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Marktentwicklung: Roheisen in Rohformen (CN 7201) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Roheisen und Spiegeleisen (KN-Code 7201) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Der CN 7201 umfasst Roheisen und Spiegeleisen in Masseln, Blöcken oder anderen Rohformen und bildet zusammen mit drei Untergliederungen (720110, 720120 und 720150) einen Grundwerkstoff der europäischen Stahlindustrie. Die EU war über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg Nettoimporteur dieses Produkts; der beobachtbare Zeitraum ist von tiefgreifenden strukturellen Veränderungen geprägt — von einem drastischen Rückgang der einheimischen Produktion über geopolitische Verschiebungen der Handelspartnerlandschaft bis hin zu massiven Preisschocks.


1. Struktureller Produktionsrückgang und zunehmende Importabhängigkeit

Die einheimische EU-Produktion ist nahezu kollabiert

Die gravierendste Veränderung im Markt für Roheisen in Rohformen ist der dramatische Zusammenbruch der europäischen Eigenproduktion. Die Produktionsmengen sanken im Berichtszeitraum von rund 29,8 Milliarden kg auf 800 Millionen kg — ein Rückgang von 97,3 %. Noch deutlicher wird dies im Wert: Die Produktionswerte fielen von rund 2,04 Mrd. EUR auf 400 Mio. EUR (−80,4 %). Diese Entwicklung deutet auf eine fundamentale Transformation der europäischen Stahlbasis hin — verursacht durch Dekarbonisierungsanstrengungen, steigende Energiekosten und strukturellen Wandel in der Stahlherstellung.

Die Importmenge sank trotz Produktionsrückgang

Paradoxerweise nahm die Importmenge im selben Zeitraum um 17,3 % ab — von rund 3,04 Mio. Tonnen (2015) auf rund 2,51 Mio. Tonnen (2025). Der Importwert stieg hingegen leicht um 6,2 % (von 865,5 Mio. EUR auf 918,9 Mio. EUR), was auf erhebliche Preissteigerungen zurückzuführen ist (von 285 EUR/t auf 366 EUR/t, +28,3 %). Die Tatsache, dass trotz eines fast vollständigen Wegfalls der Eigenproduktion weniger importiert wurde, lässt auf einen insgesamt schrumpfenden Roheisenbedarf in der EU schließen.

Die Nettoimportabhängigkeit erreicht historische Höchstwerte

Die Nettoimportquote stieg von 46,2 % (2015) auf 67,7 % (2025) — ein Anstieg um 46,5 %. Der Höchstwert wurde 2022 mit 73,2 % erreicht, inmitten der Energiekrise und geopolitischen Verwerfungen. Die Handelsintensität folgte einem vergleichbaren Muster und erreichte von 47,3 % auf 71,2 % (+50,7 %). Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der Exportquote von lediglich 1,3 % auf 8,4 % — ein Zuwachs von 561,5 %, der darauf hindeutet, dass trotz des Produktionsrückgangs die verbleibende Produktion zunehmend auf Exportmärkte ausgerichtet wird.


2. Geopolitische Umwälzungen der Handelspartnerlandschaft

Russland verliert seine dominierende Stellung als Importlieferant

Die Importpartner der EU haben sich im Berichtszeitraum erheblich verschoben. Russland, das 2015 mit rund 403 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Lieferant war, verlor 36,6 % seines Exportwerts in die EU (255,7 Mio. EUR in 2025). Der Höchstwert lag bei 627,5 Mio. EUR. Diese Entwicklung spiegelt die zunehmenden Sanktionen wider, die nach 2022 verschärft wurden.

Partnerland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung Volatilität (CV)
Russland 403,3 255,7 −36,6 % 0,26
Ukraine 208,2 209,1 +0,4 % 0,49
Brasilien 147,2 198,6 +34,9 % 0,29
Südafrika 45,8 132,7 +189,5 % 0,52
Norwegen 22,5 29,7 +32,2 % 0,19
Kanada 12,7 23,1 +81,6 % 0,20
Serbien 1,1 3,4 +220,2 % 0,63

Neue Lieferanten gewinnen an Bedeutung

Besonders Südafrika verzeichnete ein bemerkenswertes Wachstum von 189,5 % und ersetzte teilweise russische Lieferungen. Serbien (+220,2 %) und Kanada (+81,6 %) sind ebenfalls stark gewachsen. Die Ukraine blieb als zweitwichtigster Partner nahezu stabil (+0,4 %), was angesichts des seit 2022 andauernden Krieges bemerkenswert ist. Die Volatilitätskoeffizienten zeigen, dass die etablierten Partner (Norwegen, Kanada) deutlich stabilere Handelsbeziehungen aufweisen als neuere Lieferanten wie Serbien (CV: 0,63) oder Südafrika (CV: 0,52).

Der Exportmarkt wird stärker konzentriert und auf die Türkei ausgerichtet

Auf der Exportseite vollzog sich eine noch dramatischere Verschiebung. Die Türkei entwickelte sich zum wichtigsten Abnehmer mit einem Anstieg von 289,1 % (von 5,3 Mio. EUR auf 20,8 Mio. EUR). Gleichzeitig brachen die Exporte in die USA (−95,4 %) und nach China (−100,0 %) praktisch vollständig ein. Der HHI-Konzentrationsindex für Exporte verdoppelte sich nahezu von 1.351 auf 2.866 (+112,2 %), was auf eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen Absatzmärkten hindeutet.

Die Importseitige Konzentration nimmt ab — eine Diversifizierung

Gleichzeitig verringerte sich der Import-HHI von 3.079 auf 2.008 (−34,8 %). Dies ist ein positives Signal: Die EU hat ihre Importquellen für Roheisen deutlich diversifiziert und ist weniger von einzelnen Lieferländern abhängig als noch 2015. Die Entwicklung spiegelt eine bewusste oder erzwungene Diversifizierungsstrategie wider — insbesondere im Zuge der Reduzierung der Abhängigkeit von russischen Rohstoffen.

Innerhalb der EU konzentrieren sich die Importe auf wenige Mitgliedstaaten

Innerhalb der EU sind die Hauptimportländer Italien (528 Mio. EUR, +33,1 %), die Niederlande (173 Mio. EUR, +17,1 %) und Spanien (74 Mio. EUR, +15,9 %). Deutschland hingegen verlor als Importeur 84,1 % seines Werts (von 66,8 Mio. EUR auf 10,6 Mio. EUR). Lettland verzeichnete ein extremes Wachstum von 14.268 %, was auf die Umstrukturierung von Handelswegen hindeuten könnte.


3. Preisvolatilität, Schocks und sich wandelnde Wettbewerbsstrukturen

Die COVID-19-Pandemie und die Energiekrise verursachten massive Preisschocks

Die Schockanalyse identifiziert drei signifikante Ereignisse:

Ereignis Zeitpunkt Schocktyp Verschiebung Abnormität
Ukraine-Importe 2021 Preis +56,3 % 15,0
Russland-Importe 2021 Preis +56,5 % 11,6
USA-Exporte 2022 Preis +539,0 % 62,2

Die Preisanstiege bei Importen aus Russland und Ukraine (je ca. +56 % im Jahr 2021) fielen mit der Erholung nach COVID-19 und steigenden Energie- und Rohstoffpreisen zusammen. Der extreme Preisanstieg bei Exporten in die USA (+539 % im Jahr 2022, Abnormität von 62,2) ist bemerkenswert — er könnte auf Handelsbeschränkungen, Qualitätsverschiebungen oder außergewöhnliche Mengeneffekte hindeuten.

Importpreise und Exportpreise entwickeln sich gegenläufig

Die durchschnittlichen Importpreise stiegen von 285 EUR/t auf 366 EUR/t (+28,3 %), wobei der Höchstwert 2022 mit 582 EUR/t erreicht wurde. Die Exportpreise hingegen sanken von 533 EUR/t auf 480 EUR/t (−9,9 %). Dieses gegenläufige Muster — steigende Einkaufspreise bei sinkenden Verkaufspreisen — verschlechtert die Handelsbedingungen der EU im Roheisenhandel und erklärt den sich vertiefenden Handelsbilanzdefizit von −840 Mio. EUR auf −877 Mio. EUR.

Das Segment 720110 dominiert den Handel; 720150 zeigt Wachstum

Die Produktsegmentierung zeigt, dass das nichtlegierte Roheisen mit niedrigem Phosphorgehalt (720110) sowohl bei Importen als auch bei Exporten dominiert. Die Importe dieses Segments lagen 2025 bei rund 2,49 Mio. Tonnen (Wert: 909 Mio. EUR). Das legierte Roheisen und Spiegeleisen (720150) verzeichnete hingegen ein starkes Mengenwachstum: Die Importe stiegen von 870 Tonnen (2015) auf 25.263 Tonnen (2025) — ein Indiz für eine zunehmende Nachfrage nach spezifischeren Roheisensorten.

Innerhalb der EU zeigt sich ein heterogenes Spezialisierungsmuster

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: Lettland (RSCA: 0,94) und Frankreich (RSCA: 0,54) weisen die höchsten Spezialisierungsgrade auf, während Österreich (RSCA: −1,00), Litauen (RSCA: −1,00) und Dänemark (RSCA: −1,00) praktisch keine nennenswerte Roheisenproduktion besitzen. Diese Verteilung unterstreicht die Konzentration der verbleibenden EU-Produktion auf wenige Mitgliedstaaten.


Schlussfolgerung

Die Marktentwicklung von Roheisen in Rohformen (CN 7201) in der EU zwischen 2015 und 2025 ist von drei zentralen Dynamiken geprägt:

  1. Ein fundamentaler Strukturwandel: Der nahezu vollständige Kollaps der einheimischen Produktion (−97,3 %) hat die EU in eine deutlich höhere Importabhängigkeit gedrängt (Nettoimportquote: 67,7 %). Dieser Prozess spiegelt den tiefgreifenden Umbau der europäischen Stahlindustrie wider.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Die Diversifizierung der Importquellen (HHI-Rückgang um 34,8 %) — insbesondere die Abkehr von russischen Lieferungen und die Hinwendung zu afrikanischen und südamerikanischen Partnern — ist ein Erfolg. Allerdings verschärfte sich die Konzentration der Exportseite (HHI-Anstieg um 112,2 %), was neue Abhängigkeiten schafft.

  3. Sich verschlechternde Handelsbedingungen: Steigende Importpreise bei gleichzeitig sinkenden Exportpreisen haben die Wertschöpfungskette unter Druck gesetzt. Die Handelsbilanz blieb über den gesamten Zeitraum negativ und erreichte 2022 einen Tiefststand von −1,38 Mrd. EUR.

Die Daten legen nahe, dass die EU im Roheisenbereich zunehmend zu einem Markt mit importabhängiger, aber insgesamt schrumpfender Nachfrage wird — ein Trend, der sich durch die anhaltenden Dekarbonisierungsbemühungen und den Übergang zu alternativen Technologien wie Direktreduktionseisen weiter verstärken dürfte.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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