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Marktentwicklung: H-Träger aus Stahl (CN 721633) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollprodukt CN 721633 — H-Profile aus Eisen oder nichtlegiertem Stahl, nur warmgewalzt, nur warmgezogen oder nur warmstranggepresst, mit einer Höhe von ≥ 80 mm im Zeitraum 2015 bis 2025. Das Produkt umfasst zwei Unterpositionen: H-Profile mit einer Höhe von 80–180 mm (CN 72163310) und solche über 180 mm (CN 72163390).

Im Untersuchungszeitraum zeigen sich drei zentrale Trends: Erstens ein deutlicher Rückgang der Exportvolumina bei gleichzeitigem Preisanstieg, zweitens ein starkes Importwachstum insbesondere aus neuen Lieferländern, und drittens strukturelle Verschiebungen in der EU-Produktion und Marktorganisation. Die EU blieb throughout den gesamten Zeitraum Nettoexporteur, doch verschob sich das Verhältnis zwischen Exporten und Importen spürbar.


1. Schrumpfende Exportmengen bei steigenden Preisen — eine Wertschöpfungsverschiebung

1.1 Das Exportvolumen ist um mehr als ein Drittel gesunken

Der auffälligste Trend im Zeitraum 2015–2025 ist der erhebliche Rückgang der EU-Ausfuhren in physischen Einheiten:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportmenge (t) 1.123.440 720.210 −35,9 %
Exportwert (EUR) 587.981.887 544.130.783 −7,5 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 523,38 755,52 +44,4 %

Quelle: General Overview — Trade

Obwohl die EU also rund 400.000 Tonnen weniger exportierte, fiel der Rückgang im Exportwert mit nur 7,5 % deutlich geringer aus. Der Preisanstieg von 523 auf 756 EUR/t kompensierte den Volumenverlust weitgehend. Die Mengenkontraktion verteilte sich dabei ungleichmäßig auf die beiden Unterpositionen:

Segment Exportmenge 2015 (t) Exportmenge 2025 (t) Veränderung
CN 72163390 (> 180 mm) 909.816 604.077 −33,6 %
CN 72163310 (80–180 mm) 213.624 116.133 −45,6 %

Quelle: Product Segment Breakdown — Compare

Die kleineren H-Profile (80–180 mm) verloren anteilig deutlich mehr an Volumen als die großen Profile über 180 mm, die nach wie vor den Löwenanteil der Ausfuhren ausmachen.

1.2 Die Preisentwicklung zeigt zwei Phasen: Normalisierung und Schock

Die Exportpreise folgten keiner linearen Entwicklung, sondern durchliefen zwei deutlich unterscheidbare Phasen:

  • 2015–2019: Die Preise bewegten sich in einem relativ engen Korridor zwischen 481 und 578 EUR/t (CN 72163390) bzw. 486 und 601 EUR/t (CN 72163310).
  • 2020–2022: Ein dramatischer Preisschub — 2022 erreichten die Exportpreise mit 1.115 EUR/t (CN 72163390) bzw. 1.106 EUR/t (CN 72163310) ihr Maximum, was den globalen Rohstoffpreisboom und die Energiekrise widerspiegelt.
  • 2023–2025: Teilweise Normalisierung auf 758 bzw. 745 EUR/t, allerdings deutlich über Vor-Krisen-Niveau.

Quelle: Product Segment Breakdown — Compare

Ein Preis-Schock wurde auch 2020 für die Exporte in die Vereinigten Staaten identifiziert (Anomalie 6,5, Preissprung +65,7 %), der mit den US-Schutzzöllen auf Stahleinfuhren zusammenhängen dürfte.

1.3 Die wichtigsten Exportdestinationen haben sich verschoben

Die Top-Exportpartner zeigen ein differenziertes Bild:

Partnerland Exportwert 2015 (EUR) Exportwert 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 92.768.176 112.999.389 +21,8 %
Schweiz 50.633.645 83.834.100 +65,6 %
Kanada 61.117.256 73.696.704 +20,6 %
Vereinigte Staaten 91.417.717 59.264.452 −35,2 %
Türkei 65.732.249 43.577.412 −33,7 %
Norwegen 22.030.682 21.376.456 −3,0 %
Mexiko 16.956.260 15.424.068 −9,0 %

Das Vereinigte Königreich blieb trotz des Brexits der mit Abstand wichtigste Abnehmer mit einem Volumen von über 113 Mio. EUR. Die Schweiz und Kanada gewannen als Märkte deutlich hinzu, während die Ausfuhren in die USA und die Türkei — beides Länder, die eigene Stahlproduktion stark ausgebaut haben oder protektionistische Maßnahmen ergriffen haben — spürbar schrumpften.


2. Dynamischer Importwachstum und neue Lieferanten — Chinas Aufstieg im EU-Markt

2.1 Die EU-Importe haben sich mehr als verdreifacht

Während die Exporte rückläufig waren, stiegen die Einfuhren über den gesamten Zeitraum stark an:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importmenge (t) 64.594 161.761 +150,4 %
Importwert (EUR) 34.416.235 110.797.593 +221,9 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 532,81 684,95 +28,6 %

Quelle: General Overview — Trade

Das Importwachstum war sowohl volumen- als auch preisgetrieben. Der Handelsbilanzüberschuss sank von 553,6 Mio. EUR (2015) auf 433,3 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 21,7 % entspricht. Dennoch blieb die EU in diesem Segment klarer Nettoexporteur.

Auch bei den Importen zeigt sich die Segmentaufteilung: Bei den großen Profilen (CN 72163390) stieg die Einfuhrmenge von 37.671 t auf 120.581 t — ein Plus von 220 %. Die kleineren Profile (CN 72163310) verzeichneten einen Anstieg von 26.924 t auf 41.180 t (+53 %). Das Importwachstum konzentriert sich also überproportional auf die großen H-Profile.

2.2 China wurde zum wichtigsten neuen Lieferanten

Die Importpartner-Struktur hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert:

Lieferland Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
China 103.063 33.573.948 +32.476 %
Republik Korea 1.119.414 21.301.523 +1.803 %
Vereinigtes Königreich 12.020.275 26.004.146 +116 %
Türkei 7.958.297 19.398.691 +144 %
VAE 363.080 4.150.224 +1.043 %
Schweiz 6.822.327 507.719 −93 %
Bahrain 5.491.683 2.638 −100 %

China hat sich von einem marginalen Lieferanten mit gerade einmal 103.063 EUR im Jahr 2015 zum drittgrößten Importpartner entwickelt — mit einem Volumen von 33,6 Mio. EUR im Jahr 2025. Auch Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate verzeichneten dreistellige Zuwächse. Gleichzeitig verloren die Schweiz und Bahrain als traditionelle Lieferanten fast vollständig an Bedeutung.

Diese Verschiebung spiegelt die globale Überkapazitätsproblematik im Stahlsektor wider: Asiatische Produzenten suchten verstärkt Absatzmärkte außerhalb ihrer Heimatregion, während die EU trotz Schutzmaßnahmen (Safeguard-Measure) weiterhin als attraktiver Markt galt.

2.3 Importvolatilität und Preisschocks

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Importseite deutlich volatiler war als die Exportseite. Die Variationskoeffizienten (CV) der wichtigsten Importpartner lagen überwesentlich höher:

Partner (Importe) CV Partner (Exporte) CV
China 2,24 Schweiz 0,06
Bahrain 1,68 Vereinigtes Königreich 0,16
VAE 1,15 Norwegen 0,14
Republik Korea 0,64 Kanada 0,19
Türkei 0,31 Türkei 0,32

Insbesondere bei China und den VAE schwankten die Importströme stark — ein Hinweis darauf, dass diese Lieferantenbeziehungen noch jung und instabil sind. Der extrem hohe CV für China (2,24) erklärt sich durch den fast sprunghaften Anstieg von nahezu null auf über 33 Mio. EUR.

Ein markanter Preisschock wurde 2017 bei den Importen aus den VAE festgestellt: Der Importpreis stieg um 564,6 % (Anomalie 20,8), was 9,6 % des Importwertes betraf. Ein weiterer Schock trat 2021 bei den Exporten nach Marokko auf (+50,4 % Preissprung).


3. Produktionsrückgang, Spezialisierung und strategische Autonomie

3.1 Die EU-Produktion: weniger Menge, aber deutlich mehr Wertschöpfung

Die EU-Produktion von H-Profilen entwickelte sich im Zeitraum 2015–2025 gegenläufig in Menge und Wert:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (kg) 2.500.000.000 2.323.380.192 −7,1 %
Produktionswert (EUR) 780.000.000 1.718.444.393 +120,3 %

Quelle: Production Volumes

Die Produktionsmenge sank um rund 177.000 Tonnen, während sich der Produktionswert mehr als verdoppelte. Dieser Effekt ist primär preisgetrieben: Die hohen Stahlpreise der Jahre 2021–2022 (verursacht durch Energiekosten, Lieferkettenengpässe und Erholungsnachfrage) trieben den Produktionswert nach oben, auch wenn die physische Output-Menge schrumpfte.

3.2 Luxemburg und Spanien sind die spezialisiertesten Exporteure

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index, 2025) zeigt erhebliche Unterschiede innerhalb der EU:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion Anteil an EU-Exporten
Luxemburg 0,980 96,6 31,2 % 0,3 %
Spanien 0,536 3,3 19,2 % 5,8 %
Polen 0,128 1,3 8,6 % 6,6 %
Deutschland 0,105 1,2 26,1 % 21,2 %
Estland 0,084 1,2 0,4 % 0,3 %

Luxemburg weist mit einem RCA-Wert von 96,6 eine extreme Exportspezialisierung auf H-Profile auf, obwohl es nur einen kleinen Anteil an der gesamten EU-Produktion hält. Dies ist auf die ArcelorMittal-Produktion in Düdelingen zurückzuführen. Luxemburg war 2025 mit 182,6 Mio. EUR der größte EU-Exporter, gefolgt von Spanien (171,4 Mio. EUR) und Deutschland (120,1 Mio. EUR).

Auf der anderen Seite sind Länder wie Irland (RSCA: −1,0), Schweden (−0,99) und Frankreich (−0,93) klar importseitig orientiert — sie produzieren kaum eigene H-Profile und sind auf Zulieferungen angewiesen.

3.3 Marktkonzentration und Handelsintensität

Die Konzentration der Handelsströme (HHI-Index) hat sich unterschiedlich entwickelt:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 2.415 2.172 −10,0 %
HHI Exporte (Wert) 867 1.109 +27,9 %

Quelle: Concentration

Die Importseite wurde dezentralisierter: Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten ging zurück, was mit dem Aufstieg neuer Lieferanten wie China und Korea zusammenhängt. Die Exportseite wurde hingegen etwas konzentrierter, was auf die wachsende Dominanz weniger großer Abnehmer (UK, Schweiz) hindeutet.

Abschließend zeigt die Handelsintensität eine zunehmende Verflechtung der EU mit Drittmärkten:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Handelsintensität 36,5 % 42,3 % +15,8 %
Exportneigung 29,2 % 39,4 % +35,1 %
Nettoumportabhängigkeit −21,3 % −52,5 % −146,0 %

Die Nettoumportabhängigkeit wurde sogar noch negativer (von −21,3 % auf −52,5 %), was bedeutet, dass die EU ihre Nettoexportposition relativ zur Produktion gestärkt hat — trotz des absoluten Rückgangs des Handelsbilanzüberschusses. Dies liegt daran, dass die heimische Produktion stärker schrumpfte als die Exporte, sodass die Exportquote relativ zur Produktion stieg. Die EU blieb somit auch 2025 ein klarer Nettexporteur, allerdings in einem Umfeld zunehmender Importe und sinkender Eigenproduktion.


Schluss

Der Markt für H-Profile (CN 721633) durchlief im Zeitraum 2015–2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die EU blieb zwar throughout Nettoexporteur, doch verschob sich das Marktgleichgewicht spürbar: Die Exportvolumina sanken um mehr als ein Drittel, während sich die Importe mehr als verdreifachten. Die treibenden Kräfte dieser Entwicklung waren eine Kombination aus globalen Rohstoffpreiszyklen (insbesondere 2021–2022), dem Aufstieg asiatischer Stahlproduzenten, veränderten Handelsbeziehungen nach dem Brexit sowie protektionistischen Maßnahmen in Drittländern.

Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg Chinas von einem marginalen Importpartner zum drittgrößten Lieferanten innerhalb von nur zehn Jahren. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer kritischen Überprüfung der europäischen Handelspolitik im Stahlsektor — insbesondere im Kontext bestehender Überkapazitäten und der Safeguard-Measures der EU. Gleichzeitig zeigt die zunehmende Exportneigung, dass die europäische Stahlindustrie trotz rückläufiger Mengen weiterhin stark auf Weltmärkte ausgerichtet bleibt, wenn auch mit einer sich verengenden Produktionsbasis.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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