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Marktentwicklung: Wollstreichgarn (CN 5106) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union für Streichgarne aus Wolle (CN 5106) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Zollposition 5106 umfasst Streichgarne aus Wolle, die nicht in Aufmachungen für den Einzelverkauf verpackt sind, und gliedert sich in zwei Unterkapitel: Garne mit einem Wollanteil von mindestens 85 Gewichtsprozent (CN 510610) sowie solche mit einem überwiegenden, aber unter 85 % liegenden Wollanteil (CN 510620). Die EU ist in diesem Segment traditionell ein bedeutender Produzent und Nettoexporteur.

Im untersuchten Zeitraum lassen sich drei zentrale Dynamiken erkennen: ein deutlicher Rückgang der Handelsvolumen bei gleichzeitig stark steigenden Preisen, eine geografische Neuausrichtung der Handelsströme — insbesondere nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt — sowie eine zunehmende Exportorientierung der EU bei gleichzeitig drastisch schrumpfender inländischer Produktionsbasis.


1. Preisanstieg trotz Volumeneinbruch — Qualitätsverschiebung im Markt

Rückläufige Handelsvolumen auf beiden Seiten des Marktes

Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg verloren die Handelsvolumen erheblich an Substanz. Die Exportmenge sank um 34,8 % von 16.977 t auf 11.072 t, die Importmenge sogar um 68,8 % von 3.657 t auf lediglich 1.141 t. Der Importverfall fiel damit deutlich stärker aus als der Exportrückgang.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 173,4 133,1 −23,3 %
Exportmenge (t) 16.977 11.072 −34,8 %
Exportpreis (EUR/t) 10.216 12.019 +17,6 %
Importwert (Mio. EUR) 28,2 17,0 −39,6 %
Importmenge (t) 3.657 1.141 −68,8 %
Importpreis (EUR/t) 7.718 14.937 +93,5 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) 145,2 116,0 −20,1 %

Die EU blieb throughout den gesamten Zeitraum Nettoexporteur mit einer positiven Handelsbilanz, die allerdings von 145,2 Mio. EUR auf 116,0 Mio. EUR schrumpfte.

Steigende Einheitspreise als gegenläufiger Trend

Bemerkenswert ist der gegenläufige Trend bei den Einheitspreisen. Während die Mengen zurückgingen, stiegen die Exportpreise um 17,6 % und die Importpreise sogar um 93,5 % — eine nahezu Verdoppelung. Dies deutet darauf hin, dass sich die EU aus günstigeren Bezugsquellen zurückgezogen hat und verbliebene Lieferanten tendenziell hochwertigere oder teurere Ware liefern. Auch auf der Exportseite spiegelt sich ein Mix aus Kostensteigerungen und Qualitätsaufwertung wider.

Strukturwandel: Die Premiumqualität (CN 510610) gewinnt an Dominanz

Hinter den aggregierten Zahlen verbirgt sich eine fundamentale Verschiebung zwischen den beiden Produktsegmenten. Das Premiumsegment mit ≥ 85 % Wollanteil (CN 510610) gewann sowohl bei Exporten als auch bei Importen massiv an Anteil:

Exporte nach Segment:

Segment Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Wertanteil 2015 Wertanteil 2025
510610 (≥ 85 % Wolle) 4.508 5.537 71,9 82,3 41,5 % 61,8 %
510620 (< 85 % Wolle) 12.469 5.535 101,6 50,8 58,5 % 38,2 %

Importe nach Segment:

Segment Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Wertanteil 2015 Wertanteil 2025
510610 (≥ 85 % Wolle) 702 561 8,5 11,0 30,2 % 64,2 %
510620 (< 85 % Wolle) 2.955 580 19,7 6,1 69,8 % 35,8 %

Während die Exportmengen des Standardsegments (510620) nahezu halbiert wurden, konnte das Premiumsegment (510610) seine Exportmengen um 23 % steigern. Der Wertanteil von 510610 an den Gesamtausfuhren stieg von 41,5 % auf 61,8 %. Auf der Importseite kollabierte 510620 um über 80 %, während 510610 vergleichsweise stabil blieb. Diese Verschiebung spiegelt einen Markt wider, der sich zunehmend auf hochwertige, reine Wollgarne konzentriert, während der Massenmarkt für Mischgarne schrumpft.


2. Geografische Neuausrichtung der Handelsbeziehungen

Bedeutender Rückgang des Handels mit dem Vereinigten Königreich

Das Vereinigte Königreich war 2015 sowohl das mit Abstand wichtigste Exportziel als auch die wichtigste Importquelle der EU für Wollstreichgarn. Im Zeitraum 2015–2025 sanken die Exporte in das Vereinigte Königreich von 70,9 Mio. EUR auf 48,2 Mio. EUR (−31,9 %), die Importe von dort sogar von 21,8 Mio. EUR auf 9,7 Mio. EUR (−55,5 %). Der Zeitpunkt des stärksten Rückgangs fällt mit dem Ende der Übergangsphase nach dem Brexit (Ende 2020) zusammen; neue Handelsbarrieren und Zollformalitäten dürften hier eine Rolle spielen. Dennoch blieb das Vereinigte Königreich 2025 mit großem Abstand der wichtigste Handelspartner.

Wachstumsmärkte: Türkei und Australien als neue Exportpole

Während traditionelle Märkte an Bedeutung verloren, zeigten einige Partner ein starkes Wachstum. Die Exporte in die Türkei stiegen um 103,0 % von 7,9 Mio. EUR auf 16,1 Mio. EUR. Noch spektakulärer entwickelten sich die Exporte nach Australien, die von 0,5 Mio. EUR auf 4,8 Mio. EUR zunahmen (+932,3 %). Hongkong als zweitgrößter Exportmarkt verlor hingegen fast die Hälfte seines Wertes (−48,0 %, von 42,5 Mio. EUR auf 22,1 Mio. EUR).

Auf der Importseite gewann China an Bedeutung (+263,0 %, von 1,0 Mio. EUR auf 3,5 Mio. EUR), während Neuseeland als ehemals relevante Wollquelle praktisch vom Markt verschwand (−99,9 %).

Die folgende Tabelle fasst die Entwicklung der wichtigsten Handelspartner zusammen:

Top-Exportmärkte:

Partner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 70,9 48,2 −31,9 %
Hongkong 42,5 22,1 −48,0 %
Türkei 7,9 16,1 +103,0 %
USA 5,8 7,0 +21,3 %
Tunesien 5,0 5,8 +15,7 %
Serbien 4,9 0,7 −86,0 %
Australien 0,5 4,8 +932,3 %

Top-Importquellen:

Partner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 21,8 9,7 −55,5 %
Türkei 2,0 1,7 −13,4 %
Neuseeland 1,9 < 0,1 −99,9 %
China 1,0 3,5 +263,0 %
Indien 0,3 0,3 −5,4 %
Mauritius 0,1 0,3 +78,1 %

Verschiebungen innerhalb der EU: Litauen als neuer Akteur

Auch innerhalb der EU veränderten sich die Gewichte der exportierenden Mitgliedstaaten erheblich. Italien blieb zwar der dominante Exporteur, verlor aber von 112,2 Mio. EUR auf 81,6 Mio. EUR (−27,3 %). Deutlich gewann hingegen Litauen: Die Exporte stiegen von 4,4 Mio. EUR auf 27,2 Mio. EUR (+518,9 %). Damit stieg Litauens Anteil an den EU-Gesamtausfuhren von 2,5 % auf über 20 %. Gleichzeitig brachen die Exporte Belgiens (−97,9 %), Kroatiens (−97,9 %) und Dänemarks (−92,3 %) nahezu vollständig zusammen. Litauen zeigt laut Spezialisierungsdaten mit einem RSCA-Wert von 0,97 und einem RCA-Index von 63,1 eine extreme Spezialisierung auf Wolstreichgarn — der höchste Wert aller EU-Mitgliedstaaten.

Die Konzentration des Handels (gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index) nahm sowohl bei Exporten als auch bei Importen ab: Der Import-HHI sank von 6.056 auf 4.180 (−31,0 %), der Export-HHI von 2.360 auf 1.859 (−21,2 %). Der Markt wird also breiter aufgestellt — ein Hinweis auf Diversifizierung der Handelsbeziehungen.


3. Schrumpfende Produktionsbasis und zunehmende Exportorientierung

Drastischer Rückgang der EU-Produktion

Die inländische Produktion von Wollstreichgarn in der EU erlitt im untersuchten Zeitraum einen historischen Einbruch. Die Produktionsmenge sank von 146.094 t auf 38.054 t — ein Rückgang von 74,0 %. Der Produktionswert fiel von 853 Mio. EUR auf 500 Mio. EUR (−41,4 %). Dass der Wert weniger stark zurückging als die Menge, deutet auf eine Verschiebung der verbleibenden Produktion hin zu höherwertigen Erzeugnissen — konsistent mit der oben beschriebenen Dominanz des Premiumsegments (CN 510610).

Produktionskennzahl 2015 2025 Veränderung
Menge (t) 146.094 38.054 −74,0 %
Wert (Mio. EUR) 853 500 −41,4 %

Steigende Exportquote und Handelsintensität

Trotz des Produktionsrückgangs stiegen die Exportquote und die Handelsintensität der EU in diesem Segment deutlich an:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportquote (%) 13,2 34,8 +162,7 %
Handelsintensität (%) 18,6 41,7 +123,6 %

Das bedeutet, dass ein wachsender Anteil der verbleibenden EU-Produktion für den Export bestimmt ist. Die Exportquote hat sich nahezu verdreifacht, die Handelsintensität mehr als verdoppelt. Der EU-Markt für Wollstreichgarn ist somit in hohem Maße international verflochten — und wird es zunehmend mehr.

Wachsende Autonomie als Nettoexporteur

Der Netto-Importabhängigkeitsindikator der EU wurde im Zeitraum von −7,1 % auf −29,7 % deutlich negativer. Negative Werte kennzeichnen eine Nettoexportposition; der steigende (absolut betrachtet) negative Wert zeigt, dass die EU ihre Rolle als Nettoexporteur ausbaute — gemessen am gesamten inländischen Markt. Dies erscheint zunächst paradox angesichts sinkender Exportvolumina, erklärt sich jedoch durch den noch stärkeren Rückgang der inländischen Produktion: Der Markt insgesamt schrumpfte schneller als die Exporte, sodass die relative Exportorientierung zunahm.


Schlussfolgerung

Der europäische Markt für Wollstreichgarn (CN 5106) durchlebte zwischen 2015 und 2025 eine tiefgreifende Strukturdrehscheibe. Die Kernbefunde lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Erstens vollzog sich ein markanter Qualitätsschwenk: Das Standardsegment (CN 510620, < 85 % Wolle) verlor sowohl bei Exporten als auch Importen massiv an Volumen, während das Premiumsegment (CN 510610, ≥ 85 % Wolle) seine Position behaupten oder ausbauen konnte. Die EU konzentriert sich zunehmend auf hochwertige Wollgarne.

Zweitens verschoben sich die Handelsströme geografisch. Der Handel mit dem Vereinigten Königreich — dem mit Abstand wichtigsten Partner — ging deutlich zurück. Gleichzeitig gewannen die Türkei und Australien als Exportmärkte sowie China als Importquelle an Bedeutung. Innerhalb der EU entwickelte sich Litauen zu einem bedeutenden Exporteur, während traditionelle Produzenten wie Belgien und Dänemark an Relevanz verloren.

Drittens schrumpfte die inländische Produktionsbasis der EU drastisch, um fast drei Viertel der Menge. Die verbleibende Produktion ist jedoch stärker denn je auf den Export ausgerichtet: Die Exportquote stieg auf 34,8 %, und die EU festigte ihre Stellung als Nettoexporteur. Der Markt für Wollstreichgarn in der EU ist somit kleiner, aber internationaler und qualitativ hochwertiger geworden.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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