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Marktentwicklung: Rosshaargewebe (CN 5113) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der EU mit Geweben aus groben Tierhaaren oder Rosshaar (KN-Code 5113) im Zeitraum 2015 bis 2025. Das Produkt findet vor allem Anwendung in der Möbel- und Sattlerwarenherstellung sowie in technischen Textilien. Die Analyse basiert auf Eurostat-Daten und beleuchtet Volumen, Wert, Partnerländer, Produktionsstrukturen sowie marktspezifische Schocks. Die detaillierte Produktübersicht zeigt, dass der EU-Markt für Rosshaargewebe über den gesamten Zeitraum hinweg von einem deutlichen Strukturwandel geprägt ist.


1. Struktureller Rückgang von Handelsvolumen und -wert

1.1 Die EU-Ausfuhren sind drastisch geschrumpft

Die EU-Ausfuhren von Rosshaargewebe haben im Zeitraum 2015–2025 sowohl mengen- als auch wertmäßig erheblich abgenommen. Der Gesamtüberblick dokumentiert folgende Entwicklung:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Ausfuhrwert (EUR) 4.037.992 995.345 −75,4 %
Ausfuhrmenge (t) 298,1 31,8 −89,3 %
Ausfuhrmenge (m²) 1.633.341 158.982 −90,3 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 13.547 31.277 +130,9 %

Der Rückgang der exportierten Menge um fast 90 % übertrifft den Wertverlust, was auf eine Verschiebung hin zu hochwertigen Nischenprodukten hindeutet. Die erhebliche Preissteigerung (+131 %) deutet darauf hin, dass die verbleibende Produktion zunehmend Premiumsegmenten zugeordnet ist.

1.2 Auch die Einfuhren zeigen einen Abwärtstrend, wenngleich schwächer

Die EU-Einfuhren sind ebenfalls rückläufig, aber in geringerem Maße als die Ausfuhren:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Einfuhrwert (EUR) 3.350.036 2.033.845 −39,3 %
Einfuhrmenge (t) 351,3 175,1 −50,2 %
Einfuhrmenge (m²) 1.705.409 1.009.731 −40,8 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 9.533 11.611 +21,8 %

Die Preissteigerung bei Importen fällt mit rund 22 % deutlich moderater aus als bei Exporten, was auf unterschiedliche Produktqualitäten und Herkunftsmärkte schließen lässt.

1.3 Die Handelsbilanz hat sich umgekehrt

Der EU-Außenhandel mit Rosshaargewebe weist eine bemerkenswerte Trendwende auf. Während die EU im Jahr 2015 noch einen Überschuss von 687.956 EUR verzeichnete, kehrte sich das Verhältnis bis 2025 um: Die Netto-Importabhängigkeit verschlechterte sich von −49,6 % auf −143,4 % (Veränderung: −189,1 %). Im Jahr 2025 betrug das Handelsbilanzdefizit 1.038.501 EUR. Die EU ist damit vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur geworden.


2. Konzentration der Liefer- und Absatzstrukturen

2.1 China dominiert die Einfuhren – mit abnehmender Tendenz

Die Partnerländeranalyse zeigt, dass China der mit Abstand wichtigste Lieferant für Rosshaargewebe in die EU bleibt, obwohl der Anteil rückläufig ist:

Partnerland Einfuhrwert 2015 (EUR) Einfuhrwert 2025 (EUR) Veränderung
China 3.103.854 1.711.222 −44,9 %
Vereinigtes Königreich 44.120 202.469 +358,9 %
Norwegen 49.692 66.368 +33,6 %
Türkei 23.831 1.796 −92,5 %
Pakistan 40.870 13 −100,0 %
Ägypten 38.037 7.670 −79,8 %
Japan 29.050 154 −99,5 %

Besonders auffällig ist der starke Anstieg der Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich (+359 %). Dies ist wahrscheinlich eine direkte Folge des Brexits: Waren, die zuvor als EU-interner Handel erfasst wurden, werden seit 2021 als Drittlandhandel statistisch erfasst. Gleichzeitig sind traditionelle Lieferanten wie Pakistan und Japan fast vollständig vom Markt verschwunden.

2.2 Die Exportziele haben sich stark diversifiziert – und geschrumpft

Die EU-Exporteure sind zunehmend von ihren wichtigsten Absatzmärkten abgewandert:

Partnerland Ausfuhrwert 2015 (EUR) Ausfuhrwert 2025 (EUR) Veränderung
Albanien 1.283.375 168.982 −86,8 %
Tunesien 1.318.515 9.077 −99,3 %
Marokko 161.847 122.270 −24,5 %
Türkei 393.592 34.268 −91,3 %
Ägypten 47.978 16.388 −65,8 %
Ukraine 90.947 27.892 −69,3 %
Vereinigtes Königreich 70.139 64.173 −8,5 %

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte sank von 2.265 auf 978 (−56,8 %), was auf eine deutliche Diversifizierung der Absatzmärkte hinweist. Bei den Importen blieb die Konzentration mit einem HHI von rund 7.196 (2025) vergleichsweise hoch, bedingt durch die anhaltende Dominanz Chinas.

2.3 Die italienische Textilindustrie bleibt der EU-weite Kern

Innerhalb der EU zeigt die Länderanalyse der Berichterstatter, dass Italien sowohl bei Importen als auch bei Exporten die führende Position einnimmt:

EU-Mitgliedstaat Importe 2015 Importe 2025 Exporte 2015 Exporte 2025
Italien 2.308.524 1.566.459 3.177.809 446.284
Deutschland 253.897 107.874 175.033 33.990
Frankreich 40.159 73.516 105.822 11.299
Spanien 328.841 28.344 156.264 82.361

Italien verlor zwar 86 % seiner Exporte und 32 % seiner Importe, behält aber seine dominante Rolle. Die Spezialisierungsanalyse (2025) bestätigt dies: Italien (RSCA: 0,51), Frankreich (0,66), Österreich (0,55) und Griechenland (0,80) weisen die höchste Spezialisierung auf.


3. Produktionsrückgang, Preisanstiege und marktspezifische Schocks

3.1 Die EU-Produktion hat deutlich abgenommen

Die Produktionsdaten belegen einen signifikanten Rückgang der inländischen Fertigung:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (m²) 122.144.646 88.000.000 −28,0 %
Produktionswert (EUR) 1.609.698.550 900.000.000 −44,1 %

Der Rückgang des Produktionswerts (−44 %) übertrifft den mengenmäßigen Rückgang (−28 %), was mit dem allgemeinen Preisanstieg korrespondiert. Die minimale Produktionsmenge wurde mit 77 Mio. m² erreicht, der maximale Produktionswert lag 2015 bei 1,61 Mrd. EUR. Dies deutet auf eine Konsolidierung des Marktes hin: Weniger Hersteller produzieren hochwertigere Güter.

3.2 Preisvolatilität und Schockereignisse prägen den Markt

Die Volatilitätsanalyse zeigt erhebliche Schwankungen bei den Handelspartnern. Die wichtigsten Schockereignisse umfassen:

Ereignis Typ Richtung Jahr Preisänderung Abnormalität
Türkei Preisschock Exporte 2017 +258,9 % 84,5
China Preisschock Importe 2019 +36,7 % 7,1
Tunesien Preisschock Exporte 2022 −51,9 % 9,1

Der extreme Preisschock bei Exporten in die Türkei (2017) mit einer abnormalen Abweichung von 84,5 deutet auf eine kurzfristige massive Nachfrageverschiebung hin. Der Tunesien-Schock (2022) korreliert zeitlich mit der COVID-19-Nachwirkungen und der geopolitischen Instabilität in der Region. Die hohe Volatilität bei kleineren Handelspartnern (Pakistan CV: 1,89; Japan CV: 1,91) spiegelt deren geringe und unregelmäßige Handelsmengen wider.

3.3 Handelsintensität und Exportneigung sind gestiegen

Paradoxerweise stiegen trotz des Gesamtrückgangs die Handelsintensität und die Exportneigung des verbleibenden Marktes:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Handelsintensität (%) 46,8 73,7 +57,5 %
Exportneigung (%) 42,1 70,6 +68,0 %

Diese Entwicklung lässt sich dadurch erklären, dass die inländische Nachfrage stärker gesunken ist als die verbleibende Produktion. Die EU-Produzenten, die den Markt überlebt haben, sind zunehmend auf Exportmärkte angewiesen – ein Zeichen für eine Spezialisierung auf international wettbewerbsfähige Nischenprodukte.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Rosshaargewebe (KN 5113) hat im Zeitraum 2015–2025 eine fundamentale Transformation durchlaufen. Die Kernmerkmale dieses Wandels sind:

  1. Volumenrückgang: Sowohl Handel als auch Produktion sind erheblich geschrumpft – die Ausfuhren verloren 89 % ihrer Menge, die Produktion 28 %.

  2. Wertsteigerung bei sinkenden Mengen: Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen um 131 %, was auf eine Verschiebung hin zu hochwertigen Spezialgeweben hindeutet.

  3. Geopolitische Effekte: Der Brexit hat die Handelsstatistik mit dem Vereinigten Königreich grundlegend verändert (+359 % bei Importen), während traditionelle Lieferanten wie Pakistan und Japan praktisch vom Markt verschwanden.

  4. Strukturelle Verwundbarkeit: Die EU wandelte sich vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur; China beherrscht weiterhin die Einfuhren mit einem dominanten Marktanteil.

  5. Konsolidierung und Spezialisierung: Italien bleibt das Zentrum der europäischen Rosshaargewebeproduktion, wobei sich der Markt auf weniger, aber spezialisiertere Akteure konzentriert hat.

Der Markt befindet sich in einer Phase der Nischenkonsolidierung: Weniger Produzenten bedienen einen kleineren, aber hochwertigeren Markt. Die anhaltende Abhängigkeit von chinesischen Importen und die gestiegene Exportneigung der verbleibenden EU-Produzenten stellen sowohl Chancen (Premiumpositionierung) als auch Risiken (Lieferkettenabhängigkeit) dar.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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