Marktentwicklung: Uhrenteile andere Uhrenteile (CN 9114) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 9114 („Uhrenteile, a.n.g.") ist eine Restposition der Combined Nomenclature, die drei Untergliederungen umfasst: Zifferblätter für Uhren (911430), Werkplatten und Brücken (911440) sowie sonstige nicht anderweitig genannte Uhrenteile (911490). Diese Position bildet den werkseitigen Zulieferbereich der Uhrmacherwaren ab und steht in enger Beziehung zu den Positionen 9101–9113, insbesondere zu den vollständigen Armbanduhren und Uhrwerken.
Im untersuchten Zeitraum von 2015 bis 2025 zeigt sich ein Markt, der trotz konstanter bis leicht steigender Handelswerte von einer tiefgreifenden strukturellen Transformation geprägt ist: Die Handelsmengen sind sowohl bei Importen als auch bei Exporten drastisch gesunken, während die Stückpreise sprunghaft angestiegen sind. Die Schweiz dominiert als Handelspartner beide Handelsströme mit weit über 80 % des Warenwerts, und innerhalb der EU ist Frankreich der klare Produzentions- und Exporteur. Dieser Marktbericht analysiert die wesentlichen Dynamiken im Detail.
Übersicht: Gesamthandelsentwicklung
1. Volumeneinbruch und Preisexplosion: Die fundamentale Verschiebung von Menge zu Wert
1.1 Die Handelsvolumen sind um fast die Hälfte eingebrochen
Die auffälligste Entwicklung im Zeitraum 2015–2025 ist der drastische Rückgang der physischen Handelsmengen. Bei den EU-Importen sank die Menge von 328,5 Tonnen (2015) auf 165,5 Tonnen (2025), was einem Rückgang von −49,6 % entspricht. Bei den Exporten fiel die Menge von 500,9 Tonnen auf 279,3 Tonnen (−44,2 %). Beide Ströme haben damit nahezu ihr halbes Volumen verloren.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importmenge (t) | 328,5 | 165,5 | −49,6 % |
| Exportmenge (t) | 500,9 | 279,3 | −44,2 % |
1.2 Die Preise sind im Gegenzug explodiert
Während die Mengen sanken, stiegen die durchschnittlichen Exportpreise von 334.812 EUR/t (2015) auf 646.822 EUR/t (2025) — eine Steigerung von +93,2 %. Noch extremer entwickelten sich die Importpreise: Von 568.474 EUR/t auf 1.284.665 EUR/t, was einem Anstieg von +126,0 % entspricht. Der Importpreis lag 2025 damit fast doppelt so hoch wie der Exportpreis, was auf eine qualitative Differenz hindeutet.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportpreis (EUR/t) | 334.812 | 646.822 | +93,2 % |
| Importpreis (EUR/t) | 568.474 | 1.284.665 | +126,0 % |
Diese Preisentwicklung deutet auf eine klare Premiumisierung des Handels hin: Die EU importiert und exportiert zunehmend hochwertige, teure Uhrenteile, während günstigere Massenprodukte offenbar lokal verarbeitet oder aus dem Handel verdrängt werden.
1.3 Die Handelswerte bleiben trotz Mengenrückgang weitgehend stabil
Dank der Preisexplosion konnten die Handelswerte den Mengenrückgang kompensieren. Die Exporte stiegen nominal um +8,0 % (von 167,9 Mio. EUR auf 181,3 Mio. EUR), die Importe um +13,9 % (von 187,1 Mio. EUR auf 213,1 Mio. EUR). Die Handelsbilanz bleibt jedoch durchgängig negativ — die EU ist Nettoimporteur von Uhrenteilen. Das Defizit verschärfte sich von −19,2 Mio. EUR auf −31,9 Mio. EUR (−66,1 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 167,9 | 181,3 | +8,0 % |
| Importwert (Mio. EUR) | 187,1 | 213,1 | +13,9 % |
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | −19,2 | −31,9 | −66,1 % |
2. Die Schweizer Dominanz und die Konzentration der Handelsströme
2.1 Die Schweiz ist der zentrale Handelspartner für Uhrenteile
Die herausragende Erkenntnis der Partneranalyse ist die beinahe monopolartige Stellung der Schweiz. Im Jahr 2025 entfielen 168,2 Mio. EUR der EU-Importe (von insgesamt 213,1 Mio. EUR) auf die Schweiz — das sind rund 79 % des gesamten Importwerts. Bei den Exporten belief sich der Schweizer Anteil auf 147,4 Mio. EUR von 181,3 Mio. EUR (ca. 81 %). Der Handel zwischen der EU und der Schweiz bei CN 9114 spiegelt die enge Verflechtung der europäischen Uhrenindustrie wider, insbesondere die Zulieferbeziehungen rund um das schweizerische Uhrmachergewerbe.
| Partner | Import 2015 (Mio. EUR) | Import 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 137,7 | 168,2 | +22,1 % |
| China | 27,6 | 20,0 | −27,5 % |
| Hongkong | 5,4 | 2,8 | −47,8 % |
| Vereinigtes Königreich | 1,5 | 0,7 | −50,8 % |
| Taiwan | 0,9 | 0,4 | −56,6 % |
| Südkorea | 0,7 | 0,3 | −53,9 % |
| USA | 0,5 | 0,3 | −28,9 % |
Top-Handelspartner nach Warenwert
2.2 Asiatische Partner verlieren deutlich an Bedeutung
Während die Schweizer Handelsbeziehungen gestärkt wurden, verloren mehrere asiatische Partner erheblich an Bedeutung. Die Importe aus China sanken um −27,5 %, aus Hongkong um −47,8 % und aus Taiwan um −56,6 %. Dies könnte auf eine Verlagerung der Zulieferketten zurückzuführen sein — weg von preisgünstigen asiatischen Komponenten hin zu hochwertigen europäisch-schweizerischen Teilen. Bei den Exporten verlief das Bild ähnlich: Hongkong (−66,6 %) und China (−43,3 %) verloren als Abnehmer stark.
| Partner | Export 2015 (Mio. EUR) | Export 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 124,1 | 147,4 | +18,8 % |
| USA | 6,4 | 7,0 | +8,0 % |
| Vereinigtes Königreich | 4,0 | 3,6 | −9,8 % |
| Hongkong | 6,7 | 2,2 | −66,6 % |
| Tunesien | 2,7 | 2,0 | −26,6 % |
| Brasilien | 1,0 | 0,5 | −52,6 % |
| China | 0,8 | 0,4 | −43,3 % |
2.3 Die Marktkonzentration nimmt zu
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) bestätigt die zunehmende Konzentration. Bei den Importen stieg der HHI (Wert) von 5.666 auf 6.930 (+22,3 %), bei den Exporten von 5.536 auf 6.724 (+21,5 %). Beide Werte liegen deutlich über dem Schwellenwert von 2.500, der in der Wettbewerbspolitik als „mäßig konzentrierter Markt" gilt. Der Uhrenteilemarkt der EU ist somit hochkonzentriert, und diese Konzentration hat sich im Zeitraum noch verstärkt.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 5.666 | 6.930 | +22,3 % |
| HHI Exporte (Wert) | 5.536 | 6.724 | +21,5 % |
| HHI Importe (Volumen) | 3.253 | 4.481 | +37,8 % |
| HHI Exporte (Volumen) | 1.375 | 2.062 | +50,1 % |
3. Frankreich als EU-Kernland und Preis-Schocks im Handel
3.1 Frankreich dominiert die EU-weite Produktion und den Handel
Innerhalb der EU ist Frankreich mit großem Abstand der führende Akteur im Uhrenteilehandel. Bei den Exporten lag Frankreich 2025 bei 126,0 Mio. EUR — 69,5 % aller EU-Exporte in Drittländer. Bei den Importen belief sich der französische Anteil auf 94,4 Mio. EUR (44,3 %). Deutschland folgt als zweitgrößter Akteur mit 32,4 Mio. EUR Exporten und 57,3 Mio. EUR Importen.
| Land | Exporte 2025 (Mio. EUR) | Importe 2025 (Mio. EUR) |
|---|---|---|
| Frankreich | 126,0 | 94,4 |
| Deutschland | 32,4 | 57,3 |
| Italien | 4,9 | 14,5 |
| Niederlande | 5,1 | 5,8 |
| Schweden | — | 5,1 |
| Spanien | 2,1 | 6,7 |
3.2 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU
Die RCA- und RSCA-Werte (Revealed Comparative Advantage) für 2025 zeigen eine klare Spezialisierungshierarchie. Frankreich weist mit einem RSCA von 0,74 und einer RCA von 6,68 die mit Abstand höchste Spezialisierung auf — ein Beleg für die Stärke der französischen Uhrenindustrie, die auch in der Schweiz verflochten ist. Es folgen die Niederlande (RSCA 0,25, RCA 1,66) und Portugal (RSCA 0,19, RCA 1,46). Die Mehrheit der EU-Länder zeigt hingegen negative RSCA-Werte, was bedeutet, dass sie bei Uhrenteilen nicht komparativ vorteilhaft sind.
| Land | RSCA | RCA |
|---|---|---|
| Frankreich | 0,74 | 6,68 |
| Zypern | 0,60 | 4,06 |
| Niederlande | 0,25 | 1,66 |
| Portugal | 0,19 | 1,46 |
| Griechenland | −0,06 | 0,88 |
3.3 Signifikante Preis-Schocks in den Jahren 2021 und 2022
Die Volatilitätsanalyse identifiziert drei bemerkenswerte Preis-Schocks:
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Schweizer Importpreis-Schock (2022): Der durchschnittliche Importpreis aus der Schweiz verzeichnete 2022 einen Anstieg von +126,3 % mit einer Abnormalität von 114,3. Dies ist der mit Abstand größte Schock im Datensatz und betraf 84,3 % des Importwerts. Die Ursache liegt wahrscheinlich in der Aufwertung des Schweizer Frankens sowie in der zunehmenden Nachfrage nach hochwertigen Uhrwerkskomponenten nach der COVID-19-Pandemie.
-
UK-Importpreis-Schock (2021): Die Importpreise aus dem Vereinigten Königreich stiegen 2021 um +124,4 % (Abnormalität 51,6), was mit dem Brexit und den neuen Handelsbarrieren zusammenhängen dürfte.
-
UK-Exportpreis-Schock (2022): Die Exportpreise in das Vereinigte Königreich stiegen 2022 um +376,8 % (Abnormalität 11,6) — ein extremer Ausschlag, der allerdings nur 3,1 % des Exportwerts betraf.
| Schock | Jahr | Typ | Veränderung | Abnormalität |
|---|---|---|---|---|
| Schweiz (Importe) | 2022 | Preis | +126,3 % | 114,3 |
| UK (Importe) | 2021 | Preis | +124,4 % | 51,6 |
| UK (Exporte) | 2022 | Preis | +376,8 % | 11,6 |
Volatilitätsanalyse nach Partner
3.4 Portugiesischer Exportkollaps als Ausreißer
Ein bemerkenswerter Einzelfall ist der Zusammenbruch der portugiesischen Exporte von 7,5 Mio. EUR (2015) auf 0,6 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von −91,6 % entspricht. Dieser drastische Einbruch könnte auf die Schließung oder Verlagerung einer bedeutenden Produktionsstätte hindeuten und verdeutlicht die Fragilität kleinerer EU-Produzenten in diesem hochkonzentrierten Markt.
Fazit
Der EU-Markt für Uhrenteile (CN 9114) befindet sich in einer Phase fundamentaler Strukturveränderung. Die Kernbotschaften lassen sich wie folgt zusammenfassen:
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Premiumisierung als Leittrend: Die Handelsmengen sind um rund 45–50 % eingebrochen, während die Preise um 93–126 % gestiegen sind. Der Markt verschiebt sich klar hin zu hochwertigen, teuren Komponenten.
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Schweizer Dominanz: Die Schweiz kontrolliert rund 80 % des Handelswerts in beide Richtungen. Diese extreme Konzentration birgt Abhängigkeitsrisiken — wie der massive Preis-Schock von 2022 eindrucksvoll belegt.
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Frankreich als EU-Kern: Innerhalb der EU ist Frankreich der unbestrittene Marktführer mit fast 70 % der Exporte und einer komparativen Spezialisierung (RCA 6,68), die auf die traditionsreiche Uhrenindustrie (v. a. im Jura und in der Franche-Comté) zurückgeht.
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Zunehmende Konzentration: Der HHI-Anstieg um über 20 % bei beiden Handelsströmen zeigt, dass sich der Markt weiter verengt — weniger Partner, weniger Handelsvolumen, aber höhere Werte pro Einheit.
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Handelsbilanzdefizit verschärft sich: Trotz steigender Exportwerte wächst das Defizit, da die Importpreise noch stärker steigen. Die EU bleibt in diesem Segment strukturell abhängig von externen Zulieferern, insbesondere aus der Schweiz.
Die Zukunftsentwicklung wird wesentlich davon abhängen, ob sich die Premiumisierung fortsetzt, ob alternative Zulieferketten (z. B. in Asien) an Bedeutung gewinnen oder verlieren und wie sich die Schweizer Franken-Wechselkurspolitik auf die Handelsströme auswirkt.