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Marktentwicklung: Uhrwerke (CN 9110) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 9110 umfasst vollständige Uhrwerke (nicht oder nur teilweise zusammengesetzte „Schablonen"), unvollständige zusammengesetzte Uhrwerke sowie Uhrrohwerke. Die Produktübersicht zeigt, dass die EU in diesem Segment zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel durchlaufen hat: Während der Handelswert von Ausfuhren um über 50 % stieg, sank die physische Menge gleichzeitig. Die Einfuhren konzentrierten sich zunehmend auf wenige Partnerländer, während die eigene EU-Produktion deutlich zurückging. Dieser Bericht analysiert die zentralen Dynamiken und ordnet sie in den Kontext der europäischen Uhrenindustrie ein.


1. Premiumisierung: Steigende Werte bei sinkenden Mengen

1.1 Exporte: Höhere Erträge trotz geringerer Volumina

Die allgemeine Handelsentwicklung offenbart ein bemerkenswertes Muster: Der Exportwert stieg von 6,06 Mio. EUR (2015) auf 9,12 Mio. EUR (2025) — ein Plus von 50,5 %. Gleichzeitig sank die exportierte Menge von 104,2 t auf 93,0 t (−10,8 %). Der durchschnittliche Exportpreis legte entsprechend von 55.668 EUR/t auf 95.610 EUR/t zu (+71,7 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 6.063.425 9.123.594 +50,5 %
Exportmenge (t) 104,2 93,0 −10,8 %
Exportpreis (EUR/t) 55.668 95.610 +71,7 %

Diese Entwicklung deutet auf eine klare Premiumisierung hin: Die EU exportiert zwar weniger in Gewicht, erzielt aber höhere Erlöse pro Einheit — ein typisches Muster für eine auf hochwertige Nischenprodukte ausgerichtete Industrie.

1.2 Einfuhren: Preisanstieg übertrifft Mengenrückgang

Auch bei den Importen zeigt sich ein ähnliches Bild, allerdings noch ausgeprägter. Der Importwert stieg moderat um 16,6 % (von 6,37 Mio. auf 7,43 Mio. EUR), während die Menge drastisch von 69,5 t auf 43,8 t sank (−37,0 %). Der Importpreis verdoppelte sich nahezu von 89.642 EUR/t auf 164.715 EUR/t (+83,7 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 6.372.577 7.433.008 +16,6 %
Importmenge (t) 69,5 43,8 −37,0 %
Importpreis (EUR/t) 89.642 164.715 +83,7 %

Dies legt nahe, dass die EU zunehmend hochpreisige Uhrwerke importiert — insbesondere Schweizer Uhrwerke im Luxussegment — während der Bedarf an günstigeren Massenprodukten zurückgeht.

1.3 Handelsbilanz: Vom Defizit zum Überschuss

Der Handelsbilanz-Wandel ist das eindrucksvollste Ergebnis des Untersuchungszeitraums. 2015 wies die EU ein Defizit von −309.152 EUR auf; 2025 lag ein Überschuss von 1.690.586 EUR vor — eine Verbesserung um 646,8 %. Die Trendwende vollzog sich ab 2023, als die Exporte kräftig zulegten, während die Importe stagnierten.

Jahr Handelsbilanz (EUR)
2015 −309.152
2018 −3.749.052 (Tiefststand)
2022 ca. +1.300.000
2025 +1.690.586

Das Minimum der Handelsbilanz wurde 2018 erreicht (−3,75 Mio. EUR), was auf eine Phase hoher Importnachfrage und schwacher Exporte hindeutet. Der anschließende Erholungstrend spiegelt die Umstrukturierung der Lieferketten wider.


2. Geopolitischer Wandel: Schweizer Dominanz und Partnerwechsel

2.1 Die Schweiz als zentraler Handelspartner

Die Partneranalyse zeigt eine bemerkenswerte Konzentration des Handels auf die Schweiz. Bei den Importen stieg der Anteil der Schweiz von 2,51 Mio. EUR (2015) auf 5,47 Mio. EUR (2025, +117,8 %). Bei den Exporten wuchs der Schweizer Anteil von 1,37 Mio. auf 3,73 Mio. EUR (+171,8 %). Damit entfielen 2025 über 73 % der EU-Importe und rund 41 % der EU-Exporte auf die Schweiz — ein einzigartiges Maß an bilateralen Verflechtungen in diesem Segment.

Partner Importe 2015 Importe 2025 Veränderung
Schweiz 2.512.436 5.472.272 +117,8 %
China 1.623.502 932.657 −42,6 %
Hongkong 251.016 79.219 −68,4 %
Südkorea 715.027 2.012 −99,7 %
Tunesien 1.858 229.653 +12.260 %
Taiwan 195.518 6.900 −96,5 %
Vereinigtes Königreich 211.401 21.433 −89,9 %

2.2 Der Rückgang asiatischer Lieferanten

Parallel zur Schweizer Dominanz verloren mehrere asiatische Lieferanten drastisch an Bedeutung. Die Importe aus Südkorea brachen von 715.027 EUR auf nur 2.012 EUR ein (−99,7 %), Taiwan sank von 195.518 auf 6.900 EUR (−96,5 %). Auch die Einfuhren aus China gingen um 42,6 % zurück. Diese Entwicklung könnte auf eine Verlagerung der Beschaffungsketten hin zu Schweizer Präzisionswerken und weg von asiatischen Massenproduzenten hindeuten — möglicherweise beeinflusst durch Qualitätsanforderungen der europäischen Uhrenindustrie und geopolitische Unsicherheiten.

2.3 Exportpartner: Schweiz und UK als Wachstumsmärkte

Bei den Exporten zeigt sich eine ähnliche Neuorientierung. Die Schweiz wurde zum wichtigsten Abnehmer (von 1,37 Mio. auf 3,73 Mio. EUR), gefolgt von den USA, die jedoch von 1,97 Mio. auf 1,30 Mio. EUR schrumpften (−33,9 %). Das Vereinigtes Königreich verfünffachte seine Importe aus der EU nahezu (von 80.045 auf 343.006 EUR, +328,5 %), was teilweise durch die Post-Brexit-Handelsumstrukturierung erklärbar sein könnte.

Partner Exporte 2015 Exporte 2025 Veränderung
Schweiz 1.371.299 3.727.465 +171,8 %
Vereinigte Staaten 1.966.230 1.298.938 −33,9 %
Vereinigtes Königreich 80.045 343.006 +328,5 %
Tunesien 1.315.363 79 −100,0 %
China 244.365 317 −99,9 %

Der vollständige Rückgang der Exporte nach Tunesien (von 1,32 Mio. auf 79 EUR) und China (von 244.365 auf 317 EUR) ist auffällig und könnte auf eine Verlagerung von Lohnveredelungsaktivitäten hinweisen.

2.4 Zunehmende Konzentration der Importe

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe verdoppelte sich nahezu von 2.471 auf 5.656 (+129,0 %). Ein HHI über 2.500 gilt bereits als hochkonzentriert; der Wert von 5.656 im Jahr 2025 deutet auf eine extreme Abhängigkeit von wenigen Lieferanten hin, primär der Schweiz. Die Exportkonzentration stieg moderater von 2.139 auf 2.712 (+26,8 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 2.471 5.656 +129,0 %
HHI Exporte (Wert) 2.139 2.712 +26,8 %

Diese Konzentration birgt Risiken: Eine Störung der Schweizer Lieferkette — sei es durch regulatorische Änderungen, Logistikprobleme oder politische Spannungen — hätte erhebliche Auswirkungen auf die europäische Uhrenindustrie.


3. Strukturwandel in der EU: Produktion, Spezialisierung und Volatilität

3.1 Rückgang der EU-Inlandsproduktion

Die Produktionsdaten belegen einen deutlichen Rückgang der heimischen Uhrwerkproduktion innerhalb der EU. Die Produktionsmenge sank von 606.485 Stück (2015) auf 426.112 Stück (2025, −29,7 %). Der Produktionswert fiel sogar noch stärker von 19,24 Mio. EUR auf 10,10 Mio. EUR (−47,5 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Stück) 606.485 426.112 −29,7 %
Produktionswert (EUR) 19.237.186 10.095.000 −47,5 %

Parallel dazu stieg die Netto-Importabhängigkeit von 47,3 % auf 83,9 % (+77,4 %). Im Klartext: Der Anteil des inländischen Verbrauchs, der durch Importe gedeckt werden muss, hat sich nahezu verdoppelt. Dies unterstreicht die zunehmende Verflechtung der EU mit globalen Zulieferern — und die Schrumpfung der eigenen Produktionsbasis.

3.2 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Italien mit Abstand am stärksten in der Uhrwerkproduktion spezialisiert ist (RCA = 6,98, RSCA = 0,75). Auf Italien entfallen 55,96 % der gesamten EU-Produktion in diesem Segment, obwohl das Land nur 8,01 % des EU-Gesamthandels ausmacht. Weitere spezialisierte Mitgliedstaaten sind Zypern (RCA = 3,25), Rumänien (RCA = 2,96) und Österreich (RCA = 1,94).

EU-Mitgliedstaat RCA Produktionsanteil
Italien 6,98 55,96 %
Zypern 3,25 0,11 %
Rumänien 2,96 4,94 %
Österreich 1,94 6,39 %
Belgien 1,42 12,02 %

Am anderen Ende des Spektrums weisen Schweden (RCA = 0,001), Irland (RCA = 0,007) und Spanien (RCA = 0,013) praktisch keine comparative Advantage in der Uhrwerkfertigung auf.

Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg Italiens bei den Exporten: Von 632.157 EUR (2015) auf 4.023.449 EUR (2025) — ein Plus von 536,5 %. Damit ist Italien 2025 mit Abstand der größte EU-Exporteur von Uhrwerken, noch vor Deutschland (2,53 Mio. EUR, +14,6 %). Frankreich hingegen verlor stark an Boden (von 1,83 Mio. auf 267.352 EUR, −85,4 %).

3.3 Segmentverschiebung bei den Produktuntergruppen

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt eine markante Verschiebung innerhalb des Portfolios:

Importseitig blieb die Position 911011 (vollständige Kleinuhr-Werke) mengenmäßig relativ stabil (7,3 t → 6,7 t), wertmäßig aber nahezu verdoppelt (2,05 Mio. → 3,49 Mio. EUR). Die Position 911090 (übrige Uhrwerke) verlor mengenmäßig von 57,5 t auf 32,2 t.

Exportseitig stach 911011 (vollständige Kleinuhr-Werke) besonders hervor: Die exportierte Menge explodierte von 0,76 t auf 62,3 t — ein Anstieg um das 82-Fache. Dies deutet auf einen Boom bei der Ausfuhr fertiger Uhrwerke hin, insbesondere ab 2024. Gleichzeitig wuchs 911012 (unvollständige zusammengesetzte Uhrwerke) von 0,99 t auf 5,47 t (+451 %), was auf eine zunehmende Exportorientierung in der Zulieferkette hindeuten könnte.

3.4 Preisschocks und Volatilität

Die Volatilitätsanalyse identifiziert mehrere bemerkenswerte Preisschocks:

Ereignis Typ Jahr Wertanteil Preisänderung
Exporte in die USA Preis 2023 34,4 % +133,1 %
Exporte in das VK Preis 2021 7,0 % +177,4 %
Exporte nach Mexiko Preis 2020 5,1 % +165,7 %

Der Preisschock bei US-Exporten 2023 ist besonders signifikant, da die USA mit 34,4 % ein großer Absatzmarkt sind. Der Anstieg um 133,1 % könnte auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Uhrwerken oder auf gestiegene Produktionskosten zurückzuführen sein.

Bei den Importen weisen die Handelsströme mit Tunesien (CV = 1,52) und Taiwan (CV = 1,30) die höchste Volatilität auf, was auf instabile Lieferbeziehungen oder geringe Handelsvolumina mit starken Schwankungen hindeutet.

3.5 Handelsintensität und Exportneigung

Die Verwundbarkeitsindikatoren zeigen eine leicht rückläufige Handelsintensität (von 142,3 % auf 126,2 %, −11,4 %), während die Exportneigung von 312,8 % auf 355,9 % stieg (+13,8 %). Die Exportneigung liegt damit weit über der Handelsintensität, was bedeutet, dass die EU bei Uhrwerken überproportional stark exportiert — ein Indiz für eine weiterhin wettbewerbsfähige Exportindustrie, trotz des Rückgangs der Inlandsproduktion.


Schlussfolgerung

Die EU-Uhrwerkhandel (CN 9110) durchlief zwischen 2015 und 2025 einen dreifachen Strukturwandel: Premiumisierung, geopolitische Neuausrichtung und Produktionsrückgang.

Erstens vollzog sich eine klare Verschiebung hin zu hochwertigen Produkten — die Preise für Importe und Exporte stiegen deutlich stärker als die Mengen, was auf eine Konzentration auf Premium-Uhrwerke hindeutet. Zweitens wurde die Schweiz zum dominanten Handelspartner auf beiden Seiten des Handelsstroms, während asiatische Lieferanten an Bedeutung verloren. Diese Konzentration erhöht die strategische Abhängigkeit der EU von einem einzigen Partner. Drittens schrumpfte die eigene Produktionsbasis erheblich, die Netto-Importabhängigkeit stieg auf fast 84 %.

Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung der Handelsbilanz, die sich vom Defizit zum Überschuss wandte, sowie der beeindruckende Aufstieg Italiens als Exporteur und Produktionsstandort. Die gleichzeitig steigende Exportneigung zeigt, dass die EU-Uhrwerke auf dem Weltmarkt weiterhin Wettbewerbsvorteile besitzen — allerdings in einer zunehmend von der Schweiz dominierten Wertschöpfungskette.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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