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Marktentwicklung: Uhren (CN 91) — 2015–2025

Einleitung

Der Warencode 91 (UHRMACHERWAREN) umfasst ein breites Segment der Uhrenindustrie — von Armbanduhren in Edelmetallgehäusen über industrielle Zeitkontrollapparate bis hin zu Uhrwerken, Gehäusen und Uhrarmbändern. Die Produktdefinition deckt insgesamt 14 Unterpositionen ab, die sowohl Konsumgüter (Armbanduhren) als auch Zulieferteile und industrielle Zeitmessgeräte einschließen.

Die europäische Uhrenindustrie ist geografisch stark konzentriert: Frankreich hält mit einem RCA-Wert von 4,48 und einem relativen Spezialisierungsindex (RSCA) von 0,64 die führende Position, gefolgt von Deutschland (RCA 1,14) und Italien. Im Jahr 2025 machte Frankreich rund 35 % und Deutschland rund 24 % der gesamten EU-Produktion in diesem Segment aus.

Im Zeitraum 2015–2025 hat sich der EU-Außenhandel mit Uhrmacherwaren grundlegend gewandelt. Während die Handelsvolumina in Tonnen sowohl bei Importen (−34 %) als auch bei Exporten (−51,5 %) deutlich gesunken sind, sind die Handelswerte — insbesondere bei den Importen — gestiegen. Dieses Muster deutet auf eine klare Verschiebung hin: die EU handelt mit weniger, aber deutlich teureren Uhren. Der folgende Bericht analysiert diese und weitere Dynamiken im Detail.


1. Der Aufstieg der Premiumsegmente: Wachstum bei sinkenden Volumina

Die Handelsbilanz verschlechtert sich trotz steigender Exportpreise

Der EU-Außenhandel mit Uhrmacherwaren weist eine bemerkenswerte Trennung zwischen Mengen- und Wertentwicklung auf. Die Importe stiegen im Wert von 7,68 Mrd. € (2015) auf 8,47 Mrd. € (2025), was einem Anstieg von 10,3 % entspricht — obwohl die importierte Masse von 52.368 t auf 34.554 t sank (−34 %). Auf Exportseite fiel der Wert moderat von 4,39 Mrd. € auf 3,88 Mrd. € (−11,5 %), bei einem drastischen Rückgang der exportierten Menge von 9.523 t auf 4.614 t (−51,5 %). Der durchschnittliche Exportpreis verdoppelte sich nahezu von 459.823 €/t auf 836.863 €/t (+82 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 7,68 Mrd. € 8,47 Mrd. € +10,3 %
Importmenge 52.368 t 34.554 t −34,0 %
Importpreis (Ø/t) 146.587 € 245.116 € +67,2 %
Exportwert 4,39 Mrd. € 3,88 Mrd. € −11,5 %
Exportmenge 9.523 t 4.614 t −51,5 %
Exportpreis (Ø/t) 459.823 € 836.863 € +82,0 %
Handelsbilanz −3,29 Mrd. € −4,59 Mrd. € −39,6 %

Die Handelsbilanz verschlechterte sich demnach von −3,29 Mrd. € auf −4,59 Mrd. € — ein Defizitwachstum von 39,6 %. Dies steht im Einklang mit dem strukturellen Aufstieg der EU als Absatzmarkt für Luxusuhren, insbesondere aus der Schweiz.

Armbanduhren mit Edelmetallgehäusen (CN 9101) als Wachstumstreiber

Die Segmentanalyse zeigt, dass die Preisentwicklung innerhalb der einzelnen CN-Unterpositionen extrem unterschiedlich verläuft. Am auffälligsten ist die Entwicklung bei Position 9101 — Armbanduhren mit Gehäusen aus Edelmetallen. Der Importpreis pro Stück stieg von 1.381 € (2015) auf 24.904 € (2025), ein Anstieg von über 1.700 %. Gleichzeitig sank die importierte Stückzahl von 1,62 Mio. auf 1,60 Mio. Der Importwert dieser Position wuchs von 2,23 Mrd. € auf 2,38 Mrd. €.

CN-Code Beschreibung Importwert 2015 Importwert 2025 Ø-Preis/Stück 2015 Ø-Preis/Stück 2025
9101 Uhren mit Edelmetallgehäusen 2,23 Mrd. € 2,38 Mrd. € 1.381 € 24.904 €
9102 Andere Armbanduhren 4,52 Mrd. € 5,04 Mrd. € 34,80 € 84,98 €
9105 Sonstige Uhren 200 Mio. € 162 Mio. € 3,43 € 3,71 €
9113 Uhrarmbänder 180 Mio. € 335 Mio. € n/a n/a

Position 9102 — nicht-Edelmetall-Armbanduhren — blieb mit 5,04 Mrd. € (2025) der mengenmäßig und wertmäßig größte Importposten, wobei der Preis pro Stück von 34,80 € auf 84,98 € stieg (+144 %). Uhrarmbänder (CN 9113) verzeichneten ein bemerkenswertes Wachstum von 180 Mio. € auf 335 Mio. € (+86 %), was auf die steigende Nachfrage nach hochwertigen Komponenten hindeutet.

Die EU-Produktion verschiebt sich in die Wertschöpfung

Die inländische Produktion bestätigt den Premiumtrend. Obwohl die Produktionsmenge von 22,0 Mio. Stück (2015) auf 18,5 Mio. Stück (2025) sank (−16 %), explodierte der Produktionswert von 493 Mio. € auf 2,38 Mrd. € (+383 %). Dieses enorme Preiswachstum reflektiert eine Verschiebung hin zu hochwertigen, teuren Uhren in der europäischen Fertigung. Die EU verlagert sich demnach von der Massenproduktion hin zu kleineren Stückzahlen mit deutlich höherem Wert.


2. Schweizer Dominanz und britischer Rückzug: Umstrukturierung der Handelsströme

Die Schweiz als unangefochtener Hauptpartner

Die Handelspartneranalyse zeigt, dass die Schweiz sowohl auf Import- als auch auf Exportseite den EU-Außenhandel mit Uhrmacherwaren dominiert. Die EU-Importe aus der Schweiz stiegen von 5,47 Mrd. € (2015) auf 6,72 Mrd. € (2025), ein Zuwachs von 22,8 %. Damit entfielen 2025 rund 79 % aller EU-Importe in diesem Segment auf die Schweiz — eine außergewöhnliche Konzentration.

Partner Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Schweiz 5,47 Mrd. € 6,72 Mrd. € +22,8 %
China 1,48 Mrd. € 1,25 Mrd. € −16,1 %
Vereinigtes Königreich 227 Mio. € 36 Mio. € −84,1 %
Hongkong 244 Mio. € 105 Mio. € −56,7 %
Mexiko 3,3 Mio. € 10,3 Mio. € +217,2 %
Indien 6,8 Mio. € 8,0 Mio. € +16,6 %
Taiwan 10,9 Mio. € 13,7 Mio. € +26,5 %

Die EU exportierte im Gegenzug Uhren im Wert von 1,56 Mrd. € in die Schweiz (+6,7 %), was auf ein intensives Veredelungs- und Re-Export-Geschäft schließen lässt. Die Schweiz fungiert hier sowohl als primäre Quelle für Luxusuhren als auch als wichtiger Absatzmarkt.

Der Brexit-Effekt: Zusammenbruch der britischen Handelsströme

Der mit Abstand dramatischste Strukturwandel zeigt sich im Handel mit dem Vereinigten Königreich. Die EU-Importe aus Großbritannien brachen von 227 Mio. € auf 36 Mio. € ein — ein Rückgang von 84,1 %. Noch extremer war der Einbruch bei den Exporten: von 642 Mio. € (2015) auf 197 Mio. € (2025), ein Minus von 69,3 %. Der Variationskoeffizient der Importe aus dem VK liegt mit 1,33 als höchster Wert aller Partner — was die extreme Instabilität dieses Handelsstroms unterstreicht.

Dieser Zusammenhang lässt sich mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt Anfang 2021 erklären. Zölle, Zollformalitäten und regulatorische Hürden haben den zuvor weitgehend reibungslosen Warenverkehr empfindlich gestört. Besonders auffällig ist der rapide Abfall der Exporte nach dem Brexit-Jahr 2020, als die Ausfuhren in das VK noch 368 Mio. € betrugen.

Aufstrebende Nischenpartner und Diversifizierung

Neben den etabrierten Partnern gewinnen neue Märkte an Bedeutung. Die Exporte in die Türkei stiegen von 40 Mio. € auf 69 Mio. € (+73,8 %), nach Norwegen von 32 Mio. € auf 65 Mio. € (+101,8 %). Irland verzeichnete als Exporteur innerhalb der EU ein außergewöhnliches Wachstum von 8,5 Mio. € auf 216 Mio. € (+2.428 %), was auf eine Verlagerung von Handelsströmen innerhalb der EU oder auf Standortverlagerungen hindeuten könnte. Die Niederlande stiegen bei den Exporten um 123,4 % (von 99 Mio. € auf 220 Mio. €) und bei den Importen um 70,9 % — möglicherweise bedingt durch die Rolle des Rotterdamer Hafens als Umschlagplatz.


3. Wachsende Konzentration und strategische Verwundbarkeit

Die Importkonzentration nimmt zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg im Wert von 5.476 (2015) auf 6.550 (2025), eine Zunahme von 19,6 %. Auch mengenmäßig nahm die Konzentration zu (von 5.880 auf 8.108; +37,9 %). Ein HHI über 2.500 gilt als hochkonzentrierter Markt; der aktuelle Wert deutet auf eine extreme Abhängigkeit von wenigen Lieferanten hin — in erster Linie von der Schweiz.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 5.476 6.550 +19,6 %
HHI Importe (Menge) 5.880 8.108 +37,9 %
HHI Exporte (Wert) 1.950 2.166 +11,1 %
HHI Exporte (Menge) 1.749 764 −56,3 %

Auf Exportseite ist die Konzentration moderater: Der HHI stieg leicht von 1.950 auf 2.166 (+11,1 %). Die mengenmäßige Exportkonzentration sank sogar deutlich (−56,3 %), was auf eine breitere Diversifizierung der Exportmärkte schließen lässt — wenngleich die Schweiz nach wie vor mit Abstand der wichtigste Exportmarkt ist.

Sinkende Importabhängigkeit bei gleichbleibendem Defizit

Die Nettoimportabhängigkeit sank von 80,2 % (2015) auf 65,3 % (2025), was eine gewisse Verbesserung der Handelsposition signalisiert. Der Tiefstwert lag bei 51,5 % (2020/2021) — dem Zeitraum der COVID-19-Pandemie —, als die globalen Lieferketten gestört waren und die Handelsvolumina besonders stark einbrachen. Der erneute Anstieg in den letzten Jahren zeigt, dass sich die Abhängigkeit von Importen nach der Pandemie wieder erhöht hat.

Gleichzeitig blieb die Exportpropensität — gemessen als Exportwert in Prozent des Produktionswerts — mit 212 % (2015) bzw. 226 % (2025) extrem hoch. Das bedeutet, dass die EU mehr als doppelt so viele Uhren exportiert, wie sie selbst produziert. Dies ist nur möglich durch Re-Exporte importierter Ware (insbesondere aus der Schweiz) und verdeutlicht die Rolle der EU als Handelsdrehscheibe.

Preisvolatilität und einzelne Schocksereignisse

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Handelsströme mit der Schweiz auf Exportseite bemerkenswert stabil sind (Variationskoeffizient von nur 0,04). Dagegen weisen die Handelsströme mit dem VK (1,33 bei Importen, 0,57 bei Exporten) und Belarus (1,13 bei Importen) eine hohe Volatilität auf.

Ein bemerkenswertes Schockereignis betraf die Exporte in die Schweiz im Jahr 2020: Der Exportpreis fiel um 19,2 % bei einer Abnormalität von 9,7 — ein Hinweis auf die Pandemieauswirkungen. Die Exporte nach Marokko verzeichneten 2021 einen extremen Preissprung von +100,4 % (Abnormalität 11,6), was auf einen einmaligen Geschäftsvolumen-Spitzenwert zurückzuführen sein dürfte. Japan-Exporte stiegen 2023 im Preis um 30 % — möglicherweise bedingt durch den schwachen Yen und die damit verbundene Nachfrageverschiebung.


Fazit

Der EU-Außenhandel mit Uhrmacherwaren (CN 91) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei zentralen Dimensionen gewandelt:

  1. Premiumisierung: Die Handelsvolumina sind stark gesunken, während die Werte gestiegen sind. Die EU handelt mit weniger, aber teureren Uhren — ein Trend, der sich sowohl bei Importen als auch bei der inländischen Produktion zeigt (Produktionswert +383 % bei sinkender Stückzahl).

  2. Geopolitische Umstrukturierung: Die Schweizer Dominanz hat sich weiter verfestigt (79 % der Importe), während der Handel mit dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit kollabiert ist. Gleichzeitig gewinnen neue Märkte wie die Türkei und Norwegen an Bedeutung.

  3. Steigende Konzentration trotz Diversifizierungsbemühungen: Die Importkonzentration hat deutlich zugenommen (HHI +19,6 %), was die strategische Verwundbarkeit der EU gegenüber Schweizer Lieferungen erhöht. Die Exportseite zeigt hingegen eine gewisse Diversifizierung.

Die EU-Uhrenindustrie positioniert sich zunehmend als Produzent und Händler im Hochpreissegment, bleibt aber in hohem Maße auf Schweizer Zulieferungen angewiesen. Der Brexit hat die britischen Handelsströme nachhaltig gestört und die EU-Handelsarchitektur in diesem Segment grundlegend verändert.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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