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Marktentwicklung: Männergarderobe aus Gestricken (CN 6107) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 6107 umfasst Strick- und Maschenwaren für Männer und Knaben: von Slips und Unterhosen über Nachthemden und Schlafanzüge bis hin zu Bademänteln und Hauskleidung. Diese Produktgruppe bildet einen Kernbereich der europäischen Bekleidungswirtschaft. Der vorliegende Bericht untersucht die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern zwischen 2015 und 2025 — ein Jahrzehnt, das von tiefgreifenden strukturellen Veränderungen, einer geopolitischen Umorientierung der Lieferketten und mehreren Preisschocks geprägt war. Auf Grundlage der verfügbaren Handelsdaten werden drei zentrale Dynamiken herausgearbeitet: der Niedergang der EU-eigenen Produktion, die Verschiebung der Lieferantenlandschaft sowie die Preisvolatilität und strategische Verwundbarkeit des Binnenmarktes.

Produktdefinition und Überblick


1. Struktureller Wandel: EU-Produktionseinbruch und wachsende Importabhängigkeit

Die europäische Produktionsbasis schrumpft dramatisch

Die EU-eigene Fertigung von Strickbekleidung der Kategorie 6107 hat im untersuchten Zeitraum einen beispiellosen Rückgang erlebt. Die Produktionsmenge sank von 202,9 Mio. Stück (2015) auf nur noch 34,8 Mio. Stück (2025) — ein Minus von 82,9 %. Auch der Produktionswert fiel von 570 Mio. EUR auf 200 Mio. EUR (−65,0 %). Die EU hat damit in diesem Segment innerhalb eines Jahrzehnts den Großteil ihrer industriellen Basis verloren.

Produktionsvolumen und -wert

Importe wachsen auf Rekordniveau

Parallel zum Produktionsrückgang sind die Importe aus Drittländern kräftig gestiegen. Der Einfuhrwert erhöhte sich von 1,09 Mrd. EUR (2015) auf 1,65 Mrd. EUR (2025), ein Plus von 51,3 %. Noch deutlicher fällt der Anstieg der Importmengen aus: Das Einfuhrgewicht wuchs von 75.528 t auf 127.576 t (+68,9 %), die eingeführte Stückzahl von 675 Mio. auf rund 1 Mrd. Stück (+48,1 %). Damit hat sich die EU in diesem Produktsegment zu einer überwiegend importabhängigen Volkswirtschaft entwickelt.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 1.091.841.220 1.652.158.859 +51,3 %
Importmenge (t) 75.528 127.576 +68,9 %
Import-Stückzahl (p/st) 675.023.872 999.505.943 +48,1 %
Produktions-Stückzahl (p/st) 202.916.578 34.750.372 −82,9 %
Produktionswert (EUR) 570.252.371 199.543.165 −65,0 %

Handelsbilanz und Importabhängigkeit verdoppeln sich

Die Handelsbilanz der EU verschlechterte sich von −908 Mio. EUR auf −1,38 Mrd. EUR (−52,3 %). Die Netto-Importabhängigkeit — der Anteil des Importsaldo am Gesamtkonsum — verdoppelte sich nahezu von 43,4 % auf 86,8 % (+100,1 %). Die EU bezieht damit annähernd neun Zehntel ihres Bedarfs an dieser Warengruppe aus dem Ausland. Auch die Exportneigung stieg von 25 % auf 118 % — ein Indiz dafür, dass die EU zunehmend importierte Ware weiterexportiert (Re-Export), anstatt selbst zu produzieren.

Netto-Importabhängigkeit


2. Geopolitische Neuausrichtung: Bangladeshs Aufstieg und die Umorientierung der Exportmärkte

Bangladesh übertrifft China als wichtigsten Lieferanten

Innerhalb der Lieferantenlandschaft hat sich eine bemerkenswerte Verschiebung vollzogen. China blieb zwar mit 499 Mio. EUR (2025) ein bedeutender Zulieferer (+27,4 % gegenüber 2015), doch Bangladesh überholte China als wichtigsten Importpartner der EU: Der Einfuhrwert aus Bangladesh stieg von 178 Mio. EUR auf 517 Mio. EUR — ein Plus von 189,7 %. Gemeinsam deckten China und Bangladesh im Jahr 2025 rund 61,5 % des gesamten EU-Importwerts, verglichen mit 52,2 % im Jahr 2015.

Herkunftsland Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Bangladesh 178 517 +189,7 %
China 392 499 +27,4 %
Indien 124 161 +29,5 %
Sri Lanka 76 130 +72,3 %
Pakistan 28 62 +122,8 %
Türkei 38 55 +42,6 %
Kambodscha 53 32 −39,5 %

Top-Handelspartner nach Wert

Südasien festigt seine Position als textile Produktionsregion

Die Daten zeigen eine klare regionale Konzentration der Beschaffung in Süd- und Südostasien. Neben Bangladeshs dominierendem Wachstum legten Pakistan (+122,8 %) und Sri Lanka (+72,3 %) kräftig zu. Diese drei Länder profitieren von niedrigeren Arbeitskosten, bestehenden Textilinfrastrukturen und — im Falle Bangladeshs — von zollfreiem Marktzugang über das EU-Allgemeine Präferenzsystem (APS). Kambodscha als einziger südostasiatischer Partner in der Top-7 verlor hingegen an Bedeutung (−39,5 %), was auf steigende Wettbewerbskosten und mögliche Lieferkettenumorientierungen hindeutet.

Brexit und Neuausrichtung der EU-Exportmärkte

Auf der Exportseite hat sich die geografische Ausrichtung der EU-Ausfuhren deutlich verschoben. Das Vereinigte Königreich — einst mit 91 Mio. EUR (2015) das mit Abstand wichtigste Exportziel — verlor 28,7 % seines Handelswerts und sank auf 65 Mio. EUR (2025). Dieser Rückgang ist weitgehend auf die Auswirkungen des Brexit zurückzuführen, der neue Handelsbarrieren und Zollformalitäten mit sich brachte.

Demgegenüber verzeichneten die Schweiz (+120,8 %), Norwegen (+167,2 %), Serbien (+217,0 %) und die Russländische Föderation (+47,4 %) starke Zuwächse. Die EU hat somit ihre Exportstrategie von den britischen Inseln hin zu kontinentaleuropäischen und nordeuropäischen Märkten verlagert.

Exportziel Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 91 65 −28,7 %
Schweiz 25 55 +120,8 %
Norwegen 8 22 +167,2 %
Russl. Föderation 14 21 +47,4 %
Albanien 11 11 −5,8 %
Serbien 2 7 +217,0 %
Marokko 3 4 +28,7 %

Top-Exportmärkte nach Wert

Polen als neues Zentrum des EU-Textilhandels

Innerhalb der EU selbst fällt Polens dynamische Entwicklung auf. Die polnischen Importe stiegen von 20 Mio. EUR auf 113 Mio. EUR (+457,1 %), die Exporte von 3,3 Mio. EUR auf 20,9 Mio. EUR (+538,3 %). Polen ist damit sowohl ein bedeutender Importeur als auch ein wachsender Re-Exporteur — ein Muster, das auf die zunehmende Rolle Polens als logistischer Drehkreuzpunkt und kostengünstiger Produktionsstandort innerhalb der EU hindeutet. Die Niederlande verzeichneten ebenfalls ein starkes Importwachstum (+119,2 %) und belegen mit 404 Mio. EUR den Spitzenplatz unter den EU-Importeuren — ein Hinweis auf die Rolle des Rotterdamer Hafens als Eingangstor für asiatische Textilien.

EU-Mitgliedstaaten: Importeure und Exporteure


3. Preisschocks 2022 und wachsende strategische Verwundbarkeit

Der Preisdruck des Jahres 2022: drei markante Schocks

Im Jahr 2022 — geprägt durch die Energiekrise, Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie und den Beginn des Krieges in der Ukraine — wurden drei signifikante Preisschocks im Handel mit CN-6107-Produkten detektiert:

Schock Partner Richtung Abnormalität Preissprung Anteil am Handelswert
Preis Indien Importe 16,8 +31,2 % 13,3 %
Preis Russland Exporte 16,4 +46,5 % 10,2 %
Preis Bangladesh Importe 14,5 +24,3 % 31,6 %

Erkannte Preisschocks

Divergierende Preisentwicklungen bei Ein- und Ausfuhr

Auffällig ist die Gegenläufigkeit der Preisentwicklungen. Die Importpreise pro Tonne sanken zwischen 2015 und 2025 um 10,4 % (von 14.456 EUR/t auf 12.950 EUR/t), was auf den Wettbewerb unter den Lieferländern und den Trend zu leichteren, kostengünstigeren Produkten hindeutet. Gleichzeitig stiegen die Exportpreise pro Tonne um 32,8 % (von 29.741 EUR/t auf 39.507 EUR/t). Die EU exportiert damit zunehmend hochwertige, markenbezogene Produkte und importiert günstigere Massenware — eine Aufspaltung, die die Verlagerung der EU in Richtung Handel und Design anstelle von Fertigung widerspiegelt.

Auch bei den Stückpreisen zeigt sich diese Divergenz. Die Export-Stückpreise legten von 3,29 EUR auf 5,44 EUR zu (+65,2 %), während die Import-Stückpreise mit 1,62 EUR auf 1,65 EUR weitgehend stabil blieben (+1,8 %).

Preisindikator 2015 2025 Veränderung
Importpreis (EUR/t) 14.456 12.950 −10,4 %
Exportpreis (EUR/t) 29.741 39.507 +32,8 %
Import-Stückpreis (EUR/p/st) 1,62 1,65 +1,8 %
Export-Stückpreis (EUR/p/st) 3,29 5,44 +65,2 %

Preisentwicklung im Überblick

Baumwoll-Unterwäsche dominiert, Synthetik-Nachtwäsche wächst am schnellsten

Auf Produktebene zeigt sich, dass Baumwoll-Unterwäsche (KN 610711) mit Abstand das größte Importsegment bleibt: Mit 81.383 t und 1,07 Mrd. EUR im Jahr 2025 repräsentiert sie den Großteil des Handelsvolumens. Am stärksten gewachsen ist jedoch die Einfuhr von Nachthemden und Schlafanzügen aus Chemiefasern (KN 610722): Die Menge mehr als verdreifachte sich von 2.639 t auf 6.261 t (+137,3 %), was auf eine steigende Nachfrage nach pflegeleichter, synthetischer Nachtwäsche hindeutet.

Produktsegment Importmenge 2015 (t) Importmenge 2025 (t) Veränderung
610711 – Baumwoll-Unterwäsche 44.518 81.383 +82,8 %
610721 – Baumwoll-Nachtwäsche 19.113 25.034 +31,0 %
610712 – Synthetik-Unterwäsche 5.341 8.449 +58,2 %
610722 – Synthetik-Nachtwäsche 2.639 6.261 +137,3 %
610799 – Bademäntel (andere) 1.920 3.041 +58,4 %
610791 – Baumwoll-Bademäntel 1.336 1.984 +48,5 %

Produktvergleich

Wachsende Konzentration und steigende Verwundbarkeit

Die Konzentration der Importeure — gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) auf Wertbasis — stieg von 1.807 auf 2.109 (+16,7 %). Obwohl die Zahl der Lieferländer vielfältig bleibt, konzentriert sich der Handel zunehmend auf wenige große Anbieter, insbesondere Bangladesh und China. Dies erhöht die Anfälligkeit der EU gegenüber Lieferunterbrechungen in einzelnen Herkunftsländern.

Auf der Exportseite hingegen diversifizierte sich der Handel: Der HHI sank von 2.780 auf 1.277 (−54,1 %), was bedeutet, dass die EU-Exporte gleichmäßiger auf mehrere Zielmärkte verteilt sind als zuvor.

Konzentrationsindikator (HHI, Wertbasis) 2015 2025 Veränderung
Importe 1.807 2.109 +16,7 %
Exporte 2.780 1.277 −54,1 %

Konzentrationsindizes

Die Volatilitätsanalyse bestätigt das Bild der Verwundbarkeit: Pakistan weist mit einem Variationskoeffizienten von 0,62 die höchste Schwankungsbreite bei Importen auf, gefolgt von Kambodscha (0,35) und Bangladesh (0,30). Bei den Exporten ist die Volatilität insbesondere bei der Türkei (0,86) und dem Vereinigten Königreich (0,74) auffällig hoch.

Volatilitätsanalyse


Fazit

Die Handelsentwicklung der EU im Segment CN 6107 zwischen 2015 und 2025 ist geprägt von drei miteinander verbundenen Dynamiken:

  1. Deindustrialisierung: Die EU hat den Großteil ihrer eigenen Produktionskapazitäten für Strickbekleidung aufgegeben. Die Produktionsmenge sank um fast 83 %, die Netto-Importabhängigkeit verdoppelte sich auf 87 %. Damit ist die EU in diesem Segment zu einem fast vollständig importabhängigen Markt geworden.

  2. Geopolitische Umorientierung: Bangladesh hat China als wichtigsten Lieferanten überholt, während Pakistan und Sri Lanka als weitere südasiatische Zulieferer stark zulegten. Auf der Exportseite verdrängten die Schweiz, Norwegen und Serbien das durch den Brexit beeinträchtigte Vereinigte Königreich als wichtigste Absatzmärkte. Innerhalb der EU rücken Polen und die Niederlande als Handelsdrehscheiben in den Vordergrund.

  3. Strategische Verwundbarkeit: Die zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Herkunftsländer, die drei identifizierten Preisschocks im Jahr 2022 und der anhaltende Rückgang der europäischen Produktionsbasis werfen Fragen zur Versorgungssicherheit und Resilienz auf. Gleichzeitig positioniert sich die EU im Exportbereich zunehmend als Anbieter hochwertiger Produkte — ein Segment mit steigenden Stückpreisen und margenstarken Nischen.

Die Daten legen nahe, dass die europäische Strickbekleidungsindustrie für Männer sich in einer Phase des irreversiblen Strukturwandels befindet, in der die Rolle der EU sich von der eines Produzenten zu der eines Importeurs, Händlers und hochwertigen Re-Exporteurs verlagert hat.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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