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Marktentwicklung: Glasperlen (CN 7018) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Warenbereich CN 7018 — Glasperlen, Nachahmungen von Perlen, Edelsteinen oder Schmucksteinen, Glaskurzwaren, Glasaugen, Ziergegenstände aus lampengeblasenem Glas sowie Mikrokugeln (Durchmesser ≤ 1 mm) — im Zeitraum 2015 bis 2025. Der CN-Code 7018 umfasst drei Untergliederungen: Glasperlen und Nachahmungen (701810), Mikrokugeln aus Glas (701820) sowie Glasaugen, Erzeugnisse aus Glasperlen und Ziergegenstände (701890). Der Markt zeichnet sich durch ein tiefgreifendes Ungleichgewicht zwischen schrumpfenden Exporten und expandierenden Importen aus, das die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit der EU in diesem Segment grundlegend verändert hat.

Die folgende Produktübersicht bildet die Grundlage der Analyse.


1. Ein asymmetrischer Trend: Schrumpfende Exporte, expandierende Importe

Der dominante Trend im EU-Handel mit CN 7018 ist eine bemerkenswerte Asymmetrie: Während die Exporte sowohl wert- als auch mengenmäßig deutlich zurückgingen, stiegen die Importe — insbesondere mengenmäßig — erheblich an. Dies führte zu einer dramatischen Erosion des Handelsbilanzüberschusses.

1.1 Rückgang der EU-Exporte um über ein Drittel

Die EU-Exporte von CN 7018-Produkten verloren im betrachteten Zeitraum erheblich an Dynamik. Der Exportwert sank von 222,8 Mio. EUR (2015) auf 145,6 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 34,7 % entspricht. Der Tiefpunkt wurde mit 111,5 Mio. EUR erreicht. Parallel dazu sank die exportierte Menge von 33.200 t auf 29.089 t (−12,4 %), wobei der Höchstwert bei 40.971 t lag. Bemerkenswert ist der Preisverfall: Der durchschnittliche Exportpreis fiel von 6.711 EUR/t auf 5.000 EUR/t (−25,5 %) — ein Indiz dafür, dass die EU zunehmend preisgünstigere Produkte exportierte oder unter Preisdruck geriet.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 222,8 145,6 −34,7 %
Exportmenge (t) 33.200 29.089 −12,4 %
Exportpreis (EUR/t) 6.711 5.000 −25,5 %

1.2 Steigende Importmengen bei sinkenden Preisen

Die EU-Importe entwickelten sich entgegengesetzt: Der Importwert stieg moderat von 94,6 Mio. EUR auf 101,2 Mio. EUR (+7,0 %), doch die importierte Menge expl regelrecht — von 39.410 t auf 70.273 t, ein Plus von 78,3 %. Der Höchstwert lag bei 91.093 t. Gleichzeitig halbierte sich der Importpreis nahezu: von 2.398 EUR/t auf 1.438 EUR/t (−40,0 %). Dies deutet auf eine verstärkte Verlagerung der Beschaffung hin zu kostengünstigeren Lieferanten hin, insbesondere aus Asien.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 94,6 101,2 +7,0 %
Importmenge (t) 39.410 70.273 +78,3 %
Importpreis (EUR/t) 2.398 1.438 −40,0 %

1.3 Erosion des Handelsbilanzüberschusses

Der Handelsbilanzüberschuss der EU im Bereich CN 7018 schrumpfte von 128,2 Mio. EUR (2015) auf 44,3 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang von 65,4 %. Der Tiefpunkt wurde mit lediglich 28,4 Mio. EUR erreicht. Die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich zwar auf dem Papier (von −507 % auf −9 %), doch dieser scheinbare Fortschritt spiegelt vor allem den Einbruch der Exporte wider, nicht eine echte Stärkung der Importunabhängigkeit.

1.4 Segmentanalyse: Mikrokugeln als Wachstumstreiber der Importe

Die Produktssegmentaufschlüsselung offenbart markante Unterschiede zwischen den drei Untercodes:

Mikrokugeln (701820) dominieren die Importe mengenmäßig mit Abstand — von 36.034 t (2015) auf 64.458 t (2025), ein Plus von 79 %. Der Importpreis sank dabei von 692 EUR/t auf 664 EUR/t. Im Export hingegen stieg der Preis für Mikrokugeln von 828 EUR/t auf 1.591 EUR/t (+92 %), was auf eine Qualitätsverschiebung oder Spezialisierung der EU-Produktion hindeuten könnte.

Glasperlen und Nachahmungen (701810) zeigen den dramatischsten Exportrückgang: Der Exportwert fiel von 154,0 Mio. EUR auf 94,4 Mio. EUR (−39 %), bei gleichzeitigem Preisverfall von 36.832 EUR/t auf 33.331 EUR/t. Die Importpreise brachen sogar von 29.622 EUR/t auf 9.791 EUR/t ein — ein Rückgang von 67 %, was auf eine massive Verlagerung der Beschaffung zu günstigeren Quellen schließen lässt.

Glasauge und Ziergegenstände (701890) verzeichneten den stärksten Exporteinbruch: Der Exportwert sank von 50,0 Mio. EUR auf 10,8 Mio. EUR (−79 %), die exportierte Menge sogar von 6.358 t auf lediglich 838 t (−87 %). Gleichzeitig stiegen die Importpreise stark an, was auf eine Nischenpositionierung der EU bei hochwertigen Spezialerzeugnissen hindeuten könnte.


2. Geografische Umstrukturierung: China als dominanter Zulieferer, divergierende Exportmärkte

Die geografische Handelsstruktur hat sich im betrachteten Zeitraum erheblich verschoben. Die Importkonzentration nahm deutlich zu, während sich die Exportpartner diversifizierten.

2.1 China als unangefochtener Importmarktführer

China ist mit großem Abstand der wichtigste Importpartner der EU für CN 7018-Produkte. Die Importe aus China stiegen von 35,4 Mio. EUR (2015) auf 48,7 Mio. EUR (2025), ein Plus von 37,5 %. Der Höchstwert lag bei 55,6 Mio. EUR. China allein repräsentiert damit nahezu die Hälfte des EU-Importwerts.

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 35,4 48,7 +37,5 %
USA 10,6 11,0 +4,2 %
Russland 7,2 5,5 −23,9 %
Vereinigtes Königreich 6,0 5,9 −2,4 %
Japan 5,5 3,8 −31,3 %
Belarus 0,1 2,5 +2.344 %
Tunesien 0,02 0,5 +1.877 %

Quelle: Top-Importpartner nach Wert

2.2 Dramatischer Anstieg der Importkonzentration

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 1.921 auf 2.693 (+40,2 %), was einer zunehmenden Konzentration auf wenige Lieferländer entspricht. Dies ist vor allem auf Chinas wachsenden Anteil zurückzuführen. Die Konzentrationsanalyse zeigt, dass die EU bei der Beschaffung von Glasperlenprodukten zunehmend von einzelnen Lieferanten abhängig wird — ein potenzielles Lieferkettenrisiko.

2.3 Diversifizierung der Exportmärkte mit Gegenläufigkeit

Die EU-Exporte verteilten sich auf unterschiedliche Märkte mit teils gegenläufigen Entwicklungen:

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
USA 33,8 20,1 −40,5 %
China 11,0 25,6 +132,8 %
Vereinigtes Königreich 17,1 13,8 −19,3 %
Indien 9,9 10,3 +4,3 %
Türkei 4,7 5,3 +12,5 %
Norwegen 2,5 3,8 +50,6 %
Schweiz 3,2 2,8 −11,9 %

Quelle: Top-Exportpartner nach Wert

Besonders auffällig ist der massive Exportanstieg nach China (+132,8 %), der möglicherweise mit der Ausfuhr von hochwertigen Mikrokugeln oder Spezialglaswaren zusammenhängt. Dem gegenüber steht der dramatische Rückgang der Exporte in die USA (−40,5 %), den historisch wichtigsten Einzelmarkt. Der HHI für Exporte sank leicht von 963 auf 761 (−21 %), was auf eine moderat diversifiziertere Exportstruktur hindeutet.

2.4 Inner-europäische Handelsstruktur: Tschechien als Exportlokomotive

Unter den EU-Mitgliedstaaten dominiert Tschechien den EU-Export mit 68,8 Mio. EUR (2025), obwohl dieser Wert gegenüber 111,3 Mio. EUR (2015) um 38,2 % gesunken ist. Österreich verlor als zweitgrößter Exporteur sogar 61,8 % (von 46,1 Mio. auf 17,6 Mio. EUR). Auffällige Zuwächse verzeichneten dagegen Belgien (+6.169 %, von 0,1 Mio. auf 6,2 Mio. EUR) und Spanien (+21,3 %).

Bei den Importen führte Österreich mit 15,2 Mio. EUR (2025, −47,9 % gegenüber 2015), gefolgt von Deutschland mit 18,0 Mio. EUR (+1,1 %). Die Niederlande (+78,7 %) und Schweden (+30,8 %) verzeichneten die stärksten Importzuwächse innerhalb der EU.

2.5 Preis-Schocks im Kontext geopolitischer Ereignisse

Die Volatilitäts- und Schockanalyse identifiziert mehrere markante Preisereignisse, insbesondere im Jahr 2022:

Land Schocktyp Richtung Abweichung Preisänderung Zeitpunkt
Ukraine Preis Exporte 3.451,8 +121,9 % 2022
Russland Preis Importe 61,1 +28,9 % 2022
Marokko Preis Exporte 47,4 +63,5 % 2022

Quelle: Top-Schockereignisse

Diese Schocks fallen zeitlich mit dem Beginn des Ukrainekrieges und den damit verbundenen Sanktionen zusammen. Der extreme Preisanstieg bei Exporten in die Ukraine (Anormalitätswert von 3.451,8) sowie die Preissteigerung bei Importen aus Russland (+28,9 %) spiegeln die unmittelbarenHandelsverwerfungen wider. Die Volatilitätskoeffizienten zeigen zudem, dass Belarus (CV 1,75 bei Exporten) und Tunesien (CV 1,09 bei Importen) die instabilsten Handelsbeziehungen aufweisen.


3. Strukturelle Transformation: Spezialisierung, Produktion und Wettbewerbsfähigkeit

Hinter den Handelszahlen verbirgt sich ein tiefgreifender Strukturwandel der europäischen Glas- und Glaskurzwarenindustrie, der sich in veränderten Spezialisierungsmustern, schwankenden Produktionsvolumina und sinkender Exportneigung manifestiert.

3.1 Steigende Produktion bei fallendem Produktionswert

Die EU-Produktion im Bereich CN 7018 stieg mengenmäßig von 168.815 t (2015) auf 240.000 t (2025), ein Zuwachs von 42,2 %. Der Höchstwert lag bei 260.000 t. Gleichzeitig sank der Produktionswert von 628,8 Mio. EUR auf 480,0 Mio. EUR (−23,7 %), mit einem Tiefstwert von 307,7 Mio. EUR. Dieses Muster — steigende Volumina bei fallenden Werten — deutet auf eine Verschiebung hin zu volumenstarken, aber preisgünstigeren Produkten (insbesondere Mikrokugeln) hin.

3.2 Heterogenes Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt ein stark heterogenes Bild innerhalb der EU:

Am stärksten spezialisierte Länder:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Griechenland 0,69 5,46 3,7 %
Frankreich 0,60 4,00 31,2 %
Tschechien 0,43 2,54 12,2 %
Österreich 0,20 1,49 4,9 %
Belgien 0,08 1,17 9,9 %

Frankreich und Tschechien zusammen erwirtschaften über 43 % der EU-Produktion und weisen gleichzeitig die höchsten Spezialisierungsindizes auf. Griechenland zeigt trotz kleiner Produktionsbasis den höchsten RSCA-Wert.

Am wenigsten spezialisierte Länder:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Finnland −0,99 0,006 0,006 %
Zypern −0,98 0,008 0,0003 %
Estland −0,98 0,010 0,004 %
Bulgarien −0,96 0,021 0,013 %
Ungarn −0,94 0,028 0,076 %

Diese Länder haben praktisch keine nennenswerte Glasperlenproduktion und sind rein auf Importe angewiesen.

3.3 Dramatischer Rückgang der Exportneigung

Die Exportneigung der EU im Bereich CN 7018 fiel von 92,0 % (2015) auf 33,0 % (2025), ein Rückgang von 64,1 %. Die Handelsintensität sank von 92,6 % auf 46,4 % (−49,9 %). Diese Kennzahlen zeigen, dass der EU-Markt für CN 7018-Produkte sich zunehmend nach innen orientiert: Ein wachsender Teil der Produktion wird im Binnenmarkt konsumiert, und die Bedeutung des Exports als Absatzkanal nimmt ab.

3.4 Verschiebung der Preisstrukturen als Indikator für Marktrepositionierung

Die divergierenden Preisentwicklungen zwischen Importen und Exporten deuten auf eine fundamentale Neupositionierung hin. Der Importpreis fiel um 40 %, während der Exportpreis — insbesondere bei Mikrokugeln — teils deutlich stieg. Dies legt nahe, dass die EU zunehmend als Standort für hochwertige, preisintensive Spezialprodukte positioniert ist, während mengenstarke Standardprodukte verstärkt importiert werden. Der Exportpreis für Glasperlen (701810) blieb mit 33.331 EUR/t zwar hoch, sank aber gegenüber 36.832 EUR/t in 2015, was auf wachsenden Preiswettbewerb auch in diesem Segment hindeutet.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit Glasperlen und verwandten Glaswaren (CN 7018) durchlebt im Zeitraum 2015–2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die Kernbefunde lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Asymmetrische Handelsentwicklung: Die EU-Exporte verloren über ein Drittel ihres Werts (−34,7 %), während die Importe mengenmäßig um 78,3 % stiegen. Der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte um 65,4 % — ein klares Zeichen für eine Verschiebung der komparativen Kostenvorteile.

  2. Zunehmende Importabhängigkeit von China: China festigte seine Position als dominanter Lieferant und steigerte seine Exporte in die EU um 37,5 %. Die Importkonzentration (HHI) nahm um 40,2 % zu, was potenzielle Lieferkettenrisiken birgt.

  3. Strukturelle Neupositionierung der EU: Die steigende Produktionsmenge bei fallendem Produktionswert, die divergierende Preisentwicklung (fallende Importpreise, teils steigende Exportpreise bei Mikrokugeln) und der dramatische Rückgang der Exportneigung (−64,1 %) deuten auf eine Verlagerung hin zu hochwertigen Nischenprodukten und einer zunehmenden Binnenmarktorientierung hin.

  4. Geopolitische Verwerfungen: Die Preis-Schocks von 2022 — insbesondere bei Handel mit der Ukraine und Russland — spiegeln die unmittelbaren Auswirkungen des Ukrainekrieges wider und unterstreichen die Anfälligkeit des Handels gegenüber geopolitischen Ereignissen.

  5. Heterogenität innerhalb der EU: Tschechien und Frankreich dominieren die Produktion, während kleinere Mitgliedstaaten wie Griechenland eine überraschend hohe Spezialisierung aufweisen. Der dramatische Anstieg Belgiens als Exporteur (+6.169 %) zeigt, dass sich die inner-europäische Handelsstruktur dynamisch verändert.

Insgesamt deutet die Marktentwicklung darauf hin, dass die EU im Bereich CN 7018 ihre Rolle als Volumenproduzent und -exporteur zugunsten einer Spezialisierung auf hochwertige Produkte aufgibt — ein Muster, das sich in vielen arbeitsintensiven Industriezweigen Europas beobachten lässt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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