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Marktentwicklung: Nichtrostender Stahl in Rohblöcken und Halbzeug (CN 7218) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel der EU mit nichtrostendem Stahl in Rohblöcken und Halbzeugen (KN-Code 7218) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 grundlegend verändert. Der CN 7218 umfasst drei Untergliederungen: Rohblöcke und andere Rohformen (721810), Halbzeug mit rechteckigem nichtquadratischem Querschnitt (721891) sowie sonstiges Halbzeug aus nichtrostendem Stahl (721899). Zusammen bilden diese Produkte die vorgelagerte Stufe der nichtrostenden Stahlkette. Während die EU-Importe sich nahezu vervierfachten, gingen die Exportmengen um über ein Drittel zurück. Dieser Bericht analysiert die wesentlichen Treiber und strukturellen Veränderungen dieses Wandels.


1. Dramatische Importexpansion: Indonesien verschiebt die Handelsstruktur

1.1 Die EU-Importe haben sich zwischen 2015 und 2025 nahezu vervierfacht

Die Einfuhren von nichtrostendem Stahl in Rohblöcken und Halbzeug stiegen im Berichtszeitraum von 154.109 Tonnen (319,8 Mio. EUR) im Jahr 2015 auf 520.687 Tonnen (958,8 Mio. EUR) im Jahr 2025 — ein Volumenzuwachs von 237,9 % bzw. ein Wertezuwachs von 199,8 %. Diese Expansion verlief nicht linear, sondern war durch mehrere Phasen geprägt: ein moderates Wachstum bis 2018, einen Rückgang während der Pandemie 2020, einen starken Anstieg 2021/2022 und einen erneuten Höchststand 2025.

Kennzahl 2015 2020 2022 2025 Veränderung 2015–2025
Importmenge (t) 154.109 166.731 264.145 520.687 +237,9 %
Importwert (EUR) 319.801.620 327.104.917 912.971.504 958.782.262 +199,8 %
Importpreis (EUR/t) 2.075 1.962 3.456 1.841 −11,3 %

Quelle: Allgemeiner Überblick – Handelsströme

1.2 Indonesien stieg von einem bedeutungslosen Lieferanten zum größten Importpartner auf

Die spektakulärste Einzelentwicklung betrifft Indonesien: Die Einfuhren aus dem südostasiatischen Land stiegen von nur 12.030 EUR im Jahr 2015 auf 499,6 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Anstieg um mehrere Größenordnungen. Indonesien ist damit 2025 mit großem Abstand der wichtigste einzelne Lieferant der EU für diesen Warenbereich und übertrifft selbst das Vereinigte Königreich (420,1 Mio. EUR). Die Ursache liegt in der massiven Ausweitung der indonesischen Stainless-Steel-Produktion, insbesondere durch chinesisch investierte Niederschmelzwerke in Sulawesi, die seit 2020 große Mengen Halbzeug und Brammen (721891) in globale Märkte drängen.

1.3 Die Herkunftsstruktur der EU-Importe hat sich stark diversifiziert

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 7.343 im Jahr 2015 auf 4.639 im Jahr 2025 (−36,8 %). Dies signalisiert eine deutliche Diversifizierung der Importquellen. Neben Indonesien gewannen auch Südkorea (+492 %), Indien (+153 %) und die nicht näher spezifizierten Gebiete (+836 %) an Bedeutung, während der Anteil Russlands (−82,2 %) — vermutlich infolge der Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine — und der USA (+3,9 %) relativ stagnierten bzw. zurückgingen.

Partnerland Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 272.828.373 420.053.208 +54,0 %
Indonesien 12.030 499.579.511 +4.152.681 %
Russische Föderation 21.840.928 3.884.431 −82,2 %
Vereinigte Staaten 7.700.139 8.000.101 +3,9 %
Südkorea 1.140.420 6.751.953 +492,1 %
Indien 4.558.704 11.524.707 +152,8 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert


2. Erosion der EU-Exportposition und wachsendes Handelsdefizit

2.1 Die EU-Exportmengen sind um mehr als ein Drittel gesunken

Während die Importe expandierten, verloren die EU-Ausfuhren an Volumen: von 74.349 Tonnen (220,5 Mio. EUR) im Jahr 2015 auf 47.638 Tonnen (229,3 Mio. EUR) im Jahr 2025. Die Mengenentwicklung zeigt einen Rückgang von 35,9 %, wobei der Wert leicht stieg (+4,0 %), was ausschließlich auf höhere Preise zurückzuführen ist. Der Tiefpunkt wurde 2020 mit 46.003 Tonnen erreicht — ein pandemiebedingter Einbruch, von dem sich die Ausfuhren volumenmäßig nie wieder vollständig erholten.

2.2 Das Handelsbilanzdefizit hat sich auf fast 730 Mio. EUR ausgeweitet

Die Handelsbilanz für CN 7218 verschlechterte sich von −99,3 Mio. EUR (2015) auf −729,5 Mio. EUR (2025), was einer Verschlechterung um 634,8 % entspricht. Die EU war in diesem Segment nie ein Nettoexporteur, doch das Ausmaß der Abhängigkeit hat sich fundamental verändert. Die Nettoimportabhängigkeit blieb dabei überraschend stabil bei rund 29 % (2015: 29,1 %; 2025: 28,9 %), da auch die EU-Produktion zulegte. Allerdings sank die Exportquote drastisch von 9,5 % (2015) auf 2,6 % (2025) — ein Rückgang von 72,3 %. Dies deutet darauf hin, dass die EU ihre nichtrostende Stahlhalbzeug-Produktion zunehmend für den Binnenmarkt statt für Drittmärkte verwendet.

2.3 Schweden und Italien dominieren die EU-internen Exportströme

Innerhalb der EU ist Schweden mit Abstand der wichtigste Exporteur von CN 7218-Produkten in Drittländer: Der Wert stieg von 111,4 Mio. EUR (2015) auf 142,4 Mio. EUR (2025; +27,8 %). Damit entfallen über 62 % der EU-Gesamtausfuhren auf Schweden. Italien folgt mit 46,8 Mio. EUR (−31,2 %), Deutschland mit 13,1 Mio. EUR (+133,9 %) und Frankreich mit 10,0 Mio. EUR (+70,8 %). Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) bestätigt, dass Finnland (RSCA: 0,757) und Schweden (RSCA: 0,747) die mit Abstand stärkste komparative Spezialisierung in diesem Segment aufweisen — ein Erbe der nordischen Edelstahltradition (Outokumpu/Avesta).

EU-Mitglied Exportwert 2015 (EUR) Exportwert 2025 (EUR) Veränderung
Schweden 111.407.449 142.369.908 +27,8 %
Italien 67.956.791 46.773.541 −31,2 %
Deutschland 5.588.915 13.074.829 +133,9 %
Frankreich 5.873.690 10.033.639 +70,8 %
Spanien 4.900.840 4.621.253 −5,7 %

Quelle: Top-Reporter nach Exportwert


3. Preisdynamik, Segmentstruktur und volatile Einzelmärkte

3.1 Exportpreise stiegen deutlich, Importpreise fielen zuletzt — ein gegenläufiger Trend

Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich von 2.966 EUR/t (2015) auf 4.813 EUR/t (2025), ein Plus von 62,3 %. Die Importpreise hingegen lagen 2025 bei 1.841 EUR/t nach 2.075 EUR/t im Jahr 2015 (−11,3 %), wobei sie 2022 mit 3.456 EUR/t einen Spitzenwert erreichten, bevor sie wieder fielen. Die Differenz zwischen Export- und Importpreisen (4.813 vs. 1.841 EUR/t) ist bemerkenswert: Die EU exportiert tendenziell höherwertiges Halbzeug und importiert in zunehmendem Maße kostengünstigeres, industriell vorgefertigtes Halbzeug — insbesondere Brammen — aus Asien.

3.2 Das Segment 721891 (Brammen) dominiert den Importboom mit Abstand

Die segmentierte Betrachtung der Unterpositionen zeigt, dass der Importzuwachs fast vollständig auf das Unterproukt 721891 (Halbzeug mit rechteckigem Querschnitt, d. h. Brammen) entfiel:

Segment Beschreibung Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Veränderung
721891 Halbzeug, rechteckiger Querschnitt (Brammen) 106.095 450.677 +324,9 %
721899 Sonstiges Halbzeug 23.671 46.036 +94,5 %
721810 Rohblöcke und andere Rohformen 24.343 23.975 −1,5 %

Quelle: Produktsegmentvergleich

Das Segment 721891 machte 2025 rund 86,6 % der gesamten Importmenge aus. Dies unterstreicht, dass der Importboom kein Phänomen der Rohformen ist, sondern gezielt die Brammenproduktion betrifft — jenes Halbfabrikat, das in EU-Walzwerke eingespeist wird. Indonesische Brammen sind dabei aufgrund günstiger Energie- und Rohstoffkosten (Nickel) preislich hochwettbewerbsfähig. Der Importpreis für 721891 sank von 2.002 EUR/t (2015) auf 1.725 EUR/t (2025), was die Kostenvorteile der neuen Lieferanten widerspiegelt.

3.3 Indonesiens Einstieg in den EU-Markt stellte das markanteste Preisschock-Ereignis dar

Die Volatilitäts- und Schockanalyse identifiziert Indonesien als das einzige signifikante Schock-Ereignis: Im Jahr 2023 trat ein Preisschock mit einer abnormalen Standardabweichung von 15,3 und einem Sprung von 511,1 % auf, wobei Indonesien 18,2 % des Importwertes ausmachte. Der Variationskoeffizient der indonesischen Importe liegt bei 1,48 — einer der höchsten aller Partner —, was die Unberechenbarkeit dieser neuen Handelsbeziehung unterstreicht. Südkorea (CV: 2,01) und Brasilien (CV: 2,69) zeigen ebenfalls hohe Volatilität, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für nichtrostenden Stahl in Rohblöcken und Halbzeug hat sich zwischen 2015 und 2025 in seiner Grundstruktur gewandelt. Der dominante Trend ist die massive Zunahme der Importe — vor allem von Brammen (721891) aus Indonesien —, die das Handelsbilanzdefizit auf fast 730 Mio. EUR anschwellen ließen. Gleichzeitig haben die EU-Exportmengen um mehr als ein Drittel abgenommen, und die Exportquote ist auf 2,6 % gefallen. Die EU-Produktion von nichtrostendem Stahl ist zwar volumenmäßig um 14,9 % und wertmäßig um 89,1 % gewachsen, doch die Zuwächse werden zunehmend durch Importe gedeckt. Die Verdrängung russischer Lieferungen durch Sanktionen wurde durch das rasche Vordringen indonesischer Anbieter kompensiert — was die Diversifizierung der Importquellen erhöhte, aber auch neue Abhängigkeiten schafft. Die Preisdivergenz zwischen teuren EU-Exporten und billigen Importen deutet auf eine zunehmende Segmentierung hin: Die EU konzentriert sich auf höherwertige Spezialqualitäten, während das Volumengeschäft mit Standardbrammen zunehmend von globalen Wettbewerbern außerhalb Europas bedient wird.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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