Marktentwicklung: T-Shirts und Unterhemden (CN 6109) — 2015–2025
Einleitung
Der Markt für T-Shirts und Unterhemden (KN-Code 6109) ist eines der umsatzstärksten Segmente der europäischen Bekleidungsbranche. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 hat sich die Handelsstruktur der EU in diesem Segment grundlegend verändert: Die Importe sind gewachsen, die heimische Produktion ist drastisch eingebrochen und die Exportpreise haben sich mehr als verdoppelt. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Entwicklungen auf Grundlage der verfügbaren Handelsdaten der EU und beleuchtet die zugrundeliegenden Dynamiken.
1. Importwachstum und Wandel der globalen Lieferketten
Die EU-Importe stiegen zwischen 2015 und 2025 deutlich an
Die Einfuhren von T-Shirts und Unterhemden in die EU haben im betrachteten Zeitraum spürbar zugenommen: Der Wert stieg von rund 7,96 Mrd. € auf 9,43 Mrd. € (+18,5 %), das mengenmäßige Volumen in Tonnen wuchs von 506.707 t auf 618.392 t (+22,0 %). Besonders auffällig ist der Anstieg der importierten Stückzahl (Ergänzungseinheit): von 3,11 Mrd. auf 4,51 Mrd. Stück (+45,0 %). Dies zeigt, dass die EU nicht nur mehr T-Shirts importiert, sondern tendenziell leichtere Einzelstücke bezieht – ein Hinweis auf veränderte Produktzusammensetzungen oder Beschaffungsstrukturen.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mrd. €) | 7,96 | 9,43 | +18,5 % |
| Importmenge (t) | 506.707 | 618.392 | +22,0 % |
| Importpreis (€/t) | 15.702 | 15.249 | −2,9 % |
| Importstückzahl (Mrd. Stück) | 3,11 | 4,51 | +45,0 % |
| Importpreis (€/Stück) | 2,56 | 2,08 | −18,7 % |
Bangladesh festigte seine Position als wichtigster Lieferant der EU
Bangladesh hat seine Vormachtstellung unter den EU-Lieferanten von T-Shirts im betrachteten Zeitraum weiter ausgebaut. Die Importe aus Bangladesh stiegen von 2,60 Mrd. € auf 3,90 Mrd. € (+49,7 %) und machten damit im Jahr 2025 rund 41 % des gesamten EU-Importwertes aus. Im Gegensatz dazu verloren Türkiye (−23,9 %) und Cambodia (−25,7 %) an Boden, während China seinen Anteil mit rund 1,1 Mrd. € nahezu stabil hielt (−2,0 %). Indien verzeichnete ebenfalls ein leichtes Plus (+6,5 %).
| Partnerland | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Bangladesh | 2.603 | 3.897 | +49,7 % |
| Türkiye | 1.631 | 1.242 | −23,9 % |
| China | 1.135 | 1.112 | −2,0 % |
| India | 702 | 748 | +6,5 % |
| United Kingdom | 401 | 102 | −74,6 % |
| Morocco | 173 | 201 | +16,1 % |
| Cambodia | 252 | 187 | −25,7 % |
Der Brexit führte zu einem drastischen Rückgang der Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich
Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU hat die Handelsbeziehungen nachhaltig verändert. Die EU-Importe aus dem UK sanken von 401 Mio. € im Jahr 2015 auf nur noch 102 Mio. € im Jahr 2025 – ein Rückgang von 74,6 %. Parallel dazu gingen auch die EU-Exporte in das UK von 669 Mio. € auf 426 Mio. € zurück (−36,3 %). Der Verlust des freien Binnenmarktzugangs hat somit in beide Richtungen spürbare Handelsverluste verursacht, wenngleich die EU-Exporte in das UK nach wie vor erheblich bleiben.
Die Importkonzentration hat spürbar zugenommen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für den Importwert stieg von 1.824 im Jahr 2015 auf 2.159 im Jahr 2025 (+18,4 %). Dies deutet auf eine zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Lieferländer hin – insbesondere auf Bangladesh. Eine höhere Konzentration birgt das Risiko erhöhter Verwundbarkeit gegenüber Lieferunterbrechungen in einzelnen Herkunftsländern.
2. Produktionsrückgang und preisgetriebene Exportdynamik
Die EU-Produktion von T-Shirts ist zwischen 2015 und 2025 dramatisch eingebrochen
Die inländische Produktion von T-Shirts und Unterhemden in der EU hat im betrachteten Zeitraum einen massiven Rückgang erlebt. Die Produktionsmenge sank von 615 Mio. Stück im Jahr 2015 auf lediglich 195 Mio. Stück im Jahr 2025 – ein Einbruch von 68,3 %. Der Produktionswert ging von 2,46 Mrd. € auf 1,60 Mrd. € zurück (−34,9 %). Bemerkenswert ist, dass der Wert weniger stark sank als die Menge: Der durchschnittliche Produktionswert pro Stück stieg von 4,00 € auf 8,21 €, was auf eine Verschiebung der verbliebenen EU-Produktion hin zu hochwertigeren Segmenten hindeutet.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (Mio. Stück) | 615 | 195 | −68,3 % |
| Produktionswert (Mio. €) | 2.459 | 1.600 | −34,9 % |
| Ø Produktionswert (€/Stück) | 4,00 | 8,21 | +105 % |
Der Exportwert stieg trotz rückläufiger Mengen erheblich an
Im Gegensatz zur einheimischen Produktion haben die EU-Exporte von T-Shirts an Wert gewonnen – allerdings auf eine bemerkenswerte Art: Der Exportwert stieg von 2,20 Mrd. € auf 3,15 Mrd. € (+42,9 %), obwohl die exportierte Menge in Tonnen von 59.480 t auf 55.417 t leicht sank (−6,8 %) und die exportierte Stückzahl von 341 Mio. auf 294 Mio. Stück zurückging (−13,9 %). Der Exportpreis pro Tonne stieg von 37.039 €/t auf 56.799 €/t (+53,3 %), der Preis pro Stück von 6,45 € auf 10,71 € (+65,9 %). Die EU exportierte damit weniger Stücke zu einem deutlich höheren Stückpreis – ein klares Zeichen einer qualitativen Aufwertung der europäischen Exporte.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 2,20 | 3,15 | +42,9 % |
| Exportmenge (t) | 59.480 | 55.417 | −6,8 % |
| Exportpreis (€/t) | 37.039 | 56.799 | +53,3 % |
| Exportstückzahl (Mio. Stück) | 341 | 294 | −13,9 % |
| Exportpreis (€/Stück) | 6,45 | 10,71 | +65,9 % |
Die EU-Exporte wurden zunehmend auf nicht-traditionelle Märkte umgelenkt
Während das Vereinigte Königreich als wichtigster EU-Exportmarkt an Bedeutung verlor (von 669 Mio. € auf 426 Mio. €, −36,3 %), gewannen andere Destinationen erheblich hinzu: Die Exporte in die Schweiz stiegen um 85,4 % auf 536 Mio. €, in die USA um 90,0 % auf 223 Mio. € und nach China sogar um 236,7 % auf 308 Mio. €. Bemerkenswert ist auch das Wachstum der Exporte nach Türkiye (+163,5 %) und Albanien (+75,0 %). Gleichzeitig sank die Exportkonzentration (HHI) von 1.259 auf 776 (−38,4 %), was auf eine deutlich diversifizierte Exportstruktur hindeutet – im Gegensatz zur steigenden Importkonzentration.
| Exportpartner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| United Kingdom | 669 | 426 | −36,3 % |
| Switzerland | 289 | 536 | +85,4 % |
| United States | 117 | 223 | +90,0 % |
| China | 91 | 308 | +236,7 % |
| Türkiye | 59 | 154 | +163,5 % |
| Russian Federation | 127 | 118 | −6,4 % |
| Albania | 17 | 29 | +75,0 % |
Baumwollprodukte dominieren den Handel, während die Exporte nicht-baumwollhaltiger T-Shirts einbrachen
Innerhalb des Segmentes KN 6109 dominieren Baumwoll-T-Shirts (KN 610910) sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten. Die Baumwollimporte stiegen mengenmäßig von 388.025 t auf 479.587 t (+23,6 %), während die Importe nicht-baumwollhaltiger T-Shirts (KN 610990) von 118.681 t auf 138.805 t zunahmen (+16,9 %). Bei den Exporten ist das Bild hingegen asymmetrisch: Die Baumwollexporte stiegen mengenmäßig von 37.873 t auf 45.435 t (+20,0 %), während die Exporte nicht-baumwollhaltiger Produkte von 21.607 t auf nur noch 9.982 t einbrachen (−53,8 %). Der Exportpreis pro Stück stieg bei Baumwoll-T-Shirts von 5,89 € auf 10,37 € (+76,2 %), bei nicht-baumwollhaltigen von 7,60 € auf 12,21 € (+60,7 %). Die EU hat sich somit bei Exporten weitgehend auf Baumwollprodukte konzentriert, während das Segment der synthetischen und Mischfaser-T-Shirts bei Ausfuhren stark an Bedeutung verloren hat.
| Segment | Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Baumwolle (610910) | Importmenge (t) | 388.025 | 479.587 | +23,6 % |
| Baumwolle (610910) | Exportmenge (t) | 37.873 | 45.435 | +20,0 % |
| Baumwolle (610910) | Exportpreis (€/Stück) | 5,89 | 10,37 | +76,2 % |
| Nicht-Baumwolle (610990) | Importmenge (t) | 118.681 | 138.805 | +16,9 % |
| Nicht-Baumwolle (610990) | Exportmenge (t) | 21.607 | 9.982 | −53,8 % |
| Nicht-Baumwolle (610990) | Exportpreis (€/Stück) | 7,60 | 12,21 | +60,7 % |
3. Zunehmende Importabhängigkeit und strukturelle Verwundbarkeit
Die Netto-Importabhängigkeit der EU hat sich seit 2015 vervielfacht
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die dramatisch gestiegene Importabhängigkeit der EU im T-Shirt-Segment. Die Netto-Importabhängigkeit stieg von 16,2 % im Jahr 2015 auf 78,2 % im Jahr 2025 – eine Steigerung um 382 %. Die Handelsintensität erhöhte sich von 24,9 % auf 114,8 %, und die Exportquote vervielfachte sich von 5,9 % auf 196,8 %. Letzterer Wert übersteigt 100 %, weil der EU-Exportwert (3,15 Mrd. €) den inländischen Produktionswert (1,60 Mrd. €) fast doppelt übersteigt – ein klares Zeichen dafür, dass die EU zunehmend als Handels- und Veredelungsplattform fungiert, indem importierte Ware aufbereitet und zu deutlich höheren Preisen weiterexportiert wird.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Netto-Importabhängigkeit (%) | 16,2 | 78,2 | +382 % |
| Handelsintensität (%) | 24,9 | 114,8 | +362 % |
| Exportquote (%) | 5,9 | 196,8 | +3.238 % |
Preisschocks bei Schlüssellieferanten erhöhen das Versorgungsrisiko
Die hohe Konzentration der Importe auf wenige Länder macht die EU anfällig für Preisschocks. Im Jahr 2022 wurde ein signifikanter Preisschock bei Importen aus Bangladesh festgestellt: Der durchschnittliche Importpreis stieg sprunghaft um 27,1 %, wobei die Abnormalität einen Wert von 44,0 erreichte – weit über dem Normalbereich. Da Bangladesh zu diesem Zeitpunkt bereits 47,9 % des EU-Importwertes ausmachte, hatte dieser Schock erhebliche Auswirkungen auf die gesamten Beschaffungskosten. Weitere, wenn auch kleinere Preisschocks traten 2023 bei Exporten nach Mexico (+128,3 %) und 2022 bei Exporten nach Bosnien und Herzegovina (+19,8 %) auf.
| Ereignis | Schocktyp | Richtung | Preisänderung | Abnormalität | Anteil am EU-Handelswert |
|---|---|---|---|---|---|
| Bangladesh (2022) | Preis | Import | +27,1 % | 44,0 | 47,9 % |
| Mexico (2023) | Preis | Export | +128,3 % | 9,1 | 1,9 % |
| Bosnien & Herz. (2022) | Preis | Export | +19,8 % | 7,9 | 0,5 % |
Die Volatilitätsanalyse bestätigt, dass Importe aus dem Vereinigten Königreich (Variationskoeffizient CV = 0,747) und Vietnam (CV = 0,470) die höchsten Schwankungen aufweisen, während Bangladesh (CV = 0,119) und China (CV = 0,151) als relativ stabile Lieferanten gelten. Auf Exportseite weisen Ukraine (CV = 0,470), Mexico (CV = 0,400) und das Vereinigte Königreich (CV = 0,419) die größten Schwankungen auf.
Innerhalb der EU bestehen erhebliche Unterschiede bei der Spezialisierung im T-Shirt-Handel
Die Spezialisierungsanalyse zeigt für das Jahr 2025 ein heterogenes Bild innerhalb der EU. Portugal weist mit einem RCA-Wert von 3,91 und einem RSCA von 0,59 die höchste Spezialisierung im T-Shirt-Handel auf, gefolgt von Dänemark (RCA = 2,30) und Spanien (RCA = 1,52). Am anderen Ende des Spektrums stehen Irland (RCA = 0,03) und Malta (RCA = 0,04) mit einer nahezu fehlenden Spezialisierung. Diese Unterschiede spiegeln die jeweilige industrielle Tradition und Positionierung in der textilen Wertschöpfungskette wider.
| EU-Mitgliedstaat | RSCA | RCA | Anteil am EU-Produktionswert |
|---|---|---|---|
| Portugal | 0,59 | 3,91 | 5,4 % |
| Denmark | 0,39 | 2,30 | 4,0 % |
| Spain | 0,21 | 1,52 | 8,8 % |
| Poland | 0,17 | 1,40 | 9,3 % |
| Ireland | −0,94 | 0,03 | 0,1 % |
| Malta | −0,93 | 0,04 | 0,0 % |
Die großen EU-Mitgliedstaaten dominieren den Außenhandel, doch die Gewichte verschieben sich
Betrachtet man die Importeure innerhalb der EU, dominieren Deutschland (2.182 Mio. €), die Niederlande (1.432 Mio. €) und Spanien (1.302 Mio. €). Bemerkenswert ist das Wachstum bei den Niederlanden (+34,6 %), Spanien (+46,6 %) und insbesondere Polen (+312,2 %), während Deutschlands Anteil leicht sank (−9,3 %). Bei den Exporten ist Italien mit 877 Mio. € der größte EU-Exporteur (+84,5 %), gefolgt von Deutschland (542 Mio. €, +28,3 %) und Frankreich (466 Mio. €, +118,5 %). Spanien hingegen verlor bei den Exporten stark an Bedeutung (−41,1 %).
| EU-Importeur | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Germany | 2.405 | 2.182 | −9,3 % |
| Netherlands | 1.064 | 1.432 | +34,6 % |
| Spain | 888 | 1.302 | +46,6 % |
| France | 986 | 1.018 | +3,2 % |
| Italy | 729 | 872 | +19,7 % |
| Belgium | 646 | 494 | −23,6 % |
| Poland | 146 | 603 | +312,2 % |
| EU-Exporteur | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italy | 475 | 877 | +84,5 % |
| Germany | 423 | 542 | +28,3 % |
| Spain | 453 | 267 | −41,1 % |
| France | 213 | 466 | +118,5 % |
| Netherlands | 121 | 174 | +44,5 % |
| Belgium | 156 | 80 | −48,6 % |
| Portugal | 116 | 126 | +8,0 % |
Schluss
Die Analyse des EU-Handels mit T-Shirts und Unterhemden (KN 6109) im Zeitraum 2015–2025 offenbart drei zentrale Trends: Erstens hat sich die EU-Importabhängigkeit massiv erhöht, bedingt durch einen drastischen Rückgang der inländischen Produktion (−68,3 % mengenmäßig) und ein starkes Importwachstum (+22,0 % in Tonnen). Zweitens ist die Importstruktur zugunsten Bangladeshs verschoben und gleichzeitig konzentrierter geworden (HHI +18,4 %), was das strategische Versorgungsrisiko erhöht – wie der Preisschock von 2022 eindrücklich belegt. Drittens haben die EU-Exporte zwar an Wert gewonnen (+42,9 %), dies jedoch vollständig durch Preissteigerungen (+53,3 % pro Tonne) und nicht durch Mengenwachstum – ein Zeichen für eine qualitative Aufwertung der verbliebenen europäischen Bekleidungshandelsaktivität. Die zunehmende Diversifizierung der Exportmärkte (HHI −38,4 %) und der Anstieg der Exportquote auf nahezu 200 % deuten darauf hin, dass sich die EU zu einem Drehkreuz für hochwertige Bekleidung entwickelt, das importierte Ware veredelt und zu Premiumpreisen in globale Märkte weiterleitet. Gleichwohl birgt die hohe Abhängigkeit von wenigen Drittlandlieferanten – allen voran Bangladesh mit einem Importanteil von 41 % – ein erhebliches strategisches Risiko, das eine Diversifizierung der Beschaffungsquellen nahelegt.