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Marktentwicklung: Rohe Erdnüsse (CN 1202) — 2015–2025

Einleitung

Der EU-Markt für rohe Erdnüsse (KN-Code 1202) unterliegt seit 2015 erheblichen strukturellen Veränderungen. Die Europäische Union ist in diesem Segment traditionell auf Importe angewiesen — die Netto-Importabhängigkeit lag im gesamten Betrachtungszeitraum konstant über 78 % und erreichte 2025 mit 83,8 % ihren Höchstwert. Im Folgenden werden die wichtigsten Dynamiken im Zeitraum 2015–2025 analysiert: das stark wachsende Importvolumen bei gleichzeitigem Rückgang der Exporte, die zunehmende Konzentration auf wenige Lieferländer sowie die damit verbundene Verwundbarkeit der EU-Versorgungskette.


1. Importwachstum und zunehmende Konzentration der Bezugsquellen

1.1 Das Importvolumen hat sich zwischen 2015 und 2025 deutlich erhöht

Die EU hat ihren Bedarf an rohen Erdnüssen im untersuchten Zeitraum kontinuierlich gesteigert. Der Gesamthandel zeigt folgende Entwicklung:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 727,9 Mio. € 1.027,1 Mio. € +41,1 %
Importmenge 554.152 t 697.305 t +25,8 %
Importpreis (Ø) 1.314 €/t 1.473 €/t +12,1 %

Die Mengenimporte stiegen um rund 143.000 Tonnen. Zugleich erhöhte sich der durchschnittliche Importpreis von 1.314 €/t auf 1.473 €/t, was sowohl auf globale Preisanstiege als auch auf eine Verschiebung der Importzusammensetzung zurückzuführen sein dürfte.

1.2 Geschälte Erdnüsse (CN 120242) dominieren das Importgeschäft nahezu vollständig

Die Produktsegment-Aufschlüsselung zeigt, dass der überwiegende Teil der Importe auf geschälte Erdnüsse (CN 120242) entfällt:

Produktsegment Importmenge 2015 Importmenge 2025 Anteil 2025
Geschält (120242) 481.700 t 628.193 t ~90 %
Ungeschält (120241) 72.129 t 69.073 t ~10 %
Samen zur Aussaat (120230) 322 t 39 t < 0,01 %

Geschälte Erdnüsse machten 2025 etwa 90 % der Gesamtimportmenge aus. Deren durchschnittlicher Importpreis stieg von 1.274 €/t (2015) auf 1.690 €/t (2024), bevor er 2025 auf 1.455 €/t leicht korrigierte. Ungeschälte Erdnüsse werden zu einem deutlichen Preisaufschlag gehandelt (1.638 €/t in 2025), was auf die geringere Verbreitung und die zusätzliche Verarbeitungsstufe im Ursprungsland hindeutet.

1.3 Argentinien hat seine Marktstellung als Hauptlieferant massiv ausgebaut

Die Partnerländer-Analyse offenbart eine bemerkenswerte Verschiebung der Lieferstrukturen:

Lieferland Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Argentinien 381,8 Mio. € 662,3 Mio. € +73,5 %
USA 141,1 Mio. € 73,7 Mio. € −47,8 %
China 83,2 Mio. € 107,3 Mio. € +28,9 %
Brasilien 40,7 Mio. € 57,1 Mio. € +40,5 %
Ägypten 21,8 Mio. € 57,7 Mio. € +164,3 %

Argentinien stellte 2025 rund 64 % aller Importe nach Wert — ein eindrucksvoller Zuwachs von 73,5 % gegenüber 2015. Gleichzeitig halbierten sich die US-amerikanischen Exporte in die EU nahezu. Ägypten verfünffachte seinen Anteil nahezu und stieg zum fünftwichtigsten Lieferanten auf.

1.4 Die Importkonzentration hat spürbar zugenommen

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für Importe nach Wert stiegen deutlich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI (Wert) 3.312 4.403 +32,9 %
HHI (Volumen) 3.645 4.713 +29,3 %

Ein HHI von über 4.000 gilt als Zeichen einer hohen Konzentration. Die wachsende Dominanz Argentiniens hat die EU-Importstruktur weniger diversifiziert gemacht, was bei Ernteausfällen oder politischen Spannungen im südamerikanischen Lieferland erhebliche Versorgungsrisiken birgt.


2. Schrumpfende Exporte und geopolitische Umwälzungen in den Absatzmärkten

2.1 Die EU-Exporte roher Erdnüsse sind über den gesamten Zeitraum deutlich zurückgegangen

Während die Importe stiegen, verloren die EU-Exporte an Dynamik. Die Gesamtübersicht zeigt:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 33,1 Mio. € 23,1 Mio. € −30,2 %
Exportmenge 24.510 t 13.902 t −43,3 %
Exportpreis (Ø) 1.349 €/t 1.659 €/t +23,0 %

Die exportierte Menge sank um fast die Hälfte, während der durchschnittliche Exportpreis um 23 % stieg. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend nur noch hochwertigere oder nischenprodukte exportiert, während das Volumengeschäft an Drittländer verloren geht.

2.2 Das Vereinigte Königreich als wichtigster Exportmarkt hat stark an Bedeutung verloren

Die Exportpartner-Analyse zeigt eine Umstrukturierung der Absatzmärkte:

Abnehmerland Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 14,8 Mio. € 5,0 Mio. € −65,9 %
Norwegen 4,2 Mio. € 3,6 Mio. € −13,9 %
Serbien 3,0 Mio. € 0,9 Mio. € −70,4 %
Ukraine 0,9 Mio. € 7,8 Mio. € +804,0 %
Russische Föderation 5,5 Mio. € 0 € −100,0 %

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU und die damit verbundenen Handelsbarrieren dürften den starken Rückgang der Erdnussexporte dorthin erklären. Gleichzeitig brachen die Exporte nach Russland vollständig zusammen — ein Zusammenhang, der mit den seit 2022 verhängten Sanktionen infolge des Ukraine-Konflikts erklärbar ist. Bemerkenswert ist der massive Anstieg der Exporte in die Ukraine (+804 %), der möglicherweise auf Versorgungsengpässe im ukrainischen Markt und die Umleitung von Handelsströmen zurückzuführen ist.

2.3 Die Niederlande sind das zentrale Handelszentrum der EU für Erdnüsse

Die Mitgliedstaaten-Analyse zeigt, dass die Niederlande sowohl bei Importen als auch bei Exporten eine herausragende Rolle spielen:

EU-Mitgliedstaat Importwert 2015 Importwert 2025 Exportwert 2015 Exportwert 2025
Niederlande 386,0 Mio. € 533,5 Mio. € 27,6 Mio. € 16,8 Mio. €
Spanien 65,8 Mio. € 83,3 Mio. € 0,9 Mio. € 0,4 Mio. €
Italien 63,2 Mio. € 73,9 Mio. €
Polen 39,5 Mio. € 79,0 Mio. €
Deutschland 39,5 Mio. € 62,4 Mio. € 1,5 Mio. € 0,9 Mio. €
Frankreich 27,9 Mio. € 56,1 Mio. €

Die Niederlande importierten 2025 Erdnüsse im Wert von 533,5 Mio. € — über die Hälfte des gesamten EU-Importwerts. Dies unterstreicht die Rolle der Häfen Rotterdam und Amsterdam als zentrale Einfuhrdrehkreuze. Besonders auffällig ist das Wachstum in Polen (+100 %) und Frankreich (+101 %), die ihre Importe im Betrachtungszeitraum jeweils verdoppelten. Gleichzeitig sanken die niederländischen Exporte um 39 %, was auf eine Verschiebung hin zur verarbeitenden Industrie im Inland hindeuten könnte.


3. Verwundbarkeit der EU-Versorgung und Volatilität der Handelsströme

3.1 Die Netto-Importabhängigkeit der EU ist auf Rekordhöhen gestiegen

Die Netto-Importabhängigkeit blieb über den gesamten Zeitraum auf einem sehr hohen Niveau:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Netto-Importabhängigkeit 83,1 % 83,8 % +0,9 Prozentpunkte
Handelsintensität 93,6 % 92,9 % −0,8 Prozentpunkte
Exportquote 58,7 % 52,2 % −11,0 %

Die Handelsintensität und die Exportquote bestätigen das Bild: Die EU konsumiert Erdnüsse fast ausschließlich aus dem Import, während die eigene Produktion zwar mengenmäßig gestiegen ist (von 314.000 t auf 600.000 t, +91,1 %), aber mengenmäßig den Importbedarf bei Weitem nicht decken kann.

3.2 Die Spezialisierung innerhalb der EU ist extrem ungleich verteilt

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass nur wenige Mitgliedstaaten eine nennenswerte Spezialisierung auf Erdnüsse aufweisen:

Land RCA-Index RSCA Produktionsanteil Anteil am EU-Handel
Niederlande 5,60 0,70 81,2 % 14,5 %
Kroatien 2,33 0,40 0,9 % 0,4 %
Bulgarien 1,03 0,01 0,6 % 0,6 %
Irland 0,001 −1,00 0,0 % 2,1 %

Die Niederlande dominieren mit einem RCA-Wert von 5,60 und einem Produktionsanteil von 81,2 % die EU-Erdnussproduktion. Demgegenüber stehen zahlreiche Mitgliedstaaten wie Irland, Zypern oder Estland mit praktisch keiner eigenen Produktion, die vollständig auf Importe angewiesen sind.

3.3 Die Preisvolatilität bei Schlüssellieferanten ist erheblich

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass mehrere wichtige Handelspartner erhebliche Schwankungen aufweisen:

Importseitige Volatilität (Variationskoeffizient):

Lieferland CV
Indien 0,54
Nicaragua 0,31
USA 0,30
China 0,28
Ägypten 0,27

Exportseitige Volatilität:

Abnehmerland CV
Russische Föderation 1,36
Ukraine 1,21
Ceuta 1,90
Melilla 1,25

Indien zeigt mit einem CV von 0,54 die höchste Volatilität unter den wichtigsten Importquellen. Auf der Exportseite sind die Schwankungen bei Russland (1,36) und der Ukraine (1,21) extrem hoch — hier spiegeln sich offensichtlich geopolitische Schocks wider.

3.4 Identifizierte Preisschocks stehen im Zusammenhang mit geopolitischen Ereignissen

Die Schock-Analyse hat mehrere bemerkenswerte Ereignisse identifiziert:

Ereignis Typ Richtung Zeitpunkt Veränderung
Russland-Importe Preisschock Importe 2018 +2.097 %
Saudi-Arabien-Exporte Preisschock Exporte 2022 +662 %
Angola-Exporte Preisschock Exporte 2021 +369 %

Der extreme Preisanstieg bei Importen aus Russland (2018) dürfte mit der geringen Handelsbasis zusammenhängen und stellt weniger einen systemischen Schock als vielmehr eine Randerscheinung dar. Der Preisschock bei Exporten nach Saudi-Arabien (2022) könnte mit den globalen Lieferkettenstörungen nach Beginn des Ukraine-Konflikts zusammenhängen.


Fazit

Die Analyse des EU-Handels mit rohen Erdnüssen (CN 1202) im Zeitraum 2015–2025 offenbart drei zentrale Trends:

Erstens ist die EU-Abhängigkeit von Drittlandimporten trotz leicht gesteigerter Inlandsproduktion unverändert hoch. Mit einer Netto-Importabhängigkeit von nahezu 84 % und einem Importwert von über 1 Milliarde Euro gehört Erdnüsse zu den signifikanten Agrarimporten der EU.

Zweitens hat sich die Lieferantenstruktur deutlich verschärft. Argentinien dominiert den Markt mit einem Anteil von über 60 % am Importwert, während die USA an Boden verloren haben. Der Herfindahl-Hirschman-Index stieg um fast 33 % auf 4.403 Punkte — ein Niveau, das auf eine erhebliche Konzentration und damit ein erhöhtes Versorgungsrisiko hindeutet.

Drittens haben geopolitische Ereignisse — insbesondere der Brexit und der Ukraine-Konflikte — die EU-Exportmärkte nachhaltig umstrukturiert. Der Wegfall Russlands als Absatzmarkt und der starke Rückgang der Exporte ins Vereinigte Königreich haben das ohnehin negative Handelsbilanzdefizit von 695 Mio. € (2015) auf über 1 Mrd. € (2025) vertieft.

Für die Zukunft stellen die hohe Konzentration auf wenige Lieferländer, die anhaltende Preisvolatilität und die geopolitischen Unsicherheiten relevante Risikofaktoren für die Erdnussversorgung der EU dar. Eine Diversifizierung der Bezugsquellen und der Ausbau der europäischen Verarbeitungskapazitäten wären geeignete Maßnahmen zur Stärkung der Versorgungsresilienz.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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