Marktentwicklung: Glasabfälle (CN 7001) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollprodukt CN 7001 (Bruchglas, Glasabfälle und Glasmasse) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Untersuchung umfasst die Struktur des Handels, die wichtigsten Partnerländer, die Wettbewerbsposition der EU-Mitgliedstaaten sowie die sich daraus ergebenden strategischen Implikationen. Die zugrundeliegenden Daten stammen von Trade Dashboard – Overview für CN 7001.
1. Wachstum bei Importen übertrifft Exporte trotz dynamischer Steigerungen
Der EU-Handel mit Glasabfällen zeigt im Untersuchungszeitraum ein deutliches Wachstum, wobei die Importe stärker gestiegen sind als die Exporte.
Die EU-Importe haben sich mehr als verdoppelt, während die Exporte ebenfalls erheblich zulegten
Die Einfuhren in die EU stiegen im Wert von 32,2 Mio. EUR (2015) auf 65,8 Mio. EUR (2025), was einer Steigerung von 104,1 % entspricht. Die Menge erhöhte sich um 44,0 % von 575.848 Tonnen auf 829.149 Tonnen. Im gleichen Zeitraum wuchsen die Ausfuhren der EU von 25,6 Mio. EUR auf 50,9 Mio. EUR (+98,6 %) und mengenmäßig von 240.936 Tonnen auf 419.438 Tonnen (+74,1 %). Die durchschnittlichen Exportpreise blieben mit 106 EUR/t (2015) und 121 EUR/t (2025) relativ stabil, während die Importpreise von 56 EUR/t auf 79 EUR/t stiegen (+41,8 %).
Das Handelsdefizit der EU hat sich erheblich ausgeweitet
Die EU verzeichnete im gesamten Zeitraum ein negatives Handelsbilanz (Defizit) für Glasabfälle. Das Defizit vertiefte sich von -6,6 Mio. EUR (2015) auf -15,0 Mio. EUR (2025), eine Verschlechterung um 125,5 %. Das Defizit erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 2020 mit -43,1 Mio. EUR. Die Nettoimportquote verbesserte sich jedoch von -33,7 % (2015) auf -13,8 % (2025), was bedeutet, dass die EU ihre Netto-Importabhängigkeit verringern konnte, auch wenn das absolute Defizit größer wurde.
Das Vereinigte Königreich ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner
Im Jahr 2025 war das Vereinigte Königreich sowohl der wichtigste Lieferant (31,0 Mio. EUR, 47,1 % der EU-Importe) als auch der wichtigste Abnehmer (20,7 Mio. EUR, 40,7 % der EU-Exporte). Andere bedeutende Partner für Importe waren die Schweiz (14,0 Mio. EUR) und Norwegen (2,0 Mio. EUR). Für Exporte waren die Schweiz (3,4 Mio. EUR) und die Türkei (4,4 Mio. EUR) die nächstgrößten Märkte. Detaillierte Partnerdaten sind unter Top-Partner nach Wert einsehbar.
2. Struktureller Produktionsrückgang verändert die Wettbewerbslandschaft innerhalb der EU
Hinter dem robusten Handelswachstum verbirgt sich ein drastischer Rückgang der inländischen Produktion von Glasabfällen, der die Spezialisierungsmuster und die Marktkonzentration in der EU prägt.
Die EU-Produktion von Glasabfällen ist dramatisch eingebrochen
Die Daten zur Produktionsmenge zeigen einen Rückgang der inländischen Produktion von 324,9 Mio. kg (2015) auf nur noch 14,0 Mio. kg (2025), was einem Rückgang von 95,7 % entspricht. Der Produktionswert fiel von 27,3 Mio. EUR auf 16,0 Mio. EUR (-41,3 %). Dieser Einbruch deutet auf tiefgreifende Veränderungen in der Kreislaufwirtschaft für Glas oder der Erfassungsquoten innerhalb der EU hin.
Einige EU-Staaten entwickeln eine starke Spezialisierung im Glasabfallhandel
Trotz des Produktionsrückgangs weisen mehrere Mitgliedstaaten einen hohen Index der spezialisierten komparativen Vorteile (RSCA) auf. Laut den Spezialisierungsdaten für 2025 sind Belgien (RSCA: 0,56), Litauen (0,56) und Luxemburg (0,51) die am stärksten spezialisierten Exporteure. Im Gegensatz dazu haben Länder wie Bulgarien (RSCA: -0,99) und Irland (-0,95) eine negative Spezialisierung, sind also Nettoimporteur dieses Produkts.
Die Konzentration auf der Importseite nimmt zu, auf der Exportseite bleibt sie stabil
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 1.925 (2015) auf 2.801 (2025) um 45,5 %, was eine zunehmende Konzentration der Importquellen auf wenige Partnerländer anzeigt. Der HHI für Exporte blieb nahezu unverändert bei 2.289 bis 2.290 (-0,1 %). Die Konzentrationsdaten finden sich unter Konzentration (HHI). Die inländische Nachfrage wird somit in zunehmendem Maße von einer kleineren Zahl von Lieferanten außerhalb der EU bedient.
3. Volatilität und strategische Umorientierung prägen die Handelsbeziehungen
Der Handel mit Glasabfällen weist eine erhebliche Preis- und Mengenvolatilität auf, und die EU erhöht gleichzeitig ihre Exportquote in einem sich wandelnden Marktumfeld.
Preis-Schocks bei Schlüsselpartnern führen zu hohen Schwankungen
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Handelsbeziehungen mit mehreren Drittländern einem hohen Variationskoeffizienten (CV) unterliegen. Besonders volatil waren die Exportpreise in die USA (CV: 1,69), die Türkei (CV: 0,99) und Brasilien (CV: 0,88). Ein signifikanter Preis-Schock wurde 2023 bei den Exporten in das Vereinigte Königreich festgestellt, wo die Preise um 101,2 % anstiegen und einen abnormalen Wert von 11,2 aufwiesen. Ein weiterer Schock betraf Moldau im Jahr 2020 mit einem Preisanstieg von 234,3 %.
Die EU erhöht ihre Exportneigung trotz wachsender Importnachfrage
Die Exportquote der EU (Anteil der Exporte an der gesamten verfügbaren Produktion) stieg von 47,2 % (2015) auf 82,5 % (2025) an. Gleichzeitig erhöhte sich die Handelsintensität (Summe von Im- und Exporten relativ zum BIP) von 56,7 % auf 89,7 %. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die EU trotz des eigenen Produktionsrückgangs ihre Position als bedeutender Exporteur im globalen Markt für Glasabfälle behauptet und ausweitet, möglicherweise durch verstärktes Recycling und effizientere Kreisläufe.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Glasabfälle (CN 7001) befindet sich zwischen 2015 und 2025 in einer Phase des dynamischen Strukturwandels. Während das Handelsvolumen insgesamt stark wächst und die EU ihre Exporte signifikant steigert, hat die inländische Produktion stark abgenommen. Dies führt zu einem wachsenden absoluten Handelsdefizit, obwohl die Nettoimportquote sinkt. Der Markt wird zunehmend von wenigen Schlüsselpartnern wie dem Vereinigten Königreich dominiert, was die Konzentration erhöht. Gleichzeitig sind die Handelsbeziehungen von erheblicher Volatilität und gelegentlichen Preis-Schocks gekennzeichnet. Die gestiegene Exportquote und Handelsintensität deuten auf eine strategische Neuausrichtung hin, bei der die EU ihre Rolle als Exporteur und Verarbeiter von Glasabfällen innerhalb der globalen Kreislaufwirtschaft stärkt, trotz einer schrumpfenden Rohstoffbasis innerhalb des Binnenmarktes.