Marktentwicklung: Baumwoll-T-Shirts (CN 610910) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Segment der Baumwoll-T-Shirts und Unterhemden (KN-Code 610910) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die EU ist bei diesem Produkt sowohl ein bedeutender Importeur als auch ein relevanter Exporteur, wobei der Handelsbilanzsaldo durchgehend negativ bleibt. Im analysierten Zeitraum zeigen sich drei zentrale Dynamiken: eine zunehmende Disparität zwischen Export- und Importpreisen, eine gravierende Umstrukturierung der Handelspartnerschaften infolge des Brexit sowie eine signifikante Erhöhung der außenwirtschaftlichen Verwundbarkeit. Der Bericht stützt sich ausschließlich auf die bereitgestellten Handelsdaten und interpretiert diese im Kontext bekannter wirtschaftlicher und geopolitischer Entwicklungen.
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1. Aufwertung am Exportmarkt trotz stagnierender Produktionsbasis
1.1 Exportpreise steigen deutlich stärker als Importpreise
Die EU-Exporte von Baumwoll-T-Shirts entwickelten sich im Zeitraum 2015–2025 überproportional stark im Wert (+83,7 %), während die exportierte Menge nur um 19,9 % zunahm. Dies impliziert einen erheblichen Preisanstieg bei den Exporten. Im Gegensatz dazu stiegen die Importwerte um 29,5 % bei einer Mengenzunahme von 23,6 %, was auf eine weitgehend stabile Importpreisentwicklung hindeutet.
| Kennzahl | Exporte 2015 | Exporte 2025 | Veränderung | Importe 2015 | Importe 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Wert (Mrd. €) | 1,34 | 2,47 | +83,7 % | 5,28 | 6,84 | +29,5 % |
| Menge (t) | 37.873 | 45.417 | +19,9 % | 388.025 | 479.587 | +23,6 % |
| Einheitswert (€/t) | 35.437 | 54.272 | +53,1 % | 13.608 | 14.252 | +4,7 % |
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1.2 Die EU konzentriert sich auf hochpreisige Exportmärkte
Die bedeutendsten Exportziele der EU im Jahr 2025 sind die Schweiz (367 Mio. €), die USA (179 Mio. €), die Türkei (126 Mio. €) und China (281 Mio. €). Auffällig ist, dass der Einheitswert der EU-Exporte mit 54.272 €/t im Jahr 2025 rund das 3,8-Fache des durchschnittlichen Importpreises (14.252 €/t) beträgt. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertige, markenorientierte oder nachhaltig produzierte T-Shirts exportiert, während der Massenmarkt über Importe bedient wird.
| Exportpartner | Wert 2025 (Mio. €) | Veränderung vs. 2015 |
|---|---|---|
| Schweiz | 367 | +124,9 % |
| USA | 179 | +143,3 % |
| Türkei | 126 | +316,9 % |
| China | 281 | +339,1 % |
1.3 Schrumpfende Produktion bei steigender Exportquote
Die europäische Produktion von Baumwoll-T-Shirts ist im Zeitraum 2015–2024 dramatisch geschrumpft: Die Produktionsmenge sank von 261 Mio. Stück (2015) auf 195 Mio. Stück (2024), ein Rückgang von 68,3 % gegenüber dem Höchststand 2003 (731 Mio. Stück). Gleichzeitig stieg die Exportquote von 140,8 % (2015) auf 196,8 % (2025) — ein Anstieg um 3.237,5 % gegenüber 2003. Dies paradox anmutende Zusammenspiel (weniger Produktion, aber mehr Exporte pro produzierter Einheit) erklärt sich dadurch, dass die EU verstärkt Importware re-exportiert und sich auf qualitativ hochwertige Nischenprodukte konzentriert.
2. Strukturelle Umorientierung der Handelspartnerschaften nach dem Brexit
2.1 Der Brexit als Wendepunkt für die Importstruktur
Die dramatischste Veränderung in den Handelsbeziehungen betrifft das Vereinigte Königreich. Vor dem Brexit (2019) importierte die EU Baumwoll-T-Shirts im Wert von 402 Mio. € aus dem VK — 2025 waren es nur noch 74 Mio. €, ein Rückgang um 74,8 %. Der Einbruch vollzog sich abrupt im Jahr 2021, als die Übergangsphase endete. Parallel dazu sanken die EU-Exporte in das VK von einem Höchststand von 663 Mio. € (2020) auf 311 Mio. € (2025), ein Rückgang um 19,1 % gegenüber 2015.
| Indikator | VK-Importe 2019 | VK-Importe 2021 | VK-Importe 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Wert (Mio. €) | 402 | 82 | 74 | −74,8 % (2015→2025) |
2.2 Aufstieg neuer Lieferanten: Pakistan und Vietnam
Der Rückgang des VK als Lieferant wurde teilweise durch das rasante Wachstum anderer Partner kompensiert. Pakistan verfünffachte seine Exporte in die EU von 43 Mio. € (2015) auf 214 Mio. € (2025), ein Anstieg um 394,1 %. Vietnam steigerte seine Lieferungen von 30 Mio. € auf 184 Mio. €. Diese Verschiebung spiegelt die globale Neuausrichtung der Textil-Lieferketten wider, die durch den Brexit und die Bestrebungen zur Diversifizierung der Beschaffung beschleunigt wurde.
| Partner | Importe 2015 (Mio. €) | Importe 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Pakistan | 43 | 214 | +394,1 % |
| Vietnam | 30 | 184 | +507,4 %* |
| Marokko | 106 | 168 | +59,5 % |
*Wert von 2015 (30,2 Mio. €) zu 2025 (183,6 Mio. €) berechnet aus den Zeitreihendaten.
Zu den Top-Partnern.
2.3 Bangladesh konsolidiert seine Führungsposition
Bangladesh blieb über den gesamten Zeitraum der mit Abstand wichtigste Lieferant der EU für Baumwoll-T-Shirts. Die Importe aus Bangladesh stiegen von 2,37 Mrd. € (2015) auf 3,49 Mrd. € (2025), was einem Anteil von 51,1 % an allen EU-Importen im Jahr 2025 entspricht. Die Konzentration der Importe (HHI) stieg von 2.502 (2015) auf 2.948 (2025), was auf eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen Hauptlieferanten hindeutet.
2.4 Innereuropäische Handelsverschiebungen
Auch innerhalb der EU verschoben sich die Handelsströme. Poland verfünffachte seine Importe von 110 Mio. € (2015) auf 519 Mio. € (2025) — ein Anstieg um 370,5 % — und wurde damit zum siebtgrößten Importeur der EU. Spanien (+78,6 %) und die Niederlande (+35,5 %) verzeichneten ebenfalls deutliche Zuwächse. Italien blieb mit Abstand der größte EU-Exporteur (737 Mio. € in 2025, +104,1 %), gefolgt von Deutschland (363 Mio. €) und Frankreich (409 Mio. €, +183,3 %).
Zu den EU-Berichterstattern.
3. Geopolitische Schocks und steigende Verwundbarkeit der EU
3.1 Der Preisschock von 2022: Bangladesh und Indien
Im Jahr 2022 wurden signifikante Preisschocks bei den Importen festgestellt. Der Einheitswert der Importe aus Bangladesh stieg um 28,2 % gegenüber der Basislinie (2020–2021), bei einer Abnormalität von 76,8 — dem höchsten aller detektierten Schockereignisse. Gleichzeitig stiegen die Preise für Importe aus Indien um 16,8 %. Die Importmengen blieben dabei weitgehend stabil oder stiegen sogar, was auf eine angespannte Angebotslage und steigende Produktionskosten in den Herkunftsländern hindeutet.
| Schockereignis | Land | Preisänderung | Abnormalität | Anteil am Importwert |
|---|---|---|---|---|
| Preisschock 2022 | Bangladesh | +28,2 % | 76,8 | 60,2 % |
| Preisschock 2022 | Indien | +16,8 % | 9,5 | 12,8 % |
Zu den Schock-Ereignissen.
3.2 Der Ukraine-Krieg und der Rückgang der Exporte in die Russische Föderation
Die EU-Exporte in die Russische Föderation sanken von einem Höchststand von 134 Mio. € (2021) auf 95 Mio. € (2025). Die Mengendaten zeigen einen noch deutlicheren Einbruch: Die exportierte Menge fiel von 5.048 t (2021) auf 2.092 t (2025), ein Rückgang um 58,6 %. Gleichzeitig stieg der Einheitswert der Exporte nach Russland stark an, was darauf hindeutet, dass die verbleibenden Lieferungen vor allem hochwertige Produkte umfassen.
3.3 Steigende Abhängigkeit bei gleichzeitiger Exportorientierung
Die Netto-Importabhängigkeit der EU ist von 78,6 % (2015) auf 78,2 % (2025) nahezu unverändert geblieben, nachdem sie 2022 mit 80,3 % ihren Höchststand erreicht hatte. Der deutliche Anstieg gegenüber dem Ausgangswert von 16,2 % (2003) ist zum großen Teil auf methodische Änderungen oder den Austritt des VK zurückzuführen. Entscheidend ist jedoch, dass die EU bei diesem Massenprodukt weiterhin hochgradig importabhängig bleibt. Die Handelsintensität stieg von 24,9 % (2003) auf 114,8 % (2025), was die zunehmende Einbindung der EU in globale Textillieferketten unterstreicht.
Zur Exportpropensity.
Fazit
Der EU-Markt für Baumwoll-T-Shirts hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend gewandelt. Drei Entwicklungen prägen das Bild:
Erstens vollzieht die EU eine strukturelle Aufwertung ihrer Exportposition. Die Exportpreise sind um 53,1 % gestiegen, während die Importpreise nur marginal zunahmen (+4,7 %). Die EU konzentriert sich zunehmend auf qualitativ hochwertige Märkte (Schweiz, USA, China), während die inländische Produktion kontinuierlich schrumpft.
Zweitens hat der Brexit die Handelsarchitektur nachhaltig umgestaltet. Das Vereinigte Königreich, einst einer der wichtigsten Handelspartner, ist sowohl als Importquelle als auch als Exportmarkt erheblich an Bedeutung verloren. Gleichzeitig sind neue Lieferanten wie Pakistan und Vietnam rasch aufgestiegen, was die Diversifizierung der Beschaffungsbasis fördert, aber auch Bangladesh als dominierenden Anbieter mit einem Anteil von über 50 % bestehen lässt.
Drittens ist die Verwundbarkeit der EU gestiegen. Die Netto-Importabhängigkeit verharrt bei rund 78 %, die Konzentration der Importquellen hat zugenommen (HHI-Anstieg um 17,8 %), und geopolitische Schocks — allen voran der Preisschock bei Bangladesch-Importen 2022 — haben die Sensitivität der Lieferketten verdeutlicht. Die EU steht somit vor der Herausforderung, ihre strategische Autonomie im Textilsektor zu stärken, ohne die Kostenvorteile globalisierter Beschaffung aufzugeben.