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Marktentwicklung: Rosshaargarne (CN 5110) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit dem Produkt "Garne aus groben Tierhaaren oder aus Rosshaar" (Zolltarifnummer 5110) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Analyse basiert auf den jährlichen Handelsdaten mit Drittländern und konzentriert sich auf Wert, Menge, Preis, Handelspartnerstrukturen sowie auf Marktkonzentration und Volatilität. Die Daten zeigen einen klaren Trend: Der EU-Markt für dieses Nischenprodukt erfährt eine signifikante Kontraktion, gepaart mit einer deutlichen Preissteigerung und einer Verschiebung der Handelsbeziehungen.

1. Kontraktion des Handelsvolumens bei gleichzeitiger Preissteigerung

Der Zeitraum 2015 bis 2025 ist durch einen erheblichen Rückgang des Handelsvolumens für Rosshaargarne gekennzeichnet, sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten. Gleichzeitig sind die Preise, insbesondere bei den Exporten, stark gestiegen.

Scharfer Rückgang der EU-Importe nach Volumen und Wert

Die Einfuhren von Rosshaargarnen in die EU sind im Betrachtungszeitraum spürbar zurückgegangen. Der importierte Wert sank von rund 1,31 Mio. EUR im Jahr 2015 auf etwa 773.531 EUR im Jahr 2025, was einem Rückgang von 41,0% entspricht. Noch drastischer war der Rückgang der importierten Menge, die von 85,45 Tonnen auf nur 29,70 Tonnen fiel (-65,2%). Dieser stärkere Rückgang bei der Menge im Vergleich zum Wert führte zu einem signifikanten Preisanstieg. Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von 15.335 EUR/Tonne auf 25.999 EUR/Tonne, eine Steigerung von 69,5%. Diese Entwicklung deute auf einen Rückgang der Nachfrage nach mengenstarken, preisgünstigen Garnen und eine verbleibende Nachfrage nach hochwertigeren Qualitäten hin.

Mehr Details zu den Import- und Exporttrends finden Sie in der allgemeinen Übersicht.

Starker Rückgang der Exportmengen und explodierende Exportpreise

Die Ausfuhren aus der EU folgen einem ähnlichen, wenn auch teils noch ausgeprägteren Trend. Der Exportwert sank um 21,9% von 347.826 EUR auf 271.600 EUR. Die exportierte Menge brach jedoch dramatisch um 78,9% ein, von 14,74 Tonnen auf lediglich 3,11 Tonnen. Der mit Abstand auffälligste Befund ist die extreme Preisentwicklung bei den Exporten: Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 23.595 EUR/Tonne im Jahr 2015 auf 87.400 EUR/Tonne im Jahr 2025, was einer Steigerung von über 270% entspricht. Diese Preisexplosion bei stark gesunkenen Mengen lässt vermuten, dass die EU-Ausfuhren sich stark auf hochspezialisierte, sehr teure Garnqualitäten konzentriert haben.

Verbesserung des Handelsbilanzdefizits

Trotz des generellen Rückgangs hat sich das negative Handelsbilanzdefizit der EU bei diesem Produkt verringert. Das Defizit schrumpfte von etwa -962.556 EUR im Jahr 2015 auf -501.930 EUR im Jahr 2025, eine Verbesserung um 47,9%. Dies ist eine direkte Folge des stärkeren relativen Rückgangs der Importe im Vergleich zu den Exporten.

2. Verschiebung der Handelspartnerstrukturen und regionale Spezialisierung

Die Handelspartner für Rosshaargarne haben sich im Laufe des Jahrzehnts erheblich verändert. Während einige traditionelle Lieferanten an Bedeutung verloren haben, sind neue Akteure aufgetaucht. Gleichzeitig weisen die Handelsströme eine hohe Konzentration auf wenige EU-Mitgliedstaaten auf.

Wandel der wichtigsten Importlieferanten der EU

Die Schweiz blieb der mit Abstand wichtigste Importpartner für die EU, obwohl der Wert ihrer Lieferungen um 45,4% von 895.315 EUR auf 489.153 EUR sank. Dramatisch eingebrochen sind die Importe aus Peru, die von 213.034 EUR auf nur 1.217 EUR fielen (-99,4%). Im Gegenzug sind neue oder zuvor unbedeutende Lieferanten stark gewachsen: Die Lieferungen aus den Färöer Inseln stiegen um 304,9% auf 72.935 EUR, und die aus der Türkei explodierten von marginalen 41 EUR auf 47.258 EUR. Auch das Vereinigte Königreich entwickelte sich zu einem relevanten Lieferanten.

Importpartner der EU (Auswahl) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Schweiz 895.315 489.153 -45,4%
China 166.184 100.066 -39,8%
Peru 213.034 1.217 -99,4%
Färöer Inseln 18.013 72.935 +304,9%
Türkei 41 47.258 ext. Anstieg
Vereinigtes Königreich 202 21.753 +10.669%

Details zu den wichtigsten Handelspartnern nach Wert.

Italien als spezialisierter Exporteur; Bedeutungsverlust Deutschlands

Die Zusammensetzung der wichtigsten Exportländer innerhalb der EU hat sich gewandelt. Deutschland, 2015 noch der größte Exporteur mit 172.785 EUR, verlor fast seine gesamte Bedeutung (2025: 1.986 EUR, -98,9%). Italien hingegen festigte seine Position und wurde mit 237.292 EUR (+42,3%) zum mit Abstand führenden Exporteur. Die Spezialisierungsanalyse bestätigt dies: Italien weist 2025 mit einem RCA-Wert von 11,20 und einem positiven RSCA von 0,84 einen sehr hohen komparativen Vorteil bei diesem Produkt auf. Andere große Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich und Schweden haben negative RSCA-Werte, was auf eine Despezialisierung hindeutet.

Exportländer der EU (Auswahl) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Italien 166.751 237.292 +42,3%
Deutschland 172.785 1.986 -98,9%
Schweden 2.600 17.885 +588%
Vereinigtes Königreich (Exportziel) 173.274 102.677 -40,7%
USA (Exportziel) 36.217 50.335 +39,0%

Informationen zur Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten.

Geringere Marktkonzentration trotz weniger Handelspartnern

Paradoxerweise ist die Konzentration des Handels, gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), trotz des Rückgangs der Handelsvolumina gesunken. Der HHI für Importe sank um 12,2% von 5.244 auf 4.606, und der HHI für Exporte sogar um 34,5% von 3.067 auf 2.009. Dies bedeutet, dass der Handel etwas gleichmäßiger auf verschiedene Partner verteilt ist als noch zu Beginn des Zeitraums, auch wenn die absolute Handelsmenge kleiner geworden ist.

Diagramm zur Handelskonzentration (HHI).

3. Hohe Volatilität und markante Preisschocks bei Exporten

Die Handelsströme mit einigen Partnern zeichnen sich durch eine hohe Schwankungsbreite (Volatilität) aus. Darüber hinaus sind im Exportbereich mehrere extreme Preisanstiege zu beobachten, die auf unregelmäßige Handelsmuster oder spezifische Nachfrageausbrüche hindeuten.

Schwankungsreiche Handelsbeziehungen mit ausgewählten Partnern

Die Volatilität, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), ist bei einigen Handelsbeziehungen besonders hoch. Im Importbereich weisen die Ströme aus Peru (CV 2,06) und der Türkei (CV 2,22) eine extrem hohe Schwankungsbreite auf, was auf unregelmäßige, eventuell projektabhängige Lieferungen hindeutet. Im Exportbereich sind die Handelsströme mit Hongkong (CV 1,78), Norwegen (CV 1,83) und besonders der Türkei (CV 2,63) sehr volatil. Dies deutet auf einen Nischencharakter hin, bei dem Lieferungen nicht kontinuierlich, sondern in unregelmäßigen Abständen erfolgen.

Identifizierung von Preisschocks bei Exporten

Im untersuchten Zeitraum wurden drei signifikante Preisschocks bei EU-Exporten identifiziert. Der stärkste Schock betraf Japan im Jahr 2020, wo der durchschnittliche Exportpreis um 959% in die Höhe schnellte (Abnormalität: 15,4). Ein ähnlicher, wenn auch etwas schwächerer Preisanstieg wurde 2022 bei Exporten nach China verzeichnet (+721%). Ein dritter Schock betraf die USA im Jahr 2019 (+147%). Diese Ereignisse könnten auf einzelne, hochpreisige Großlieferungen von Spezialgarnen zurückzuführen sein, die die Durchschnittspreise für das jeweilige Jahr stark nach oben verzerrt haben.

Vorschau auf identifizierte Preisschocks.

Fazit

Der EU-Markt für Rosshaargarne (CN 5110) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Die Kernentwicklung ist eine massive Kontraktion des Handelsvolumens – einhergehend mit einem Rückgang der importierten und exportierten Mengen um 65% bzw. 79%. Dieser Schrumpfungsprozess wurde jedoch von einer außerordentlichen Preissteigerung, insbesondere bei Exporten, begleitet. Dies deutet auf eine qualitative Veränderung hin: Der Handel verlagert sich weg von mengenstarken Standardgarnen hin zu hochpreisigen, spezialisierten Nischenprodukten.

Strukturell haben sich die Handelsbeziehungen neu ausgerichtet. Traditionelle Partner wie Peru oder Deutschland (als Exporteur) haben stark an Bedeutung verloren, während neue Akteure wie die Färöer Inseln, die Türkei und insbesondere Italien (als Exporteur) an Einfluss gewonnen haben. Der Markt bleibt jedoch hochvolatil, mit stark schwankenden Handelsströmen und gelegentlichen extremen Preisbewegungen, die auf den Nischencharakter vieler Handelsbeziehungen zurückzuführen sind. Insgesamt zeichnet sich das Bild eines schrumpfenden, aber zunehmend spezialisierten und hochpreisigen Marktes.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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