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Marktentwicklung: Stahlprofile (CN 7216) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit dem Zollprodukt CN 7216 — Profile aus Eisen oder nichtlegiertem Stahl, a.n.g. — im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Codegruppe umfasst verschiedene warm- und kaltgewalzte Stahlprofile (U-, I-, H-, L- und T-Profile) und ist ein wesentlicher Baustoff für die Bauwirtschaft und den Industriebau. Die Europäische Union ist traditionell ein Nettoexporteur dieser Produkte, doch die Handelsstruktur hat sich im Beobachtungszeitraum substanziell verschoben: Die Exportmengen sind deutlich zurückgegangen, während Importe sowohl mengen- als auch wertmäßig stark zugenommen haben. Gleichzeitig sind die Preise aufgrund globaler Stahlmarktzyklen, pandemiebedingter Lieferkettenstörungen und geopolitischer Schocks erheblich gestiegen.

Produktspezifikation: Profile aus Eisen oder nichtlegiertem Stahl, a.n.g. (CN 7216)


1. Schrumpfende Exporte bei wachsenden Importen — eine strukturelle Verschiebung der Handelsströme

Die EU verliert im Zeitraum 2015–2025 sukzessive Marktanteile als Exporteur von Stahlprofilen und wird gleichzeitig stärker importabhängig. Die Exportmengen fielen um 41,0 % (von 3.166.008 t auf 1.867.133 t), während die Importmengen um 27,5 % stiegen (von 591.538 t auf 754.239 t). Der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte von 1.460.688.198 € auf 1.000.890.935 € (−31,5 %), blieb aber über den gesamten Zeitraum positiv. Die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich leicht von −12,9 % auf −10,6 % — die EU bleibt also Nettoexporteur, doch der Puffer wird schmaler.

1.1 Der Preiszyklus: Doppelter Anstieg 2020–2022 und anschließende Korrektur

Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen von 578 €/t (2015) auf ein Spitzenniveau von 1.220 €/t (2022) und sanken bis 2025 wieder auf 876 €/t. Die Importpreise folgten einem ähnlichen Muster (von 624 €/t auf ein Maximum von 1.177 €/t im Jahr 2022, danach Rückgang auf 843 €/t). Der dramatische Preisanstieg 2021–2022 ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: die pandemiebedingten Lieferengpässe, den starken Anstieg der Energiekosten sowie den EU-Schutzmaßnahmen- und Antidumpingzöllen auf Stahlerzeugnisse.

Kennzahl 2015 2019 2020 2022 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mrd. €) 1,83 1,68 1,25 2,31 1,64 −10,5 %
Exportmenge (Mio. t) 3,17 2,65 2,14 2,20 1,87 −41,0 %
Exportpreis (€/t) 578 634 585 1.220 876 +51,6 %
Importwert (Mio. €) 369 550 404 801 636 +72,3 %
Importmenge (t) 591.538 714.853 582.835 677.237 754.239 +27,5 %
Importpreis (€/t) 624 770 693 1.177 843 +35,2 %

Quelle: Allgemeiner Überblick

1.2 Mengenrückgang trotz Wertstabilität — ein reales Volumenproblem

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Wert- und Mengenentwicklung: Während der Exportwert 2025 nur 10,5 % unter dem Niveau von 2015 lag, schrumpfte die physische Menge um 41 %. Der durchschnittliche Exportpreis stieg im gleichen Zeitraum um 51,6 %. Dies bedeutet, dass die EU zwar mengenmäßig deutlich weniger exportiert, der Preisanstieg den Rückgang im Wert teilweise kompensiert hat. Die reale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Produktion auf dem Weltmarkt hat sich jedoch spürbar abgeschwächt. Die Exportneigung sank von 16,6 % (2015) auf 14,3 % (2025), was darauf hindeutet, dass die EU-Produktion zunehmend den Binnenmarkt bedient, anstatt internationale Märkte zu beliefern.

Quellen: Handelsintensität · Exportneigung


2. Verschiebungen in der geografischen Handelsstruktur — neue Lieferanten gewinnen an Bedeutung

Die Zusammensetzung der Handelspartner hat sich im Betrachtungszeitraum erheblich verändert. Auf der Importseite haben China und die Türkei ihre Lieferungen in die EU stark ausgebaut, während die Ukraine als Lieferant fast vollständig weggebrochen ist. Auf der Exportseite dominiert das Vereinigte Königreich weiterhin, doch traditionelle Märkte wie Algerien und die Türkei haben an Bedeutung verloren.

2.1 Importe: China und die Türkei als neue Volumentreiber

Türkei und China sind die beiden dynamischsten Importpartner für EU-Stahlprofile. Die türkischen Importe stiegen von 93 Mio. € auf 232 Mio. € (+148 %), chinesische Importe von 32 Mio. € auf 153 Mio. € (+377 %). Besonders bemerkenswert ist das starke Wachstum aus Nordmazedonien (von 0,2 Mio. € auf 15,4 Mio. €), was auf die Integration westbalkanischer Stahlproduzenten in EU-Lieferketten hindeuten könnte. Gleichzeitig brachen die ukrainischen Lieferungen von 52 Mio. € auf 4,6 Mio. € (−91 %) ein — ein direktes Ergebnis des Kriegsausbruchs 2022 und der Zerstörung ukrainischer Industriekapazitäten.

Herkunftsland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Türkiye 93 232 +148 %
Vereinigtes Königreich 112 129 +15 %
China 32 153 +377 %
Schweiz 42 36 −16 %
Ukraine 52 5 −91 %
Südkorea 9 25 +181 %
Nordmazedonien 0,2 15 +6.313 %

Quelle: Top-Handelspartner

2.2 Exporte: Vereinigtes Königreich stabil, algerischer Markt schrumpft

Das Vereinigte Königreich blieb mit Abstand der wichtigste Exportmarkt (+9 %), wobei es den Brexit-Störungen von 2020–2021 standgehalten hat. Kanada und die Schweiz verzeichneten ebenfalls Zuwächse (+64 % bzw. +43 %). Demgegenüber sanken die Exporte nach Algerien (−48 %), in die Türkei (−38 %) und nach Mexiko (−34 %). Diese drei Märkte waren 2015 zusammen für Exporte im Wert von über 420 Mio. € verantwortlich — 2025 lag dieser Wert nur noch bei rund 241 Mio. €. Der Rückgang in Algerien könnte mit der dortigen Baukrise und Währungsproblemen zusammenhängen, während die türkischen Importe durch eine gesteigerte eigene Stahlproduktion verdrängt wurden.

Zielland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 358 390 +9 %
Algerien 205 106 −48 %
Türkiye 155 96 −38 %
USA 185 189 +2 %
Kanada 93 153 +64 %
Schweiz 108 154 +43 %
Mexiko 60 39 −34 %

Quelle: Top-Handelspartner

2.3 Zunehmende Konzentration der Importquellen — erhöhtes Anfälligkeitsrisiko

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 1.993 (2015) auf 2.382 (2025), was eine zunehmende Konzentration der Importquellen signalisiert. Im Exportbereich lag der HHI bei rund 1.014 — deutlich diversifizierter. Die steigende Importkonzentration birgt Risiken: Sollten geopolitische Spannungen mit der Türkei oder China eskalieren, wäre die EU verwundbarer als noch vor zehn Jahren. Dies gilt umso mehr, als dass die innerstaatliche Produktion zwar wertmäßig um 175 % zulegte (von 4,9 Mrd. € auf 13,5 Mrd. €), mengenmäßig aber nur um 18 % stieg.

Quellen: Konkonzentration HHI · Produktionsvolumen


3. Produktsegmente und Schocks — H- und I-Profile dominieren, geopolitische Störungen prägen das Bild

Das Handelsvolumen konzentriert sich bei den großen warmgewalzten Profilen (CN 721633 H-Profile, CN 721632 I-Profile), die zusammen den Großteil der Exportmengen ausmachen. In den letzten Jahren haben sich jedoch substanzielle Verschiebungen zwischen den Teilsegmenten ergeben. Darüber hinaus zeigen Schockanalysen, dass geopolitische Ereignisse und pandemiebedingte Preisexplosionen die Handelsströme nachhaltig beeinflusst haben.

3.1 H- und I-Profile als Exportvolumetreiber, kaltgewalzte Profile als Wachstumssegment im Import

Die warmgewalzten H-Profile (721633) und I-Profile (721632) machen 2025 zusammen 76 % der EU-Exportmengen aus — allerdings mit stark rückläufigen Mengen: H-Profile sanken von 1.123.440 t auf 720.210 t (−36 %), I-Profile von 976.448 t auf 690.912 t (−29 %). Besonders stark rückläufig sind die Exporte kleiner L-Profile (721621): von 236.897 t auf nur noch 40.431 t (−83 %).

Auf der Importseite hingegen gewinnt das Segment der kaltgewalzten Profile aus flachgewalzten Erzeugnissen (721661) an Bedeutung: Die Einfuhren stiegen mengenmäßig von 27.658 t auf 38.658 t (+40 %), wertmäßig sogar von 28 Mio. € auf 58 Mio. € (+109 %). Die H-Profile (721633) als größtes Importsegment verzeichneten einen Mengenanstieg von 64.594 t auf 161.761 t (+150 %). Der Importpreis für H-Profile erreichte 2022 mit 997 €/t seinen Höchststand, fiel 2025 aber wieder auf 685 €/t.

Produktsegment Export 2015 (t) Export 2025 (t) Δ Import 2015 (t) Import 2025 (t) Δ
721633 – H-Profile (≥80 mm) 1.123.440 720.210 −36 % 64.594 161.761 +150 %
721632 – I-Profile (≥80 mm) 976.448 690.912 −29 % 57.757 141.554 +145 %
721631 – U-Profile (≥80 mm) 227.194 146.281 −36 % 150.091 53.059 −65 %
721621 – L-Profile (<80 mm) 236.897 40.431 −83 % 67.148 88.501 +32 %
721661 – Kaltgewalzte Profile 104.628 97.438 −7 % 27.658 38.658 +40 %
721640 – L/T-Profile (≥80 mm) 164.050 40.994 −75 % 95.149 93.117 −2 %
721650 – Sonstige warmgewalzte 67.655 53.698 −21 % 73.072 65.689 −10 %

Quelle: Produktsegment-Vergleich

3.2 Preisexplosion 2022 in allen Segmenten

Die Preisentwicklung zeigt 2021–2022 einen außergewöhnlichen Anstieg in allen Teilsegmenten. Der Exportpreis für I-Profile (721632) stieg von 494 €/t (2015) auf 1.036 €/t (2022) — mehr als eine Verdopplung. Für kaltgewalzte Profile (721661) war der Anstieg noch drastischer: von 1.233 €/t auf 2.172 €/t. Die Importpreise folgten einem ähnlichen Muster, wobei die kaltgewalzten Profile mit Importpreisen von bis zu 1.970 €/t (2022) die teuerste Kategorie darstellten. Die Preiskorrektur nach 2022 war in allen Segmenten spürbar, doch 2025 lagen die Preise noch deutlich über dem Niveau von 2015.

3.3 Geopolitische Schocks und Handelsstörungen

Die Schockerkanalyse identifiziert drei signifikante Ereignisse im Betrachtungszeitraum:

  1. Preisschock bei US-Exporten (2020): Der Exportpreis in die USA stieg um 59,2 % mit einer Abnormalität von 11,4 — ein außergewöhnliches Ereignis, das wahrscheinlich mit der Verknappung des US-Marktes unter den Section-231-Zöllen zusammenhängt. Die USA waren mit einem Anteil von 12,5 % am Exportwert ein bedeutender Markt.

  2. Preisschock bei Importen aus dem Vereinigten Königreich (2021): Der Importpreis aus dem UK stieg um 50,2 % — möglicherweise eine Folge der Brexit-bedingten Handelsreibungen und der Übergangsphase, in der neue Zollverfahren greifen.

  3. Angebotsschock: Russland-Exporte (2025): Die EU-Exporte in die Russische Föderation brachen um 98,8 % ein — ein direktes Ergebnis der EU-Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der Volatilitätskoeffizient der russischen Handelsströme lag bei 0,67, was die extreme Schwankung bestätigt.

Schock Typ Richtung Abnormalität Verschiebung Zeitpunkt
USA Preis Export 11,4 +59,2 % 2020
UK Preis Import 3,6 +50,2 % 2021
Russland Angebot Export 2,0 −98,8 % 2025

Quelle: Schock-Ereignisse

3.4 Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten

Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierung bei den Stahlprofilen. Luxemburg weist den höchsten RCA-Wert (41,6) auf, was auf die starke Stahlindustrie im Land (u. a. ArcelorMittal) zurückzuführen ist. Spanien (RCA 2,9), Polen (RCA 2,2) und Italien (RCA 1,3) folgen. Auf der Importseite sind Irland (RCA 0,07), Malta (RCA 0,02) und Ungarn (RCA 0,13) am wenigsten spezialisiert — sie decken ihren Bedarf überwiegend durch Einfuhren.

Die drei wichtigsten Exportländer innerhalb der EU — Spanien, Deutschland und Luxemburg — machen zusammen einen erheblichen Teil der EU-Gesamtausfuhren aus. Allerdings verloren alle drei an Bedeutung: Spanien von 738 Mio. € auf 625 Mio. € (−15 %), Luxemburg von 269 Mio. € auf 205 Mio. € (−24 %), während Deutschland leicht zulegte (+13 %). Deutliche Importwachstumsraten verzeichneten dagegen Rumänien (+228 %), Italien (+229 %) und Griechenland (+207 %) — ein Hinweis auf den Bauboom in diesen Ländern und die verstärkte Nachfrage nach importierten Stahlprofilen.

Quellen: Spezialisierung · Top-Reporter


Fazit

Der EU-Außenhandel mit Stahlprofilen (CN 7216) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend gewandelt. Drei Kernbefunde prägen die Bilanz:

  1. Strukturelle Verschiebung der Handelsströme: Die EU hat ihre Position als Nettoexporteur behalten, doch der Überschuss ist deutlich geschrumpft. Die Exportmengen fielen um 41 %, während die Importe mengenmäßig um 28 % und wertmäßig um 72 % stiegen. Die steigende Importabhängigkeit, insbesondere bei H- und I-Profilen, deutet auf eine zunehmende Verflechtung mit Drittländerproduzenten hin.

  2. Preiszyklus und Korrektur: Der dramatische Preisanstieg 2021–2022 — verursacht durch Lieferkettenstörungen, Energiekrise und geopolitische Unsicherheiten — hat sich seit 2023 wieder abgeschwächt, die Preise liegen jedoch 2025 noch 35–52 % über dem Niveau von 2015. Dies hat die reale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Exporte sowohl verbessert (höhere Wertschöpfung) als auch eingeschränkt (Preisnachteile gegenüber günstigeren Lieferanten).

  3. Geopolitische Umwälzungen: Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland haben die Handelsströme nachhaltig verändert. Ukraine als Lieferant ist praktisch weggebrochen, Russland als Exportmarkt entfällt fast vollständig. Gleichzeitig haben die Türkei und China ihre Marktanteile bei den EU-Importen erheblich ausgebaut — ein Trend, der angesichts der steigenden HHI-Werte auf der Importseite und möglicher Handelskonflikte genau beobachtet werden sollte.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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