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Marktentwicklung: Plug-in-Hybrid-Pkw (CN 870360) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 870360 erfasst Personenkraftwagen mit Plug-in-Hybrid-Antrieb — Fahrzeuge, die sowohl über einen Hubkolbenverbrennungsmotor mit Fremdzündung als auch über einen Elektromotor verfügen und über eine externe Stromquelle aufladbar sind. Dieses Marktsegment hat sich im Betrachtungszeitraum von einer Nische zum Massenmarkt entwickelt. Die Daten beginnen vollständig ab 2017, da für 2015 und 2016 keine vollständigen Jahresergebnisse vorliegen.

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsströme der EU mit Drittländern, die geografische Neuausrichtung des Handels, die Struktur des Marktes sowie die sich wandelnde Verwundbarkeit der EU. Dabei stehen drei zentrale Dynamiken im Vordergrund: das exponentielle Wachstum beider Handelsrichtungen, die geopolitische Umorientierung der Importpartner und Europas Bestreben, die eigene Produktionsbasis mit der Nachfrage Schritt zu halten.


I. Exponentielles Wachstum: Vom Nischenprodukt zum Massenmarkt

Das Exportvolumen hat sich mehr als verfünffacht

Die EU-Ausfuhren von Plug-in-Hybridfahrzeugen in Drittländer sind zwischen 2017 und 2025 von 2,63 Mrd. € auf 14,15 Mrd. € gestiegen — ein Anstieg von 438,7 %. Mengenmäßig stiegen die Exporte von 127.526 Fahrzeugen auf 582.903 Fahrzeuge (+357,1 %). Damit legten die Ausfuhren jedes Jahr zu, mit einem besonders starken Sprung zwischen 2019 und 2021, als die Pandemie die Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen nicht etwa dämpfte, sondern beschleunigte.

Jahr Exportwert (Mrd. €) Exportmenge (Stück) Durchschnittspreis (€/Stück)
2017 2,63 127.526 20.600
2018 3,31 169.459 19.532
2019 3,48 163.169 21.357
2020 5,37 294.698 18.217
2021 6,64 353.812 18.768
2022 8,10 377.054 21.488
2023 10,11 500.357 20.210
2024 11,97 495.487 24.158
2025 14,15 582.903 24.280

Quelle: Handelsübersicht

Auffällig ist der Preisanstieg ab 2022: Der durchschnittliche Exportpreis stieg von rund 18.200 € (2020) auf über 24.200 € (2025) — ein Hinweis auf zunehmende Premiumisierung und steigende Produktionskosten infolge von Lieferkettenengpässen und Energiepreisanstiegen.

Die Importe wachsen noch schneller — über 1.700 % Zuwachs

Noch dramatischer verlief die Entwicklung auf der Importseite: Die EU-Einfuhren von PHEV-Fahrzeugen aus Drittländern stiegen von 658 Mio. € (2017) auf 12,3 Mrd. € (2025), was einem Zuwachs von 1.770,7 % entspricht. Mengenmäßig explodierten die Importe von 41.868 auf 769.732 Fahrzeuge (+1.738,5 %). Die Importe überholten die Exporte in puncto Wachstumsrate, was die rasante Integration außereuropäischer Hersteller in den EU-Markt widerspiegelt.

Jahr Importwert (Mrd. €) Importmenge (Stück) Durchschnittspreis (€/Stück)
2017 0,66 41.868 15.710
2018 1,03 67.830 15.161
2019 2,13 139.573 15.232
2020 3,75 251.549 14.893
2021 4,70 321.640 14.621
2022 6,87 426.076 16.121
2023 8,44 451.410 18.706
2024 8,10 423.576 19.117
2025 12,30 769.732 15.986

Quelle: Handelsübersicht

Der Handelsüberschuss schmilzt — die EU wird zunehmend zum Nettokonsumenten

Die EU verzeichnete 2017 einen Handelsbilanzüberschuss von 1,97 Mrd. € im Segment PHEV. Dieser Überschuss blieb bis 2025 positig, schrumpfte jedoch auf 1,85 Mrd. €. Die Netto-Importabhängigkeit — gemessen als Anteil des Handelsbilanzdefizits am gesamten Handelsvolumen — bewegte sich von -45,3 % (2019, starker Nettoexporteur) über +2,3 % (2022, kurzzeitiger Nettokonsument) auf -11,2 % (2025). Die Richtung ist eindeutig: Die EU wird relativ gesehen weniger exportorientiert, da die Binnennachfrage und die Importe überproportional steigen.

Jahr Handelsbilanz (Mrd. €) Netto-Importabhängigkeit (%)
2019 1,36 -45,3
2020 1,62 -11,3
2021 1,94 -4,1
2022 1,23 +2,3
2023 1,67 -3,1
2024 3,87
2025 1,85 -11,2

Quelle: Netto-Importabhängigkeit


II. Geopolitische Neuausrichtung der Handelspartner

China steigt vom Kleinspieler zum wichtigsten Importpartner auf

Die bemerkenswerteste Verschiebung betrifft die Importpartner der EU. China importierte 2017 lediglich PHEV-Fahrzeuge im Wert von 21 Mio. € in die EU — ein verschwindend geringer Anteil. Bis 2025 stieg dieser Wert auf 3,59 Mrd. €, was einem Anstieg von 16.883 % entspricht. China wurde damit zum mit Abstand wichtigsten Importpartner der EU, noch vor Japan (2,19 Mrd. €) und dem Vereinigten Königreich (2,14 Mrd. €).

Partner 2017 (Mio. €) 2021 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Wachstum (%)
China 21 597 3.589 +16.883
Japan 210 911 2.190 +942
Vereinigtes Königreich 1 789 2.137 +215.219
Türkei <1 16 1.126 +360.668
Vereinigte Staaten 202 1.331 980 +384
Mexiko 7 337 593 +8.536
Südkorea 151 696 519 +243

Quelle: Top-Importpartner nach Wert

Die Türkei als neuer Hotspot — ein Faktor mit hoher Volatilität

Besonders auffällig ist der Aufstieg der Türkei: von praktisch null (312.000 € in 2017) auf 1,13 Mrd. € in 2025. Türkische Automobilhersteller — insbesondere TOGG — haben ihre Plug-in-Hybrid-Produktion hochgefahren und die EU als Hauptabsatzmarkt entdeckt. Allerdings zeigt die Volatilitätsanalyse für türkische Importe einen Variationskoeffizienten (CV) von 2,03 — den höchsten aller großen Partner. Dies deutet auf eine noch instabile Handelsbeziehung hin, die starken Schwankungen unterliegt.

Das Vereinigte Königreich: Post-Brexit-Partner mit starker Sogwirkung

Der Handel mit dem Vereinigten Königreich zeigt ein bemerkenswertes Muster. Die britischen Importe in die EU stiegen von unter 1 Mio. € (2017) auf 2,14 Mrd. € (2025). Gleichzeitig blieb das UK der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der EU mit 4,16 Mrd. € (2025). Der bilaterale Handel ist also hochgradig interdependent — die EU exportiert Premium-PHEV ins UK und importiert gleichzeitig Fahrzeuge, die in britischen Werken oder über das UK als Distributionsknotenpunkt in die EU gelangen. Die hohe Schwankung (CV = 0,83 bei Importen) spiegelt die noch junge Handelsbeziehung nach dem Brexit wider.

Die Exportpartner: Konzentration auf wenige Schlüsselmärkte

Auf der Exportseite dominieren drei Märkte: Vereinigtes Königreich (4,16 Mrd. €), Vereinigte Staaten (3,76 Mrd. €) und die Schweiz (1,07 Mrd. €). Bemerkenswert ist der Rückgang der Ausfuhren nach Norwegen — von 609 Mio. € (2017) auf nur noch 85 Mio. € (2025), ein Rückgang um 86 %. Norwegen, einst Vorreiter der Elektromobilität, hat seinen Markt offenbar überwiegend mit batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) besetzt, was die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden verdrängt hat.

Gleichzeitig stiegen die EU-Exporte nach Korea (von 7 Mio. € auf 591 Mio. €) und Japan (von 144 Mio. € auf 625 Mio. €) — ein Hinweis auf die europäische Stärke im Premium-PHEV-Segment, auch in traditionell von asiatischen Herstellern dominierten Märkten.

Importkonzentration sinkt — die Lieferantenbasis wird breiter

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe fiel von 2.600 (2017) auf 1.744 (2025) — ein Rückgang um 32,9 %. Der Wert unter 2.500 markiert den Übergang von einem moderat konzentrierten zu einem diversifizierten Markt. Die EU bezieht Plug-in-Hybridfahrzeuge nunmehr aus einer Vielzahl von Ländern, was die Versorgungssicherheit erhöht. Bei den Exporten blieb die Konzentration mit einem HHI von rund 1.729 stabil.


III. Produktionswettlauf und Preisstrukturen im europäischen Binnenmarkt

Die EU-Produktion von PHEV hat sich exponentiell hochgefahren

Laut Produktionsdaten ist die EU-Produktion von Plug-in-Hybridfahrzeugen von 24.300 Einheiten (2017) auf 600.000 Einheiten (2021 ff.) gestiegen — ein Zuwachs von rund 2.370 %. Der Produktionswert wuchs von 1 Mrd. € auf 30 Mrd. € (+2.900 %). Die rasante Skalierung spiegelt den strategischen Schwenk der europäischen Automobilindustrie wider, der durch die EU-CO₂-Flottengrenzwerte und die Ende 2025 bevorstehende Euro-7-Normierung forciert wurde.

Jahr Produktion (Stück) Produktionswert (Mrd. €) Ø-Preis (€/Stück)
2017 24.300 1,0 41.152
2018 24.300 0,8 33.251
2019 103.033 4,3 41.542
2020 307.552 11,1 36.220
2021 600.000 20,0 33.333
2022 600.000 18,0 30.000
2023 600.000 21,0 35.000
2024 600.000 30,0 50.000

Quelle: Produktionsvolumen — Angaben teilweise gerundet

Ab 2021 scheint die EU-Produktion bei 600.000 Einheiten zu plateauieren. Ob dies ein Kapazitätslimit, eine bewusste Produktionssteuerung oder Datenunvollständigkeit darstellt, lässt sich aus den Zahlen allein nicht abschließend beurteilen. Der sprunghafte Preisanstieg auf 50.000 €/Einheit (2024) deutet auf eine Verschiebung hin zu teureren PHEV-Modellen oder auf steigende Vorproduktionskosten hin.

Spezialisierung innerhalb der EU: Deutschland dominiert, die Slowakei überrascht

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) für 2025 zeigt ein differenziertes Bild innerhalb der EU:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion Anteil am EU-Gesamthandel
Slowakei 0,682 5,28 11,2 % 2,1 %
Schweden 0,554 3,48 8,4 % 2,4 %
Spanien 0,339 2,03 11,7 % 5,8 %
Deutschland 0,289 1,81 38,4 % 21,2 %
Belgien 0,141 1,33 11,2 % 8,5 %

Quelle: Spezialisierungskarte

Deutschland ist mit 38,4 % des EU-Produktionsvolumens der unbestrittene Hauptproduzent, gefolgt von Spanien (11,7 %) und Belgien/Slowakei (je 11,2 %). Die Slowakei hat mit einem RCA von 5,28 die höchste relative Spezialisierung — ein Ergebnis der dort angesiedelten VW- und Kia-Werke, die Plug-in-Hybridmodelle für den Export produzieren. Schweden (Volvo/Polestar) weist ebenfalls eine hohe Spezialisierung auf.

Auf der anderen Seite stehen Länder wie Portugal (RSCA: -0,977), Bulgarien (-0,977) und Griechenland (-0,957), die fast ausschließlich Importeure von PHEV-Fahrzeugen sind und keine nennenswerte inländische Produktion aufweisen.

Preisdifferenziale: Europäische Exporte vs. chinesische Importe

Ein zentrales Ergebnis der Analyse betrifft die Preisunterschiede. Der durchschnittliche EU-Exportpreis lag 2025 bei rund 24.280 € pro Fahrzeug, während der durchschnittliche Importpreis bei 15.986 € lag — ein Preisvorteil der Importe von rund 34 %. Betrachtet man chinesische Importe separat, so sank der durchschnittliche Preis (in Primäreinheiten) von 20.196 € (2017) auf 10.963 € (2025) — was den enormen Kostenvorteil chinesischer Hersteller wie BYD, MG und Lynk & Co illustriert.

Diese Preisdifferenz erklärt den explosiven Anstieg der chinesischen Importe und spiegelt sowohl die Kosteneffizienz der chinesischen Batterie- und Fahrzeugproduktion als auch die aggressiven Preisstrategien wider, mit denen chinesische Hersteller Marktanteile gewinnen.

Die Exportorientierung nimmt relativ ab

Der Exportquotient — gemessen als Exporte relativ zur Produktion — sank von 251 % (2017) auf 39 % (2025). Die überproportional hohen Werte zu Beginn erklären sich dadurch, dass die inländische Produktion noch gering war und ein Großteil der PHEV-Nachfrage über Importe gedeckt wurde, während EU-Hersteller bereits stark exportierten. Mit dem Aufwachsen der eigenen Produktion normalisiert sich dieser Wert. Der Handelsintensitätsindex sank von 191 % (2017) auf 52 % (2025), was die zunehmende Sättigung des Binnenmarktes und die Verschiebung hin zu einer ausgewogeneren Handelsposition widerspiegelt.


Schlussfolgerung

Die Marktentwicklung des CN 870360 zwischen 2017 und 2025 ist durch drei übergeordnete Narrative geprägt:

  1. Wachstum und Skalierung. Der PHEV-Markt hat sich von einem Milliardenmarkt zu einem Markt mit über 26 Mrd. € Jahresvolumen (Summe Exporte und Importe) entwickelt. Die EU-Produktion skalierte auf 600.000 Einheiten, doch die Importe wuchsen noch schneller, sodass die Handelsbilanz unter Druck gerät.

  2. Geopolitische Umorientierung. China ist vom unbedeutenden Lieferanten zum wichtigsten Importpartner aufgestiegen — mit einem Importvolumen von 3,59 Mrd. € in 2025. Gleichzeitig hat sich die Lieferantenbasis insgesamt diversifiziert (HHI-Rückgang um 33 %). Das Vereinigte Königreich spielt als bilateral hochgradig verflochtener Handelspartner eine Schlüsselrolle. Norwegen als einstiger Exportmotor verliert an Bedeutung zugunsten der USA und der Schweiz.

  3. Preiswettbewerb und strategische Herausforderung. Chinesische PHEV-Importe liegen preislich rund 34 % unter dem EU-Exportniveau. Dieser Kostenvorteil, kombiniert mit einer aggressiven Expansionsstrategie, stellt die europäische Automobilindustrie vor die Wahl, entweder im Premiumsegment zu differenzieren oder eigene Kostenvorteile zu schaffen — etwa durch die Lokalisierung der Batterieproduktion oder Skaleneffekte in der heimischen Fertigung.

Die Daten deuten darauf hin, dass sich der PHEV-Markt in einer Übergangsphase befindet: Die Plug-in-Hybridtechnologie wird sowohl als Brückentechnologie zum vollelektrischen Antrieb als auch als eigenständiges Segment wahrgenommen. Die künftige Entwicklung wird maßgeblich von regulatorischen Rahmenbedingungen (CO₂-Flottengrenzwerte, Zulassungsbeschränkungen für PHEV in einzelnen Mitgliedstaaten), der Preisentwicklung bei Batterien und der Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Hersteller abhängen.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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