Marktentwicklung: Kammgarngewebe (CN 5112) — 2015–2025
Einleitung
Der vorliegende Bericht untersucht die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Kammgarngeweben aus Wolle oder feinen Tierhaaren (KN-Code 5112) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Dieser Warenbereich umfasst sowohl reine Wollgewebe mit einem Anteil von ≥85 % als auch Mischgewebe mit geringerem Wollanteil in verschiedenen Gewichtsklassen. Die EU fungiert in diesem Segment traditionell als bedeutender Nettoexporteur, wobei die Produktion und der Export stark von wenigen Mitgliedstaaten — insbesondere Italien — dominiert werden. Der untersuchte Zeitraum ist durch tiefgreifende strukturelle Veränderungen gekennzeichnet: die COVID-19-Pandemie, geopolitische Verschiebungen, veränderte Nachfragestrukturen und eine zunehmende Premiumisierung der gehandelten Produkte. Die Daten zeigen ein Bild eines Marktes, der mengenmäßig schrumpft, sich aber gleichzeitig in Richtung höherwertiger Produkte und neuer Absatzmärkte transformiert (Übersicht).
1. Mengenrückgang bei steigenden Preisen: Die EU als zunehmend wertgetriebener Nettoexporteur
1.1 Die Handelsvolumen sind deutlich geschrumpft, während die Einheitspreise erheblich gestiegen sind
Der Zeitraum 2015–2025 ist auf dem EU-Außenhandel für Kammgarngewebe durch einen markanten Trend gekennzeichnet: Die physischen Handelsmengen sind sowohl bei Exporten als auch bei Importen erheblich zurückgegangen, während die Werte pro Einheit kräftig zulegten. Die EU-Exporte verloren über den gesamten Zeitraum 31,9 % ihres Gewichts (von 13.609 auf 9.272 Tonnen) und 28,3 % ihrer Fläche (von 65,0 auf 46,6 Mio. m²), doch der Exportwert sank nur um 4,8 % (von 653,7 Mio. EUR auf 622,0 Mio. EUR). Dies ist auf einen kräftigen Preisanstieg von 39,7 % pro Tonne (von 48.038 EUR/t auf 67.085 EUR/t) bzw. 32,6 % pro Quadratmeter (von 10,06 EUR/m² auf 13,35 EUR/m²) zurückzuführen.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 653,7 Mio. EUR | 622,0 Mio. EUR | −4,8 % |
| Exportmenge (t) | 13.609 t | 9.272 t | −31,9 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 48.038 | 67.085 | +39,7 % |
| Exportmenge (m²) | 64,96 Mio. | 46,61 Mio. | −28,3 % |
| Importwert | 118,3 Mio. EUR | 109,5 Mio. EUR | −7,4 % |
| Importmenge (t) | 3.350 t | 2.643 t | −21,1 % |
| Importpreis (EUR/t) | 35.314 | 41.439 | +17,3 % |
Auch auf der Importseite fielen die Mengen stärker als die Werte: Die Importe verloren 21,1 % ihres Gewichts (von 3.350 auf 2.643 Tonnen) und 39,8 % ihrer Fläche (von 14,6 auf 8,8 Mio. m²), bei einem Preisanstieg von lediglich 17,3 % pro Tonne. Diese Asymmetrie — stärkerer Preisanstieg bei Exporten als bei Importen — spiegelt die zunehmende Spezialisierung der EU auf hochwertige, teure Kammgarngewebe wider (Übersicht).
1.2 COVID-19 markierte einen Wendepunkt, von dem sich die Mengen nicht vollständig erholten
Das Jahr 2020 stellte einen deutlichen Wendepunkt dar. Der Exportwert fiel auf 410,1 Mio. EUR (−37,3 % gegenüber 2015), die Exportmenge sank auf 7.535 Tonnen (−44,6 %), und auch die Importe brachen auf 65,7 Mio. EUR bzw. 1.646 Tonnen ein. Während sich die Werte in den Folgejahren teilweise erholten — der Exportwert erreichte 2022 mit 771,4 Mio. EUR sogar einen Höchststand — blieben die physischen Mengen auf einem niedrigeren Niveau. Die Exportmenge lag 2025 mit 9.272 Tonnen deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2015 (13.609 t), was auf einen anhaltenden Rückgang der Nachfrage nach Volumenprodukten hindeutet. Der Einheitspreis hingegen stieg nach 2020 kontinuierlich an und erreichte 2023 mit 70.593 EUR/t seinen Höhepunkt (Übersicht).
1.3 Die EU festigt ihre Position als Nettoexporteur mit wachsender Exportquote
Trotz des Mengenrückgangs hat sich die Position der EU als Nettoexporteur nicht nur gehalten, sondern sogar verstärkt. Die Netto-Importabhängigkeit verschob sich von −49,6 % im Jahr 2015 auf −143,4 % im Jahr 2025 — ein negativer Wert kennzeichnet hier einen Nettoexporteur. Der Handelsintensitätsindex stieg von 46,8 % auf 73,7 % (+57,5 %), und die Exportneigung nahm von 42,1 % auf 70,6 % (+68,0 %) zu. Die EU exportiert somit einen deutlich größeren Anteil ihrer Produktion als noch zu Beginn des Beobachtungszeitraums, was auf eine gesteigerte internationale Wettbewerbsfähigkeit — zumindest in der Wertschöpfung — schließen lässt.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Netto-Importabhängigkeit | −49,6 % | −143,4 % | −189,1 % |
| Handelsintensität | 46,8 % | 73,7 % | +57,5 % |
| Exportneigung | 42,1 % | 70,6 % | +68,0 % |
| Handelsbilanz (EUR) | 535,4 Mio. | 512,5 Mio. | −4,3 % |
2. Geografische Umorientierung: Von Atlantik und Pazifik hin zu China und Afrika
2.1 China avanciert zum wichtigsten Exportmarkt, während die USA und Japan erheblich an Boden verloren
Die geografische Struktur der EU-Exporte hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben. China entwickelte sich zum mit Abstand wichtigsten Exportziel: Der Exportwert stieg von 96,1 Mio. EUR auf 123,7 Mio. EUR (+28,7 %), was einem Anteil von rund 20 % an den Gesamtexporten entspricht. Parallel dazu brachen traditionelle Märkte ein: Die Exporte in die USA sanken um 55,1 % (von 59,1 Mio. auf 26,5 Mio. EUR), die nach Japan um 32,5 % (von 65,5 Mio. auf 44,2 Mio. EUR) und die nach Hongkong um 43,7 % (von 47,1 Mio. auf 26,5 Mio. EUR). Auch die Türkei als zweitgrößter Exportpartner verlor 18,0 % (von 90,2 Mio. auf 74,0 Mio. EUR).
| Exportpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 96,1 | 123,7 | +28,7 % |
| Türkei | 90,2 | 74,0 | −18,0 % |
| Japan | 65,5 | 44,2 | −32,5 % |
| USA | 59,1 | 26,5 | −55,1 % |
| Hongkong | 47,1 | 26,5 | −43,7 % |
| Marokko | 23,9 | 44,8 | +87,5 % |
| Vereinigtes Königreich | 24,0 | 15,5 | −35,5 % |
Diese Verschiebung spiegelt sowohl veränderte Nachfragestrukturen wider — die chinesische Oberschicht und Textilveredelungsindustrie kaufen verstärkt europäische Premiumgewebe — als auch geopolitische Faktoren und die zunehmende Konkurrenz durch asiatische Hersteller in anderen Märkten (Partneranalyse).
2.2 Marokko als neuer Wachstumsmarkt im afrikanischen Raum
Ein besonders auffälliger Trend ist der Aufstieg Marokkos als Exportziel. Die EU-Exporte nach Marokko stiegen von 23,9 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 44,8 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Anstieg von 87,5 %. Damit hat Marokko das Vereinigte Königreich als Exportpartner überholt und rangiert nun unter den Top-5 der Empfängerländer. Hintergrund ist vermutlich die Rolle Marokkos als Standort für Bekleidungszulieferer und Textilveredler, die europäische Qualitätsgewebe importieren, um sie zu fertigen Konfektionswaren zu verarbeiten und anschließend in Drittmärkte zu exportieren. Auch Norwegen entwickelte sich als Importeur stark (+215,2 %, von 2,1 Mio. auf 6,6 Mio. EUR), blieb aber mengenmäßig deutlich kleiner (Partneranalyse).
2.3 Importseitig: Vereinigtes Königreich gewinnt, Türkei verliert drastisch
Auf der Importseite vollzog sich eine ähnlich deutliche Verschiebung. Der Import aus der Türkei brach von 30,5 Mio. EUR auf 8,5 Mio. EUR ein (−72,2 %), was die Türkei von der Position des zweitgrößten Lieferanten auf Platz fünf zurückwarf. Gleichzeitig stiegen die Importe aus dem Vereinigten Königreich — trotz des Brexits — von 45,0 Mio. EUR auf 54,7 Mio. EUR (+21,6 %). Damit ist das Vereinigte Königreich mit Abstand der wichtigste Nicht-EU-Lieferant von Kammgarngeweben, was auf die historisch starke britische Wolltextilindustrie (insbesondere in Schottland) zurückzuführen ist. Auch die Importe aus Indien (+107,7 %) und Norwegen (+215,2 %) stiegen an, blieben aber in absoluten Zahlen deutlich kleiner als jene aus dem VK.
| Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 45,0 | 54,7 | +21,6 % |
| Türkei | 30,5 | 8,5 | −72,2 % |
| China | 11,9 | 9,6 | −19,6 % |
| Schweiz | 14,2 | 8,8 | −37,5 % |
| Japan | 5,6 | 7,1 | +26,3 % |
Die Importkonzentration (HHI) stieg von 2.395 auf 2.822 (+17,8 %), was eine zunehmende Konzentration der Importe auf weniger Partnerländer signalisiert. Die Exportkonzentration hingegen blieb mit einem HHI von 791 (2025) stabil auf niedrigem Niveau — die EU-Exporte sind also breit diversifiziert (Konzentrationsanalyse).
2.4 Preisvolatilität und Schocks: Brexit und Pandemie als Auslöser
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass bestimmte Handelsbeziehungen besonders schwankungsanfällig waren. Die Exportpreisvolatilität gegenüber dem Vereinigten Königreich war mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 0,708 am höchsten, gefolgt von der Schweiz (0,553). Im Jahr 2021 wurde ein extremer Preisschock bei den Exporten ins VK festgestellt: Der durchschnittliche Exportpreis sprang um 111,5 % mit einer Abnormalitätsbewertung von 27,4, was auf die kombinierten Effekte von Brexit-Handelsreibung und pandemiebedingter Knappheit hindeuten dürfte. Ein weiterer Preisschock trat 2022 bei den Exporten in die USA auf (+25,0 %, Abnormalität 6,2), möglicherweise bedingt durch Logistikengpässe und Nachholeffekte (Schockanalyse).
3. Schrumpfende Produktion und italienische Vormachtstellung
3.1 Die EU-Produktion hat ein Drittel ihres Volumens und nahezu die Hälfte ihres Werts verloren
Die inländische Produktion von Kammgarngeweben in der EU ist im Betrachtungszeitraum deutlich geschrumpft. Die Produktionsmenge sank von 122,1 Mio. m² (2015) auf 88,0 Mio. m² (2025), ein Rückgang von 28,0 %. Noch drastischer fiel der Rückgang beim Produktionswert aus: von 1.609,7 Mio. EUR auf 900,0 Mio. EUR (−44,1 %). Dies impliziert, dass nicht nur weniger produziert wird, sondern dass auch der durchschnittliche Produktionswert pro Quadratmeter gesunken ist — ein Hinweis darauf, dass die Produktion sich von besonders hochwertigen Segmenten wegbewegt haben könnte oder dass Kostendruck die Preise gedrückt hat.
| Produktionskennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (m²) | 122,1 Mio. | 88,0 Mio. | −28,0 % |
| Produktionswert (EUR) | 1.609,7 Mio. | 900,0 Mio. | −44,1 % |
| Produktionspreis (EUR/m²) | 13,18 | 10,23 | −22,4 % |
Gleichzeitig stieg die Exportquote von 42,1 % auf 70,6 %, was darauf hindeutet, dass die EU-industrielle Basis zwar geschrumpft ist, die verbleibende Produktion jedoch stärker auf den Export ausgerichtet ist. Die EU produziert weniger, exportiert aber einen steigenden Anteil ihrer Produktion (Produktionsvolumina).
3.2 Italien als unangefochtener Dreh- und Angelpunkt der europäischen Wolltextilexporte
Italien dominiert die EU-Produktion und den Export von Kammgarngeweben in einem Ausmaß, das kaum vergleichbar ist. Im Jahr 2025 beliefen sich die italienischen Exporte auf 460,0 Mio. EUR — das entspricht rund 74 % aller EU-Exporte in diesem Segment. Der italienische RCA-Wert (Revealed Comparative Advantage) liegt bei 6,82 und der RSCA-Wert bei 0,74, was Italien als hochspezialisierten Produzenten ausweist. Italien erzeugt rund 54,6 % der EU-weiten Produktionsmenge. Traditionelle italienische Produktionscluster wie Biella (Piemont) und Prato (Toskana) dürften hierfür die Kernregionen sein.
| Land | Exporte 2015 (Mio. EUR) | Exporte 2025 (Mio. EUR) | Veränderung | RCA | Anteil Produktion |
|---|---|---|---|---|---|
| Italien | 505,5 | 460,0 | −9,0 % | 6,82 | 54,6 % |
| Deutschland | 49,8 | 54,5 | +9,3 % | — | — |
| Rumänien | 10,7 | 18,0 | +68,8 % | 1,78 | 3,0 % |
| Irland | 11,3 | 18,0 | +58,9 % | — | — |
| Belgien | 14,0 | 15,8 | +13,5 % | — | — |
Interessant ist, dass Rumänien seine Exporte um 68,8 % steigern konnte und mit einem RCA von 1,78 als aufstrebender Spezialist gilt. Auch Irland (+58,9 %) und Spanien (+22,8 %) verzeichneten Zuwächse, während Deutschland als zweitgrößter Exporteur mit 54,5 Mio. EUR (+9,3 %) relativ stabil blieb. Italien verlor zwar mengenmäßig leicht (−9,0 %), beherrscht den Markt aber weiterhin klar (Spezialisierungsanalyse).
3.3 Produktsegmente: Leichte Reinwollgewebe dominieren exportseitig, schwere Varianten gewinnen an Bedeutung
Die segmentierte Betrachtung des Außenhandels zeigt, dass sich die Zusammensetzung der gehandelten Produkte verschoben hat. Exportseitig dominiert nach wie vor das Segment 511211 (Reinwollgewebe ≥85 %, ≤200 g/m²) mit einem Exportwert von 351,5 Mio. EUR im Jahr 2025 (56,5 % aller Exporte). Allerdings sank die Exportmenge in diesem Segment von 7.634 t auf 4.631 t (−39,3 %), bei einem Preisanstieg von 55.876 EUR/t auf 75.912 EUR/t (+36,0 %). Die Nachfrage verschiebt sich offensichtlich hin zu noch hochwertigeren, teureren Varianten innerhalb dieses Segments.
Das Segment 511219 (Reinwollgewebe ≥85 %, >200 g/m² — also schwerere Stoffe) entwickelte sich besonders dynamisch: Der Exportwert stieg von 122,2 Mio. EUR auf 158,7 Mio. EUR (+30,0 %), bei weitgehend stabiler Menge (3.323 → 2.797 t). Der durchschnittliche Exportpreis pro Tonne nahm von 36.765 EUR auf 56.751 EUR zu (+54,3 %), was auf eine starke Premiumisierung auch in diesem Segment hindeutet.
| Segment | Beschreibung | Exportwert 2015 | Exportwert 2025 | Δ | Preis/t 2015 | Preis/t 2025 | Δ |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 511211 | Reinwolle ≥85 %, ≤200 g/m² | 426,5 Mio. | 351,5 Mio. | −17,6 % | 55.876 | 75.912 | +35,9 % |
| 511219 | Reinwolle ≥85 %, >200 g/m² | 122,2 Mio. | 158,7 Mio. | +29,9 % | 36.765 | 56.751 | +54,3 % |
| 511230 | Wollmischg. (<85 %) mit Spinnfasern | 36,0 Mio. | 44,6 Mio. | +23,9 % | 31.045 | 41.525 | +33,8 % |
| 511290 | Sonstige Wollmischgewebe (<85 %) | 45,2 Mio. | 56,3 Mio. | +24,5 % | 56.504 | 92.139 | +63,1 % |
| 511220 | Wollmischg. (<85 %) mit Filamenten | 23,9 Mio. | 11,0 Mio. | −54,0 % | 34.393 | 67.876 | +97,3 % |
Das Segment 511220 (Mischgewebe mit synthetischen Filamenten) verlor hingegen deutlich an Bedeutung: Die Exporte brachen von 23,9 Mio. EUR auf 11,0 Mio. EUR (−54,0 %) ein, die Menge sank von 694 t auf 162 t (−76,7 %). Auf der Importseite dominiert das Segment 511219 mit 52,7 Mio. EUR (48,1 % der Importe), gefolgt von 511211 mit 30,2 Mio. EUR. Auffällig ist, dass die Importpreise in allen Segmenten ebenfalls gestiegen sind — die durchschnittlichen Importpreise pro Quadratmeter im Segment 511211 stiegen von 7,86 EUR/m² auf 12,37 EUR/m² (+57,3 %), was die globale Trendrichtung hin zu teureren Wollgeweben unterstreicht.
Fazit
Der EU-Außenhandel mit Kammgarngeweben (CN 5112) hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental gewandelt. Drei zentrale Dynamiken bestimmen das Bild: Erstens ein anhaltender Mengenrückgang bei gleichzeitigem kräftigem Preisanstieg, der auf eine zunehmende Premiumisierung und Spezialisierung der EU-Produktion hindeutet. Zweitens eine geografische Verschiebung der Handelsströme — weg von den traditionellen Märkten USA, Japan und Hongkong, hin zu China und Marokko. Drittens ein erheblicher Rückgang der inländischen Produktion, gepaart mit einer noch stärkeren Konzentration auf den Export und eine unangefochtene italienische Dominanz.
Die EU hat ihre Position als globaler Nettoexporteur von Qualitätskammgarngeweben trotz der schrumpfenden Produktionsbasis nicht nur gehalten, sondern ausgebaut. Der strategische Fokus auf hochwertige, teure Produkte — insbesondere leichte Reinwollgewebe und zunehmend auch schwerere Varianten — ermöglicht es der europäischen Industrie, trotz geringerer Mengen wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Herausforderung liegt in der zunehmenden Abhängigkeit von wenigen Kernproduzenten (allen voran Italien) und der Notwendigkeit, neue Absatzmärkte weiter zu erschließen, während traditionelle Märkte an Bedeutung verlieren.