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Marktentwicklung: Pullover (CN 6110) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Strickpullover, Strickjacken und verwandte Waren (KN 6110) ist einer der umsatzstärksten Segmente des EU-Außenhandels mit Bekleidung. Im Zeitraum 2015 bis 2025 durchlief der EU-Markt eine tiefgreifende Transformation: Während die EU-Importe um rund 34 % auf über 12,3 Mrd. EUR stiegen, wuchsen die Exporte sogar um 71 % auf 4,5 Mrd. EUR. Gleichzeitig brach die inländische EU-Produktion dramatisch ein — von 898 Mio. Stück (2015) auf nur noch 84 Mio. Stück (2025). Dieser Bericht analysiert die wesentlichen Handelsdynamiken, Preisverschiebungen und geopolitischen Verschiebungen, die den EU-Markt für Strickwaren in diesem Jahrzehnt geprägt haben.


1. Strukturwandel: Einsturz der EU-Produktion und sprunghafter Importanstieg

1.1 Die EU-Produktion ist zwischen 2015 und 2025 um über 90 % eingebrochen

Die dramatischste Entwicklung im untersuchten Zeitraum ist der Zusammenbruch der europäischen Strickwarenproduktion. Die Produktionsmenge sank von 897,6 Mio. Stück im Jahr 2015 auf lediglich 84,0 Mio. Stück im Jahr 2025 — ein Rückgang von 90,6 %. Der Produktionswert fiel im selben Zeitraum von 7,6 Mrd. EUR auf 2,4 Mrd. EUR (−68,0 %). Dies verdeutlicht eine massive Verlagerung der Fertigungskapazitäten außerhalb Europas, insbesondere in kostengünstigere Produktionsstandorte in Asien und Nordafrika.

1.2 Importe wuchsen insbesondere mengenmäßig stark an

Die EU-Importe von Strickwaren aus Drittländern stiegen im gleichen Zeitraum deutlich an:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 9.202 Mio. 12.311 Mio. +33,8 %
Importmenge (t) 472.111 t 728.756 t +54,4 %
Importmenge (Stück) 1.398 Mio. 1.866 Mio. +33,4 %
Preis pro Tonne 19.492 EUR/t 16.893 EUR/t −13,3 %

Die mengenmäßige Zunahme (+54 % in Tonnen) übertraf die wertmäßige Zunahme (+34 %) deutlich, was auf sinkende durchschnittliche Importpreise hinweist. Der Rückgang des Preises pro Tonne um 13,3 % spiegelt wider, dass der Zuwachs vor allem im Segment der günstigeren Massenware — insbesondere aus Chemiefasern und Baumwolle — stattfand.

1.3 Die Exporte entwickelten sich entgegengesetzt: Wertpolarisierung statt Mengenwachstum

Im Gegensatz zu den Importen stiegen die EU-Exporte primär im Wert, nicht in der Menge:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 2.645 Mio. 4.522 Mio. +71,0 %
Exportmenge (t) 51.254 t 55.478 t +8,2 %
Exportmenge (Stück) 152,2 Mio. 149,9 Mio. −1,5 %
Preis pro Tonne 51.604 EUR/t 81.505 EUR/t +57,9 %
Preis pro Stück 17,38 EUR/st 30,16 EUR/st +73,5 %

Während die exportierte Menge nahezu unverändert blieb, stieg der durchschnittliche Exportpreis pro Stück um 73,5 %. Dies deutet auf eine klare Aufwertung der EU-Exporte hin: Die EU exportiert zunehmend hochwertigere Strickwaren — ein Muster, das mit dem Rückgang der Massenproduktion und der Konzentration auf Premiumsegmente (z. B. Kaschmir, Wolle) einhergeht.

1.4 Die Handelsbilanz hat sich trotz Exportwachstums weiter verschlechtert

Der Handelsbilanzsaldo verschlechterte sich von −6.557 Mio. EUR (2015) auf −7.789 Mio. EUR (2025), was einer Verschlechterung um 18,8 % entspricht. Die Nettoimportabhängigkeit stieg im selben Zeitraum sprunghaft von 8,3 % auf 73,6 %. Dies belegt, dass die EU trotz wachsender Exporte im Hochpreissegment die Versorgung mit Grundbedarf an Strickwaren fast vollständig auf Importe verlagert hat.


2. Preisdynamik und Segmentverschiebungen: Polarisierung zwischen Billigimporten und Premiumexporten

2.1 Chemiefasern und Baumwolle dominieren den Import — mit fallenden Preisen

Die Importe nach Warensegment werden von zwei Segmenten dominiert:

Segment Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Δ Menge Preis/t 2015 Preis/t 2025 Δ Preis
611030 — Chemiefasern 244.307 367.421 +50,4 % 17.662 EUR 15.175 EUR −14,1 %
611020 — Baumwolle 205.638 331.778 +61,3 % 18.348 EUR 15.430 EUR −15,9 %
611011 — Wolle 12.306 16.927 +37,5 % 50.016 EUR 52.641 EUR +5,2 %
611012 — Kaschmir 2.116 2.893 +36,7 % 139.053 EUR 153.264 EUR +10,2 %

Die mengenmäßige Dominanz von Chemiefasern (+50 %) und Baumwolle (+61 %) bei gleichzeitig sinkenden Preisen unterstreicht, dass der Importzuwachs im Bereich der günstigen Massenware stattfindet. Wolle und Kaschmir hingegen verzeichneten moderate Mengenzuwächse bei steigenden oder stabilen Preisen — ein Hinweis auf nachhaltige Nachfrage im Premiumsegment.

2.2 EU-Exporte konzentrieren sich zunehmend auf hochwertige Woll- und Kaschmirprodukte

Auf der Exportseite zeigt sich ein gegenläufiges Bild. Die Exportpreise stiegen in fast allen Segmenten deutlich an:

Segment Exportpreis/t 2015 Exportpreis/t 2025 Veränderung
611011 — Wolle 109.703 EUR 231.415 EUR +111,0 %
611012 — Kaschmir 344.391 EUR 644.409 EUR +87,1 %
611090 — Sonstige Spinnstoffe 108.479 EUR 164.638 EUR +51,8 %
611020 — Baumwolle 43.112 EUR 65.247 EUR +51,3 %
611030 — Chemiefasern 35.279 EUR 45.464 EUR +28,9 %

Besonders auffällig ist die Verdopplung des Exportpreises für Wollpullover (611011) von rund 110.000 EUR/t auf 231.000 EUR/t. Die EU positioniert sich im Export zunehmend als Lieferant hochpreisiger Strickwaren, während der inländische Markt über Importe mit Massenware versorgt wird. Italien, als größter EU-Exporteur mit 1.751 Mio. EUR Exportwert im Jahr 2025 (+81 % gegenüber 2015), verkörpert diese Premium-Positionierung besonders.

2.3 Preischocks und Volatilität betreffen vor allem neu aufsteigende Partnerländer

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass Importe aus etablierten Lieferanten wie China (CV: 0,13) und Bangladesh (CV: 0,18) relativ stabil verliefen, während jüngere Lieferketten höhere Schwankungen aufwiesen:

  • Myanmar (CV: 0,45) und Vietnam (CV: 0,44) zeigten die höchste Volatilität bei Importen
  • Pakistan (CV: 0,38) weist ebenfalls eine hohe Schwankungsbreite auf, was mit dem rapiden Wachstum (+217 % in Wert) zusammenhängt

Bei den Exportpreisschocks fielen zwei Ereignisse besonders auf:

  • Algerien (2023): Ein extremer Preisschock mit einer Abnormalität von 51,2 und einem Preisanstieg von 794 % — allerdings bei einem Wertanteil von nur 0,2 %, daher ohne systemische Bedeutung
  • Japan (2023): Ein Preisschock mit 152 % Preisanstieg bei einem Wertanteil von 5,1 %, was auf eine vorübergehende Verknappung oder Sortimentsverschiebung hindeuten könnte

3. Geopolitische Verschiebungen: Diversifizierung der Lieferketten und neue Handelsströme

3.1 Bangladesh hat China als wichtigster Importpartner abgelöst — mit starkem Preisanstieg

Die Partnerstruktur der EU-Importe hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben:

Partner Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 3.875 4.204 +8,5 %
Bangladesh 1.884 3.093 +64,2 %
Türkiye 984 1.299 +32,0 %
Cambodia 522 823 +57,6 %
Pakistan 161 510 +216,7 %
Myanmar 44 215 +393,5 %
United Kingdom 450 176 −60,8 %

China blieb nominal der größte Einzellieferant, verlor aber deutlich an Marktanteil. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Importe sank von 2.385 auf 2.027 (−15 %), was eine messbare Diversifizierung der Bezugsquellen bestätigt. Bangladesh, Pakistan (+217 %) und Myanmar (+394 %) gewannen am stärksten hinzu — ein Muster, das auf eine systematische Verlagerung der Lieferketten südostasiatischer Textilfertigung hindeutet.

3.2 Die EU-Exportziele haben sich nach dem Brexit und in Folge geopolitische Krisen verschoben

Auf der Exportseite zeigen sich ebenfalls markante Verschiebungen:

Partner Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Switzerland 367 715 +95,2 %
United States 250 543 +117,4 %
China 117 429 +267,9 %
Türkiye 75 259 +247,4 %
United Kingdom 754 643 −14,8 %
Norway 70 155 +121,5 %
Russian Federation 206 167 −18,9 %

Der Export in das Vereinigte Königreich — 2015 noch mit Abstand das wichtigste Exportziel — sank um 15 %, was teilweise auf die Brexit-bedingten Handelsbarrieren zurückzuführen ist. Gleichzeitig stiegen die Exporte in die Schweiz (+95 %), die USA (+117 %) und besonders nach China (+268 %) und in die Türkei (+247 %) stark an. Die Exporte nach Russland sanken um 19 %, was mit den seit 2022 geltenden Sanktionen in Zusammenhang stehen dürfte. Der HHI der Exporte fiel von 1.263 auf 846 (−33 %), was eine noch stärkere Diversifizierung der Absatzmärkte belegt als bei den Importen.

3.3 Italien, Frankreich und Polen treiben das EU-Exportwachstum an

Innerhalb der EU zeigt sich eine zunehmende Spezialisierung der Mitgliedstaaten. Die Top-Exportländer im Jahr 2025:

Land Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Italy 966 1.751 +81,3 %
Germany 443 635 +43,4 %
France 265 762 +187,1 %
Spain 407 376 −7,6 %
Poland 29 217 +652,3 %

Auffällig ist der Anstieg Polens um 652 %, was auf die Entwicklung des Landes als Produktions- und Re-Exportstandort für Strickwaren in der EU hindeutet. Frankreich verzeichnete ebenfalls ein überproportionales Wachstum (+187 %). Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) bestätigt, dass Dänemark (RSCA: 0,52), Portugal (0,31), Spanien (0,30), Polen (0,27) und Italien (0,26) die stärksten komparativen Vorteile im Strickwarenexport aufweisen.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Strickpullover und verwandte Waren (KN 6110) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental gewandelt. Die Kernbefunde lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Strukturelle Abhängigkeit von Importen: Der Kollaps der EU-Produktion (−90 % in Stückzahlen) hat die Nettoimportabhängigkeit von 8 % auf 74 % ansteigen lassen. Die EU ist nun für die Grundversorgung mit Strickwaren nahezu vollständig auf Drittländer angewiesen.

  2. Preispolarisierung: Während die Importpreise insbesondere bei Massenartikeln aus Chemiefasern und Baumwolle sanken, stiegen die Exportpreise — insbesondere für Woll- und Kaschmirerzeugnisse — stark an. Die EU positioniert sich zunehmend als Exporteur hochwertiger Nischenprodukte, während der Massenmarkt durch Importe bedient wird.

  3. Geopolitische Diversifizierung: Sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite ist eine messbare Diversifizierung eingetreten. Bangladesh, Pakistan und Myanmar gewinnen als Importlieferanten an Bedeutung, während die EU-Exportmärkte nach dem Brexit und den Russland-Sanktionen neu ausgerichtet wurden. Die sinkenden HHI-Werte belegen eine geringere Konzentration und damitꉂniejsere Resilienz der Handelsbeziehungen.

Diese Entwicklungen werfen strategische Fragen auf: Die hohe Importabhängigkeit birgt Lieferkettenrisiken, während die Konzentration der Exporte auf Premiumsegmente die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Industrie auf wenige Nischen beschränkt. Gleichzeitig eröffnet die Diversifizierung der Handelspartner gewisse Puffer gegen einzelne geopolitische Störungen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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