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Marktentwicklung: Uhren (CN 91) — 2015–2025

Einleitung

Die Zolltarifposition 91 („Uhrmacherwaren“) umfasst Armband‑, Taschen‑ und sonstige Uhren, Uhrwerke, Gehäuse, Armbänder und Zeitmess‑ sowie Zeitkontrollgeräte. Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklung des Außenhandels der Europäischen Union mit Nicht‑EU‑Ländern im Zeitraum von 2015 bis 2025 auf Jahresbasis. Die Daten zeigen eine tiefgreifende Transformation: Während die gehandelten Stückzahlen deutlich sinken, steigen die Werte und vor allem die Durchschnittspreise kräftig. Treiber dieser Premiumisierung sind insbesondere die dominierende Rolle der Schweiz, der Einbruch des Handels mit dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit sowie eine wachsende Exportorientierung bei gleichzeitig stark gestiegener eigener Produktionsleistung.

1. Wertwachstum bei schrumpfenden Mengen – Die fortschreitende Premiumisierung des Uhrenhandels

Die Exporte erzielen trotz Halbierung der Stückzahl nur einen moderaten Wertrückgang, weil die Durchschnittspreise um über 80 Prozent steigen

Die EU‑Exporte von Uhrmacherwaren entwickelten sich wertmäßig von 4,39 Mrd. € (2015) auf 3,87 Mrd. € (2025), ein Rückgang um 11,8 %. Die exportierte Menge brach jedoch noch stärker ein: Sie fiel von 9,5 auf 4,6 Tausend Tonnen (−51,6 %). Dieses Auseinanderlaufen von Wert und Menge führte zu einem kräftigen Anstieg des impliziten Durchschnittspreises von 459 525 € je Tonne auf 834 164 € je Tonne (+81,5 %). Das gesamte Handelsgeschehen ist im Handelsüberblick dokumentiert.

Jahr EU‑Exportwert (Mrd. €) EU‑Exportmenge (Tsd. t) EU‑Exportpreis (€/t)
2015 4,39 9,52 459 525
2025 3,87 4,61 834 164
Veränderung −11,8 % −51,6 % +81,5 %

Die Importe wachsen wertmäßig leicht, obwohl auch hier die Mengen spürbar zurückgehen – die Durchschnittspreise klettern um zwei Drittel

Die EU‑Einfuhren stiegen im gleichen Zeitraum von 7,68 Mrd. € auf 8,46 Mrd. € (+10,2 %), während die Importmenge von 52,4 Tsd. auf 34,6 Tsd. Tonnen fiel (−34,0 %). Der durchschnittliche Einfuhrpreis erhöhte sich infolgedessen von 146 528 €/t auf 244 828 €/t (+67,1 %). Auch hier bestätigt sich die qualitätsgetriebene Aufwärtsbewegung.

Jahr EU‑Importwert (Mrd. €) EU‑Importmenge (Tsd. t) EU‑Importpreis (€/t)
2015 7,68 52,37 146 528
2025 8,46 34,55 244 828
Veränderung +10,2 % −34,0 % +67,1 %

Das Handelsbilanzdefizit vertieft sich strukturell, da die Importpreise im Luxussegment überproportional steigen

Das Außenhandelsdefizit der EU in Uhrmacherwaren vergrößerte sich von −3,29 Mrd. € (2015) auf −4,59 Mrd. € (2025), was einer Verschlechterung um 39,7 % entspricht. Treiber sind die hohen und weiter wachsenden Importwerte, vor allem aus der Schweiz, während die Exporte preisbedingt nicht Schritt halten können. Zugleich zeigt der deutliche Preisauftrieb auf beiden Seiten des Handels eine strukturelle Verschiebung hin zu höherpreisigen Uhren und Komponenten, die den gesamten Markt prägt.

2. Handelsströme im Umbruch – Schweizer Dominanz, Brexit-Folgen und neue Exportmärkte

Die Schweiz festigt ihre Stellung als unangefochtener Hauptlieferant und wichtigster Exportkunde

Die Schweiz ist mit großem Abstand der bedeutendste Handelspartner. Der Wert der EU‑Importe aus der Schweiz wuchs von 5,47 Mrd. € (2015) auf 6,72 Mrd. € (2025; +22,8 %). Gleichzeitig blieb sie auch auf der Exportseite führend, mit einem leichten Anstieg von 1,46 Mrd. € auf 1,56 Mrd. € (+6,7 %). Die detaillierte Partnerstruktur ist auf der Seite der Top‑Handelspartner einsehbar.

Partner EU‑Import (2025, Mio. €) Veränderung 2015→2025 EU‑Export (2025, Mio. €) Veränderung 2015→2025
Schweiz 6 717 +22,8 % 1 555 +6,7 %
China 1 245 −16,1 % 63
Vereinigtes Königreich 36 −84,1 % 197 −69,3 %
Norwegen 65 +101,8 %
Türkei 69 +73,8 %

Das Vereinigte Königreich bricht nach dem Brexit als Uhrenpartner der EU drastisch ein

Der Handel mit dem Vereinigten Königreich erlitt einen historischen Einbruch. Die Importe aus dem UK fielen um 84,1 % von 227 Mio. € auf 36 Mio. €, die Exporte um 69,3 % von 642 Mio. € auf 197 Mio. €. Diese Entwicklung markiert den Verlust einer zuvor eigenständig bedeutenden Marktposition und spiegelt die neuen Zoll‑ und Regulierungsbarrieren seit dem EU‑Austritt wider. Auch die Mengen‑Volatilität war extrem hoch: Der Variationskoeffizient der britischen Importmenge liegt bei 1,33 – der bei weitem höchste Wert aller Hauptpartner (siehe Volatilitäts‑Dashboard).

Exportzuwächse nach Norwegen und in die Türkei federn Verluste in anderen Märkten ab

Auf der Exportseite konnten Norwegen und die Türkei kräftig zulegen. Die EU‑Lieferungen nach Norwegen verdoppelten sich nahezu von 32 Mio. € auf 65 Mio. € (+101,8 %), die in die Türkei wuchsen um 73,8 % auf 69 Mio. €. Auch die Vereinigten Staaten blieben ein stabiler Abnehmer mit einem Plus von 8,0 % auf 293 Mio. €. Diese Dynamik hilft, die Rückgänge in traditionellen Märkten wie Hongkong (−25,0 %) oder Tunesien (−70,8 %) teilweise zu kompensieren.

Die Importkonzentration steigt, während das Export‑Portfolio diversifiziert bleibt

Der Herfindahl‑Hirschman‑Index (HHI) für die Importseite erhöhte sich von 5 476 (2015) auf 6 549 (2025; +19,6 %), was die wachsende Abhängigkeit von wenigen Lieferanten – vor allem der Schweiz – unterstreicht. Auf der Exportseite ist die Konzentration weitaus geringer und stabil (HHI von 1 950 auf 2 166; +11,1 %), was auf eine breitere Streuung der Abnehmer hinweist. Die Konzentrations‑Dashboard illustriert diese Entwicklung. Zusätzlich traten auf der Exportseite markante Preisschocks auf: So verzeichnete die Schweiz 2020 einen Preiseinbruch von −19,2 %, Japan 2023 einen Sprung von +30,0 % und die Türkei 2021 einen Preisschock von +92,2 % (Details unter Schocks). Diese Preisschwankungen belegen, wie empfindlich das Premiumsegment auf Markt‑ und Währungsbewegungen reagiert.

3. Produktionswende und innerstaatliche Spezialisierung – Frankreich und Deutschland bleiben die Uhrenzentren

Die EU‑interne Uhrenproduktion erfährt einen Wertzuwachs von über 380 Prozent bei moderat rückläufiger Stückzahl

Die PRODCOM‑Daten zeigen, dass der Produktionswert der EU‑Uhrenindustrie von 0,49 Mrd. € (2003) auf 2,38 Mrd. € (2024) gestiegen ist – ein Plus von 383,4 %. Die produzierte Stückzahl ging im gleichen Zeitraum von 22,0 Mio. auf 18,5 Mio. Einheiten zurück (−16,0 %). Dies bestätigt den branchenweiten Trend zu höherwertigen Erzeugnissen. Die Produktionsvolumen‑Seite enthält die vollständigen Reihen.

Kennzahl 2003 2024 Veränderung
Produktionswert (Mio. €) 493 2 385 +383,4 %
Produktionsmenge (Tsd. Stück) 22 019 18 492 −16,0 %

Frankreich und Deutschland sind die führenden Import‑ und Exportnationen, während Irland zum überraschenden Exportchampion aufsteigt

Unter den EU‑Mitgliedstaaten dominieren Frankreich und Deutschland den Außenhandel. Frankreich importierte 2025 Uhren im Wert von 2,81 Mrd. € (+17,8 % gegenüber 2015) und exportierte 0,98 Mrd. € (−16,4 %). Deutschland lag bei Importen von 1,90 Mrd. € (−6,6 %) und Exporten von 0,86 Mrd. € (−16,7 %). Italien verlor hingegen deutlich an Boden (Exporte −42,2 %). Bemerkenswert ist der extreme Anstieg der irischen Exporte von 8,5 Mio. € (2015) auf 215,8 Mio. € (2025; +2 427,9 %), was auf eine neue Rolle als Handels‑ oder Veredelungsdrehscheibe hindeuten könnte. Die Reihen sind im Reporter‑Tab hinterlegt.

Land Import 2025 (Mio. €) Δ 2015→2025 Export 2025 (Mio. €) Δ 2015→2025
Frankreich 2 807 +17,8 % 979 −16,4 %
Deutschland 1 896 −6,6 % 860 −16,7 %
Italien 994 −18,5 % 690 −42,2 %
Irland 216 +2 427,9 %

Die Spezialisierungsgrade der Mitgliedstaaten zeigen eine klare Trennung zwischen Uhren‑Drehscheiben und Peripherie

Im Jahr 2025 wiesen Zypern, Frankreich, Malta, Litauen und Deutschland die höchsten RCA‑Werte auf Importseite auf, also eine überdurchschnittliche Spezialisierung auf die Einfuhr von Uhrmacherwaren. Zypern erreichte einen RCA‑Wert von 15,9, Frankreich 4,5 und Deutschland 1,1. Demgegenüber stehen Länder mit negativer Spezialisierung wie Rumänien (RCA 0,13), Finnland (0,17) oder Bulgarien (0,24). Dieses Spezialisierungsmuster unterstreicht die Funktion weniger EU‑Staaten als zentrale Drehscheiben für den globalen Uhrenhandel, während die übrigen Partner eine untergeordnete Rolle spielen. Die Spezialisierungs‑Seite liefert die vollständigen Indizes.

Fazit

Der EU‑Uhrenhandel hat sich im vergangenen Jahrzehnt grundlegend gewandelt. Die Daten belegen eine deutliche Premiumisierung: Trotz stark rückläufiger Mengen stiegen die Handelswerte, getrieben von kräftig steigenden Durchschnittspreisen. Die Schweiz dominiert als nahezu alleiniger Lieferant und wichtigster Exportmarkt; der Brexit hat den britischen Markt als Partner marginalisiert. Gleichzeitig gewinnen neue Exportdestinationen wie Norwegen und die Türkei an Bedeutung, und die innergemeinschaftliche Produktion hat sich wertmäßig vervielfacht. Die Spezialisierung konzentriert sich auf wenige Mitgliedstaaten, allen voran Frankreich und Deutschland, während Irland eine überraschende Exportdynamik entfaltete. Insgesamt ist die EU heute weniger von Nettoimporten abhängig als zu Beginn des Betrachtungszeitraums, bleibt aber strukturell ein Importeur hochwertiger Uhren, deren Wertschöpfung vor allem in der Schweiz verbleibt.