −70,3 %

Ein bemerkenswerter Preisschock wurde 2023 bei Importen aus dem Vereinigten Königreich festgestellt — der Importpreis stieg in diesem Jahr um 334,9 %, was mit dem sehr hohen Variationskoeffizienten von 2,94 bei den UK-Importen korrespondiert. Dennoch blieb der UK-Anteil an den gesamten EU-Importen mit 6 % begrenzt.


3. Produktionsrückgang in der EU und Verschiebung im Produktmix

Die dritte zentrale Dynamik betrifft den drastischen Rückgang der europäischen Produktion und eine fundamentale Verschiebung der Exportstruktur zwischen den beiden Unterkategorien.

Die EU-Produktion fiel um fast 80 Prozent

Die Produktionsvolumen zeigen einen dramatischen Einbruch: Die Produktionsmenge sank von 12.042 t (2015) auf 2.507 t (2025), was einem Rückgang von 79,2 % entspricht. Der Produktionswert ging im gleichen Zeitraum von 95,2 Mio. EUR auf 52,9 Mio. EUR zurück (−44,4 %). Der geringere Rückgang beim Wert relativ zur Menge spiegelt auch hier steigende Produktionspreise wider — von rund 7,90 EUR/kg auf 21,11 EUR/kg.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 12.042 t 2.507 t −79,2 %
Produktionswert 95,2 Mio. EUR 52,9 Mio. EUR −44,4 %
Produktionspreis (ca.) 7,90 EUR/kg 21,11 EUR/kg +167 %

Dieser Produktionsrückgang erklärt weitgehend die sinkenden Exportvolumen und unterstreicht die Herausforderungen, vor denen die europäische Glasindustrie steht — möglicherweise verursacht durch Verlagerung der Fertigung, Substitution durch Kunststoffe oder veränderte Nachfragestrukturen.

Das Exportsegment 701510 (medizinische Brillengläser) schrumpfte am stärksten

Die Produktsegment-Analyse offenbart eine bemerkenswerte Verschiebung des Export-Produktmixes. Das Segment 701510 (Gläser für medizinische Brillen) war 2015 mit 22,3 Mio. EUR und 1.695 t das dominante Exportsegment. Bis 2025 sanken Wert (9,7 Mio. EUR, −56,4 %) und Menge (480 t, −71,7 %) erheblich.

Export-Segment 2015 Menge (t) 2025 Menge (t) 2015 Wert (Mio. EUR) 2025 Wert (Mio. EUR) Wertänderung
701510 — medizinische Brillengläser 1.695 480 22,3 9,7 −56,4 %
701590 — Uhrengläser, einfache Brillengläser u. a. 62 264 2,7 4,7 +74,3 %

Segment 701590 gewinnt an Bedeutung

Gleichzeitig verfünffachten sich die Exportmengen des Segments 701590 (Uhrengläser, einfache Brillengläser und Hohlkugeln) von 62 t auf 264 t, und der Exportwert stieg von 2,7 Mio. EUR auf 4,7 Mio. EUR (+74,3 %). Am Exportwert gemessen verschob sich der Anteil von 701590 von rund 11 % (2015) auf 33 % (2025).

Auch bei den Importen zeigt sich eine Verschiebung: 701590 dominierte 2015 mit 10,0 Mio. EUR und blieb 2025 bei 8,8 Mio. EUR relativ stabil. Segment 701510 sank dagegen von 2,6 Mio. EUR auf 1,0 Mio. EUR. Der Importpreis von 701590 stieg dabei besonders stark: von 35.904 EUR/t auf 105.008 EUR/t — was auf zunehmende Importe hochwertiger Uhrengläser (insbesondere aus der Schweiz) hindeutet.

Deutschland und Frankreich zeigen entgegengesetzte Spezialisierungsmuster

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Deutschland mit einem RSCA-Wert von 0,56 und einem RCA von 3,56 am stärksten in diesem Sektor spezialisiert ist, gefolgt von Frankreich (RSCA 0,36, RCA 2,13). Deutschland erzeugt 75,4 % der EU-Produktion in diesem Segment. Die meisten anderen EU-Staaten — darunter die Niederlande, Spanien und Österreich — haben keinen komparativen Vorteil in diesem Bereich (negative RSCA-Werte).


Fazit

Der EU-Handel mit Uhren- und Brillengläsern (CN 7015) durchlebte zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Drei Entwicklungen stehen im Mittelpunkt: Erstens ein genereller Rückgang der Handelsvolumen bei gleichzeitig stark steigenden Preisen, insbesondere auf der Importseite. Zweitens eine fundamentale Neuausrichtung der Handelsströme — innerhalb der EU vollzog sich ein Machtwechsel von Frankreich zu Deutschland, während auf der Drittlandseite westliche Märkte an Bedeutung verloren und die Exportkonzentration auf wenige Partner (allen voran China und Thailand) zunahm. Drittens führte ein dramatischer Produktionsrückgang in der EU (−79 % mengenmäßig) zu einer Verschiebung des Produktmixes: Das einst dominante Segment der medizinischen Brillengläser (701510) verlor stark an Boden, während Uhrengläser und Hohlglasprodukte (701590) an Bedeutung gewannen. Die EU bleibt zwar Nettoexporteur, doch der Überschuss schrumpfte um über 60 %. Angesichts der gestiegenen Exportkonzentration und des Produktionsrückgangs stellt sich die Frage, ob der europäische Sektor langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit behaupten kann — oder ob eine weitere Verlagerung der Wertschöpfung in asiatische Produktionsstandorte zu erwarten ist.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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