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Marktentwicklung: Medizinalpflanzen und Duftpflanzen (CN 1211) — 2015–2025

Einführung

Der Zolltarif 1211 umfasst Pflanzen, Pflanzenteile, Samen und Früchte, die überwiegend zur Herstellung von Riechmitteln, zu medizinischen Zwecken oder zur Schädlingsbekämpfung verwendet werden — frisch, gekühlt, gefroren oder getrocknet, auch zerkleinert. Die Position bündelt unter anderem Ginsengwurzeln, Mohnstroh, Ephedra, Cocablätter und die Rinde des Afrikanischen Pflaumenbaums (Prunus africana). Die Analyse deckt den Zeitraum 2015 bis 2025 ab und basiert auf den Übersichtsdaten des EU Trade Dashboards.

Der Markt für CN 1211 hat sich im Beobachtungszeitraum deutlich dynamisiert: Die EU-Importe haben sich in ihrem Wert nahezu verdreifacht, während die Exporte zwar ebenfalls wuchsen, aber in deutlich geringerem Tempo. Die Handelsbilanz hat sich entsprechend erheblich ausgeweitet. Im Folgenden werden die zentralen Entwicklungslinien in drei Abschnitten analysiert.


1. Starker Wertanstieg bei moderater Mengenentwicklung — Preiseffekte als Wachstumstreiber

1.1 Die EU-Importe stiegen im Wert um 173 %, im Volumen jedoch nur um 37 %

Zwischen 2015 und 2025 wuchs der Importwert von CN 1211 von 384,9 Mio. EUR auf 1.050,8 Mio. EUR — eine Steigerung um 173 %. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Importmenge lediglich von 100.225 t auf 137.279 t (+37 %). Der bedeutende Teil des Wachstums ist somit auf Preiseffekte zurückzuführen: Der durchschnittliche Importpreis verdoppelte sich nahezu von 3.840 EUR/t auf 7.655 EUR/t (+99 %). (Übersicht: Handelswerte)

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 384.883.699 1.050.826.921 +173 %
Importmenge (t) 100.225 137.279 +37 %
Importpreis (EUR/t) 3.840 7.655 +99 %

1.2 Die Exporte wuchsen im Wert um 71 %, blieben mengenmäßig jedoch nahezu stabil

Die EU-Ausfuhren stiegen von 161,1 Mio. EUR auf 276,1 Mio. EUR (+71 %). Die exportierte Menge verharrte jedoch bei rund 28.000 bis 29.000 t (von 27.987 t auf 28.702 t, +2,6 %). Auch hier ist der Preisanstieg der dominante Faktor: Der Exportpreis kletterte von 5.756 EUR/t auf 9.620 EUR/t (+67 %). (Übersicht: Handelswerte)

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 161.100.942 276.140.351 +71 %
Exportmenge (t) 27.987 28.702 +2,6 %
Exportpreis (EUR/t) 5.756 9.620 +67 %

1.3 Das Handelsdefizit hat sich von 224 Mio. EUR auf 775 Mio. EUR mehr als verdreifacht

Die Handelsbilanz der EU mit Drittländern verschlechterte sich von −224 Mio. EUR auf −775 Mio. EUR (−246 %). Die EU ist somit in steigendem Maße auf Importe angewiesen. Die Preissteigerungen bei Importen fielen dabei stärker aus als bei Exporten, was die Defizitausweitung zusätzlich verstärkte. (Übersicht: Handelswerte)

1.4 Die dominante Teilkategorie 121190 treibt die Preisentwicklung

Die allgemeine Kategorie 121190 (alle Medizinal- und Duftpflanzen außer Ginseng, Cocablätter, Mohnstroh, Ephedra und Prunus africana) dominiert sowohl den Import als auch den Export mit weit über 90 % des jeweiligen Gesamtwerts. Der Importpreis dieser Kategorie stieg von 3.693 EUR/t (2015) auf 7.650 EUR/t (2025) — eine Verdopplung. Die Ginsengwurzeln (121120) weisen zwar mit Abstand die höchsten Stückpreise auf (27.766 EUR/t im Import, 2025), ihr Mengenanteil bleibt jedoch gering. (Segmentaufschlüsselung: Importe)

Segment Importpreis 2015 (EUR/t) Importpreis 2025 (EUR/t) Importmenge 2025 (t)
121190 – Sonstige Medizinal-/Duftpflanzen 3.693 7.650 136.340
121120 – Ginsengwurzeln 77.208 27.766 275
121140 – Mohnstroh 777 8.011 2
121150 – Ephedra n/a 1.369 24
121160 – Prunus africana-Rinde n/a 108 638

2. Verschiebung der Handelspartner — Zunehmende Konzentration der Importquellen

2.1 Indien hat sich zur mit Abstand wichtigsten Importquelle entwickelt

Der Importwert aus Indien stieg von 51,2 Mio. EUR auf 158,8 Mio. EUR (+210 %). Damit rangiert Indien klar an der Spitze der EU-Lieferanten. Der starke Anstieg spiegelt sowohl das Wachstum traditioneller Kräuter- und Heilpflanzenexporte als auch die wachsende Nachfrage der EU-Pharma- und Lebensmittelindustrie wider. (Partner: Importe)

2.2 Albanien und die Türkei als wachsende Regionallieferanten

Albanien verzwölfte seinen Exportwert in die EU von 12,5 Mio. EUR auf 27,9 Mio. EUR (+123 %). Die Türkei erhöhte ihre Lieferungen von 18,2 Mio. EUR auf 27,7 Mio. EUR (+52 %). Beide Länder profitieren von ihrer geografischen Nähe zur EU und bestehenden Handelspräferenzen. (Partner: Importe)

2.3 China als Lieferant stagniert, während die USA ihre Exporte in die EU ausweiten

China exportierte 2015 Waren im Wert von 52,6 Mio. EUR in die EU und 2025 noch 51,5 Mio. EUR (−2 %). Im gleichen Zeitraum wuchsen die US-Exporte von 47,1 Mio. EUR auf 66,2 Mio. EUR (+41 %). Die Vereinigten Staaten sind damit an China vorbeigezogen und nun der viertwichtigste Lieferant der EU. (Partner: Importe)

2.4 Die Konzentration der Importpartner hat stark zugenommen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 734 (2015) auf 1.174 (2025), was einer Zunahme um 60 % entspricht. Dies deutet auf eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen Lieferländern hin. (Konzentration: HHI)

2.5 Die wichtigsten Exportmärkte der EU: Vereinigtes Königreich, USA und die Schweiz

Das Vereinigte Königreich blieb mit 72,0 Mio. EUR (2025) der größte Exportmarkt (+63 % gegenüber 2015). Die USA und die Schweiz folgen mit starken Zuwächsen von 119 % bzw. 85 %. Australien verzeichnete das stärkste relative Wachstum aller Exportziele: von 2,8 Mio. EUR auf 15,0 Mio. EUR (+437 %). (Partner: Exporte)

2.6 Russland als Exportmarkt verlor deutlich an Bedeutung

Die EU-Ausfuhren in die Russische Föderation sanken von 6,4 Mio. EUR auf 4,0 Mio. EUR (−37 %). Der Rückgang beschleunigte sich nach 2021, was mit den Sanktionen nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 zusammenhängt. (Partner: Exporte)


3. Preisschocks, Volatilität und binnenwirtschaftliche Spezialisierungsmuster

3.1 Preisschocks bei Exporten nach Russland (2022), in die Türkei (2023) und nach China (2022)

Die Analyse der Schockereignisse zeigt drei signifikante Preisschocks bei EU-Exporten:

Partner Jahr Typ Abnormalitätsindex Preisänderung Anteil am Exportwert
Russische Föderation 2022 Preis 503,1 +42,7 % 4,6 %
Türkei 2023 Preis 55,1 +158,8 % 1,5 %
China 2020 Preis 26,7 +197,5 % 2,7 %

Der extrem hohe Abnormalitätsindex für Russland (503,1) spiegelt die abrupte Handelsverwerfung durch die Sanktionen wider. Der Schock bei Exporten in die Türkei (2023) könnte mit der Währungskrise und der Inflation in der Türkei zusammenhängen. Der China-Schock (2022, mit Datenmittelpunkt 2020) fällt in die COVID-19-Pandemie, als Lieferketten unterbrochen waren und Restbestände zu außergewöhnlichen Preisen gehandelt wurden.

3.2 Volatilitätsunterschiede zwischen Import- und Exportpartnern

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient, CV) zeigt erhebliche Unterschiede:

Importseitig am volatilsten:

Partner CV
Kenia 0,627
Israel 0,571
Ukraine 0,372
Chile 0,362
Indien 0,253

Exportseitig am volatilsten:

Partner CV
China 0,672
Australien 0,602
Türkei 0,477
Albanien 0,389
Russische Föderation 0,320

Die Ukraine als Importpartner zeigt eine hohe Volatilität (CV = 0,372), was angesichts des Krieges seit 2022 und der damit verbundenen Unterbrechungen nachvollziehbar ist. Kenia und Israel weisen ebenfalls eine sehr schwankende Lieferentwicklung auf, was auf Nischenprodukte mit geringen und unregelmäßigen Mengen hindeutet.

3.3 Binnenproduktion der EU wuchs kräftig, kann den Importbedarf jedoch nicht decken

Die EU-Produktion von CN 1211 stieg im Wert von 870 Mio. EUR auf 1.550 Mio. EUR (+78 %) und in der Menge von 129 Mio. kg auf 153 Mio. kg (+18 %). Der starke Wertanstieg bei moderater Mengenzunahme zeigt, dass auch die EU-Produktion von Preissteigerungen bei hochwertigen Produkten profitiert. Dennoch bleibt die EU netto auf Importe angewiesen: Der Importwert übersteigt den Exportwert um ein Vielfaches.

3.4 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU — Osteuropäische Mitgliedstaaten gewinnen an Bedeutung

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass insbesondere Kroatien (RSCA = 0,79), Portugal (0,75) und Lettland (0,55) eine hohe Spezialisierung im Export von CN 1211 aufweisen. Auf der Importseite sticht Tschechien mit einem Anstieg der Importe von 7,3 Mio. EUR auf 65,8 Mio. EUR (+797 %) besonders hervor — ein Wachstum, das auf eine rasante Entwicklung des tschechischen Pharma- und Kräutermarktes hindeuten könnte. (Reporter: Importe)

Deutschland bleibt mit Abstand der größte Importeur (415,8 Mio. EUR, 2025) und Exporteur (102,5 Mio. EUR, 2025) innerhalb der EU. (Reporter: Exporte)


Schluss

Der Markt für CN 1211 hat sich zwischen 2015 und 2025 durch drei zentrale Trends geprägt: Erstens haben Preissteigerungen — und nicht primär Mengenwachstum — den Anstieg der Handelswerte getrieben. Sowohl Import- als auch Exportpreise haben sich nahezu verdoppelt, was auf eine steigende globale Nachfrage nach hochwertigen Medizinal- und Duftpflanzen, Inflationseffekte sowie möglicherweise auch auf Qualitätsaufwertungen in den gehandelten Produkten hindeutet. Zweitens hat sich die geografische Struktur der Handelsbeziehungen verschoben: Indien hat seine Rolle als Hauptlieferant massiv ausgebaut, während China stagniert. Die Konzentration der Importquellen hat stark zugenommen (HHI +60 %), was eine gewisse Lieferabhängigkeitsproblematik aufwirft. Gleichzeitig haben neue Handelspartner wie Albanien und Australien an Bedeutung gewonnen, während der russische Exportmarkt durch Sanktionen erheblich eingebrochen ist. Drittens zeigt sich eine bemerkenswerte Resilienz der EU-Binnenproduktion, die ebenfalls kräftig gewachsen ist, die wachsende Importnachfrage jedoch nicht vollständig substituieren kann.

Für die kommenden Jahre ist zu beobachten, ob die Preisanstiege sich abschwächen oder fortsetzen, wie sich die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern — insbesondere Indien — entwickelt und ob der geopolitische Kontext (Sanktionen, Handelsstreitigkeiten) die Handelsströme weiterhin prägt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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