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Marktentwicklung: Damenstrickwaren Oberbekleidung (CN 6104) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 6104 umfasst gewirkte oder gestrickte Oberbekleidung für Frauen und Mädchen — darunter Kleider, Hosen, Röcke, Jacken, Kostüme und Kombinationen — und stellt ein zentrales Segment der europäischen Bekleidungsimporte dar. Der betrachtete Zeitraum 2015–2025 war von tiefgreifenden strukturellen Verschiebungen geprägt: der Covid-19-Pandemie, geopolitischen Spannungen, veränderten Lieferketten und einem nachhaltigen Preisanstieg. Der folgende Bericht analysiert die wichtigsten Handelsdynamiken auf Basis der verfügbaren EU-Daten (Übersichts-Dashboard).


1. Wachstum bei steigender Importabhängigkeit: Ein sich vertiefendes Handelsdefizit

Die EU als struktureller Netto-Importeur

Die EU weist über den gesamten Betrachtungszeitraum ein erhebliches und wachsendes Handelsdefizit im Segment CN 6104 auf. Die Importe stiegen von 4,72 Mrd. EUR (2015) auf 6,67 Mrd. EUR (2025), was einem Anstieg von 41,2 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2022 mit 7,70 Mrd. EUR erreicht. Die Exporte entwickelten sich nominal ähnlich (+42,4 % von 1,29 Mrd. EUR auf 1,83 Mrd. EUR), doch bleibt die absolute Lücke enorm: Das Handelsdefizit verschlechterte sich von −3,44 Mrd. EUR auf −4,84 Mrd. EUR (−40,7 %).

Kennzahl 2015 2022 (Peak) 2025 Veränderung 2015→2025
Importe (EUR) 4,72 Mrd. 7,70 Mrd. 6,67 Mrd. +41,2 %
Exporte (EUR) 1,29 Mrd. 2,08 Mrd. 1,83 Mrd. +42,4 %
Handelsbilanz (EUR) −3,44 Mrd. −5,62 Mrd. −4,84 Mrd. −40,7 %

Mengenwachstum übertrifft Wertwachstum bei Importen — und umgekehrt bei Exporten

Besonders auffällig ist die Asymmetrie zwischen Mengen- und Wertentwicklung. Die Importmenge (Nettogewicht) wuchs um 55,3 % von 267.288 t auf 414.981 t — und erreichte 2025 ihren Höchstwert. Die Exportmenge stieg hingegen nur um 9,2 % von 28.437 t auf 31.052 t. Gleichzeitig stieg der Exportpreis pro Tonne um 30,4 %, während der Importpreis pro Tonne um 9,1 % sank. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend günstigere Ware importiert und teurer/preiswertere Ware exportiert — ein Hinweis auf eine qualitative Aufwertung der EU-Exporte bzw. eine Mengenexpansion im Niedrigpreissegment bei den Importen.

Zunehmende Importabhängigkeit

Die Netto-Importabhängigkeit stieg von 39,2 % auf 68,6 % — ein Anstieg um 74,9 %. Gleichzeitig erhöhte sich die Handelsintensität von 67,0 % auf über 100 %, was bedeutet, dass der Außenhandel mittlerweile das gesamte Produktionsvolumen der EU übersteigt. Die Exportneigung verdreifachte sich nahezu von 34,3 % auf 101,0 % (+194,3 %), was auf eine zunehmende Verflechtung der EU-Bekleidungsindustrie mit Drittmärkten hindeutet.

Inlandsproduktion stagniert mengenmäßig, steigt im Wert

Die EU-Produktion blieb in Stückzahl nahezu unverändert (101,7 Mio. auf 101,8 Mio. Stück, +0,1 %), während der Produktionswert von 1,08 Mrd. EUR auf 1,98 Mrd. EUR stieg (+82,6 %). Dies unterstreicht den Trend zur Herstellung höherwertiger Produkte innerhalb der EU bei gleichzeitiger Verlagerung der Volumenproduktion ins Ausland.


2. Geographische Umstrukturierung der Beschaffung: Aufstieg Süd- und Südostasiens

Bangladesch löst China als bedeutendsten Importpartner ab

China blieb 2015 mit 1,51 Mrd. EUR der mit Abstand wichtigste Herkunftsland für EU-Importe in CN 6104. Bis 2025 wuchsen die chinesischen Lieferungen auf 1,86 Mrd. EUR (+22,9 %). Doch Bangladesch entwickelte sich dramatisch schneller: Von 734 Mio. EUR (2015) auf 1,42 Mrd. EUR (2025), was einem Wachstum von 93,7 % entspricht. Im Krisenjahr 2022 überholte Bangladesch China sogar temporär mit einem Importvolumen von 1,97 Mrd. EUR gegenüber 1,96 Mrd. EUR aus China.

Herkunftsland 2015 (Mio. EUR) 2022 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 1.511 1.956 1.857 +22,9 %
Bangladesh 734 1.973 1.421 +93,7 %
Türkiye 672 886 699 +4,0 %
Cambodia 383 666 704 +83,8 %
India 298 383 312 +4,6 %
Pakistan 67 273 256 +282,8 %
Myanmar 14 316 159 +1.003,9 %

Pakistan und Myanmar: Explosives Wachstum von niedriger Basis

Pakistan (+282,8 %) und Myanmar (+1.003,9 %) verzeichneten die stärksten prozentualen Zuwächse unter den Top-Lieferanten. Pakistan stieg von 67 Mio. EUR auf 256 Mio. EUR, Myanmar von 14 Mio. EUR auf 159 Mio. EUR. Beide Länder profitierten von der Verlagerung der Beschaffung weg von China. Allerdings ist die Volatilität bei diesen Lieferanten besonders hoch: Der Variationskoeffizient (CV) beträgt 0,43 für Pakistan und 0,56 für Myanmar — beides deutliche Zeichen für instabile Beschaffungsstrukturen.

Pandemie-Einbruch 2020 und Erholung 2021–2022

Das Jahr 2020 markierte einen deutlichen Einbruch: Die gesamten EU-Importe sanken mengenmäßig auf 267.288 t (Rückkehr zum Ausgangsniveau von 2015), nachdem sie 2019 bereits 292.068 t erreicht hatten. Die Erholung war jedoch rasch: Bereits 2022 erreichten die Importe mit 367.043 t ein neues Hoch. Der Preisschock bei Bangladesch-Importen 2022 (Abnormalität 26,5, Preisänderung +29,6 %) spiegelt die globalen Lieferkettenstörungen und Energiepreisspitzen dieses Jahres wider.

Verschiebung der EU-Exportziele

Auf der Exportseite zeichnen sich ebenfalls deutliche Verschiebungen ab. Das Vereinigte Königreich als traditionell größter Abnehmer verlor 27,2 % (von 392 Mio. EUR auf 285 Mio. EUR), was teilweise auf die Brexit-Handelsbarrieren zurückzuführen sein dürfte. Demgegenüber gewannen die Schweiz (+154,4 % auf 424 Mio. EUR), die USA (+111,8 % auf 212 Mio. EUR) und die Türkei (+216,6 % auf 116 Mio. EUR) erheblich an Bedeutung. Russland verlor nach 2022 rapide an Anteilen (−43,0 % auf 61 Mio. EUR), was auf die Sanktionsfolgen nach dem Ukraine-Krieg hindeutet.

Polen als neue europäische Drehscheibe

Innerhalb der EU hebt sich Polen besonders hervor. Die polnischen Importe stiegen von 87 Mio. EUR auf 461 Mio. EUR (+431,7 %), die Exporte von 23 Mio. EUR auf 154 Mio. EUR (+561,7 %). Polen zeigt damit die höchste Spezialisierung innerhalb der EU (RSCA 0,36, RCA 2,12) und entwickelt sich zum zentralen Produktions- und Logistikstandort für Damenstrickwaren in Europa.


3. Preis- und Segmentdynamik: Synthetische Fasern und Hosen dominieren das Wachstum

Hosen und Kleider aus Synthetikfasern als stärkste Wachstumstreiber

Die Segmentanalyse zeigt, dass die Importe nach Produktkategorie sehr unterschiedlich wuchsen. Die beiden größten Segmente — Hosen aus Baumwolle (CN 610462) und Hosen aus synthetischen Chemiefasern (CN 610463) — dominierten die Importe mit zusammen 3,85 Mrd. EUR im Jahr 2025. Die Baumwollhosen blieben mengenmäßig relativ stabil (139.982 t), während die Synthetikhosen von 53.007 t auf 130.411 t explodierten (+146,0 %).

Segment (Importe, Volumen t) 2015 2020 2025 Veränderung
610462 — Baumwollhosen 100.394 110.812 139.982 +39,4 %
610463 — Synthetik-Hosen 53.007 73.498 130.411 +146,0 %
610443 — Synthetik-Kleider 27.133 29.310 39.070 +44,0 %
610442 — Baumwollkleider 21.725 27.261 24.014 +10,5 %
610444 — Künstl. Chemiefasern-Kleider 15.654 13.388 11.087 −29,2 %
610469 — Sonstige Hosen 13.768 13.831 21.503 +56,2 %
610433 — Synthetik-Jacken 9.296 7.415 11.724 +26,1 %

Exportpreise steigen — Importpreise sinken tendenziell

Ein bemerkenswertes Muster zeigt sich bei den Stückpreisen. Die Exportpreise pro Stück stiegen im Durchschnitt um 41,6 % (von 12,44 EUR/p/st auf 17,61 EUR/p/st), was auf eine Verschiebung zu hochwertigeren Produkten hindeutet. Besonders extreme Preissteigerungen zeigen sich bei Kleidern aus künstlichen Chemiefasern (610444): Der Export-Stückpreis stieg von 20,12 EUR auf 48,53 EUR (+141 %), obwohl das Volumen um 60 % sank. Dies deutet auf eine klare Aufwertungsstrategie bei gleichzeitigem Rückgang der Massenproduktion.

Die Importpreise pro Stück blieben hingegen bemerkenswert stabil (4,31 EUR/p/st auf 4,32 EUR/p/st, +0,4 %), was die Preiswettbewerbsfähigkeit der asiatischen Lieferanten unterstreicht.

Preisschocks als Krisenindikatoren

Drei signifikante Preisschocks wurden im Zeitraum identifiziert:

  1. Schweiz, Exportpreis, 2017 (Abnormalität 30,0, +28,0 %): Dieser Schock betraf 28,5 % der EU-Exportwerte und könnte mit der Aufwertung des Schweizer Frankens oder strukturellen Vertragsänderungen zusammenhängen.
  2. Bangladesch, Importpreis, 2022 (Abnormalität 26,5, +29,6 %): Spiegelt die globalen Lieferkettenstörungen, Energiepreissteigerungen und die Nach-Covid-Nachfrageerholung wider. Bangladesch machte 27,1 % der Importwerte aus.
  3. Norwegen, Exportpreis, 2017 (Abnormalität 21,1, +15,7 %): Zeitgleich mit dem Schweizer Schock, was auf regionale Marktverwerfungen in den nordeuropäischen EFTA-Märkten hindeutet.

Sinkende Konzentration bei Exporten, stabile Konzentration bei Importen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank leicht von 1.621 auf 1.559 (−3,9 %), während er bei Exporten deutlich von 1.316 auf 1.068 (−18,8 %) fiel. Die Exporte werden also zunehmend breiter diversifiziert — ein Zeichen dafür, dass die EU neue Märkte erschließt. Bei den Importen bleibt die Konzentration relativ hoch, wobei Bangladesch und China zusammen weiterhin einen dominierenden Anteil ausmachen.


Fazit

Der EU-Markt für Damenstrickwaren (CN 6104) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei zentrale Trends bestimmen die Entwicklung:

  1. Steigende Importabhängigkeit: Die Netto-Importabhängigkeit stieg auf fast 69 %, die Handelsintensität überstieg 100 %. Die EU produziert mengenäßig kaum mehr als 2015, importiert aber deutlich mehr.

  2. Geographische Diversifikation mit neuer Asien-Dominanz: Bangladesch, Kambodscha und Pakistan gewannen erheblich an Marktanteilen, während traditionelle Partner wie die Türkei und Indien an Boden verloren. China bleibt wichtig, verliert aber relativ an Gewicht. Im Exportbereich verlagerten sich die Ströme weg vom Vereinigten Königreich und Russland hin zur Schweiz und in die USA.

  3. Wert-Mengen-Schere: Die EU exportiert tendenziell weniger, aber teurer (Premiumsegment), während sie mengenexpansiv und preisstabil importiert (Volumensegment). Die Synthetikhosen (CN 610463) entwickelten sich zum dynamischsten Segment mit einer Verdopplung der Importvolumina.

Die anhaltende geopolitische Unsicherheit, die Volatilität bei Schlüssellieferanten und die wachsende Konzentration der Beschaffung in wenigen südasiatischen Ländern stellen mittelfristige Risiken für die Versorgungssicherheit der EU dar. Gleichzeitig bieten die steigenden Exportpreise und die zunehmende Spezialisierung polnischer und italienischer Hersteller Potenziale für eine stärkere Wertschöpfung in Europa.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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