Marktentwicklung: Wollkammgarne (CN 5107) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) für den Zollcode 5107, „Kammgarne aus Wolle (ausg. in Aufmachungen für den Einzelverkauf)“, im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Daten zeigen eine Phase struktureller Anpassung, die von einem deutlichen Rückgang der EU-Ausfuhraktivität, veränderten Handelsbeziehungen und einer schwächeren Produktionsbasis innerhalb der EU geprägt ist. Die folgenden Abschnitte erläutern die wichtigsten dynamischen Entwicklungen und deren Implikationen für die Position der EU auf dem globalen Markt für Wollkammgarne.
1. Rückgang des EU-Exportengagements und schwindender Handelsüberschuss
Die EU hat im betrachteten Zeitraum einen signifikanten Rückgang ihrer Exporte von Wollkammgarnen erlebt, was zu einer deutlichen Verschlechterung der Handelsbilanz führte.
Erheblicher Rückgang von Exportvolumen und -wert
Die Menge der EU-Ausfuhren sank von 10.561 Tonnen im Jahr 2015 auf 5.261 Tonnen im Jahr 2025, was einem Rückgang von 50,2 % entspricht. Auch der Exportwert verringerte sich um 33,8 % von 193,7 Mio. EUR auf 128,2 Mio. EUR. Dies deutet auf eine strukturelle Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit der EU-Produzenten auf Drittmärkten hin. Die allgemeine Handelsübersicht veranschaulicht diesen Abwärtstrend.
Steigende Exportpreise bei sinkenden Mengen
Interessanterweise stieg der durchschnittliche Exportpreis im selben Zeitraum um 32,9 % von 18.337 EUR/t auf 24.363 EUR/t. Dies könnte auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Garnen oder allgemeine Kostensteigerungen hindeuten, konnte den Mengenrückgang jedoch nicht kompensieren. Der Preisanstieg war insbesondere bei dem Garnsegment mit einem Wollanteil von ≥ 85 % (510710) ausgeprägt.
Schrumpfender Handelsüberschuss und geringere Autonomie
Der positive Handelsbilanzsaldo der EU (Exporte minus Importe) brach von 88,1 Mio. EUR im Jahr 2015 auf nur noch 26,6 Mio. EUR im Jahr 2025 zusammen (Rückgang um 69,8 %). Der Netto-Importabhängigkeitsscore verbesserte sich zwar, blieb aber negativ, was bedeutet, dass die EU weiterhin ein Nettoexporteur ist – jedoch in stark abgeschwächtem Maße.
| Kennzahl (2015) | Kennzahl (2025) | Veränderung |
|---|---|---|
| Exportvolumen: 10.561 t | Exportvolumen: 5.261 t | -50,2 % |
| Exportwert: 193,7 Mio. EUR | Exportwert: 128,2 Mio. EUR | -33,8 % |
| Exportpreis: 18.337 EUR/t | Exportpreis: 24.363 EUR/t | +32,9 % |
| Handelsbilanz: +88,1 Mio. EUR | Handelsbilanz: +26,6 Mio. EUR | -69,8 % |
2. Umstrukturierung der Handelspartnerschaften und erhöhte Volatilität
Das Partnerschaftsnetzwerk der EU für Wollkammgarne unterlag zwischen 2015 und 2025 erheblichen Veränderungen, begleitet von markanten Preisschocks bei bestimmten Handelsströmen.
Verschiebung bei den wichtigsten Exportabnehmern
Hongkong, 2015 mit 45,5 Mio. EUR der wichtigste Exportmarkt, verlor an Bedeutung (Rückgang um 79,4 %). Der Handel mit dem Vereinigten Königreich (UK) nahm ebenfalls deutlich ab (-61,0 %). Dagegen wurden die Türkei (13,3 % Wachstum) und Norwegen (73,2 % Wachstum) zu wichtigeren Bestimmungsorten. Diese Entwicklung der Handelspartner spiegelt geopolitische und logistische Umbrüche wider.
Diversifizierung und Schocks bei den Einfuhren
Auf der Importseite verlor Thailand an Bedeutung (-68,0 %), während Indien seinen Anteil fast verdoppelte (+98,8 %) und zum wichtigsten Lieferanten aufstieg. Vietnam stieg mit einem exponentiellen Wachstum von praktisch null zu einem bedeutenden Lieferanten auf. Besonders auffällig war ein massiver Preisschock bei Importen aus Indien im Jahr 2020, bei dem die Preise um 22,8 % einbrachen, bei gleichzeitig hoher Volatilität (Variationskoeffizient von 0,48).
Stabile, aber konzentriertere Lieferantenstruktur
Trotz der Verschiebungen blieb die Marktkonzentration der Importe (HHI) auf einem moderat konzentrierten Niveau (HHI von 1.951 im Jahr 2025). Die Exportkonzentration nahm hingegen leicht ab (HHI von 1.319 auf 1.142), was auf eine breitere Streuung der Exportmärkte hindeutet.
3. Einbruch der EU-Produktion und veränderte interne Spezialisierung
Parallel zum Handelsrückgang ist die Wollkammgarnproduktion innerhalb der EU drastisch gesunken, was die Verflechtung zwischen Produktion und Handel unterstreicht.
Drastischer Rückgang der EU-Produktionsvolumina
Die EU-Produktionsmenge brach von 133.002 Tonnen (2015) auf 24.448 Tonnen (2025) ein, was einem Rückgang von 81,6 % entspricht. Der Produktionswert sank um 43,9 %. Dies ist der fundamentalste Trend im untersuchten Zeitraum und erklärt den Rückgang der Exporte sowie die zunehmende Importabhängigkeit.
Wandel der innerhalb der EU führenden Produzenten
Die führenden Exportländer innerhalb der EU haben sich verändert. Italien blieb der größte Exporteur, aber sein Anteil sank um 30,4 %. Deutschland und Österreich verzeichneten dramatische Rückgänge (-37,8 % bzw. -99,7 %). Dagegen konnten Tschechien (+129,4 %) und Spanien (+313,5 %) ihre Exporte deutlich ausweiten, wie die Daten der EU-Reporteure zeigen.
Verschärfte Spezialisierungsmuster
Die Daten zur komparativen Spezialisierung (RSCA) für 2025 zeigen, dass nur noch wenige EU-Staaten (Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Italien) eine signifikante Spezialisierung in diesem Sektor aufweisen. Große Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich oder die Niederlande haben ihre Spezialisierung stark reduziert oder sind sogar zu Nettoimporteuren geworden.
Fazit
Die Periode 2015–2025 war für den EU-Handel mit Wollkammgarnen (CN 5107) von drei miteinander verknüpften Entwicklungen geprägt: einem drastischen Einbruch der heimischen Produktion, einem daraus resultierenden Rückgang der Exporte und einer Neuausrichtung der Handelsströme. Die EU hat sich von einer stark exportorientierten Produktion zu einem Markt mit schwindendem Überschuss entwickelt. Die Handelsbeziehungen haben sich mit dem Aufstieg asiatischer Lieferanten und dem Bedeutungsverlust traditioneller Partner wie Hongkong und Thailand deutlich umstrukturiert. Trotz steigender Exportpreise konnte der massive Mengenrückgang nicht aufgefangen werden. Die Zukunft dieses Sektors in der EU scheint zunehmend auf spezialisierte Nischenproduktion weniger Mitgliedstaaten beschränkt zu sein.